25. März 2016

Christentum und Nihilismus – Ein kurzer Gedanke zum Karfreitag



Es gibt wohl kaum eine trostlosere Geschichte als die biblische Erzählung über die letzten 24 Stunden im Leben Jesu: Von seinen Jüngern im Stich gelassen, von Simon Petrus verleugnet, von Judas Ischariot verraten, ging Christus umgeben von zwei Verbrechern einem qualvollen Tod entgegen, der alles, was der Menschensohn getan und versucht hatte, vorderhand sinnlos erscheinen ließ.


Ohne das Wunder der Auferstehung gäbe es kein Christentum, jedenfalls keines, wie wir es kennen. Die österliche Frohbotschaft ist somit kein der Religion aufgepfropftes Happy End; sie ist die Quintessenz dieses Glaubens. Trotz Kenntnis dieser heilsgeschichtlichen Wendung ist es schwer, sich der beinahe nihilistischen Kraft der Bibelverse über die Geschehnisse am Gründonnerstag und Karfreitag zu entziehen.
 
Und natürlich hat auch die gnadenlose Stringenz, mit der sich die Schrift erfüllt, ihren theologischen Sinn. Sterbende Götter gibt es auch in anderen Religionen. Götter mit menschlichen (und etwa bei den alten Griechen: allzu menschlichen) Zügen ebenfalls. Doch die niederschmetternde Einsamkeit und das bedrückende Gefühl des Verlassenseins, das die Evangelien ihrem Protagonisten in seinen letzten Stunden auf Erden zumuten, ist ein christliches Alleinstellungsmerkmal.

Noricus


© Noricus. Für Kommentare bitte hier klicken.

24. März 2016

Aus der Schwalbenperspektive: 4-3-3

Heaven has a new playmaker. 
Der Himmel hat einen neuen Spielmacher.
Toni Kroos auf Twitter

Die Sporthistorie neigt dazu, bei den jeweils Besten einer Disziplin immer drei Personen zu nennen - entsprechend der olympischen Medaillen. Und wenn man nach den drei besten Fußballern fragt, werden in den meisten Fällen die Namen Pélé, Beckenbauer, Maradona genannt. Aber der aus meiner Sicht prägendste Fußballer aller Zeiten war ein anderer. Ein schmächtiger, kettenrauchender, arroganter und stets angriffslustiger junger Mann, der aus einfachen Verhältnissen im Amsterdamer Stadtviertel mit dem poetischen Namen Betondorp stammt, fußläufig von der damaligen Heimspielstätte des Hauptstadtvereins Ajax. 

Der Terror von Brüssel und was wir von Israel lernen könnten

Vier Monate nach den Anschlägen von Paris wurde erneut eine europäische Metropole Ziel islamistisch motivierter Anschläge. Wenn ich die Berichterstattung zu diesen beiden Ereignissen vergleiche, fällt mir zweierlei auf. Zum einen ist bereits ein erster Gewöhnungseffekt zu erkennen. Sowohl in den Medien als auch in den sozialen Netzwerken gab es diesmal kaum ein Moment der Fassungslosigkeit, des Erschreckens oder gar des Innehaltens. Zum anderen, wohl damit zusammenhängend, haben viele sofort begonnen, ihren politischen Honig aus dem Terror zu ziehen. Während eine Junge Grüne in einem Tweet sofort ihre Angst vor "rechtspopulistischer Hetze" kommuniziert hat, beeilte sich Beatrix von Storch (AfD) polemisch zu betonen, daß der Anschlag  "nix mit nix zu tun" habe, ein zynisches "Viele Grüße aus Brüssel" vorangestellt. Beide aber haben kein einziges Wort über die Opfer der Terroristen verloren, was mir symptomatisch erscheint. Unter Gewöhnung muß man hier wohl verstehen, daß man sich nicht einmal mehr einen einzigen Tag lang, idealerweise schweigend, hinter den Opfern solcher Anschläge versammeln kann.

Heute Augstein – Meinung ohne Zweifel und im Zweifel meine Meinung


Mattscheibe Offline - Im Zweifel Nachdenken


Ach ja, die AfD und die Flüchtlingskrise. Gibt es noch Menschen wie mich, die auch gerne wieder einmal etwas anderes lesen möchten? Da macht Herr Augstein aber nicht mit. Gerade jetzt, wo nach dem dreisten Griff der AfD Richtung Macht die Lage langsam kritisch wird, bleibt dem guten Jakob nichts weiter übrig, als auch diese Woche wieder den Kampf gegen dumpfen Populismus fortzusetzen.

22. März 2016

Tod eines Berufspolitikers

Berufspolitiker haben einen schlechten Ruf in Deutschland, fast gilt dieser Begriff als Schimpfwort.
Berufspolitiker gelten vielen Leuten als Inbegriff dessen, was im Lande schlecht läuft. Ihnen wird unterstellt generell prinzipienlos zu sein, ohne Fachkenntnis, ohne Kontakt zum echten Leben und jederzeit bereit, politische Ideale für einen taktischen Vorteil zu verraten.
Das idealisierte Gegenbild ist der edle Amateur. Jemand mit einem soliden Beruf im Rücken, finanziell unabhängig und für eine begrenzte Zeit ein Mandat übernehmend, ohne von Parteiführung oder Regierung irgendwie abhängig zu sein.

In dieser Woche trauern wir um Guido Westerwelle. Er war einer der ganz Großen der deutschen Politik, viel zu früh gestorben an einer tückischen Krebserkrankung.
Bei den Nachrufen übergehen wir lieber, was diverse Fernseh-Sender produziert haben. Ich empfehle diesen Nachruf von Achim Hecht und diesen Text von Gregor Gysi. Der Erste ist einer meiner engsten politischen Freunde, der Letzere absolut das Gegenteil. Beide treffen relativ gut, was Guido als Mensch und in seiner politischen Funktion charakterisiert hat. Die Begeisterung über seine Arbeit zeigt, wie außergewöhnlich er als Politiker war. Und noch mehr zeigt das die Enttäuschung nach der Zäsur von 2013.

Ich durfte ihn auch bei verschiedenen Anlässen erleben. Als Vorsitzender der Jungen Liberalen bei Diskussionen am Rande von Bundesparteitagen. Bei seiner entscheidenden Mithilfe in den Verhandlungen zur Gründung des Bundesverbands Liberaler Hochschulgruppen. Und bei Wahlkampfauftritten als FDP-Vorsitzender, in denen er begeisternd liberale Ideen vertreten hat.

Guido Westerwelle war ein Berufspolitiker.

Kolumnenkarussell: Georg Diez und die Küchenpsychologie



Ach ja, die "Spiegel"-Kolumnen. Soll man sie nun ignorieren? oder doch eher diskutieren? Lohnt sich der Widerspruch überhaupt, zumal der Leser von Zettels Raum, zumindest in meiner Vorstellung, die meist verquast-krausen Gedanken eines Jakob Augstein oder neuerdings auch einer Margarete Stokowski, ohnehin einzuordnen weiß, in vielen Fällen vermutlich präziser als ich? Andererseits: Schweigen ist in der Vergangenheit viel zu oft als Zustimmung fehlinterpretiert worden; gewissermaßen fußt die Politik Angela Merkels auf  als Zustimmung interpretiertes Schweigen, und dessen sollte man sich dann wohl doch nicht schuldig machen...nun denn, sei´s drum. Ein kurzer Blick in die aktuelle Kolumne des "Kritikers", Georg Diez.

19. März 2016

"Neue Hymnen braucht das Land"


Es hilft nichts, es abstreiten zu wollen: uns, den vielen Bewohnern dieses Landes, wurde durch unsere Obrigkeit in gewohnt gestaltgewordener Alternativlosigkeit am letzten Februarsonntag durch die Hofberichterstattung bei Anne Will kundgetan, daß es keinerlei Grund gebe, am seit nunmehr mehr als einem halben Jahr eingeschlagenen Kurs etwas zu ändern. Die Landtagswahlen am vergangen Sonntag haben die Zustimmung zu diesem Befund überwältigend sichtbar gemacht, da nach der Lesart eben jener Obrigkeit bis zu 80 Prozent der Wähler jener Partei ihr Placet verwehrten, deren Name hier nicht genannt werden soll, sondern ihr Kreuzchen irgendjemand anderen gönnten. (Die höhere Schule der Dialektik besteht freilich zudem darauf, daß CDU-Stimmen als Protest gegen die Regierungspolitik zu rechnen sind, weil durch den leicht gesunkenen Stimmenanteil interne Kritiker*Innen der unbeschränkten Willkommenskultur abgestraft worden seien.) Da scheint es nicht das Schlechteste, mit der zaghaften Vorbereitung auf die kommenden, alternativlos alternativlosen Zustände zu beginnen - zuerst als geistige Einübung, als fast frivoles Spiel das Geistes, um das Land für das 21. Jahrhundert fit zu machen, dessen Konturen sich langsam abzuzeichnen beginnen.

16. März 2016

Hinweis auf ein Interview


Jetzt, zwei Tage nach dem Ergebnis der drei Landtagswahlen des "Supersonntags", nachdem sich die Ungewißheit um den Wahlausgang gelegt hat, die Schockstarre darüber bei den "etablierten" Altparteien noch keiner nüchternen Bilanz gewichen ist, sondern sie gegen jede prozentuale Evidenz als strahlender Sieger gekürt worden sind (und wenn nicht sie, dann auf jeden Fall die Flüchtlingspolitik von Frau Merkel) - Verhaltensforscher sprechen bei solchen Verhaltensmustern von "Übersprungshandlungen," wenn etwa eine von der Schlange gebissene Maus den nüchtern betrachtet eher suboptimalen Verlauf der jüngsten Vergangenheit ignoriert und damit beginnt, sich obsessiv der eigenen Fellpflege zu widmen - empfiehlt sich vielleicht der Hinweis auf ein Interview, das der deutsch-libanesische Fernsehjournalist und Drehbuchautor Imad Karim mit der Bundesspecherin der Alternative für Deutschland, Frau Dr. Petry Anfang Februar dieses Jahres in Dresden geführt hat.

Henryk M. Broder hat am Sonntag auf der Achse des Guten bereits darauf aufmerksam gemacht ('Wer hat Angst vor Frauke Petry?'). Da es nicht unwahrscheinlich ist, daß der Fingerzeig in der Hektik des medialen Dauerfeuers und der Stakkatoverlautbarungen des Wahlabends untergegangen ist, sei an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich darauf verwiesen.

Hier können Sie das am 09. März am YouTube eingestellte, knapp vierzig Minuten lange Interview sehen.

11. März 2016

Faust, Mephisto, Beelzebub

Doch ach! Was hilft dem Menschengeist Verstand / Dem Herzen Güte, Willigkeit der Hand / Wenn's fieberhaft durchaus im Staate wütet / Und übel sich in übeln überbrütet? / Wer schaut hinab von diesem hohen Raum / Ins weite Reich, ihm scheint's ein schwerer Traum / Wo Mißgestalt in Mißgestalten schaltet / Das Ungesetz gesetzlich überwaltet  / Und eine Welt des Irrtums sich entfaltet. 

Der raubt sich Herden, der ein Weib / Kelch, Kreuz und Leuchter vom Altare / Berühmt sich dessen manche Jahre / Mit heiler Haut, mit unverletztem Leib. (...) 

So will sich alle Welt zerstückeln / Vernichtigen, was sich gebührt / Wie soll sich da der Sinn entwickeln / Der einzig uns zum Rechten führt? / Zuletzt ein wohlgesinnter Mann / Neigt sich dem Schmeichler, dem Bestecher  / Ein Richter, der nicht strafen kann, Gesellt sich endlich zum Verbrecher.
Goethe, Faust II
G
Der sehr geschätzte Kollege Llarian hat die Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz zur Schicksalswahl - "und was für eine" - erklärt. 

Das ist jetzt nichts Außergewöhnliches, es ist eher schwierig, eine Wahl zu finden, die nicht zu einer solchen hochgejazzt wird. Ein alter Sponti-Spruch lautete: "Wenn Wahlen etwas ändern würden, wären sie längst verboten". Diese Auffassung gibt es nicht mehr (oder allenfalls noch bei den ganz harten Verschwörungstheoretikern von links und rechts, die überall eine Manipulation von Kapital, NWO oder wem auch immer vermuten). Der Glaube an die Allmacht der Politik kombiniert mit der Kurzatmigkeit der Medien macht jede Wahl zur Schicksalswahl - selbst eine nachgeholte Kommunalwahl in Telgte.

Ich will auch gar nicht bestreiten, dass diese Wahlen eine gewisse Signalwirkung Richtung Berlin haben. Aber was wird passieren? Ich sehe nicht, dass Llarians Hoffnung erfüllt wird, aus seinem hosenanzuggewordenen Alptraum endlich aufwachen zu können. 

Schicksalswahl ?



Die Penetranz mit der derzeitig diverse Politiker und Pressevertreter versuchen die am Wochenende kommenden Wahlen runterzureden ist für sich schon erstaunlich und steht in ausgesprochen faszinierendem Gegensatz zu der permanenten Betonung wie wichtig es sei, wählen zu gehen. Offensichtlich ist man von dem erwarteten Wahlergebnis bereits heute nicht sonderlich erbaut und versucht der drohenden (oder sicheren) Niederlage bereits heute die Schärfe zu nehmen. So weit, so normal. Und dennoch kann man sich des Eindrucks nur schwer erwehren, dass es diesmal um etwas deutlich wichtigeres geht.

10. März 2016

Peter Altmaiers Chuzpe

Vieles ist in der Flüchtlingskrise geschrieben, vieles gesagt worden; einer langfristigen Lösung harrt sie freilich noch immer. Manchmal aber, so scheint mir, gebiert Politik diplomatische Stilblüten, von denen man nur hoffen kann, daß sie von den betreffenden Partnern übersehen werden und die geeignet sind, dem Beobachter den Schamesröte ins Gesicht zu treiben. Eine solche Stilblüte hat jüngst Peter Altmaier, Kanzlerinvertrauter und Koordinator für Flüchtlingsfragen im Kanzleramt, in einem heute veröffentlichten Interview auf Welt Online zum besten gegeben. Auf den jüngsten Deal mit der Türkei angesprochen, sagte er:

7. März 2016

Gedanken zu den Deutschen: Eine neue Serie in Zettels Raum.



Was ist eigentlich deutsch?

Eine gute Frage? Oder doch eher eine dumme Frage? Beides vermutlich. Aber mit Sicherheit eine, mit der sich zu beschäftigen zumindest ein bisschen lohnt. In dieser Serie möchte ich mich mit Eigenschaften beschäftigen, die ich in Deutschland wahrzunehmen glaube. Es sind Dinge, die mich massiv ärgern, es sind Dinge die mich freuen, Dinge die ich merkwürdig finde wie auch Dinge, die nur auf den ersten Blick selbstverständlich erscheinen. Vieles mag nur meiner eigenen Wahrnehmung entsprechen, so ist diese Serie vielleicht noch ein bisschen subjektiver als sonst. Vielleicht macht sie das aber auch gerade interessant.

4. März 2016

Kurioses kurz kommentiert: L'Allemagne vaut bien une messe

Konversionen aus politischen Gründen gab es allerorten und aus den unterschiedlichsten Gründen - um einer Verfolgung durch die Mehrheitsreligion zu entgehen, wie es die Juden durch die ganze Zeit der Diaspora hindurch begleitet hat, bis es ihnen zum Schluss auch nicht mehr geholfen hat.

Dann gab es auch zahlreiche Fälle am oberen Ende der sozialen Leiter - der Satz, auf den ich im Titel anspiele, wird dem französischen König Henri IV als "Paris vaut bien une messe - Paris ist eine Messe wert" (wie stets in solchen Fällen zu Unrecht) zugeschrieben, der zuvor als Feldherr auf Seiten der Hugenotten gekämpft hatte. August der Starke war wegen der polnischen Königskrone katholisch geworden, achtete aber in seiner Heimat streng darauf, seinen protestantischen sächsischen Untertanen nicht gerade nach Weihrauch stinkend zu begegnen.

Hierzulande sind Religionswechsel aus anderen als spirituellen Gründen selten geworden. Allerdings berichteten die Tagesthemen und in der Folge Cicero in etwas reißerischer Manier über die Tatsache, dass einige Flüchtlinge - wenn man der Tendenz des Berichts glauben mag - zum Christentum übergetreten sind, um ihre Chancen ihres Asylantrags zu verbessern, da Christen nicht in islamische Länder abgeschoben würden.

3. März 2016

Zitat des Tages: Der tiefe Sinn des Verhinderns

Der Aufstieg Donald Trumps zum fast unvermeidbaren Präsidentschaftskandidaten verleiht Hillary Clintons Kampagne endlich einen tieferen Sinn. Sie muss Amerika, ja die ganze Welt vor diesem Mann bewahren.
(Veit Medick auf Spiegel Online)


Kommentar:

Wenn Sie Hillary Rodham Clinton fragen würden, worin der tiefere Sinn liegt, dass sie die 45. Präsidentin der Vereinigten Staaten werden will, wäre das wahrscheinlich nicht die Antwort, die sie geben würde. Vordergründig würde sie ihr Wahlprogramm zum Besten geben, dem Land zu dienen usw., und selbst wenn man in der Lage wäre, ihre persönlichen Motive zu ergründen, dann kämen bei der als sehr ehrgeizig bekannten Politikerin höchstwahrscheinlich der Reiz der Macht und des Amtes zum Vorschein. Aber welche intrinsische Motivation soll es bieten, das kleinere Übel zu sein?

Nun mag man einwenden, dass der amerikanische Wahlkampf seit Angedenken darin besteht, den politischen Gegner schlecht zu machen und somit den Wählern zu signalisieren: "Ich bin gekommen, um den da zu verhindern". Aber da steckt auch viel Folklore und nationales Pathos drin, denn im Grunde genommen schert es viele Amerikaner abgesehen von Sympathie oder Antipathie im Alltag recht wenig, wer da im Weißen Haus sitzt. Die Erwartungen sind einfach geringer, dass das Regierungshandeln einen konkreten und spürbaren Einfluss hat. 

Im Gegensatz dazu steht Europa, und allen voran Deutschland. Hier ist das Verhindern ein Wert an sich. Nicht umsonst ist der einzige Passus des Amtseides, den die meisten Bürger aus dem Gedächtnis aufsagen können "Schaden von ihm wenden". Oder haben Sie schon mal gehört, dass bei einer der so häufigen Klagen, dieser Kanzler oder jene Kanzlerin habe "den Amtseid gebrochen", der Vorwurf lautete, sie habe "Deutschlands Nutzen nicht gemehrt"?

2. März 2016

Kurze Gedanken zu einer Torte


Die Lacher hat das "Peng Collective" wohl auf seiner Seite seit es Ihnen gelungen ist, eine Torte ins Gesicht von Beatrix von Storch zu werfen. Tortenwürfe sind ja auch gemeinhin lustig, vor allem wenns es diejenigen trifft, die es ja ohnehin verdienen.
­

Kölner Symbolik


Kaum sind die publizistischen Ausläufer der, so die inzwischen einhellig-distanzierende Sprachregelung, Kölner Ereignisse der Silvesternacht verklungen, muss man dieser Tage erneut die Luft anhalten: schon wieder Köln. Schon wieder eine Art "Mob". Schon wieder „Ereignisse“ und „Vorfälle“.  Der Ort des Geschehens? Nur ein Steinwurf von Kölner Hauptbahnhof und Domplatte entfernt: die Kölner Philharmonie. Eklat in der Kölner Philharmonie: Publikum erzwingt Konzert-Abbruch: „Reden Sie doch gefälligst Deutsch!“ titelt Focus Online. Ein "Beispiel der Verrohung heutiger Konzertbesucher" empört sich Welt Online. "Unerträglich chauvinistisch" echauffiert sich die Neue Osnabrücker Zeitung. Was ist passiert?

1. März 2016

Hauptsache Augenwischerei. Möglichst erbarmungswürdig.


Nein, es sollte an dieser Stelle nicht (schon wieder) um Flüchtlinge gehen. Und doch tut es das natürlich wieder (mea culpa), wenn auch nicht nur, wobei das eigentliche Problem in diesem Fall ein bischen anders liegt:

Die Politik hat inzwischen auch begriffen (lang hats gedauert), dass die ganze Flüchtlingsgeschichte eben doch nicht mal so nebenher gemacht werden kann, und doch eine ganze Stange Geld kostet. 

27. Februar 2016

Reformations-Jubiläum für gespaltene Christen

Dürer zu Martin Luther 1521

Es gibt von Albrecht Dürer eine Reihe von Federzeichnungen zur Szene, wie Jesus im Ölgarten um sein Ja zum drohenden Tod ringt, während die Jünger schlafen und dann feige fliehen. In vielen Fassungen Dürers zur Passion kniet Jesus, betet oder reißt die Arme hoch, als der Engel Trost bietet. In anderen Fassungen aber liegt der Leib ganz hingestreckt auf dem Felsen, wie gekreuzigt. Diese Interpretation berührt mich am stärksten, weil Jesus so auf dem Erdboden ausgestreckt liegt, als wolle er die Welt, das Leben umarmen. Dieses Gegenstück zum späteren Ausgestrecktsein am Kreuz ist wie aus der neuzeitlichen Empfindung geboren, es entspricht einer modernen Fragestellung: Was wird aus der geliebten Welt? War durch die Entdeckung Amerikas der Blick auf unsere Erdkugel stärker zu einer horizontalen Heilsfrage geworden?

25. Februar 2016

Darf man heute eigentlich noch optimistisch sein? Gedanken zu Zettels drittem Todestag


„Es ist schlimm. Alles ist schlimm und wird immer schlimmer.“ „Schlimm sagst du? es ist eine Katastrophe, ein Desaster! Alles geht den Bach runter, da machst du nix mehr dran. Wir sind alle verraten und verkauft. Komplett im Eimer."

So und in dieser Art klingt es allenthalben. Im Internet. in den Nachrichten. In den Diskussionsrunden und wohl auch an vielen deutschen Küchentischen. Stimmung und Diskussionskultur sind gleichermaßen an einer Art Tiefpunkt angekommen, und das unabhängig von der politischen Richtung, die vertreten wird. Natürlich gibt es immer noch die Problemignorierer und Gesundbeter, etwa im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Aber dazwischen scheint es nicht mehr viel zu geben. Lediglich die Schuldfrage an den "Verhältnissen" wird, je nach politischem Standpunkt, herumgereicht: die Migranten, die Bundesregierung oder die Nazis. Oder -auch sehr beliebt- alle zusammen. Was ist mit uns Deutschen eigentlich los?

21. Februar 2016

Hetze, Hass und Dunkeldeutschland.


­
Es ist tatsächlich ein trauriges Bild, das dieser Tage wieder sichtbar wird. In Bautzen brennt ein geplantes Asylantenheim nieder und es gibt Leute, die sich darüber freuen. Der dortige Ministerpräsident (Tillich) gab daraufhin zu Protokoll: „Das sind keine Menschen, die so was tun. Das sind Verbrecher.“
Ob er sich dabei auf das Bejubeln des Brandes bezog, oder ob er damit den „Mob“ meint, der am Donnerstag einen Bus voller Flüchtlinge blockiert hat, ist nicht ganz geklärt. Vermutlich meint er beide. Unser Justizminister glänzte zu denselben Vorfällen mit der Erkenntnis: „Wer unverhohlen Beifall klatscht, wenn Häuser brennen, und wer Flüchtlinge zu Tode ängstigt, handelt abscheulich und widerlich“. Im selben Interview gab er noch folgenden Satz von sich: „Verbalradikalismus ist immer auch die Vorstufe zu körperlicher Gewalt.“
Dieser Satz hat es mir zugegebenermaßen angetan. Vielleicht auch deshalb, weil etwas ähnliches die Woche vom Vizekanzler Gabriel gekommen ist, der in einem Interview mit der Rheinpfalz zu der Erkenntnis kam, dass der Grund für die derzeitige Radikalisierung der Politik, darin liege, wie Demokraten übereinander redeten. 

12. Februar 2016

Das Geld der anderen oder „Ist Deutschland wirklich so reich?“


Die Aussage das Deutschland furchtbar reich ist gehört nicht erst seit der Flüchtlingskrise zur Talkshowfolklore. Auch dieser Autor wird nicht verhehlen, dass er die Aussage durchaus das eine oder andere Mal getroffen hat (mea culpa). Dennoch ist ihre Pauschalität natürlich hart am Rande dessen, dass man sich fragen muss, was man damit überhaupt aussagen will. Denn, praktisch und deshalb auch in jeder Talkshow sehr beliebt, ist die Interpretation der Aussage auch vergleichsweise beliebig. Höchste Zeit ein bisschen zu reflektieren was es eigentlich bedeutet. 

10. Februar 2016

Umfragen und ihre Aussagen


Umfragen sind vielfältig. Sie können seriös oder tendenziös, gekauft oder wissenschaftlich (das heißt unter Anderem der Wahrheitssuche verpflichtet) sein. Manche Menschen sprechen Umfragen, wohl nicht ganz zu unrecht, auch eine beeinflussende Wirkung zu. Denn, so das Argument, der Herdentrieb mache einen anfällig, sowohl für postulierte Mehrheiten wie auch Trends, wie beispielsweise eine im Auftrieb befindliche Partei oder Position. Im amerikanischen nennt man letzteres "momentum" und es wird in der Regel intensiver wahrgenommen, wenn es der von einem selber schon längst präferierten Partei, Kandidaten oder Position zugute kommt. Entsprechend ist auch der Vorwurf der Manipulation häufig nicht weit.
Die zwei wichtigsten aktuellen Trends in der deutschen Meinungslandschaft werden jedoch von jedem wahrgenommen, der sich etwas politisch interessiert. Da wäre zum einen die enorme Zunahme der Kritik an der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung, zum anderen der Aufwärtstrend der AfD.

9. Februar 2016

Imbeziles, fast unkommentiert. Zu einem Satz von Angela Merkel


Daß Frau Merkel, höflich gesagt, keine Meisterin der gesprochenen Sprache ist, sollte sich mittlerweile herumgesprochen haben. Die hilflose Reihung von unabgeschlossenen Satzfragmenten, die Banalität und oft vollkommene Inhaltslosigkeit ihrer Äußerungen, nicht zuletzt der peinliche Eindruck, daß die Regierungschefin eines des führenden Industrieländer der Welt außerstande sein könnte, ohne die Hilfe eines Teleprompters einen korrekten oder auch nur abgeschlossenen Relativsatz in freier Rede in der eigenen Muttersprache zu  formulieren (ein Eindruck, der sich freilich auch bei ihrem US-amerikanischen Amtskollegen aufdrängt) - dieser Eindruck ist auch von anderen Beobachtern hervorgehoben worden, nicht zuletzt von Alexander Wendt oder Michael Klonovsky (in seinem actum diurnum vom 25. September 2015). Aber was Frau Merkel anläßlich ihres Besuchs am gestrigen Montag geäußert hat, hat doch eine andere Qualität, wie in diesem Bericht des Münchner Merkur nachzulesen ist: 

6. Februar 2016

Pünktlich zum Karneval: Eine Witzfigur macht sich lächerlich.



Zugegeben, es ist still geworden um den großen Enthüller staatlicher Geheimnisse, der letzte Artikel in diesem Blog zu Julian Assange ist noch von Zettel selbst im Jahr 2012 veröffentlicht worden. Das mag wohl daran liegen, dass er sich vor etwas mehr als drei Jahren in ein selbstgewähltes Gefängnis in Form der Botschaft von Ecuador begeben hat, auf der Flucht vor der schwedischen Justiz. Schon damals waren seine Einlassungen zur amerikanischen Justiz, die ihn über den ganzen Erdball jagt (und vermutlich immer noch Bauschmerzen vor Lachen haben dürfte), ein wenig, sagen wir mal eigenwillig, aber Julian Assange wäre ja nicht er selbst, wenn er nicht noch was zum Nachlegen hätte.

3. Februar 2016

Angst ? Nein, wir doch nicht. Aber sowas von nicht. Eine kleine Phillipika.



Angst haben wir nicht. Das ist zumindest die Parole die Henriette „Armlänge“ Reker dieser Tage ausgibt. Wovor sollte man auch Angst haben, doch sicher nicht vor ein paar grabschenden Ausländern (© J. Augstein)? Und schließlich hat man sich doch die letzten Wochen bemüht durch Broschüren die letzten Grabscher noch davon zu überzeugen, dass das in Deutschland irgendwie nicht erlaubt ist und die Vorgänge von Sylvester nicht ganz in Ordnung waren.