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8. April 2009

Wer sind eigentlich die US-Abgeordneten, die Fidel und Raúl Castro besuchten? Nebst einigen Informationen über den alltäglichen Rassismus in Cuba

Wahrscheinlich haben Sie die Meldung gelesen: Im Rahmen der Umwertung aller Werte, die gegenwärtig die Regierung Obama außenpolitisch veranstaltet, hat eine Delegation amerikanischer Abgeordneter und Senatoren Cuba besucht; ja einige Mitglieder wurden gar vom Comandante en Jefe Fidel Castro persönlich empfangen. Die FAZ hat das gestern so gemeldet:
Eine Delegation von amerikanischen Parlamentariern ist am Dienstag nach einem Treffen mit Präsident Raúl Castro auch mit Kubas Revolutionsführer Fidel Castro zusammengetroffen. Die amerikanische Delegation unter Leitung der demokratischen Abgeordneten Barbara Lee war für fünf Tage nach Kuba gereist, um einen Dialog in Gang zu bringen und folgten einer Einladung Castros zu einem Gedankenaustausch. Der 82 Jahre alte Fidel Castro habe einen "sehr energiegeladen" Eindruck gemacht, berichtete Lee dem amerikanischen Fernsehsender CNN. Die Zusammenkunft mit Castro sei "bewegend" gewesen.
Wer ist diese Abgeordnete Barabara Lee?

Aus der Wikipedia erfahren wir: Sie begann ihre politische Karriere bei den Black Panthers in Oakland, wo sie 1973 für den Mitbegründer der Black Panthers, Bobby Seale, arbeitete. Seale war ein schwarzer Extremist, einer der Chicago Eight, der durch besondes rüdes Verhalten vor Gericht auffiel und deshalb zu vier Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Ein späterer Prozeß, in dem er der Anstiftung zum Mord an einem abtrünnigen Mitglied beschuldigt wurde, endete ohne Urteilsspruch.

Barbara Lee ist von Beruf Sozialarbeiterin. Politisch hervorgetreten ist sie 2001, als sie als einziges Mitglied des Kongresses gegen das Gesetz stimmte, das militärisches Vorgehen gegen Terroristen autorisierte. Sie war Vorsitzende des Progressive Caucus und ist jetzt Vorsitzende des Black Caucus.

Ein Caucus ist eine Gruppe von Abgeordneten, vergleichbar den "Kreisen", in denen sich bei uns Parlamentarier zusammenfinden; anders als bei uns sind diese Gruppen aber oft parteiübergreifend. Im Progressive Caucus haben sich die Linksaußen des Repräsentantenhauses organisiert. Der Congressional Black Caucus ist eine Vereinigung schwarzer Abgeordneter sowohl des Senats als auch des House of Representatives.



Womit wir bei der Delegation sind, die Cuba bereiste. Es war keineswegs, wie die FAZ unisono mit anderen Medien meldete, einfach "eine Delegation von amerikanischen Parlamentariern". Sondern die Reisenden waren, wie man heute im American Thinker lesen kann, Delegierte dieses Black Caucus.

Von den sechs Mitgliedern der Delegation hat nicht nur Barbara Lee eine linksextreme Vergangenheit. Ein anderes Mitglied der Delegation, Bobby Rush, war einst der Gründer der Black Panthers von Illinois und saß wegen illegalen Waffenbesitzes sechs Monate im Gefängnis.

Kein Wunder also, daß diese Delegierten von der Begegnung mit Fidel Castro hingerissen waren. Im American Thinker zitiert:
"He looked directly into my eyes! ... and then he asked: how can we help President Obama? Fidel Castro really wants President Obama to succeed."

"Er sah mir direkt in die Augen! ... und dann fragte er: Wie können wir Präsident Obama helfen? Fidel wünscht Präsident Obama wirklich Erfolg"

(Delegierte Laura Richardson)

"It was quite a moment to behold! ... Fidel Castro was very engaging and very energetic."

"Es war wirklich ein unvergeßlicher Augenblick ... Fidel Castro war bezaubernd und energiegeladen"

(Leiterin der Delegation Barbara Lee)

"He's one of the most amazing human beings I've ever met!"

"Er ist einer der faszinierendsten Menschen, die ich jemals kennegelernt habe."

(Delegierter Emanuel Cleaver)

"It was almost like visiting an old friend"

"Es war fast wie der Besuch bei einem alten Freund"

(Delegierter Bobby Rush; diesmal über Raúl Castro).
Jener Fidel Castro, der nach Ansicht des Delegierten Cleaver einer der fasziniernden Menschen ist, gehört zu den großen Schlächtern des Zwanzigsten Jahrhunderts. Ein Kriegstreiber, dessen Söldner in Afrika mordeten; der allein in den Wochen nach seiner Machtergreifung Tausende exekutieren ließ.



Ein Bild vom Ausmaß der Brutalität dieses Regimes gibt das Cuba Archive, das akribisch die Morde dokumentiert.

Sieht man sich dazu den Artikel in der Wikipedia über Menschenrechte in Cuba an und insbesondere den Artikel über Rassismus in Cuba, dann wird sichtbar, wie seltsam, ja wie absurd gerade das Lob schwarzer Politiker für das Regime Castros ist.

Kaum ein Land ist immer noch so offen rassistisch wie Cuba. Die Herrschaft der Kommunisten ist zugleich die Herrschaft einer weißen Clique.

Jeder, der sich den cubanischen Propandasender CubaVision ansieht, kann das feststellen: Die Journalisten, die politischen Würdenträger, die Kulturschaffenden, die gezeigt werden, sind fast ausschließlich Weiße. Nur in den Musiksendungen dominieren die Schwarzen; und im Publikum natürlich, das den Reden der weißen Herrenschicht zu lauschen und ihnen zu applaudieren hat.

Laut der Wikipedia kontrollieren die 20 bis 35 Prozent der Weißen in Cuba alle Machtpositionen. Die Schwarzen leiden unter einer noch größeren Armut als die Bevölkerung insgesamt.

Nach einer in der Wikipedia zitierten Untersuchung der EU herrscht in Cuba ein systematischer und durch die Institutionen geförderter Rassismus. Schwarze werden von gutbezahlten Positionen ausgeschlossen. Sie erhalten die schlechtesten Wohnungen, müssen am längsten auf ärztliche Versorgung warten und Leitungsfunktionen werden ihnen verweigert.

Humberto Fontova, der Autor des Artikels im American Thinker und Verfasser mehrer Bücher über Cuba, schreibt dazu, daß nur neun Prozent der Mitglieder der herrschen Kommunistischen Partei Schwarze sind, aber neunzig Prozent der Insassen von Gefängnissen.



Auch viele in Deutschland - wohl vor allem viele Linksliberale -, die das Regime in Cuba als undemokratisch kritisieren, glauben, daß es doch immerhin sozial sei.

Davon kann keine Rede sein. Es ist die Diktatur einer weißen Nomenklatura, die sich auf Kosten der immer mehr verarmenden, überwiegend schwarzen Bevölkerung ein schönes Leben macht. Wie jede Klassenherrschaft kann auch diese nur mit Gewalt aufrechterhalten werden. Cuba, dessen politische Polizei einst vom MfS ausgebildet wurde, ist heute einer der perfektesten Polizeistaaten der Welt. Eine rassistische Klassenherrschaft.

Ja, sehen das denn die schwarzen Abgeordneten nicht, die nach Cuba reisten und von Fidel Castro schwärmen? Nein, sie sehen es vermutlich nicht. So wenig, wie es viele deutsche Linke (und leider auch manche Liberale) sehen, die unfähig oder wohl eher nicht willens sind, die Realität wahrzunehmen.



Für Kommentare bitte hier klicken. Titelvignette: Fidel Castro, aufgenommen 2009. Bildquelle: Presidencia Argentina; Copyright intern registiert als OTRS ticket 2007042610015988. Frei unter Creative Commons Attribution 2.0 License (Ausschnitt, bearbeitet). Der Artikel enthielt ursprünglich ein Zitat von Ernesto Guevara, das ich aber wieder herausgenommen habe, weil sich die Quelle nicht hinreichend verifizieren ließ. Mit Dank an Abraham.

5. April 2009

Marginalie: "Die Vermummten haben uns alles versaut". Meint Giti aus Biberach. Sie ist halt naiv

"'Das finde ich echt das Letzte. Das war keine Demonstration', sagte Giti aus dem oberschwäbischen Biberach. 'Die Vermummten haben uns alles versaut.'" So zitiert "Spiegel- Online" eine friedliche Teilnehmerin der Demonstration gegen den Nato- Gipfel über ihre weniger friedlichen Genossen.

"Die Vermummten"? Gestern sendete die ARD im Rahmen ihrer Berichterstattung über den Gipfel Bilder aus dem Zeltlager, das die Organisatoren der Demonstration in der Nähe von Straßburg auf dem Gelände eines Lehr- Bauernhofs errichtet hatten.

Unter anderem wurde ein Sprecher der Organisatoren interviewt, der durch ein auf seinen Anorak geklebtes Schild "Presse" als deren Pressesprecher zu erkennen war.

Der Mann war vermummt. Natürlich erfuhr man auch nicht seinen Namen.



Es ist eben nicht so, wie die naive Giti aus Biberach es sich wünscht. Würden die Organisatoren einer friedlichen Kundgebung sich wirklich von den Kriminellen distanzieren wollen, dann könnten sie das.

Sie müßten dann erstens selbst offen auftreten - unvermummt und, wenn jemand sich gegenüber den Medien äußert, auch mit Namen.

Zweitens müßten sie jede Kooperation mit "Autonomen" und sonstigen Gruppen strikt ablehnen, die in der Vergangenheit immer wieder kriminelles Verhalten gezeigt haben. Davon kann aber keine Rede sein.

Hier ist die Website des Organisations- Komitees. Unter den Links zu den unterstützenden Organisationen findet man beispielsweise die "Anarchistische Gruppe [:ag] Freiburg" und die "Autonome Antifa Freiburg" Seit' an Seit' mit Organisationen wie "Grüne Alternative Freiburg", dem "Netzwerk Friedenskooperative" und der SDAJ Freiburg.

Und drittens müßten die friedlichen Demonstranten, wenn sie glaubwürdig sein wollten, mit der Polizei bei der Festnahme von Straftätern zusammenarbeiten; sie also zum Beispiel identifizieren, sie festhalten, bis sie von der Polizei übernommen werden können.

Sie lachen, wenn Sie das lesen? Ja, zu Recht. Die Vorstellung, daß die "Friedlichen" ihre Friedlichkeit dadurch unter Beweis stellen, daß sie mithelfen, Straftäter vor Gericht zu bringen, ist schon sehr lustig.



Und Giti aus Biberach ist halt sehr naiv. Viele der jungen, wirklich friedlichen Demonstranten sind es vermutlich. Aber nicht die angeblich friedlichen Organisationen, auf die diese jungen Leute hereinfallen. Jedenfalls deren Mehrheit nicht.



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13. November 2008

Zitat des Tages: Wie man für bessere Bildung wirbt

In den folgenden Minuten wurden der Vorplatz der Universität samt Bäumen sowie der Eingangsbereich massiv durch verteiltes Toilettenpapier, Flyer und Aufkleber beschmutzt. Bücher und auch Möbelstücke flogen aus den Fenstern. Ein Laptop wurde gestohlen. Im ersten Stock rissen die Randalierer neun Feuerlöscher aus den Verankerungen, um den Inhalt in den Gängen zu verteilen. Uni-Mitarbeiter stellten sich schützend vor die Büsten von Geistesgrößen in den Gängen.

Aus dem Bericht der "Berliner Morgenpost" über eine Demonstration in Berlin für "bessere Bildungsbedingungen".

Kommentar: Dieser und die Berichte anderer Medien vermitteln den Eindruck, daß die Demonstranten wohl eher weniger an besserer Bildung interessiert waren.

"Viele Schüler hatten Bierflaschen in der Hand, einige tranken Wodka. Die Demonstration wurde angeführt von vielen Linken, die immer wieder 'Antikapitalista' riefen", berichtet "Spiegel- Online". Und der Berliner "Tagesspiegel" hat Lunte gerochen: "Neben Cannabis- Rauch schwebte immer wieder die gleiche Botschaft über den Köpfen, die Forderung 'Bildung für alle - und zwar umsonst'."

Man hat sich offenbar einen schönen Tag gemacht. Wodka, Cannabis, dazu richtig mal die Sau rauslassen. Dafür nimmt man sogar in Kauf, für so was Abgefahrenes wie Bildung zu demonstrieren. Und allen voran, wie meist, linke Agitatoren.

In der Humboldt-Universität wird im Augenblick die Ausstellung "Verraten und verkauft" gezeigt, die über die "Arisierung" von Berliner Betrieben unter der Herrschaft der Nazis informiert. Die Plakate dieser Ausstellung wurden beschädigt, einige heruntergerissen. Inzwischen sind sie zum Teil notdürftig repariert, ein Teil der Aussstellung ist vorerst abgesperrt.



Hätten Neonazis das gemacht, dann würde der Staatsschutz ermitteln, und es ginge eine Welle der Empörung durchs Land. Die Schuldigen würde, sehr zu Recht, die ganze Härte des Gesetzes treffen.

Warum eigentlich bringt unser Staat, bringt unsere Gesellschaft es bisher nicht fertig, die Linksextremisten mit derselben Härte zu verfolgen, sie ebenso auszugrenzen wie ihre Zwillinge auf der Rechten?



Aber die friedlichen Demonstranten können doch nichts dafür, wenn Gewaltbereite Gewalt anwenden?

Zu den UnterstützerInnen des Aufrufs zu der gestrigen Demonstration gehören u.a.:
Alexander Steltenkamp, Oldenburg, Die LINKE / linksjugend

Andreas Bernig, Kloster Lehnin, MdL LT Brandenbburg DIE LINKE

Andreas Rose, Ulm/Alb-Donau, Landessprecher Linksjugend

Antje Rosebrock, Verden, Landessprecherin linksjugend Niedersachsen

ARGS Berlin, Berlin, Autonome revolutionäre Gruppe Spandau

AStA TU Berlin Hochschulpolitisches Refrat , Berlin

Bündnis 90/DIE GRÜNEN KV Ammerland, Westerstede

DGB-Jugend Berlin-Brandenburg, Berlin

Erik Richter, Dresden, Bundesvorstand DIE LINKE.SDS

Esther Abel, Giessen, DIE LINKE. Hessen, Landesvorstand

Felix Kunze, Berlin, Autonome revolutionäre Gruppe Spandau

Karin Binder, Karlsruhe, Bundestagsabgeordnete DIE LINKE

LandesASten-Konferenz Hessen, Frankfurt

Landesausschuss der Studentinnen und Studenten GEW Niedersachsen, Niedersachsen

Michael Henk, Bremen, DKP Bremen

Ozan Kubat (SPD Vorstandsmitglied), Ahaus, 48683, Vorstandsmitglieder der SPD

REVOLUTION - unabhängige Jugendorganisation, Berlin / Dresden / Rostock / Kiel

Ringo Bischoff - ver.di Jugend, Berlin

SAV Sozialistische Alternative, Berlin

Vincent Müller, Mitglied im Landesvorstand der Grünen Jugend Thüringen
Da haben wir sie wieder einmal, die Volksfront. Von Mitgliedern der SPD und Gliederungen der GEW über Mitglieder der "Grünen" und Kommunisten aller Couleur bis hin zu Gruppen, die sich "REVOLUTION" und "Autonome revolutionäre Gruppe" nennen.

Abgrenzung gegen Extremisten? Keine Spur.



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4. Juni 2008

Marginalie: Wie man das Ansehen der Universität Potsdam beschädigt

Ein "Eklat" ist ein gesellschaftliches Vorkommnis. Jemand empört sich beispielsweise über jemanden anderen und brüllt ihn an. Zu feudalen Zeiten führte ein Eklat vielleicht zu einer Forderung auf Degen oder Pistolen. Wenn es im Bundestag zu einem Eklat kommt, dann verläßt typischerweise eine Fraktion den Raum, unter angemessenem Protest.

In der "Welt" stand gestern, an der Universität Potsdam sei es anläßlich eines Vortrags von Erika Steinbach in der vergangenen Woche zu einem Eklat gekommen.

Standen also Zuhörer, die mit Steinbachs Ausführungen nicht einverstanden waren, auf und verließen unter Protest den Saal? Nein. Was die "Welt" als einen "Eklat" verharmlost, das waren - so geht es aus ihrem eigenen Bericht hervor - SA-Methoden:
Wüste Szenen hatten sich beim ersten von insgesamt vier geplanten Vorträgen abgespielt. Rund hundert Studenten hatten das Auditorium maximum blockiert, Zuhörer wurden mit wassergefüllten Luftballons beworfen, ein Teilnehmer der Veranstaltung wurde durch die Splitter einer Glasflasche im Gesicht verletzt. Die Polizei musste die versperrten Zugänge räumen und die ineinander gehakten Demonstranten wegtragen. Gegen 26 Studenten wird nun wegen Nötigung ermittelt, drei wurden wegen schwerer Körperverletzung und Nötigung angezeigt.
Nun gut, daß es auch an Universitäten Extremisten gibt, die ihre Ziele mit SA-Methoden verfolgen, ist nichts Neues. Das allein wäre keine Marginalie wert. Aber leider ist das nicht die ganze Geschichte.

Die ganze Geschichte beinhaltet die Reaktionen des AStA und der Universitätsleitung der Universität Potsdam.



Wenn so etwas an einer Universität eines normalen demokratischen Landes passiert wäre, dann hätten sich die Studentenvertretung selbstverständlich aufs Schärfste distanziert. Was aber sagte der Öffentlichkeitsreferent des Potsdamer AStA, Tamás Blénessy, gegenüber "Welt Online"? In dem Bericht heißt es:
Der Protest der Studenten richtete sich gegen die "politischen Positionen von Frau Steinbach, die sie in Abstimmungen im Bundestag und in ihren Reden als Präsidentin des BdV unter Beweis gestellt hat, indem sie etwa gegen die Anerkennung der deutschen Ostgrenze stimmte", findet der Allgemeinen Studierenden-Ausschuss (AStA). (...) Indem die Studenten die Absage erreicht hätten, hätten sie dafür gesorgt, dass das Ansehen der Universität im Ausland nicht beschädigt werde, sagte Blénessy.
Mit "Absage" meint Blénessy, daß Frau Steinbach inzwischen erklärt hat, sie werde die Vortragsreihe abbrechen.

Jemand wurde mit Gewalt daran gehindert, Vorträge zu halten. Und dieses faschistische Verhalten ist nach der nachgerade perversen Logik dieses Öffentlichkeitsreferenten geeignet, dem Ansehen seiner Universität zu dienen.

Hat aber wenigstens die Hochschulleitung ein deutliches Wort gesprochen, hat wenigstens sie demokratisches Verhalten gezeigt? Hat sie diese Methoden verurteilt, hat sie Disziplinarmaßnahmen gegen die Randalierer eingeleitet, sich bei Frau Steinbach entschuldigt und ihr zugesagt, daß so etwas sich in der Universität Potsdam nicht wiederholen wird? Dazu schreibt "Welt Online":
Auch die Universität appelliert jedoch an die Organisatoren, "nach geeigneteren Veranstaltungs- Formaten zu suchen". "Es muss deutlicher werden, dass es sich um eine kontroverse Veranstaltung handelt und dass nicht nur Frau Steinbach ein Podium geboten werden soll", sagte Sprecherin Bettina Micka. Die Universität setzte nach dem Polizeieinsatz im Audimax die Veranstaltungsreihe zunächst "vorläufig aus".
Hier nun haben wir zwar nicht einen Eklat, aber einen Skandal. Statt das Recht auf freie Meinungsäußerung gegen die faschistischen Methoden von Randalierern zu schützen, reagiert die Hochschulleitung mit der vorläufigen Absetzung der Veranstaltungsreihe. Von einer Entschuldigung gegenüber Frau Steinbach, von der Zusage, eine Wiederholung zu unterbinden, von disziplinarischen Maßnahmen gegen die Täter ist jedenfalls in der Meldung von "Welt Online" nicht die Rede.



Ist es Zufall, daß es sich um eine Universität in der ehemaligen DDR handelt? Ist man dort immer noch nicht so "in der Demokratie angekommen", wie es fast zwanzig Jahre nach der Revolution gegen den Kommunismus zu erwarten wäre?

Ich weiß das nicht; dergleichen kann vermutlich auch an einer westdeutschen Universität geschehen. Die Erwartung jedenfalls, daß dort, wo vierzig Jahre lang die Meinungsfreiheit unterdrückt wurde, eine besondere Sensibilität gegenüber Bedrohungen des Rechts auf freie Meinungsäußerung besteht, wird durch Meldungen wie diese nicht eben gestützt.



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15. Mai 2008

Kurioses, kurz kommentiert: "... von militanten Linksradikalen kaum zu unterscheiden"

Sie sind von militanten Linksradikalen kaum zu unterscheiden: Rechtsextreme Autonome verzeichnen regen Zulauf, auf Neonazi-Demos kommt es plötzlich zu Gewaltexzessen neuer Qualität. Den Hooligans ist die NPD zu bieder, sie suchen spontane Brutalität - die Sicherheitsbehörden sind alarmiert.

Vorspann zu einem Artikel von Philipp Wittrock in "Spiegel Online" über Neonazis. Erster Satz des Artikels: "Auf dem Transparent steht 'Kapitalismus bekämpfen'."

Kommentar: Alarmiert sind die Behörden, weil Teile der Rechtsextremen sich jetzt benehmen wie bisher nur Linksextreme. Auch die Parole "Kapitalismus bekämpfen" klingt ja nicht unbedingt, als hätten die Rechtsextremen sie erfunden.

Ob solche Parolen, ob solche kriminellen Methoden vielleicht erst von den Rechtsextremen übernommen werden müssen, damit endlich erkannt wird, wie inakzeptabel sie in einem demokratischen Rechtsstaat sind?



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2. Mai 2008

Marginalie: "Gegen Rechts"?

In Hamburg haben NPD-Anhänger zum 1. Mai das veranstaltet, was die Medien einen "Aufmarsch" nennen. Vielleicht die NPD auch; ich weiß das nicht. Jedenfalls bestehen diese Veranstaltungen darin, daß die Betreffenden durch die Straßen ziehen, ihre Fahnen schwenken, ihre Parolen skandieren. In der Regel halten sie sich peinlich genau an die Auflagen der Polizei, weil sie wissen, daß sonst ihre Veranstaltung sofort aufgelöst würde.

Unangenehme Typen sieht man da, man hört blödsinnige Parolen. Und wendet sich vernünftigerweise ab und läßt sie halt "marschieren". Sie haben das Recht dazu, wie viele Spinner. Die Wirkung solcher "Aufmärsche" ist gleich null.



Oder vielmehr: Sie müßte es eigentlich sein. Aber nun gibt es andere Spinner, linksextreme Spinner, die die rechtsextremen Spinner nicht marschieren lassen wollen. "Antifas", "Autonome", von denen man den Eindruck hat, daß sie auf solche "Aufmärsche" nur warten, um Randale zu machen.

So am gestrigen 1. Mai wieder einmal in Hamburg. Das liest sich z.B. in der Berichterstattung des "Hamburger Abendblatts" so:
Wenige Minuten nach zwölf Uhr - die Rechten hatten zu dieser Zeit gerade mal 15 Aktivisten am S-Bahnhof Alte Wöhr aufzubieten, begannen die Scharmützel. Am Rande der Gegenkundgebungen warfen Maskierte Böller und Steine. Bis nach 18 Uhr setzte sich der Reigen der Taten fast im Minutentakt fort. Die heftigsten Zwischenfälle: Um 13.23 Uhr werden an der Lauensteinstraße Beamte mit Steinen beworfen und bedrängt. Um 13.37 Uhr sammeln sich rund 1000 Autonome an der Tischbeinstraße. Molotowcocktails und Pfefferspray werden sichergestellt. Um 14.15 Uhr werfen Gegendemonstranten an der Saarlandstraße die Scheiben der Busse ein, mit denen die Rechtsradikalen angereist waren. Wenig später brennen sieben Autos. Rechtsradikale verprügeln ein Kamerateam.
Ohne solche sogenannten "Gegendemonstrationen" blieben die "Aufmärsche" der Neonazis so wirkungslos, wie sie es verdienen. Erst diese angeblichen "Antifaschisten" verschaffen ihnen mit ihren Krawallen Aufmerksamkeit, bringen sie in die Medien.

Daß dies den Neonazis nicht schadet, sondern im Gegenteil hilft, liegt auf der Hand. Es hilft ihnen nicht nur dadurch, daß sie eine Publicity bekommen, die ein paar durch Barmbek ziehende Figuren allein niemals erreichen könnten. Sondern es ist zweitens ja unübersehbar, daß sich diese Neonazis im Vergleich mit ihren Gegenstücken auf der anderen Seite als friedliche, gesetzestreue Leute darstellen.

Warum also machen diese "Antifas" das? Warum verschaffen sie den Neonazis Publicity und Sympathien? Ich glaube immer mehr, weil sie sie brauchen.

Ohne Faschisten keine Antifaschisten. Was die extreme Linke mobilisiert, was sie zusammenhält, was ihr neue Anhänger zuführt, ist wesentlich die Existenz der Neonazis.

Vorgeblich veranstalten diese "Antifaschisten" einen "Kampf gegen Rechts". Faktisch sind sie die besten Helfer der Neonazis.



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29. Februar 2008

Terroristen, American Style, und was aus einem von ihnen wurde. Nebst einem Blick auf Deutschland

Einer meiner beiden amerikanischen Lieblings- Kolumnisten, Jonah Goldberg (der andere ist Charles Krauthammer), hatte am Dienstag in der Los Angeles Times einen Artikel, dessen Tenor uns in Deutschland bekannt - um nicht zu sagen: beklemmend bekannt - vorkommen dürfte: An amerikanischen Universitäten geht es Linksextremen ungleich besser als Rechtsextremen; in den meisten der führenden Medien werden sie ungleich besser behandelt.

Der Anlaß für Goldbergs Kommentar ist ein gewisser William Ayers, mit dem früher einmal Kontakt gehabt zu haben jetzt dem Kandidaten Barack Obama vorgeworfen wurde. Aber nicht dieser - ziemlich lachhafte - Vorwurf interessiert Goldberg, sondern die Lebensgeschichte dieses William Ayers; eines der bekanntesten amerikanischen Terroristen in der ersten Hälfte der siebziger Jahre.

Er ging 1970 in den Untergrund, nachdem beim Bombenbasteln mehrere seiner Genossen, darunter seine Freundin, ums Leben gekommen waren. Seine Organisation - die Weathermen, zu deren Gründungsmitgliedern er gehörte - legte in der Folgezeit zahlreiche Bomben. Ziele waren unter anderem das Kapitol in Washington, das Pentagon und das Gebäude des amerikanischen Außenministeriums, viele öffentliche Gebäude und Geschäftshäuser.

Zugutehalten muß man den Weathermen, daß sie im Unterschied zu ihren deutschen Gesinnungs- Genossen in der RAF keine Massenmörder waren. Sie richteten ihre Anschläge gegen Objekte und warnten sogar in der Regel in Telefon- Anrufen vor der bevorstehenden Explosion, um zu vermeiden, daß Menschen zu Schaden kommen würden.

Sie waren, ohne zu Mördern zu werden, das, was man in Amerikanischen radicals nennt: Extremisten. Und zwar solche, die zur Durchsetzung ihres politischen Ziels - der Einführung des Sozialismus, darin unterschieden sie sich nicht von der RAF - auf das Verbrechen setzten.

Ein weiterer Unterschied zur RAF war, daß der Spuk binnen weniger Jahre vorbei war. Bis Mitte der siebziger Jahre waren die meisten der Weathermen gefaßt oder hatten sich freiwillig gestellt, darunter William Ayers. Wegen Formfehlern kam es nicht zu einem Gerichtsverfahren gegen ihn. Er hat aber aus seiner Beteiligung an den Bombenanschlägen der Weathermen nie einen Hehl gemacht.

"Everything was absolutely ideal on the day I bombed the Pentagon", alles sei absolut ideal gewesen an dem Tag, als er einen Bombenanschlag auf das Pentagon verübte, so zitiert Goldberg aus Ayers' Memoiren. Und am 11. September 2001, wenige Stunden vor dem Anschlag auf das World Trade Center, erschien die New York Times mit einem Ayers- Interview, in dem er sagte "I don't regret setting bombs" und "I feel we didn't do enough" - er bedauere seine Anschläge nicht, und seiner Ansicht nach hätte man nicht genug gemacht.

Was macht so jemand heute? Nun, er ist Professor an einer amerikanischen Universität. Genauer: Er ist Distinguished Professor of Education. Professor der Pädagogik mit dem Sondertitel "Distinguished", für den es an deutschen Universitäten kein Äquivalent gibt. Einige US-Universitäten zeichnen damit Professoren aus, die einen herausragenden wissenschaftlichen Rang haben.

Ob Ayers diesen wissenschaftlichen Rang hat, kann ich nicht beurteilen. Aber jeder kann sich seinen Blog ansehen und das Symbol links neben dem Namen von Ayers.

Sein offenbar weiter bestehendes Bekenntnis zum Extremismus hat einer steilen akademischen Karriere keinen Abbruch getan.



"How is it that they get prestigious university jobs when even the whisper of neocon tendencies is toxic in academia?", fragt Goldberg. Wie es komme, daß solche Leute angesehene Positionen an Universitäten erhalten, während es in akademischen Kreisen tödlich ist, neokonservativer Tendenzen auch nur verdächtigt zu werden.

Goldberg zählt weitere Beispiele von einstigen amerikanischen Extremisten auf, die es inzwischen zu Ansehen und Einfluß gebracht haben. Er weist darauf hin, daß es auf der amerikanischen Linken schick ist, sich zu Che Guevara zu bekennen - in einem von Obamas Wahlkampf- Büros hatte man sogar ein Porträt von ihm aufgehängt.

Und er stellt eine Frage, die wir unverändert auch in Deutschland stellen können: "Why are Fidel Castro's apologists progressive and enlightened but apologists for Augusto Pinochet frightening and authoritarian?" Warum es als fortschrittlich und aufgeklärt gelte, Fidel Castro zu verteidigen, während die Verteidiger von Augusto Pinochet als abschreckend und autoritär eingestuft würden.

Gute Fragen. Jonah Goldberg versucht keine Antwort. Er empfiehlt nur den Moderatoren von Diskussionen zwischen Obama und Clinton, statt zum xten Mal dieselben Fragen zu stellen, doch einmal zu fragen, "why being a radical means never having to say you're sorry", warum man von Linksextremen niemals verlangt, etwas zu bereuen.



Dazu ist mir eingefallen, wie der Bundes- Geschäftsführer von "Die Linke", Dietmar Bartsch, gestern im Sender "Phoenix" entrüstet reagiert hat, als man ihn an die Tätigkeit seiner Partei in der DDR erinnerte. Das hätte man doch alles aufgearbeitet.

Können Sie sich erinnern, daß Bartsch, daß Bisky oder Gysi, daß Frau Pau jemals gesagt haben, sie bereuten, was sie mit ihrer Arbeit für das SED-Regime den Menschen in der DDR antaten?

Oder jene Dagmar Enkelmann, die am Mittwoch Abend so nett in Frank Plasbergs "Hart, aber fair" lächelte und die in einem früheren Leben Aspirantin an der Akademie für Gesellschaftswissenschaften beim ZK der SED war?

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10. Juni 2007

Zettels Meckerecke: Droht einer Lehrerin Berufsverbot?

In "Spiegel-Online" wird vom Fall einer Hamburger Lehrerin berichtet, die NPD-Mitglied sei und der unter anderem angelastet werde, die Neuen Länder als "Mitteldeutschland" bezeichnet zu haben.

Nun geht es offenbar darum, ob sie im Schuldienst verbleiben kann.

Bei mir weckt das Erinnerungen an die siebziger und achtziger Jahre. Damals gab es eine massive Bewegung dagegen, Lehrer wegen ihrer politischen Gesinnung, auch wenn sie extremistisch war, aus dem Schuldienst zu entfernen. "Berufsverbote" nannte man das.

Die Rechtsprechung legte dann fest, daß es eine "Einzelfallprüfung" geben müsse, daß also in jedem Fall dem Betreffenden nachgewiesen werden müsse, daß er persönlich nicht auf dem Boden der freiheitlich- demokratischen Grundordnung steht. Die Zugehörigkeit zu einer Partei oder Organisation reiche für sich nicht aus.



Ich bin nun gespannt, ob diejenigen, die damals gegen diese "Berufsverbote" eintraten - allen vorweg die Kommunisten, aber auch viele Sozialdemokraten, viele Liberale - , sich jetzt auf die Seite der von einem "Berufsverbot" bedrohten Lehrerin stellen werden.

Naja, das war jetzt rhetorisch. Natürlich bin ich nicht gespannt, sondern ich kann mir denken, daß just diejenigen, die gegen "Berufsverbot" sind, wenn es linke Feinde der Demokratie betrifft, sehr dafür sind, wenn es rechte trifft.

Übrigens wäre es interessant, anläßlich dieses Falls zu erfahren, wieviele Mitglieder der PDS im Staatsdienst sind.



Um nicht mißverstanden werden:

Ich habe für Rechtsextreme exakt so wenig Sympathie wie für Linksextreme und für Islamisten. Das sind Spielarten des Totalitarismus.

Ich bin zweitens der Auffassung, daß jeder seine Meinung frei äußern darf, daß aber der Staat als Arbeitgeber auch frei darin ist, zu entscheiden, wen er einstellt.

Er ist nicht verpflichtet, Menschen zu beschäftigen, die gegen diesen freiheitlichen Rechtsstaat arbeiten oder die das aufgrund ihrer Äußerungen befürchten lassen. So wenig, wie ein Unternehmen verpflichtet ist, Mitarbeiter einzustellen oder zu halten, die gegen die Interessen des Unternehmes arbeiten, oder die das befürchten lassen.

Ob der Extremismus sich nun aber islamistisch oder als links oder als rechts darstellt (oft genug macht das ja auch inhaltlich keinen Unterschied) - das muß bei dieser Entscheidung außer Betracht bleiben.

28. Mai 2007

Zettels Meckerecke: Die Komplicen der Politkriminellen

Eigentlich interessiert mich an den bevorstehenden sogenannten Aktionen zum G-8-Gipfel nur eines: Werden deren Organisatoren die Kriminellen dulden, vielleicht sogar unterstützen, die anläßlich dieser Aktionen Verbrechen planen?

Oder werden sie - als die gesetzestreuen Bürger, die zu sein sie ja beanspruchen - kriminelle Handlungen zu verhindern suchen; vielleicht auch, was ja eigentlich bei gesetzestreuen Bürgern selbstverständlich ist, mit der Polizei zusammenarbeiten, um Schläger, Steinewerfer, sonstige Kriminelle dingfest zu machen?



Ich habe da so meine Vermutungen. Aber jeder hat das Recht auf the benefit of the doubt. Vielleicht erweisen sich ja die Organisationen, die für friedlichen Protest eintreten, als rechtsstaatlicher denkend, als ich es ihnen zutraue.

Immerhin wird beispielsweise die Organisation Block-8 von zahlreichen Hochschullehrern unterstützt. Hochschullehrer kooperieren normalerweise nicht mit Verbrechern.



Was sich gestern in Hamburg abgespielt hat, gibt nun allerdings Anlaß zum Pessimismus. Es ist im Grunde unglaublich.

Die "Welt" meldet:
Am Nachmittag hatten die Demonstranten mit Sprechchören und Transparenten gegen das Außenministertreffen protestiert. Angeführt wurde der Zug von über 1000 Autonomen, die Sonnenbrillen und schwarze Kapuzen trugen. Die Polizei konzentrierte ihre Kräfte auf diesen Block. Immer wieder stockte der Zug, es kam zu Rangeleien. An der Hafenstraße wurden aus dem Kreis der Autonomen Rauchbomben geworfen und Leuchtraketen abgefeuert.
Wie allgemein bekannt ist, sind die Anmelder einer Demonstration für deren Organisation verantwortlich, also zB auch dafür, wer in den vorderen Reihen diese Demonstration anführt.

Wenn mehr als 1000 sogenannte Autonome diese Demonstration anführen konnten, dann kann das nach menschlichem Ermessen nicht gegen den Willen der Veranstalter geschehen sein. Hätten die Kriminellen versucht, sich gegen den Willen der Veranstalter an die Spitze der Demonstration zu drängen, dann hätte man dagegen vorgehen können, notfalls in Zusammenarbeit mit der Polizei. Oder eben die Demonstration absagen, wenn sie den Veranstaltern entglitten war, bevor sie überhaupt begonnen hatte.

Sodann heißt es in der "Welt":
Weiter hinten wurde der Demonstrationszug aber bunt gemischt. Eine achtköpfige Band begleitete die Protestierenden, die Spruchbänder mit Parolen wie "Kapitalismus abschaffen" oder "Sozialabbau und Krieg sind der Terror der Reichen" trugen. Hier marschierten auch Familien mit Kindern mit.
Im Schutz der Autonomen, so ist man versucht zu vermuten. Vorneweg die "Militanten", und dahinter der Troß.

Daß diese "Autonomen" Kriminelle sind, haben sie auch heute wieder unter Beweis gestellt. Aus dem Bericht der "Welt":
Nach einer überwiegend friedlichen Demonstration der Globalisierungskritiker kam es zu teilweise schweren Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Autonomen. (...) Immer wieder hätten dabei Autonome Polizisten mit Reizgas, Steinen und Farbbeuteln angegriffen und wiederholt Müllcontainer angezündet, berichtete die Polizei. (...) Beim Auseinandergehen der Demonstranten sei es zu einer ernsten Situation gekommen, als ein Beamter seine Dienstwaffe gezogen habe, berichtete die Polizei weiter. Der Beamte sei massiv von einer Gruppe Demonstranten bedroht und mit Steinen sowie Farbbeuteln attackiert worden.


Warum haben sie das gemacht? Jeder weiß es: Weil sie Gewalt als Mittel der Politik einsetzen. Weil sie von vornherein zur Gewalt entschlossen waren und deshalb die dafür erforderlichen Mittel mitgebracht und sich vermummt hatten,

Aber die Veranstalter - Komplicen dieser Verbrecher - wollen uns für dumm verkaufen. Sie vertrauen offenbar darauf, mit jeder Lüge durchzukommen. Aus einer dpa-Meldung von gestern Abend:
Die Veranstalter der Demonstration gegen den ASEM- Gipfel in Hamburg haben das Vorgehen der Polizei scharf kritisiert. Sie warfen den Beamten vor, diese hätten die Demonstranten nicht friedlich abziehen lassen. Dadurch sei die Stimmung unnötig aufgeheizt worden.
So aufgeheizt war sie offenbar, die Stimmung bei den Politkriminellen, daß sie vor lauter Zorn in ihren Taschen Reizgas und Farbbeutel fanden.

12. Mai 2007

Renegaten, Bekehrte, Einsichtige: Überlegungen anhand der Affäre Posener-Diekmann

Apocalypso, also Alan Posener, steht in der Blogroll von "Zettels Raum". Nicht, weil ich immer oder auch nur meistens mit dem übereinstimmen würde, was Alan Posener schreibt. Sondern weil ich - was für alle hier verlinkte Blogs gilt - die liberale Grundhaltung mit ihm teile, weil er intelligent schreibt und weil ich glaube, daß er meint, was er sagt.

Nun hat er vor etlichen Tagen etwas geschrieben, was im Haus Springer Stirnrunzeln ausgelöst hat; naja, ein sozusagen lautes Stirnrunzeln.

Und so frei ist man im Haus Springer nun auch wieder nicht, daß man einen schreiben läßt, was er schreiben mag, auch wenn es gegen einen Kollegen aus dem Haus Springer geht. Das entspricht nicht, wie es hieß, der "Unternehmenskultur".

Der Unternehmenskultur entsprach es nach dem Selbstverständnis des Hauses Springer, daß man den betreffenden Kommentar aus dem Netz nahm.



Es ist ja ein gängiger Konflikt: Loyalität, Kollegialität in sozusagen Idealkonkurrenz zu dem Bedürfnis, seine Meinung öffentlich zu machen.

Ich kenne das vom Wissenschaftsbetrieb. Muß der Kollege X unbedingt sagen, daß er mit dem Kollegen Y in einer bestimmten Frage überhaupt nicht übereinstimmt, obwohl jeder weiß, daß beide sich um den Lehrstuhl A bewerben?

Was bedeutet es, wenn jemand, der jahrelang Assistent von K gewesen ist, jetzt auf einmal die wissenschaftlichen Ansichten von I vertritt, der schon immer ein erbitterter Gegner von K gewesen ist?



Nur kann man ja auch diese ganze Menschelei beiseitelassen und einfach fragen, ob denn das stimmt, was einer schreibt. Also seine Aufmerksamkeit, linguistisch formuliert, nicht auf den pragmatischen, sondern auf den denotativen Aspekt seiner Äußerung richten.

Das ist die Haltung, zu der ich bei Dergleichen grundsätzlich neige.

Natürlich laufen da die üblichen Intrigen und Machtkämpfe.

Aber zugleich geht es ja um Meinungen, um Sachverhalte. Die interessieren mich viel mehr. Sie gucken sozusagen durch alle diese sozialen Klimmzüge hindurch; so, wie aus allen Animositäten und Intrigen von Wissenschaftlern am Ende doch ein Fortschritt der Erkenntnis herauskommt.




Zweitens interessiert mich an dieser Affäre ein anderer, aber damit eng zusammenhängender Aspekt: Der Wechsel politischer Fronten. In einem interessanten, auch sehr schön geschriebenen Beitrag von Karsten in B.L.O.G. habe ich den Hinweis auf einen Hintergrund- Artikel von André F. Lichtschlag gelesen.

Dort schreibt André F. Lichtschlag Lesenswertes über die, sagen wir, politischen Biographien nicht nur der jetzigen Kontrahenten, sondern überhaupt der Journalisten des Hauses Springer.

Daß Alan Posener Maoist gewesen war, bevor er eine vernünftige politische Haltung einnahm, das hatte ich gewußt. Aber daß auch etliche andere Redakteure der "Welt" ein solches Saulus- Paulus- Erlebnis hinter sich haben, das war mir neu gewesen.

Lichtschlag schreibt (und ich zitiere das jetzt, ohne es nachgeprüft zu haben):
Bei "Welt" und "Welt am Sonntag" haben nämlich in den letzten Jahren einige Altachtundsechziger die redaktionelle Macht übernommen. (...) Jene, um die es hier geht, wurden vom Springer-Verlagschef Mathias Döpfner ins Haus geholt. Etwa Chefredakteur Thomas Schmid (ehemals linker "Sponti" und Lektor im Klaus-Wagenbach-Verlag), seine Stellvertreterin Andrea Seibel, Chefreporterin Mariam Lau (beide ehemals "taz"), auffällig viele Gastkommentatoren aus der alten Frankfurter "Sponti-Szene" oder eben jener Kommentarchef Alan Posener, der einst als Kader des Kommunistischen Studentenverbands auch in der maoistischen KPD aktiv war.
Ich setze also jetzt einmal voraus, daß diese Informationen zutreffen. Dann sind sie ein wenig Nachdenken wert.



Seine politische Meinung zu ändern ist nicht nur keine Schande, sondern es ist oft eher zu bewundern. Wer zum Beispiel als "Renegat" die kommunistische Bewegung verlassen hat, der hatte oft eine lange Zeit inneren Konflikts hinter sich; er hatte ja die Entscheidung getroffen, nicht nur seine Ideologie aufzugeben, sondern auch sein soziales Umfeld zu opfern, der Gegner seiner besten Freunde zu werden. Zum Feind überzulaufen, so wurde das ja oft gesehen.

Die das dennoch getan haben, die großen Renegaten - Arthur Koestler, Wolfgang Leonhard, Ernst Reuter, Fritz Schenk, André Malraux; später dann Alain Finkielkraut und André Glucksman, um nur einige zu nennen - verdienen dafür Bewunderung.

Die Älteren mehr als die Jüngeren, weil für sie ungleich mehr auf dem Spiel stand.



Nur, dies gesagt: Wie kommt es, daß Menschen ihre politische Meinung, ihre politische Loyalität so radikal ändern? In welcher Hinsicht tun sie das eigentlich?

Mir scheint, sie tun das in sehr unterschiedlicher Weise. Ich versuche jetzt eine kleine Systematik; die natürlich nicht mehr will und kann als jede Systematik: Ein wenig Ordnung schaffen.
  • Erstens: Der Wechsel besteht darin, daß dieselbe Grundhaltung ein anderes Etikett bekommt. So war es bei vielen Nazis, die in der SBZ, dann der DDR, Kommunisten wurden. Sie brauchten im Grunde nichts Substantielles an ihrer Weltanschauung zu ändern: Sie waren weiter gegen den Kapitalismus, gegen die Demokratie, für das Führerprinzip. Statt gegen "die Juden" waren sie jetzt halt gegen die "Ostküste"; der Kapitalismus war für sie nun weniger eng mit dem Judentum verbunden.

    Statt Hitler- Jugend hieß es jetzt Junge Pioniere und FDJ, statt der Gestapo arbeitete man jetzt dem MfS zu. Statt der KdF war es der FDGB, der die Untertanen in den Urlaub verfrachtete. Man brauchte nicht umzudenken, nur mußte man seine Terminologie anpassen.

  • Zweitens gibt es, sagen wir, die Reifung. "Wer in seiner Jugend kein Kommunist war, der wird nie ein guter Sozialdemokrat". So war das bei Willy Brandt, bei Ernst Reuter, bei Axel Eggebrecht, um auch einen Intellektuellen zu nennen. (So war es nicht bei Herbert Wehner, der sein Leben lang ein Kommunist geblieben ist, ein leninistischer Intrigant unangenehmster Art.)

    Vielleicht kann man einige der heutigen (oder gestrigen) Protagonisten der Linken dieser Kategorie zuordnen - Joschka Fischer, Jürgen Trittin, Ulla Schmidt, Reinhard Bütikofer, Antje Vollmer, Daniel Cohn-Bendit; alle Altkommunisten, alle - für mich überzeugend - heute keine Kommunisten mehr.

    Aber anders als Ernst Reuter, als Willy Brandt sind diese Gereiften immer noch mehr oder weniger links oder linksextrem. Voll Verständnis nach wie vor für die Kommunisten; ohne einen wirklichen Bruch mit ihrer Vergangenheit. Manche sind nicht wirklich erwachsen geworden, sondern es sind Menschen, die in ihrer Jugend steckengeblieben sind und sie nun verklären, freilich aus der Sicht eines ironisch, oft auch zynisch, gewordenen Alters. Von keinem der Genannten wüßte ich jedenfalls, daß er oder sie sich am Kampf gegen den Kommunismus beteiligen würde.

  • Dritte Kategorie: Die, sagen wir, radikal Bekehrten. Das sind die, die ich wirklich bewundere. Allen voran Arthur Koestler, einer der intelligentesten Journalisten des Zwanzigsten Jahrhunderts. Wolfgang Leonhard hat genauso radikal den Marxismus als eine Dummheit und eine Inhumanität erkannt, aber ihm fehlt die intellektuelle Brillanz Koestlers.

  • Und nun gibt es, denke ich, noch eine vierte Kategorie. Die für mich problematischste. Das sind Diejenigen, die gewissermaßen die Inhalte ihrer linksextremen Periode aufgegeben haben, die sich aber nicht wirklich von den Charakteristiken linken Denkens gelöst haben.

    Sie haben sich inhaltlich radikal gewandelt. Aber ich bin nicht sicher, daß sie sich in den Strukturen ihres Denkens ebenso radikal gewandelt haben. Manchmal kommt es mir so vor, daß sie gewissermaßen dieselben Formeln verwenden, nur das Plus durch ein Minus und das Minus durch ein Plus ersetzt haben.


  • Ich habe, anders gesagt (manchmal, wenn auch eher selten, sogar in der Blogokugelzone) den Eindruck, daß man immer noch nach der verbindlichen "Linie" sucht. Daß diejenigen, die zu einem bestimmten Thema anderer Meinung sind, nicht als Leute gesehen werden, die das halt anders beurteilen, - sondern als solche, die sich verirrt haben. Daß man sich über eine andere Meinung nicht freut, sondern den Betreffenden zur Räson zu bringen trachtet.

    Da scheint mir sozusagen die Bekehrung auf halben Weg Halt gemacht zu haben.

    Gewiß, die Inhalte sind radikal anders. Die Sicht ist umgekehrt, wie in einem Spiegel vollständig um eine Achse gedreht.

    Aber dasselbe Denken, das sich vor dreißig Jahren vorbehaltlos auf der Seite der Palästinenser sah, sieht sich nun - so erscheint es mir manchmal - nicht minder vorbehaltlos auf der Seite der Israelis. Diejenigen, die sich China verschrieben hatten, verschreiben sich nun - so scheint mir - mit demselben Engagement den USA. Ein gewisses Zelotentum hat sich neue Inhalte gesucht, aber sich nicht selbst in Frage gestellt.



    Um nicht mißverstanden zu werden: Ich freue mich über jeden Kommunisten, der zur Vernunft gefunden hat. Ich bin auch weit davon entfernt, irgendwen zu kritisieren, weil er sich geirrt und diesen Irrtum eingesehen hat. (Schließlich bin ich ja selbst vom Sozialliberalen zum Liberalkonservativen mutiert).

    Nur sollten diejenigen, die sich einmal radikal geirrt hatten, vielleicht ein wenig tolerant sein. Nur sollten sie nicht mit demselben Anspruch, die Wahrheit abonniert zu haben, jetzt das Gegenteil von dem verkünden, von dem sie in ihrer Jugend überzeugt gewesen waren.

    A bisserl mehr Skepsis, a bisserl mehr Bescheidenheit. A bisserl mehr Einsicht darin, daß die Welt groß genug ist, daß wir alle Unrecht haben können: Das kann man von einem Renegaten, einem Gewendeten, einem Bekehrten, denke ich, schon verlangen.