21.11.12

Kleines Klima-Kaleidoskop (31): Kühle Aussichten im heißen Katar. Die globale Erwärmung läßt sehr zu wünschen übrig

Vom kommenden Montag bis zum 7. Dezember findet in Doha im Emirat Katar die Doha Climate Change Conference statt, in der wieder einmal über die globale Erwärmung beraten werden soll.

Im Vorfeld versorgen uns die Medien mit alarmistischen Bedrohungszenarien. Das ZDF beispielsweise warnte: "Die Szenarien sind apokalyptisch: Sollte die Erderwärmung vier Grad Celsius erreichen, drohen ein deutlicher Anstieg des Meeresspiegels, unerwartete Hitzewellen, eine Zunahme von Wirbelstürmen und das Aussterben ganzer Arten".

Das ist das, was die Logiker eine Implikation nennen, eine "wenn ... dann"-Aussage. Die Voraussetzung zieht die Folge nach sich. Aber ist die Voraussetzung auch gegeben?

Wenn Sie diese Serie kennen, dann wissen Sie, daß ich kein "Klimaskeptiker" in dem Sinn bin, daß ich die Theorie der menschengemachen globalen Erwärmung (anthropogenic climate chance, ACC) für falsch oder gar für einen Schwindel halten würde. Nur halte ich sie eben für eine Theorie und keine geoffenbarte Wahrheit. Theorien können sich als unzutreffend herausstellen; und in der Wissenschafts­geschichte haben sich selbst Theorien als unrichtig erwiesen, die nachgerade als gesichertes Wissen gegolten hatten.

Ob eine Theorie stimmt, kann man nur anhand der Daten entscheiden.

Die beiden folgenden Grafiken (für vergrößerte Ansichten bitte darauf klicken) zeigen die aktuellen Daten zur globalen Erwärmung, wie man sie bei der amerikanischen regierungsamtlichen National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) findet. Beide Grafiken enthalten dieselben Daten - die Abweichung der Temperatur im Monat Oktober vom langjährigen Mittel seit 1880 -, aber verschieden aufgeschlüsselt: Einmal nach Nord- und Südhalbkugel und einmal nach Temperaturen über den Ozeanen und über den Landmassen:



Man sieht den Temperaturanstieg ab den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts; und man sieht, daß sich dieser Anstieg seit der Jahrtausendwende nicht mehr fortgesetzt hat. Es deutet sich inzwischen sogar ein leichter Rückgang an.

Ich zeige diese Art von Grafik von Zeit zu Zeit in einem Artikel zu diesem Thema. Stets sieht man dasselbe Bild: Ein Ansteigen der globalen Temperaturen will sich einfach nicht mehr einstellen; seit ungefähr 1997 nicht mehr (siehe Kleines Klima-Kaleidoskop (24): Jetzt liegen auch die globalen Temperaturdaten des Jahres 2011 vor. Sie werden vielleicht staunen, wenn Sie das sehen; ZR vom 30. 1. 2012).

Die Konzentration von CO2 ist im gleichen Zeitraum weiter ungefähr linear gestiegen, wie diese Grafik zeigt:
Die von der ACC-Theorie angenommene Ursache ist also da; aber die Folge bleibt aus.

Wenn die Daten in dieser Weise von der Vorhersage abweichen, dann muß die Theorie deshalb noch nicht unbedingt falsch sein. Sie hat nur ein Problem.

Je beharrlicher die Daten abweichen, umso größer wird das Problem. Die Theoretiker müssen sich immer mehr anstrengen, Zusatzannahmen zu ersinnen, mit deren Hilfe die Daten doch noch mit der Theorie vereinbart werden können (Ausschöpfen oder "Exhaurieren" der Theorie). Wie das geht, habe ich in einer früheren Folge dieser Serie diskutiert (Kleines Klima-Kaleidoskop (28): Eisige Ostern. Einzelne Wetterereignisse und die globale (Nicht-) Erwärmung; ZR vom 6. 4. 2012).

In einer normalen, nicht politisierten Wissenschaft würde eine solche Diskussion offen im doppelten Sinn geführt werden: Ergebnisoffen und offen gegenüber der Öffentlichkeit.

Viele Klimatologen aber, die sich der ACC-Theorie verschrieben haben wie Faust seine Seele dem Mephisto, tun gegenüber der Öffentlichkeit so, als gäbe es überhaupt kein Problem; als entwickelten sich die Daten zügig so, wie die Theorie es verlangt. Sie tun es nicht.
Zettel



© Zettel. Für Kommentare bitte hier klicken. Links zu allen Folgen dieser Serie finden Sie hier. Titelvignette: Drei Bilder, die sich durch das Schütteln eines Kaleidoskops ergeben. Fotografiert und in die Public Domain gestellt von rnbc. Abbildungen als Werke der US-Regierung gemeinfrei.
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