30. März 2011

Biografien. Ein deutscher Dialog. Zettel an Andrea (1)

Liebe Andrea, Sie haben mir geschrieben und gefragt, wer Zettel ist. Ich will das beantworten und möchte gern einen Dialog eröffnen, in dem es um deutsche Biografien gehen soll.

29. März 2011

Zeitenwende?: I wo! Ein optimistisches Wort zum Wahlsonntag

Bei einem Blick in die Presse muß man momentan den Eindruck gewinnen, es sei am Sonntag etwas ganz Außerordentliches geschehen. "Focus" spricht von einer "grünen Revolution", die FTD von einer "Zeitenwende" und die "Augsburger Allgemeine" nicht ganz geschmackssicher von einem "Erdbeben". Auch Zettel hat hier die These vertreten, daß der letzte Wahlsonntag einen echten Einschnitt bedeutet.

Logbuch Narrenschiff: Neuer Kurs der FDP

Die FDP ändert jetzt ihren Kurs in der Energiepolitik. Mir scheint, ein guter Anlaß, eine neue Rubrik in Zettels Raum einzuführen, das "Logbuch Narrenschiff".
Von Kallias

Liebe Leser,

als ich 2006 mit diesem Blog angefangen habe, sollte er literarisch sein, "kulturell", wie man so sagt, wissenschaftlich, philosophisch und auch politisch.

Das neue "Neue Deutschland". Schlagzeilen bei "Spiegel-Online"

Bei "Spiegel-Online" hat man es unter dem Chefradakteur Rüdiger Ditz und seinen Mitstreitern Florian Harms und Jule Lutteroth sowie dem altgedienten linken "Spiegel"-Urgestein Roland Nelles aufgegeben, auch nur noch den Anschein eines fairen Journalismus zu erwecken. Man hat ein linkes Kampfblatt geschaffen.

28. März 2011

Nicht hilfreich: Wahlanalyse von Lyllith

Es ist gewählt, und ich gebe mich erleichtert der Hoffnung hin, dass in die Berichterstattung der Realitätssinn wieder einkehrt. Allerdings reicht das Überfliegen erster Kommentare in den Qualitätsmedien aus, um zu sehen, dass es sich dabei um Wunschdenken handeln könnte.

Die Wahlergebnisse dienen lediglich als Anlass, Agitation und Propaganda fortzusetzen und möglichst noch ein Schippchen draufzulegen. Von einer Rückkehr zur Tagesordnung ist nichts zu erkennen. Nachdem man jetzt Blut geleckt hat, steht das große Ziel, die Bundesregierung zu stürzen, auf der Tagesordnung.

27. März 2011

Marginalie: Es ist passiert. Die grüne Machtergreifung findet statt

Sie haben, diese Grünen, als eine Splitterpartei von redlichen Fanatikern angefangen, von Petra Kelly und vom Ökobauern Baldur Springmann. Jetzt werden sie sehr wahrscheinlich in Stuttgart regieren, bald vielleicht im Bundesland Berlin.

Ein "gerechter Krieg" gegen Libyen? Welche Interessen stecken hinter der Intervention Frankreichs und Großbritanniens?

Die gedruckte "Zeit" dieser Woche macht auf mit dem Titel "Ist das ein gerechter Krieg?". Das ist in blutigem Rot auf schwarzem Grund geschrieben, und man sieht auch noch eine Friedenstaube, die Bomben abwirft.

Jo mei. Alberner geht es schwerlich.

Zitat des Tages: Der "Spiegel" wundert sich über die Japaner

Was in Japan passiert ist und was noch droht, ängstigt die Welt - doch die auffällige Gelassenheit der Menschen in Zeiten der Kernschmelze gibt ihr Rätsel auf. SPIEGEL-Reporter Walter Mayr, 51, reiste mit dem nur spärlich besetzten Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen gut 500 Kilometer von Osaka nach Tokio und fand dort eine "unwirkliche Ruhe" vor, die "im krassen Kontrast zur Furcht des Westens vor einem Super-GAU" steht. Aber wie ist diese Haltung zu erklären?

26. März 2011

Kurioses, kurz kommentiert: Schweigeminute für ein Todesopfer. Kein Schweigen für 20.000 Todesopfer. Der deutsche Atomwahn wird grotesk

Um 14.15 Uhr gab es eine bundesweite Schweigeminute für die Opfer der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima.

sueddeutsche.de heute unter der Überschrift "Anti-Atom-Bewegung mobilisiert 200.000 Menschen".


Kommentar: Bisher hat der Unfall im KKW Fukushima Daiichi genau ein Todesopfer gefordert: Ein Kranführer kam bei den Rettungsarbeiten ums Leben.

Aufruhr in Arabien (17): Israels Dilemma. Dreißig Jahre nach dem Friedensvertrag mit Ägypten ist das Land wieder bedroht

Seit genau 32 Jahren - nämlich seit dem Friedensvertrag mit Ägypten vom 26. März 1979 - lebt Israel in einer Situation relativen Friedens. Relativ heißt, daß es keine unmittelbare Gefahr eines großen Kriegs gab und bisher gibt. Es heißt nicht, daß Israel nicht ständig terroristischen Angriffen ausgesetzt wäre; mit Raketen und Mörsern, mit Bomben und Selbstmordattentaten. Die jüngste solche Attacke ist erst drei Tage her (siehe Anschlag in Jerusalem. Silvan Shalom spricht von einer möglichen neuen Operation "Gegossenes Blei"; ZR vom 23. 3. 2011).

25. März 2011

Kurzberichte zu Fukushima Daiichi (13): Der Sprecher von NISA zieht seine Aussage zurück (Stand: Freitag, 18.30 Uhr)

Im Augenblick sieht es wieder eher danach aus, daß doch keine größere Gefahr von Block 3 ausgeht.

Die Befürchtung eines Risses im Containment, über die ich heute Mittag berichtet hatte, war von Hidehiko Nishiyama vom NISA geäußert worden. Wie die japanische Zeitung Mainichi Daily News jetzt meldet, hat Nishiyama inzwischen klargestellt, daß dies nur eine persönliche Vermutung gewesen war:

Kurzberichte zu Fukushima Daiichi (12): Ein Riß im Containment von Block 3? (Stand: Freitag, 11.30 Uhr)

In den vergangenen Stunden rückte die Lage in Block 3 immer mehr in den Mittelpunkt.

Zum einen war dies der Reaktor gewesen, an dem drei Männer Verstrahlungen an den Füßen erlitten hatten, weil sie nicht hinreichend gegen das radioaktiv verseuchte Wasser geschützt gewesen waren, in dem sie standen. Was nun dazu gemeldet wird, ist in der Tat alarmierend: Die Radioaktivität dieses Wassers (gemessen in Bq/kg) lag beim 10.000fachen des Werts im normalem Reaktorbetrieb.

Zitat des Tages: Des Ministers Brüderle Wahrheit. Die Unehrlichkeit hier, die Heuchelei da

Herr Dr. Keitel machte darauf aufmerksam, dass derzeit eine Meldung über den Ticker laufe, wonach die Bundesregierung am Nachmittag ein Moratorium der Laufzeitverlängerung für Kernkraftwerke bekannt geben wolle. Der Minister bestätigte dies und wies erläuternd darauf hin, dass angesichts der bevorstehenden Landtagswahlen Druck auf der Politik laste und die Entscheidungen daher nicht immer rational seien.

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle laut Protokoll am vorletzten Montag, dem 14. März vor dem Präsidium des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) in Berlin.

Stratfors Analysen: "Gaddafi könnte wieder die terroristische Karte spielen". Scott Stewart über Libyen und den internationalen Terrorismus

On March 19, military forces from the United States, France and Great Britain began to enforce U.N. Security Council Resolution 1973, which called for the establishment of a no-fly zone over Libya and authorized the countries involved in enforcing the zone to “take all necessary measures” to protect civilians and “civilian-populated areas under threat of attack.” Obviously, such military operations cannot be imposed against the will of a hostile nation without first removing the country’s ability to interfere with the no-fly zone — and removing this ability to resist requires strikes against military command-and-control centers, surface-to-air missile installations and military airfields.

24. März 2011

Kurzberichte zu Fukushima Daiichi (11): Die Temperaturen sinken jetzt schnell. "Kein zweites Tschernobyl" (Stand: Donnerstag, 17.00 Uhr)

Die wichtigsten Meldungen des heutigen Tages (in Japan ist es jetzt bereits ein Uhr nachts) betreffen die Temperaturen.

Die Temperaturen sind in mehrfacher Hinsicht kritisch: Zum einen müssen die Reaktoren und die Abklingbecken gekühlt werden, damit aus dem Schmelzen oder Anschmelzen einzelner Brennstäbe keine umfassende Kernschmelze hervorgehen kann. Das ist der langfristige, der sozusagen strategische Aspekt. Kurzfristig - gewissermaßen auf der taktischen Ebene - geht es darum, die Temperaturen zu senken, um damit auch die ionisierende Strahlung, die vor allem von den Brennstäben in den Abklingbecken ausgeht, weiter zu reduzieren.

Kurzberichte zu Fukushima Daiichi (10): Die negativen Nachrichten überwiegen heute (Stand: Donnerstag, 9.30 Uhr)

Im Augenblick überwiegen die negativen Nachrichten. Von der Zuversicht, die in den vergangenen Tagen in den Meldungen von NHK - auch beispielsweise in den Auftritten des Regierungssprechers Edano - zu spüren gewesen war, ist gegenwärtig wenig geblieben.

Das ist eine Momentaufnahme. Es kann sich bald wieder ändern, wie das schon mehrfach der Fall gewesen ist, nachdem es Rückschläge gegeben hatte. Aber es ist die momentane Situation. Edano sagte in der vergangenen Nacht (MEZ) nicht mehr, daß es vorangehe, sondern daß man damit rechne, eine Verschlechterung vermeiden zu können.

23. März 2011

Aus dem Lehrerzimmer: Der Kampf gegen die Atomkraft im politisch korrekten Unterricht. Mit einem Nachtrag.


Die Einstellung der Generation der heute bis 40-Jährigen zumindest in Westdeutschland dürfte nicht unwesentlich geprägt sein durch den Jugendroman "Die Wolke" von Gudrun Pausewang (vgl. T. Spreckelsen: "Das Angstmacherbuch unserer Schulzeit"). Erschienen ein Dreivierteljahr nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl, handelt er von dem Schicksal eines 14-jährigen Mädchens nach einem (fiktiven) Super-GAU im Kernkraftwerk Grafenrheinfeld. Mit 1,5 Millionen verkauften Exemplaren ist "Die Wolke" ein sehr erfolgreiches Jugendbuch und eine verbreitete Schullektüre im politisch korrekten Deutschunterricht, und nach Fukushima ist das Buch wieder in den Beststellerlisten der Jugendliteratur.

Stratfors Analysen: Anschlag in Jerusalem. Silvan Shalom spricht von einer möglichen neuen Operation "Gegossenes Blei". Die Spannungen steigen

Der Aufruhr im arabischen Raum hat sich bisher auf Israel kaum unmittelbar und akut ausgewirkt. Das könnte sich jetzt ändern, meint Stratfor in einem heute um 16.04 MEZ erschienen Hintergrundbericht, der nur Mitgliedern zugänglich ist. Auf ihn stütze ich mich bei diesem Artikel hauptsächlich.

Kurzberichte zu Fukushima Daiichi (9): Die aktuelle Falschmeldung bei "Spiegel-Online"; diesmal Extraklasse (Stand: Mittwoch, 13.30 Uhr)

Was die Produktion von Falschmeldungen angeht, dürfte "Spiegel-Online" inzwischen den einst legendären Ruf von "Bild" übertreffen. Aber heute übertraf "Spiegel-Online" sich selbst.

Bis vor einer Stunde stand dort auf der Hauptseite als Aufmacher die Schlagzeile "Erhöhte Radioaktivität - AKW Fukushima komplett evakuiert". Der zugehörige Artikel ist datiert mit "23. März 2011, 09:33 Uhr". Dies war mehr als drei Stunden lang der Aufmacher. Um 12.52 wurde die Schlagzeile geändert.

Kurzberichte zu Fukushima Daiichi (8): Fortschritte bei der Aufnahme des Normalbetriebs, aber noch hohe Strahlenbelastung (Stand: Mittwoch, 7.00 Uhr)

Die wichtigste positive Nachricht ist, daß in Block 3 der Kontrollraum jetzt wieder in Betrieb ist. Als erster Reaktor soll dieser Block wieder über seine eigenen Pumpen gekühlt werden. Hierzu wird heute die erste Pumpe getestet.

Noch geht aber auch die externe Kühlung weiter. Bei Block 4 wird jetzt seit 2.00 Uhr MEZ die Betonpumpe eingesetzt, deren Pumpröhre bis zu einer Höhe von mehr als 50 Metern ausgefahren werden kann. Gegenüber den Löschfahrzeugen der Feuerwehr hat das vor allem den Vorteil, daß damit das Wasser zielgenau zum Abklingbecken geleitet werden kann, während die Feuerwehrfahrzeuge es nur in dessen Richtung spritzen können.

Zitat des Tages: "Wir haben uns geirrt". Verteidigungsminister Gates über die Entscheidung, Angehörigen von Soldaten das Verlassen Japans anzubieten

Q: Mr. Secretary, radiation in Japan -- can you talk about your concerns about risk to U.S. service members in Japan, and the calculation possibly of withdrawing some or all of them?

SEC. GATES: Well, I think first of all, we've certainly erred on the side of caution in terms of women and children, dependents, in terms of offering them the opportunity to leave.

22. März 2011

Kurzberichte zu Fukushima Daiichi (7): Die Instandsetzung geht jetzt schnell voran. Die Katastrophe findet nicht statt (Stand: Dienstag, 19.30 Uhr)

In den letzten Stunden haben die Arbeiten zur Instandsetzung des KKW Fukushima Daiichi recht erstaunliche Fortschritte gemacht. Man kann jetzt sagen, daß mit großer Wahrscheinlichkeit kein schweres Unglück mehr eintreten wird. Die Katastrophe, von der unsere Zeitungen und TV-Nachrichten voll gewesen waren, wird nicht stattfinden.

Interessant an den Meldungen der letzten Stunden ist das Zusammenspiel zwischen den verschiedenen Maßnahmen, die einander teils bedingen, die sich teils aber auch gegenseitig ausschließen.

Solche Wechselwirkungen gab es seit Beginn des Störfalls:

Stratfors Analysen: "Der Vergleich mit dem Irak liegt auf der Hand". George Friedman über Ideologie und Interessen hinter der Libyen-Intervention

Forces from the United States and some European countries have intervened in Libya. Under U.N. authorization, they have imposed a no-fly zone in Libya, meaning they will shoot down any Libyan aircraft that attempts to fly within Libya. In addition, they have conducted attacks against aircraft on the ground, airfields, air defenses and the command, control and communication systems of the Libyan government, and French and U.S. aircraft have struck against Libyan armor and ground forces.

Kurzberichte zu Fukushima Daiichi (6): Die positiven Nachrichten überwiegen wieder (Stand: Dienstag, 15.00 Uhr)

Es gibt eine sehr gute Nachricht: Die gestern wegen des Rauchs (oder Dampfs?), der von zwei Blöcken aufstieg, unterbrochenen Arbeiten sind jetzt in vollem Umfang wieder aufgenommen worden. Der weiße Rauch über Block 2 ist nahezu verschwunden, die Rauchentwicklung über Block 3 ebenfalls zurückgegangen. Parallel dazu sank auch die Strahlung. Sie lag am Hauptmeßpunkt am Eingang in der Nacht zu heute um 2.00 Uhr (MEZ) nur noch bei 0,26 mSv/h.

Das erlaubte es, die vorübergehend unterbrochenen Arbeiten (siehe Die Arbeiten sind vorläufig unterbrochen; ZR vom 22. 3. 2011) wieder uneingeschränkt fortzusetzen.