29. Januar 2016

28. Januar 1986: Vor 30 Jahren endete der Traum der bemannten Raumfahrt in einem Feuerball

Strenggenommen ist diese Überschrift falsch. Denn der Traum von der bemannten Weltraumfahrt, der mitunter so platt wie irreführend genannten "Eroberung des Weltraum" durch Astronauten, Kosmonauten oder (das Wort war zu dieser Zeit noch nicht geprägt) Taikonauten, endete natürlich nicht in dem Feuerball der Explosion, als das Space Shuttle Challenger um 17 Uhr 38 Mitteleuropäischer Zeit (11 Uhr 38 lokaler Zeit) gut 70 Sekunden nach dem Abheben von der Startrampe in Cap Canaveral in rund 15 Kilometern Höhe zerbarst.







27. Januar 2016

Wenn Geschichte neu geschrieben wird. Ein Gedankensplitter zu einem Skandal der keiner mehr sein darf.


Eigentlich wollte ich nur einen unschuldigen Artikel zu Glyphosat schreiben. Glyphosat ist ein Pflanzengift, das in der Landwirtschaft eingesetzt wird, um alle möglichen Sorten von Unkraut zu bekämpfen. Es gilt in geringen Mengen als unbedenklich (da der Wirkmechanismus sich auf die Photosynthese auswirkt und die meisten Menschen, -hier muss auch der Grüne von nebenan stark sein- nicht in der Lage sind Photosynthese zu betreiben). Wie dem auch sei, Glyphosat ist das derzeitige neue Kampagnenprojekt der Landwirtschaftsveränderer, zumal damit gleich mehrere Ziele auf einmal bekämpft werden können (konventionelle Landwirtschaft, amerikanische Großindustrie, Genindustrie). 

Über das Unwort des Jahres und die zerstörerische Kraft der Begriffshoheit. Ein Gastbeitrag von nachdenken_schmerzt_nicht

Die aktuelle Staatskrise, die der Autor Gerd Held aktuell in einem Beitrag auf der „Achse des Guten“ als einen Angriff auf die Verfasstheit der Bundesrepublik begreift, welcher die Staatlichkeit und verfassungsmäßige Ordnung unseres Landes bedroht, wird seit ihrem Beginn von drei Begriffen dominiert, die ganz selbstverständlich von jedem Diskutanten benutzt werden: "Flüchtling", "Obergrenze" und "Grenzschließung". Mit der Wahl des Wortes „Gutmensch“ zum "Unwort des Jahres", die der von mir sehr geschätzte Andreas Doeding in Zettels Raum bereits hier kommentierte, ist jetzt ein vierter Begriff hinzugekommen. 

Gerd Held läßt in seinem Artikel einen Gedanken anklingen, welcher mich schon seit einiger Zeit beschäftigt, nämlich: wie Widersprüche, Verantwortungslosigkeit und Machtmissbrauch über die Definitionshoheit bezüglich der verwendeten Begriffe unkenntlich gemacht werden. Diesen Gedanken möchte ich mit diesem Beitrag näher ausführen. 

21. Januar 2016

Neues von der Lügenpresse



Vor gut einem Jahr hat sich dieser Autor in diesem Raum schon einmal ein paar Gedankenzum Begriff der Lügenpresse gemacht. Und nahezu alles was seinerzeit geschrieben wurde, stimmt auch heute noch: Die Begriff ist unpassend, der gemeinte Inhalt ist dagegen sehr konkret greifbar. Vorgeschlagen wurde dann im kleinen Zimmer die Begriffe Pippi-Langstrumpf-Presse (Tiefseetaucher) und später dann Gesinnungspresse (Yossarian). Da dieser Auto die Bücher und Charaktere von Astrid Lindgren sehr schätzt, möchte ich lieber den Begriff Gesinnungspresse verwenden, der meines Erachtens nach auch sehr gut die Ursache der Problematik beschreibt. Nur möchte ich mich an dieser Stelle mit dem Pendant der Presse beschäftigen, dem Fernsehen.

19. Januar 2016

Über Demokratie und Absolutismus - Gastbeitrag von nachdenken_schmerzt_nicht

SPD wie auch Grüne hatten den SWR darauf hingewiesen, dass sie zu einer Fernsehdiskussion im Hinblick auf die bevorstehenden Landtagswahlen keine Teilnehmer entsenden würden, weder die amtierenden Ministerpräsidenten, noch einen Vertreter, wenn die AfD an einer solchen Diskussion teilnehmen würde. Wie man heute der Onlineausgabe der FAZ entnehmen kann, hat der SWR dem Druck der beiden Ministerpräsidenten Malu Dreyer (SPD, Rheinland-Pfalz) und Winfried Kretschmann (Grüne, Baden-Württemberg) nachgegeben und sich entschlossen, die AfD nicht einzuladen. 

Man kann diesen Sachverhalt nun unter den unterschiedlichsten Gesichtspunkten beleuchten: Wie ist die Entscheidung des SWR zu beurteilen? Wie verhält es sich faktisch mit der oft zitierten Staatsferne des öffentlich-rechtlichen Rundfunks? Ist es wahltaktisch klug, sich einer Debatte mit der AFD zu verweigern? 

17. Januar 2016

Kurioses, kurz kommentiert: Unworte

Seit wann wird der Begriff Stammtisch eigentlich in seiner heute gängigen, verächtlich gemeinten Bedeutung gebraucht? Ich weiß es nicht. Der rhetorische Kniff dabei ist ja ebenso simpel wie durchsichtig. Über die semantische Gleichsetzung von "einfaches Volk" mit "rechter Pöbel" sollen Argumente diskreditiert werden, um sich nicht mit ihnen auseinandersetzen zu müssen. Bei Licht betrachtet demaskiert der Begriff jedoch vor allem eine elitäre Volksverachtung, die sich häufig vor allem diejenigen erlauben, die sich sonst gerne wahlweise als Anwälte der "einfachen Leute", "des Volkes" oder auch "der Arbeiter" gerieren, mithin feinstes Orwellsches Doppeldenk betreiben. 

16. Januar 2016

Ist Angela Merkel die Totengräberin von Europa?


Zugegeben: Die Frage ist natürlich provokativ. Für die einen ist sie absoluter Unsinn, für die anderen geradezu eine Selbstverständlichkeit. Sowohl das Nein als auch das Ja lassen sich antworten, ohne sich auch nur einen Millimeter mit dem Inhalt der Frage auseinanderzusetzen. Doch genau das soll hier geschehen.

13. Januar 2016

Zitat des Tages: Der Tod des Feminismus

Womöglich sind aber auch Frauen dabei, die gar nicht Opfer geworden sind, sondern aus politischer Überzeugung der Meinung waren, dass die Täter mit Migrationshintergrund oder die Flüchtlinge, die das Chaos auf der Domplatte für sexuelle Übergriffe ausgenutzt haben, abgeschoben gehören. Das hoffen sie womöglich mit einer Anzeige zu beschleunigen. 
(Dagmar Dehmer und Andrea Dernbach im Tagesspiegel zu den Ereignissen in Köln)  

Kommentar:

Gender-Mainstreaming, Frauenquoten in Führungsgremien, "vaterlose Gesellschaft" - dem oberflächlichen Beobachter erscheint es so, dass der Feminismus in der deutschen Gesellschaft gesiegt hätte. Und doch hat - beinahe unbemerkt - sein letztes Stündlein geschlagen. 

11. Januar 2016

Mal wieder ein kleine Quiz: Was sagen Studenten zun den Geschehnissen in der Neujahrsnacht?

Heute, liebe Leser, gibt es zum Start in die Woche mal wieder ein kleines Quiz. 

Als, wie einige vielleicht schon Wissen, Student in einem MINT-Fach an einer deutschen Universität (nicht in Köln selber), möchte ich ihnen einen kurzen Einblick in meine Subjektive Wahrnehmung der Stimmung und Meinungen der Mehrzahl meiner Mitstudenten geben. 

Mir ist vollkommen klar, dass es sich um eine nicht-repräsentative, subjektive, quasi-anekdotische Einschätzung handelt, die auf meinen Erfahrungen und Begegnungen der letzten Tage beruht (wenn auch auf einer Vielzahl von Anekdoten). Das ist kein großes, repräsentatives Sample und trotzdem vielleicht für den ein oder anderen Interessant. 

Auch geht es hier nicht um Randgruppen unter den Studenten. Es geht nicht im Burschenschaftler und Verbindungsleute. Ich habe keinen Kontakt zu solchen. 

Es geht nicht um die Radikalfeministinnen (evt. mit Kontakt zum Genderreferat der AStA). Ich habe ein Gespräch eben solcher am Nachbartisch in der Mensa mitgehört und es ging in die zu erwartende Richtung. Natürlich sei das ganz schrecklich und unappetitlich - wie die Rassisten aus der Mitte der Gesellschaft nun diesen Vorfall ausnutzen, um gegen Flüchtlinge und Ausländer Stimmung zu machen, anstatt sich an die eigene Nase zu Fassen. Anstatt Araber zu pauschalisieren, sollte lieber über die in unserer Gesellschaft tief verankerte allgemeine Gewalt der Männer gegen Frauen geredet werden. Schließlich würden Deutsche ohne Migrationshintergrund sich am Oktoberfest genauso verhalten, wo es 10 Anzeigen wegen Vergewaltigung gegeben hätte. 

Nun, diese Legende wurde in der FAZ im Artikel "Lügenzahl vom Oktoberfest" vom 08.01.2016 widerlegt und dann noch einmal von der Kunstfigur Don Alphonso zerpflückt und in den Kontext gerückt. Denn selbst wenn sie stimmen würde, so wäre das Ausmaß in Relation zur Anzahl männlicher Besucher (1000 in Köln gegen 500.000 pro Tag beim Oktoberfest, wovon ungefähr die Hälfte Männer seien werden) eine ganz andere Größenordnung. Stimmen aber nicht einmal, sondern sind frei erfunden, unkritisch vom öffentlich-rechtlichen Übernommen, als wäre er eine Facebook-Gruppe der PEGIDA, nur unter anderen Vorzeichen - und Gebührenfinanziert, mit hoher Glaubwürdigkeit und Autorität.

Aber ich schweife ab. Denn das ist die selbe Randgruppe, welche auch den Genderstern als großen Fortschritt gegenüber dem Binnen-I feiert und genau deshalb (und nicht nur deshalb) von den meisten Studenten mit verdrehten Augen bedacht wird. 

Auch offen in der Hochschulpolitik engagierte, linke und grüne Studenten sind nicht gemeint. Bei einer Wahlbeteiligung von unter 20% und noch weniger Interesse an dem Politiksimulationszirkus stellen auch diese eine Randgruppe da und nicht den Otto-Normal-Studenten. Sehr wohl sind aber auch offen grüne und linke Menschen ohne Hochschulpolitikkontakt gemeint. 

Daher nun, Burschenschaftler, linke Studierendenparlaments- und AStA-Mitglieder und Feministinnen also ausgenommen, die Frage:


6. Januar 2016

Kleine Randnotiz: Eine Botschaft brennt und keinen interessiert es


In der aktuellen Situation in Deutschland gibt es sicher brennendere Themen, aber es ist diesem Autor dennoch eine kleine Randnotiz wert.
Wie die meisten geneigten Leser wissen werden, gibt es im Moment nicht nur kleinere Verstimmungen zwischen Saudi-Arabien und dem Iran. Saudia Arabien hat sämtliche diplomatischen Beziehungen zum Iran abgebrochen und alle iranischen Diplomaten ausgewiesen. 

Jagdszenen aus Köln und Hamburg: Staatsversagen auf ganzer Linie

Drei Anmerkungen zu den unfassbaren Szenen der Menschen- genauer: der Frauenjagden, die sich vor und nach Mitternacht in der Sylvesternacht vor der Kölner Domplatte, der Hamburger Reeperbahn und wohl auch in Stuttgart abgespielt haben. Als ich gestern, am Montagmorgen dem 4. Januar, um 08:37 Uhr, im Diskussionsforum dieses Blogs, dem "Kleinen Zimmer" meinen ersten Beitrag zu diesem Thema mit längeren Zitaten zu ersten Äußerungen und Meldungen eingestellt habe, mußte ich mich auf die Netzbeträge von Michael Klonovsky sowie der Achse des Guten beschränken. Mitforist HR hat dankenswerterweise unabhängig davon ebenfalls darauf aufmerksam gemacht. Erst im Laufe des Morgens, und dann mit ansteigender Amplitude über den Tag hinweg ist das Thema zu der alles beherrschenden Causa geworden, die auch von Politikern nicht mehr mit Schweigen, Abwiegeln und zynischen tu-quoque Fingerzeigen auf PEGIDA oder andere dunkeldeutsche Manifestationen kleingehalten werden kann.

Ich habe meine Meldung im Strang "Aus der Gespensterrepublik" plaziert, die ich am 13. Oktober 2015 angelegt habe: zur sukzessiven Dokumentation von Vorfällen, Zitaten, und den zu immer höherer Amplitude ausschlagenden Anzeichen, die [Zitat] "den Beginn der finalen Agonie dieses kollabierenden Staatsgebildes nüchtern ins Auge fassen".














Wenn das Naheliegende zur Überraschung wird


Kann es eigentlich wirklich überraschen, was an Sylvester in Köln, Hamburg und, wenn auch in geringerem Maßstab, in Stuttgart passiert ist? 

31. Dezember 2015

2016




Ring out, wild bells, to the wild sky,
The flying cloud, the frosty light:
The year is dying in the night;
Ring out, wild bells, and let him die.
 
Ring out the old, ring in the new,
   Ring, happy bells, across the snow:
   The year is going, let him go;
Ring out the false, ring in the true.

Ring out the grief that saps the mind
For those that here we see no more;
Ring out the feud of rich and poor,
Ring in redress to all mankind.
 

24. Dezember 2015

... die guten Willens sind

Gloria in excelsis Deo / Et in terra pax hominibus bonae voluntatis.

Ehre sei Gott in der Höhe / Und Friede den Menschen auf Erden, die guten Willens sind.

So lautet der letzte Satz des Weihnachtsevangeliums (Lk 2,  14) in der Vulgata, die zumindest bis zum II. Vaticanum maßgeblich für die liturgischen Texte in der katholischen Kirche war. Ich bin mit diesem Satz aufgewachsen, da in unserer Familie bis heute die Weihnachtsgeschichte - unter dem erleuchteten Christbaum - aus dem alten "Schott"-Messbuch meiner Mutter vorgelesen wird. 

Theologen aller Konfessionen werden nun einwenden, dass diese Übersetzung "falsch" ist, und man findet sie in keiner aktuellen Bibelausgabe mehr. Dennoch ist er für meine Vorstellung von Weihnachten zentral, und egal ob ich nun höre "den Menschen seines Wohlgefallens" (Luther) oder "den Menschen seiner Gnade" (Einheitsübersetzung) - ich werde nie anders können, als in meinem Kopf hinzuzufügen: "Die guten Willens sind".

9. Dezember 2015

Große Klappe, reloaded: Von einem Tiger der als Bettvorleger landete

Oh, was hat er groß getönt. Jetzt zeigt einer dem Staat mal so richtig wie Asylantenheim eigentlich geht. Mit einem fröhlichen "Verpisst Euch" (gerichtet an Siggis Pack) auf den Lippen verkündete uns Till Schweiger vor knapp vier Monaten, dass er ein eigenes Asylantenheim bauen und betreiben wolle.  

7. Dezember 2015

Aldi-Schulen

In der Schule für das Leben lernen: diesem Ideal streben viele vergeblich nach. Um so lobenswerter sind Schulen, die das hohe Ziel erreichen. Eine der wichtigsten Fähigkeiten, die der erwachsene Mensch braucht, ist offensichtlich das preisgünstige Einkaufen hochwertiger Produkte. Schulen, die diese Fertigkeit in vorbildlichem Maße vermitteln, werden von der Firma "Aldi" feierlich als "Aldi-Schulen" ausgezeichnet. Davon gibt es in Deutschland inzwischen 177.

4. Dezember 2015

Der Datenkrake (3): Es gibt nichts Gutes, außer der Staat tut es

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hat angekündigt, nach und nach 99% seiner Facebook-Anteile (aktuell im Wert von ca. 45 Mrd. USD) in eine wohltätige Stiftung zu überführen. Damit folgt er einem uramerikanischen Prinzip, das von den Öl- und Industriemagnaten des Gilded Age wie Carnegie oder Rockefeller begründet wurde und durch den Giving Pledge von Warren Buffet und Bill und Melinda Gates in jüngster Zeit neu belebt wurde: Der Idee, große Vermögen für wohltätige Zwecke einzusetzen.

In Deutschland kommt das gar nicht gut an. Nicht, dass die Deutschen etwas dagegen hätten, dass die Reichen ihr Geld abgeben. Allerdings hat die Sache für den Geschmack des Bundesamts für das Weltgenesungswesen zwei eklatante Schönheitsfehler - es findet zum einen freiwillig und zum anderen ohne Beteiligung des Staates statt. Ganz zu schweigen vom Geburtsfehler: Es dürfte überhaupt nicht passieren, dass jemand 45 Mrd. hat. Und so versprüht der Großteil der Artikel in den Medien Gift und Galle gegen Zuckerberg, und die Kommentarspalten schäumen über vor Hass.  

24. November 2015

Adio Europa: "Warten auf die Barbaren"



[Manchmal empfiehlt es sich, innezuhalten und den einen oder anderen Text, vielleicht ein Gedicht, aus dem Bestand der Klassischen Moderne zwischen 1870 und 1940, deren Hervorbringungen zwischen Baudelaire und Gottfried Benn, W. B. Yeats und T. S. Eliot nicht nur die Formsprache der modernen Lyrik, sondern auch ihre Bildwelten geprägt haben, sine ira et studio, ohne Kommentar und Einbettung in den zeitgenössischen Hintergrund, wieder auf sich wirken zu lassen, um zu sehen, in welche andere Beleuchtung ihn die Umstände der Gegenwart tauchen. U.E.]






21. November 2015

„Wie wollen wir leben?“

„Unsere Welt wird noch so fein werden, daß es so lächerlich sein wird, einen Gott zu glauben, wie heutzutage Gespenster“, meinte Georg Christoph Lichtenberg 1774 (Leitzmann-Ausgabe D 326).

20. November 2015

Die Stunde der Bürgerrechtsfeinde


­"Those who would give up essential Liberty to purchase a little temporary Safety, deserve neither Liberty nor Safety."
 
                                                                             --- Benjamin Franklin, 1755

Zugegeben, das obige Zitat dürfte inzwischen eins der durchgenudeltsten (und damit meist aus dem Kontext gerissenesten) Zitate der letzten Jahrzehnte sein. Was allerdings wenig an seiner Aussage ändert.
Es war tatsächlich nur eine Frage der Zeit bis nach den Morden von Paris die Schlapphüte, Totalüberwacher, Kommunikationsspeicherer und Polizeistaatler aus ihrem Bau kriechen würden und Morgenluft wittern. Allerdings hat nicht einmal dieser Autor damit gerechnet, dass es so schnell gehen würde. Man muss das Eisen wohl schmieden so lange es heiß ist, und will man Bürgerrechte eindampfen, so muss dies im Angesicht von Panik und Angst geschehen, damit nicht all zu viele Leute darüber nachdenken, was man tatsächlich erreichen will.
Die FAZ macht hier den Anfang und stellt die schöne wie demaskierende Frage: „Darf es so was in Zukunft noch geben ?“ 

Sind wir abwehrbereit?

Am 10. Oktober 1962 veröffentlichte der Spiegel den denkwürdigen Artikel "Bedingt abwehrbereit", in dem er die Verteidigungsfähigkeit der Bundeswehr im Falle eines Angriffs durch den Warschauer Pakt in Zweifel zog. Die Folgen sind bekannt, es gab zwar keinen sowjetischen Angriff, aber eine der geschichtsträchtigsten Affären und lebhaftesten Debatten der noch jungen Bundesrepublik. Interessanterweise spielt der Inhalt des Artikels in der Rückschau keine Rolle mehr.

Liest man ihn heute durch (was ich nur empfehlen kann), so fällt vor allem eines auf: Der aus heutiger Sicht geradezu auf militaristische Weise entschlossene Tonfall des ehemaligen Frontsoldaten und Pressesprechers des "Amtes Blank", Conrad Ahlers, sich im Verbund mit der NATO einem eventuellen Überfall auf jede nur denkbare Weise entgegenzustellen - Atomwaffeneinsatz inklusive. 

Die Zeiten haben sich geändert - heute steht mehr die unzureichende Kinderbetreuung und das Fehlen attraktiver Arbeitszeitmodelle bei den deutschen Streitkräften im Fokus der Berichterstattung des abgerüsteten Sturmgeschützes der Demokratie, denn, was Ahlers damals offenbar nicht wusste: "Krieg führen kann jeder"

Im Lichte des Terroranschlags von Paris wurde viel über Angst und Entschlossenheit gesprochen. Merkel, Gabriel, Maas und de Maizière nahmen die Debatte zum Anlass, um das zu tun, was laut Harald Schmidt die Deutschen am besten können. Mit großem Getöse kündigten sie an, zu viert zum "Freundschaftsspiel" (aus der Schwalbenperspektive betrachtet sollte man mit diesem Begriff nicht leichtfertig umgehen, immerhin sollte es gegen Holland gehen) anzureisen, um "ein Zeichen gegen den islamistischen Terror [zu] setzen"!

14. November 2015

Sans paroles...




Meister Petz


© Meister Petz. Für Kommentare bitte hier klicken.

11. November 2015

Generation Facebook ? Ein Gedankensplitter zu Pioniergeist und Zufriedenheit.


Verbinden Sie etwas mit dem 23. Januar 1960, lieber Leser? Vermutlich eher nicht, zumindest nicht ad hoc. Wie steht es mit dem 29. Mai 1953? Oder dem 20. Mai 1927 ?  12. Mai 1961 ? Wenigstens den 21. Juli 1969 ?

Zur Erinnerung an Helmut Schmidt

Den folgenden Beitrag schrieb Zettel zum 90. Geburtstag von Helmut Schmidt am 23. Dezember 2008. Wir wiederholen ihn zur Erinnerung an den gestern verstorbenen Bundeskanzler.

Kallias

2. November 2015

Über Kollektiv, Individuum und aufgehendes Saatgut. Ein Gastbeitrag von nachdenken_schmerzt_nicht

Ich möchte meine Ausführungen mit einer Äußerung unseres derzeitigen Justizministers Heiko Maas beginnen, die sich am 19. Oktober diesen Jahres auf seinem Twitter-Profil fand und die sicherlich stellvertretend für eine in Politik und Medien weit verbreite Ansicht zitiert werden kann. Zitat: „Wer Galgen und Hitlerbärten hinterher läuft, für den gelten keine Ausreden mehr. Pegida sät Hass, der dann zur Gewalt wird. Ähnlich sieht es auch die Grüne Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt, die Pegida eine Mitschuld an dem Anschlag auf die Kölner Oberbürgermeister Kandidatin Henriette Reker gibt.

Diese Formulierungen sind beide nicht ganz so offensichtlich wie eine Schlagzeile im Tagesspiegel, welche Pegida sogar als Mittäter sieht, aber sie meinen im Grunde das gleiche: Es gibt keinen Unterschied zwischen Gedanken und Tat. 

Diese Gleichsetzung mutet eigentümlich an, insbesondere in einem Land in welchem das Volkslied „Die Gedanken sind frei“ einige politische Bedeutung erlangte. Eine interessante Frage scheint mir daher zu sein, warum diese Gleichsetzung so leichtfertig gemacht wird und warum sie, so zumindest mein Eindruck anhand der Medienlektüre, auf doch einigen Zuspruch stößt.