15.11.12

Zitat des Tages: Der Gesandte und die "erzürnten Griechen". Wer ist Hans-Joachim Fuchtel?

Attacke auf deutschen Konsul - Merkels Gesandter erzürnte Griechen.
Schlagzeile, die man seit fünf Stunden bei "Spiegel-Online" lesen kann.

Kommentar: Aus dem Bericht geht hervor, daß der in der Überschrift genannte "Gesandte Merkels" nicht identisch ist mit dem attackierten "Konsul". Der Konsul heißt Wolfgang Hoelscher-Obermaier und wurde, wie es heißt, "geschubst und mit einem Kaffeebecher beworfen"; auch wurde ihm seine Brille weggenommen. Der "Gesandte Merkels" ist Hans-Joachim Fuchtel; Staatssekretär im Arbeitsministerium sowie Beauftragter der Bundeskanzlerin für Griechenland.

Die Randalierer als "erzürnte Griechen" zu bezeichnen, ist ein wenig seltsam. Es handelte sich um eine organsierte Demonstration, an der unter anderem Themis Balasopoulos teilnahm, der Chef der Gewerkschaft POE-OTA; man kann ihn hier auf einer anderen Demonstration sehen.

Und Fuchtel? Es dürfte kaum einen ausländischen Politiker geben, der sich so engagiert für Griechenland einsetzt wie Hans-Joachim Fuchtel. Ich habe das im Juli beschrieben; anläßlich einer Reportage in der FAZ über eine Reise Fuchtels nach Griechenland.

Hier ein Zitat aus dem damaligen Artikel. Ich hatte mich zuvor mit dem Griechenland-Bild in Deutschland befaßt:
Wie real ist es, dieses Griechenland in unseren Köpfen?

Folgt man dem, was kürzlich für die FAZ Jan Grossarth aus Griechenland berichtete, dann ist es nur allzu real. Er war mit dem Parlamentarischen Staatssekretär im Arbeitsministerium, Hans-Joachim Fuchtel, nach Kastoria gereist, einer Stadt im Nordwesten Griechenlands, nahe der albanischen Grenze. Fuchtel ist Koordinator der sogenannten "Deutsch-Griechischen Versammlung"; eines Projekts so ganz im Geist der historischen Bemühungen Europas um das Ziehkind Griechenland.

Was bezweckt sie, diese "Versammlung"? Grossarth:
Sie soll Bürger, Vereine und Kommunen vernetzen, damit sich diese selbst helfen, nachdem Subventionen und Fördermillionen die Probleme nicht gelöst haben (...) Fuchtel war schon vier Mal in Griechenland. Er merkte schnell, dass es nicht nur an guten Ideen fehlt. Es gibt Widerstand gegen jede Reform.
Fuchtels Reise, mit dem Journalisten Grossarth im Troß, galt diesmal der Rettung eines ökologischen kranken Sees; er hatte auch Fachleute für Gewässer dabei.

In der griechischen Presse kann man, so Grossarth, dazu lesen, Fuchtel sei so etwas wie der Kanzlerin Merkel "Minister für Nordgriechenland"; Amtssitz in Thessaloniki.

Griechenland, das Ziehkind und das Sorgenkind Europas. Wie in ein Entwicklungsland reisen die deutschen Experten dorthin, um den Griechen zu erklären, wie sie mit griechischen Problemen fertig werden können. Und sie scheinen sich ja auch selbst als das Mündel zu sehen, die Ziehkinder. Grossarth:
Der Reiseunternehmer Nikolaos Tsinas (...) sagt, er halte viel von der Deutsch-Griechischen Versammlung; irgendetwas müsse man tun. Denn die Griechen seien von Brüssel zehn Jahre wie in ein Aquarium gesetzt worden, in dem sie nur den Mund hätten öffnen müssen, und schon sei ihnen ein Fisch hinein geschwommen. Jetzt schwimme plötzlich kein Fisch mehr im Wasser, die Leute merkten, dass alles eine Illusion gewesen sei und bekämen Panik: "Sie haben ja nie gelernt zu angeln."
Nicht alle Griechen sind über Leute wie Fuchtel "erzürnt", die dem Land helfen wollen. Aber die "Erzürnten" schaffen es, anders als die Friedlichen, leicht in die Schlagzeilen. Man muß nur ein wenig Randale machen, hier in Form der Erstürmung eines Kongreßzentrums samt einer "Attacke" auf Menschen. Schon finde man Aufmerksamkeit in aller Welt; bis hin nach Kanada.
Zettel



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