10.11.12

Marginalie: Trittin und Göring-Eckardt - zwei würdige KandidatInnen der Partei der Besserverdienenden

Die - wie man so sagt - Basis der Grünen hat entschieden. Jedes Mitglied durfte zur Bestimmung des Spitzenduos zwei Stimmen abgeben; mit diesem Ergebnis: Jürgen Trittin erhielt 71,9 Prozent, Katrin Göring-Eckardt 47,3 Prozent, Renate Künast 38,6 Prozent und Claudia Roth 26,2 Prozent.

Ein bemerkenswertes, ein bezeichnendes Ergebnis. Es zeigt sehr deutlich, was für eine Partei die Grünen heute an der "Basis" sind - eine Partei der Besserverdienenden, des bürgerlichen Mittelstands.

Katrin Göring-Eckardt hat Theologie studiert und ist seit 2009 Präses der EKD. Sie begann zur Wendezeit ihre politische Tätigkeit im Demokratischen Aufbruch - derjenigen Gruppierung, als deren Pressesprecherin auch Angela Merkel ihre politische Karriere startete. Der Demokratische Aufbruch war eine Gruppierung, später Partei, mit engen Verbindungen zu kirchlichen Kreisen der DDR. Bürgerlicher geht's kaum. Göring-Eckardt galt lange Zeit als marktwirtschaftlich orientierte Realissima, hat sich aber jünst als mitfühlende Grüne zu profilieren versucht

Jürgen Trittin ist, was seine politische Entwicklung angeht, so etwas wie ein zweiter Joschka Fischer. Wie dieser hat er linksaußen begonnen - er gehört als ehemaliges Mitglied des Kommunistischen Bundes zu den Leuten, die aus den K-Gruppen zu den Grünen wechselten -, und wie Fischer hat er sich zügig verbürgerlicht. Im Auftreten und im Outfit wirkt Trittin, der gerne Außen- oder Finanzminister werden würde, heute eher wie ein gehobener Industriemanager als wie der Spitzenpolitiker einer Partei, die sich einst als alternativ verstand.

Künast und Roth hingegen haftet noch viel von dieser bunt-alternativen Vergangenheit der heutigen Partei der Besserverdienenden an. Die burschikose, immer ein wenig überengagiert wirkende Renate Künast, die schrille und stets hochemotionale Claudia Roth haben, anders als Trittin, den letzten Schritt zur Verbürgerlichung noch nicht getan.

Sie repräsentieren damit nicht mehr die "Basis" der Grünen. Dann nicht mehr, wenn man mit "Basis" die Gesamtheit der Mitglieder meint, von denen jetzt 62 Prozent abgestimmt haben.

Das ist freilich eine andere "Basis" als die der aktiven Mitglieder, die in die Parteiversammlungen kommen. Dort dominieren gelegentlich noch diejenigen, die man einst die Fundis nannte; ein allmählich verblassender Begriff.

Dort ist man noch ein wenig alternativ und hätte vielleicht Roth oder Künast bevorzugt. Aber die Studienräte und Pfarrer, die Journalisten und Sozialarbeiter, alle die Beamten und Angestellten des Öffentlichen Dienstes und von Helfer- und Beraterorganisationen aller Art, die heute den Kern der Grünen ausmachen, haben zwei KandidatInnen ihrer Couleur bestimmt.
Zettel



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