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16. Februar 2011

Stratfors Analysen: Ankündigung einer neuen Rubrik

Künftig gibt es in ZR die neue Rubrik "Stratfors Analysen".

Der auf Erkenntnisse von Geheimdiensten spezialisierte Informationsdienst Stratfor hat sich auch jetzt bei seinen Berichten über die Revolution in Ägypten wieder als außerordentlich zuverlässig erwiesen.

Ich habe in den vergangenen Jahren immer wieder diese Quelle für Artikel in ZR benutzt und fast nie gefunden, daß die Informationen falsch oder die Analysen fern der Realität gewesen wären; wie es so oft der Fall bei Diensten ist, die "Hintergrundinformationen" versprechen. Diese Analysen von Stratfor möchte ich künftig stärker als bisher den Lesern von ZR zugänglich machen.

Die Rubrik "Stratfors Analysen" wird zwei Arten von Beiträgen umfassen:
  • Artikel von mir, in denen ich mich auf die nicht öffentlich zugänglichen Berichte von Stratfor stütze, die ich erhalte. Es liegt in der Natur der Sache, daß ich in diesen Artikeln die Informationen von Stratfor weder wörtlich zitieren noch verlinken kann. Das ist eine Neuerung in ZR; denn in allen anderen Artikeln lege ich Wert darauf, daß der Leser anhand verlinkter Quellen das nachprüfen kann, was ich schreibe. Hier können Sie die Informationen und Analysen, die ich verwende, nur anhand der Realität prüfen. Verlinken werde ich aber ggf. öffentlich zugängliche Quellen, auf die Stratfor sich bezieht.

  • Die vollständig Übernahme von frei zugänglichen Artikeln von Stratfor. Diese Artikel, die auch Nichtabonnenten zur Verfügung stehen, erlaubt Stratfor in Blogs zu übernehmen; mit einer entsprechenden Quellenangabe in der Fußzeile. Dort finden Sie auch die Original-Überschrift des Artikels und einen Link zu ihm, während ich für die Publikation in ZR eine eigene, deutsche Überschrift wähle.
  • Die Texte sind aber nur in Englisch. Auch hier weiche ich also von meiner sonstigen Praxis ab, fremdsprachige Texte grundsätzlich zu übersetzen.

    Bei diesen vollständigen Artikeln ist das rechtlich nicht möglich; es wäre auch ein unvertretbarer Arbeitsaufwand. Zur Erleichterung der Lektüre gehen aber den meisten Artikeln deutsche Zusammenfassungen voraus; diese können Ihnen auch die Entscheidung erleichtern, ob Sie die Zeit aufwenden wollen, den Text im englischen Original zu lesen.

    Den ersten Artikel in der neuen Rubrik finden Sie hier.



    © Zettel. Für Kommentare bitte hier klicken.

    1. Januar 2012

    Marginalie: Die Lage am persischen Golf spitzt sich zu. Informationen zu den Hintergründen. Nebst einer Anmerkung zur bedrohten Informationsfreiheit

    Die Lage am Persischen Golf spitzt sich stündlich zu. Der Iran benimmt sich bereits, als sei er der Herr der Region, was in der Tat nicht mehr weit von der Realität entfernt ist.

    Wenn Sie ZR regelmäßig lesen, dann wird die jetzige Entwicklung für Sie nicht überraschend gekommen sein. Vielleicht mögen Sie zum Hintergrund der aktuellen Ereignisse das eine oder andere aus diesen Artikeln noch einmal nachlesen:

    23. März 2011

    Stratfors Analysen: Anschlag in Jerusalem. Silvan Shalom spricht von einer möglichen neuen Operation "Gegossenes Blei". Die Spannungen steigen

    Der Aufruhr im arabischen Raum hat sich bisher auf Israel kaum unmittelbar und akut ausgewirkt. Das könnte sich jetzt ändern, meint Stratfor in einem heute um 16.04 MEZ erschienen Hintergrundbericht, der nur Mitgliedern zugänglich ist. Auf ihn stütze ich mich bei diesem Artikel hauptsächlich.

    10. März 2011

    Stratfors Analysen: Geht es am morgigen Freitag in Saudi-Arabien los?

    Vor gut einer Stunde habe ich von Stratfor eine sogenannte Red Alert erhalten, eine Eilmeldung von besonderer Wichtigkeit: In der Stadt Katif im Osten Saudi-Arabiens, die einen hohen schiitischen Bevölkerungsanteil hat, eröffnete heute die Polizei das Feuer auf eine Ansammlung von mehreren hundert Demonstranten und setzte Schockgranaten gegen sie ein. Über Opfer ist nichts bekannt.

    2. März 2011

    Stratfors Analysen: Wie läuft eigentlich der Krieg in Afghanistan?

    Stratfor bringt wöchtentlich einen Bericht über die Lage in Afghanistan (nur für Abonnenten zugänglich). Diese Lage ist nicht gut.

    Die US-Truppen ziehen sich jetzt aus dem lange umkämpften Pech-Tal im Nordwesten des Landes zurück, in der Provinz Kunar und nah der Grenze zu Pakistan. Demnächst sollen dort nur noch afghanische Truppen gegen die Taliban kämpfen. Die Begründung der US-Regierung ist interessant: Wegen der amerikanischen Truppen dort hätte es so viel Gewalt gegeben. Also geht man. Damit ist freilich die Gewalt gegen die US-Truppen beseitigt. Nur werden dort wohl die Taliban stärker werden; sie feiern den Rückzug bereits als ihren Sieg.

    Warum der Rückzug? Es fehlt einfach an Truppen. Die Streitmacht der ISAF ist zu dünn über das Land verteilt; ein klassisches Problem von Landkriegen in Asien (siehe "Die USA gewinnen Schlachten, verlieren aber den Krieg"; ZR vom 3. 3. 2011). Anderswo, etwa in der Provinz Kandahar, werden die Truppen dringender benötigt.

    Amerikanische und afghanische Sprecher sagen, die Taliban hätten ihre Strategie verändert; sie würden jetzt eher "weiche Ziele" angreifen (Polizeistationen und Zivilisten), als daß sie sich in Kämpfe mit den afghanischen Truppen und denen der ISAF einlassen würden. Dies wird als Erfolg bewertet. Die Taliban bestreiten das und sprechen von einer neuen Offensive, die durch die Wetterbedingungen im heraufziehenden Frühling begünstigt werden würde.

    Wenn die Taliban jetzt verstärkt Polizeiposten angreifen, dann ist das auch ein Versuch, die Bevölkerung psychologisch zu beeinflussen. In einem solchen Guerrilla-Krieg wird die Haltung der Menschen immer stark davon abhängen, vor wem sie sich mehr fürchten und von wem sie sich besser geschützt fühlen.

    Im Süden Afghanistans hat (anders als in den anderen Regionen) das Vertrauen in die Fähigkeit der Polizei, die Menschen zu schützen, rapide abgenommen. Im übrigen Land ist es aber erstaunlich hoch (rund 80 Prozent fühlen sich von der Polizei gut geschützt).

    Das wichtigste Umfrageergebnis ist, daß nur ein Drittel der Afghanen glaubt, daß die afghanischen Sicherheitskräfte demnächst die Aufgaben der ISAF-Streitmacht übernehmen können.

    Es ist also das klassische Dilemma solcher Kriege: Sie sind nicht zu gewinnen; aber man kann sich auch nicht ohne inakzeptable Folgen aus ihnen zurückziehen.



    © Zettel. Für Kommentare bitte hier klicken. Lesen Sie zu "Stratfors Analysen" bitte auch die Ankündigung dieser Rubrik.

    1. März 2011

    Stratfors Analysen: Die militärische Lage in Libyen und die Rolle Ägyptens

    In einem gestrigen Artikel (nur Abonnenten zugänglich) analysiert Stratfor die Rolle Ägyptens in Libyen und geht dabei auch auf die dortige militärische Lage ein, wie sie sich im Augenblick darstellt.

    Ostlibyen wird nicht mehr von Gaddafi kontrolliert. Aber zwischen dem Bevölkerungszentrum um Bengasi, also dem Kern der alten Cyrenaika, und dem alten Tripolitanien mit der Hauptstadt Tripoli liegen 800 km Wüste (siehe Die Stämme Libyens und ihre Rolle im jetzigen Machtkampf; ZR vom 26. 2. 2011). Daß diejenigen, die dort jetzt an der Macht sind, nach Tripolitanien aufbrechen, um ihre Revolution auch dorthin zu tragen, ist also schwierig. Ein solcher Marsch durch die Wüste wird nach den Informationen von Stratfor dennoch vorbereitet.

    Ein Marsch auf Tripoli ist nicht nur aus geographischen Gründen schwierig, sondern auch deshalb, weil die militärischen Möglichkeiten der Revolutionäre begrenzt sind. Die rund 8.000 Mann seien, schreibt Stratfor, eine Mischung aus Deserteuren, Politikern, Juristen und Jugendlichen; die meisten ohne Kampfausbildung und schlecht ausgerüstet. Gaddafi andererseits verfügt noch immer über eine Luftwaffe, mit der er einer solchen nach Westen marschierenden Streitmacht große Verluste zufügen könnte. Seine Bodenstreitkräfte werden auf 5.000 gut ausgebildete Berufssoldaten geschätzt.

    Hier nun kommt Ägypten ins Spiel. Es versorgt nach den Informationen von Stratfor die Revolutionäre mit Waffen und hat auch Ausbilder geschickt. Laut einer hochrangigen Quelle von Stratfor, deren Informationen aber noch nicht verifiziert werden konnten, soll an der Westgrenze Libyens jetzt Tunesien etwas Ähnliches vorbereiten. Tripoli könnte also von beiden Richtungen her in die Zange genommen werden.

    Warum engagiert sich Ägypten in Libyen? Zum einen wegen zwei Befürchtungen: Erstens würde ein lang anhaltender Bürgerkrieg Massen von Flüchtlingen nach Ägypten treiben. Zweitens fürchtet man in Kairo ein islamistisches Regime in der Cyrenaika, das den eigenen Islamisten Auftrieb geben könnte. Ein "Islamisches Emirat Bengasi" wurde ja bereits ausgerufen; siehe Berlusconi und Gaddafi - nur eine Männerfreundschaft? Nein, es geht um Interessen; ZR vom 25. 2. 2011. (Allerdings beherrschen die Islamisten keineswegs die Cyrenaika. Es gibt zwei konkurrierende "Nationale Räte"; der eine angeführt von Gaddafis bisherigem Justizminister Mustafa Abdul Jalil, der andere von dem Rechtsanwalt Hafiz Ghoga).

    Aus ägyptischer Sicht ist Libyen dabei zu zerbrechen. Also versucht man die Cyrenaika zu stabilisieren. Zugleich wird hier, meint Stratfor, ein neues Selbstverständnis Ägyptens als arabische Ordnungsmacht sichtbar, das sich seit dem Sturz Mubaraks herausbildet: Ägypten fehlen zwar die Petrodollar, aber es ist eine Militärmacht.

    Ägyptens Handeln wird aber nicht nur von Befürchtungen bestimmt, sondern auch von positiven Erwartungen. Ein von Ägypten abhängiges, von Tripoli losgelöstes Ostlibyen wäre für Kairo aus verschiedenen Gründen attraktiv: Wegen seiner Ölfelder, aber auch als ein Arbeitsmarkt für Ägyptens oft gut ausgebildete Arbeitslose.



    Die Geschichte der ägyptisch-libyschen Beziehung ist im vergangenen halben Jahrhundert wechselvoll gewesen. Einerseits hat man in Libyen (rund 6 Millionen Einwohner gegenüber 80 Millionen Ägyptern) den großen Nachbarn stets als eine Bedrohung gesehen. Andererseits gab es auch die panarabische Idee. Im Jom-Kippur-Krieg von 1973 schickte Gaddafi den Ägyptern Flugzeuge zur Verstärkung ihrer Luftwaffe.

    Dann trennten sich die Wege, als Saddat auf Friedenskurs mit Israel ging. 1977 gab es sogar einen kurzen Grenzkrieg zwischen Libyen und Ägypten. Libyen warf einerseits Saddat wegen dieser Friedensverhandlungen Verrat an der arabischen Sache vor; andererseits fürchtete Gaddafi auch die Übermacht eines Ägypten, das nicht mehr durch den Konflikt mit Israel belastet sein würde. 1980 versuchte er deshalb eine Union mit Syrien gegen Ägypten zu zimmern, was aber scheiterte.

    Wie andere - wie die USA, wie Rußland und vor allem Italien - versucht Ägypten jetzt also, auf eine neue Ordnung in Libyen Einfluß zu nehmen. Die Erfolgschancen beurteilt Stratfor skeptisch. Gaddafi hätte, argumentieren die Autoren, seine Macht immer darauf gegründet, die verschiedenen Kräfte in seinem Land gegeneinander auszuspielen. Was aus der Dynamik dieser Kräfte entstehen wird, wenn Gaddafi gehen muß, ist kaum vorherzusagen.



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    31. Januar 2013

    Die Bedrohung Israels. Hintergründe der gestrigen Luftschläge

    Rechts oben auf der nebenstehenden Karte (für eine vergrößerte Ansicht zweimal auf die Abbildung klicken) sehen Sie das Dreiländereck zwischen Syrien, dem Libanon und den von Israel besetzten Golanhöhen. Dort, in Syrien nahe der libanesischen Grenze, flogen gestern israelische Jagdflugzeuge zwei Angriffe gegen syrische Ziele.

    Gestern Abend gegen 22 Uhr MEZ verbreitete die New York Times eine Eilmeldung, die auf einen gemeinsam vom Jerusalemer und Washingtoner Büro der NYT verfaßten Artikel verwies. Darin beruft sich die Zeitung auf anonyme Quellen in der US-Regierung, laut denen Israel die USA über einen Angriff auf einen Militärkonvoi informiert habe.

    Dieser habe sich, beladen mit sophisticated antiaircraft weaponry, also hochentwickelten Luftabwehr-Waffen, in Syrien in Richtung libanesische Grenze bewegt. Die Waffen seien für die Hisbollah bestimmt gewesen. Weitere amerikanische Quellen sprechen davon, daß es sich um russische SA-17-Luftabwehrraketen gehandelt habe.

    19. Februar 2011

    Stratfors Analysen: Die aktuelle Lage in den arabischen Ländern und im Iran. Teil 1: Ägypten und der Maghreb

    Stratfor hat jetzt in einer umfangreichen Analyse die Lage in den Ländern von Marokko bis zum Iran untersucht. Ich fasse sie in mehreren Folgen zusammen; einbezogen sind weitere Informationen und meine eigenen Bewertungen:


    Ägypten: Wie George Friedman in einem eigenen Artikel zu Ägypten dargelegt hat (siehe "Anfang der Woche regierte ein alter Soldat Ägypten. Ende der Woche regierte ein anderer alter Soldat Ägypten" (George Friedman); ZR vom 16. 2. 2011), hat aus der Sicht von Stratfor in Ägypten keine Revolution stattgefunden, sondern ein vom Militär sorgfältig inszenierter Machtwechsel.

    Auf dem Höhepunkt der Unruhen demonstrierten nicht mehr als 200.000 bis 300.000 Menschen (Kairo hat 7 Millionen Einwohner; im Nildelta leben ungefähr 30 Millionen Ägypter). Das Militär nutzte die Unruhen, um Mubarak loszuwerden.

    Im Augenblick scheint es sich mit den Moslembrüdern und den demokratischen Kräften zu arrangieren, aber Stratfor sagt eine wachsene Kluft vorher; denn das Militär wird seine Macht und seine Pfründe nicht freiwillig aufgeben.


    Tunesien: Hier hat eher so etwas wie eine Revolution stattgefunden (siehe auch Wie ist eigentlich die Lage in Tunesien? Erstaunlich!; ZR vom 5. 2. 2011). Die Geheimpolizei ist weitgehend entmachtet; es kehrt wieder annähernd Normalität ein. Noch in diesem Jahr, aber bisher ohne festgelegten Termin, sollen Wahlen stattfinden. Die demokratische Opposition ist jedoch schwach; auch die Islamisten sind es nach Einschätzung von Stratfor. Die bisherige Staatspartei NDP ist dabei, sich zu reorganisieren und dürfte an den Schalthebeln der Macht bleiben.

    Das könnte neue Unruhen mit sich bringen; möglicherweise ein Eingreifen des Militärs nach ägyptischem Vorbild nach sich ziehen.


    Algerien: Wie in Ägypten und Tunesien ist die Jugendarbeitslosigkeit anhaltend hoch und sind die Lebensmittelpreise in letzter Zeit stark gestiegen. Es ist bisher aber nur zu vereinzelten Protesten gekommen, denn der Unterdrückungsapparat arbeitet sehr effizient. Für den 25. Februar wurde zu einer Demonstration aufgerufen; bereits jetzt werden für diesen Tag Polizeikräfte zusammengezogen. Sowohl die Islamisten der verbotenen FIS als auch einige der großen Gewerkschaften haben zu dem Protest aufgerufen.

    Wie in Ägypten findet aber nach der Analyse von Stratfor der eigentlich Machtkampf hinter den Kulissen statt, und zwar zwischen dem autoritär herrschenden Abdel Aziz Bouteflika und dem Sicherheitschef, General Mohamed "Toufik" Mediene. Er ist ein alter Weggefährte Bouteflikas und leitet die Sicherheitskräfte schon seit 1990.

    In den letzten Jahren entwickelte sich aber zwischen den beiden eine immer schärfere Rivalität. Es geht wesentlich um die Nachfolge des 73jährigen Bouteflika. Mediene hat gute Kontakte zur Opposition, vor allem zu Saeed Saidi, der wie er Berber ist. Die Berber stellen ungefähr ein Drittel der Bevölkerung; ihre Unzufriedenheit ist einer der Faktoren hinter den jetzigen Unruhen. Die arabische Mehrheit scheint sich bisher hingegen überwiegend ruhig zu verhalten.

    Auch in Algerien könnte das Militär ein kritischer Faktor werden. Es hat unter Bouteflika an Macht verloren. Die Militärführung steht zwar bisher zu dem Präsidenten, aber in den mittleren und unteren Rängen gibt es viel Unzufriedenheit.

    Bouteflika versucht jetzt, die Opposition durch Entgegenkommen ruhigzustellen. Die Subventionen für Lebensmittel wurden erhöht; der Ölstaat Algerien kann sich das wegen der hohen Erdölpreise leisten. Bouteflika hat versprochen, Ende Februar den Ausnahmezustand zu beenden, und er hat politische Reformen angekündigt.

    Es ist eine Doppelstrategie: Einerseits materielle Verbesserungen und die Ankündigung politischer Reformen; andererseits ein hartes Vorgehen gegen die Opposition.


    Marokko: In Marokko ist es bis auf kleinere Demonstrationen bisher weitgehen ruhig geblieben. Für den morgigen Sonntag ist aber ein nationaler Protesttag angekündigt worden. König Mohammed VI hat reagiert, indem er mit Vertretern der Opposition zusammengetroffen ist und versprochen hat, die im Gang befindlichen wirtschaftlichen, sozialen und politischen Reformen zu beschleunigen.

    Wie in Ägypten gibt es eine demokratische und eine islamistische Opposition. Die Letzere ist stärker als in Tunesien; allein die verbotene Partei für Gerechtigkeit und Wohlfahrt soll 200.000 Mitglieder haben. Keine der oppositionellen Gruppen will jedoch die konstitutionelle Monarchie abschaffen. Gefordert wird eine Verfassungsreform, welche die Rechte des Monarchen einschränken soll.

    Der Unterschied zu Algerien zeigt sich schon darin, daß die für morgen angekündigten Demonstrationen von der Regierung ausdrücklich erlaubt wurden.

    Im Zug der Unruhen im Maghreb könnten auch außenpolitische Konflikte wieder belebt werden. Der marokkanische Außenminister Taieb Fassi Fihri hat bereits Algerien davor gewarnt, Unruhen in der Westsahara zu schüren; einem Land zwischen Algerien, Marokko und Mauretanien, in dem die Polisario-Front herrscht (ihr "Befreiungskampf" war einst ein Thema in der deutschen Linken gewesen).



    Bereits diese vier Staaten zeigen also ein sehr unterschiedliches Bild.

    Die vergleichsweise geringsten Probleme hat das westlich orientierte Königreich Marokko, das als einziges dieser Länder nie sozialistische Tendenzen entwickelt hat.

    Algerien lebt immer noch mit dem Trauma des blutigen Bürgerkriegs gegen die islamistische FIS; Bouteflika könnte mit seiner Strategie von Zuckerbrot und Peitsche Erfolg haben.

    In Tunesien erscheint derzeit alles möglich - von einem System mit Zügen einer westlichen Demokratie bis hin zu einem Militärputsch.

    In Ägypten wird die Frage sein, ob es dem Militär gelingt, seine Machtstellung zu behaupten, oder ob es mit seinem Putsch gegen Mubarak eine Dynamik in Gang gesetzt hat, die es schließlich selbst gefährdet.

    Die große Unbekannte ist in allen vier Ländern die Stärke der Islamisten. Sie waren bisher überall verboten oder sind es noch. Es läßt sich kaum sagen, wie gut sie bei freien Wahlen abschneiden würden. (Fortsetzung hier).



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    17. November 2012

    Krieg in Nahost (1): Stratfors Analysen: Update on the Israel-Gaza Conflict (Englischer Text)

    Die folgende aktuelle Analyse wurde heute um 19.25 Uhr MEZ von Stratfor publiziert. Ich dokumentiere sie auf Englisch als ersten Beitrag zu einer Serie; denn ein Krieg erscheint nun nahezu unausweichlich.





    Summary

    New intelligence indicates forces in Gaza may be manufacturing long-range rockets locally. If this is the case, a significant ground force offers the Israelis the best chance of finding and neutralizing the factories making these weapons. Meanwhile, Israel continues its airstrikes on Gaza, and Gaza continues its long-range rocket attacks on major Israeli population centers, though Israel claims its Iron Dome defense system has intercepted most of the rockets.

    12. Mai 2012

    Marginalie: Die Kriegsgefahr im Nahen Osten wächst. Zwei amerikanische Analysen

    Die explosive Situation im Nahen Osten ist in Deutschland vorübergehend zu einem Thema geworden, als vor einigen Wochen über das unsägliche Gedicht von Günter Grass debattiert wurde. Aber die Diskussion blieb seltsam abgehoben.

    Man stritt darüber, ob Grass Antisemit sei; man versuchte sich im Psychologisieren (Setzt er sich unbewußt noch immer damit auseinander, bei der Waffen-SS gewesen zu sein?). Über Schuld wurde debattiert und über das, was man "sagen darf" und was angeblich nicht.

    Über die militärische Situation Israels, über die Dynamik der gegenwärtigen politischen Entwicklung im Nahen Osten wurde kaum gesprochen und geschrieben; über die innenpolitischen Gegebenheiten Israels nur insofern, als Grass pflichtgemäß nachschob, er habe mit seinem Gedicht nicht Israel als solches gemeint, sondern die Regierung Netanyahu.

    Dabei gäbe es allen Grund, sich mit diesen Themen zu befassen, vor allem ihren Zusammenhang zu analysieren.

    20. Februar 2011

    Stratfors Analysen: Die aktuelle Lage in den arabischen Ländern und im Iran. Teil 2: Jordanien und Bahrain

    Im ersten Teil habe ich mich, weitgehend gestützt auf Informationen von Stratfor, mit der Lage in Ägypten und in den drei Ländern des Maghreb befaßt.

    Es folgt heute der Blick auf Jordanien und Bahrain. Ich verwende wie stets in dieser Rubrik (siehe Fußtext) überwiegend Material von Stratfor, ergänze es aber durch weitere Informationen. Für Bewertungen bin ich verantwortlich; sie finden sich so nicht unbedingt bei Stratfor.


    Jordanien: Jordanien ist das einzige verbliebene Königreich der Haschemiten, einer uralten arabischen Dynastie, die sich auf den Propheten zurückführt. Im Mittelalter stellte sie über Jahrhunderte den Emir von Mekka.

    Die jetzige Herrschaft der Haschemiten in Jordanien geht auf den Ersten Weltkrieg zurück.

    Bis dahin gehört das heutige Jordanien, wie der größte Teil Arabiens, zum Osmanischen Reich, wobei die Macht des Sultans im fernen Istanbul mehr oder weniger weit in die Wüste hineinreichte. Der jetzige König Abdullah II ist der Ur-Urenkel des Emirs Hussein bin Ali, der sich im Ersten Weltkrieg als Verbündeter der Engländer am Aufstand gegen die Osmanische Herrschaft beteiligt hatte (eindrucksvoll, wenn auch mit viel Phantasie, in Szene gesetzt in Lawrence von Arabien).

    In dieser Monarchie mit einer langen Tradition herrschen ganz andere Verhältnisse als in den vom Sozialismus geprägten Ländern Tunesien und Ägypten; die Lage ähnelt eher derjenigen in Marokko. Wie in Marokko ist die Opposition legal. Der politische Zweig der Moslem-Bruderschaft, die Islamische Aktionsfront (IAF), ist eine zugelassene Partei; auch wenn diese Partei sich - wie anders - mehr Einfluß wünscht.

    Wie in Ägypten ist in Jordanien die Moslem-Bruderschaft die stärkste Oppositionsgruppe. Sie reagierte sehr schnell auf die Vorgänge in Tunesien und begann mit Aktionen in Gestalt von friedlichen Demonstrationen und Sit-Ins. König Abdullah antwortete seinerseits fast sofort: Die Subventionen für Güter des täglichen Bedarfs wurden erhöht, die Regierung ausgewechselt.

    Abdullah betreibt eine vorsichtige Öffnung zum Islamismus, zieht aber klare Grenzen. Der neue Premierminister Marouf al-Bakhit, ein Militär, bildete ein Kabinett unter Einschluß von Ministern, die dem Islamismus nahestehen. Die IAF gehört dieser Regierung nicht an, hat aber angekündigt, sie vorläufig zu tolerieren und abzuwarten, wie sie sich verhalten werde. Inzwischen organisiert sie weiter friedliche Demonstrationen.

    Nach der Einschätzung von Stratfor akzeptiert die IAF diese ihr vom König genehmigte Rolle; einen Sturz des Königs strebt sie nicht an.

    Neben der IAF haben die Führer der Beduinenstämme großen Einfluß im politischen Leben. Sie nutzten jetzt die Gunst der Krise und beschwerten sich über Korruption. Der König regelte die Sache auf ruhige Art, indem er die Subsidien für die Stämme erhöhte.


    Bahrain: Die letzten Tage haben gezeigt, daß die Situation dort ganz anders ist als in Jordanien, nämlich explosiv. Anders als in Tunesien und Ägypten liegt der Grund aber überhaupt nicht in Sozialismus-bedingter Armut und Unterdrückung.

    Die Probleme dieses reichen, kleinen (so viele Einwohner wie München) Ölstaats, der sich auf 33 Inseln erstreckt, sind sehr ähnlich denjenigen des Irak: Eine Spaltung zwischen Sunniten und Schiiten; der persische Einfluß; Konflikte zwischen Islamisten und säkularen Kräften.

    Regiert wird das Land - wie Jordanien und Marokko eine konstitutionelle Monarchie - von der sunnitischen Al-Khalifa-Dynastie; aber ungefähr zwei Drittel der moslemischen Bevölkerung sind Schiiten. Zwanzig Prozent der Bevölkerung sind Nichtmoslems; vor allem Christen und Hindus. Das Land hat zahlreiche Gastarbeiter, die mehr als die Hälfte der Bevölkerung ausmachen.

    Wie im Irak gibt es in Bahrain einen schiitischen und einen sunnitischen Fundamentalismus, die sich zwar einerseits gegenseitig bekämpfen, die aber andererseits gemeinsam gegen den Säkularismus gerichtet sind.

    Die jetzigen, teilweise blutigen Demonstrationen, die vor einer Woche begannen, werden hauptsächlich von Schiiten veranstaltet, die mehr Rechte für sich fordern. Daß die Auseinandersetzungen so erbittert geführt werden, dürfte auch damit zusammenhängen, daß (wie einst im Irak Saddam Husseins) der Sicherheitsapparat in der Hand der sunnitischen Minderheit ist; ungefähr 90 Prozent der Sicherheitskräfte sind Sunniten.

    Wenn schiitische Demonstranten Todesopfer zu beklagen haben, dann ist dieses Beklagen oft eine Quelle weiterer Zusammenstöße; der schiitische Islam ist eine Kultur des Märtyrertums. Begräbnisse führen leicht zu neuen Demonstrationen.

    Nach dem Urteil von Stratfor wird es zu neuen, wahrscheinlich auch blutigen Auseinandersetzungen kommen; es sei aber unwahrscheinlich, daß am Ende der Sturz der Monarchie stehen werde. Die Dynastie Al-Khalifa hat schon manche Krisen überstanden.

    So klein das Land ist - die dortigen Unruhen sind von größter geopolitischer Bedeutung, denn Bahrain liegt am Schnittpunkt des Konflikts zwischen dem Iran auf der einen und den USA sowie Saudi-Arabien auf der anderen Seite.

    Der Inselstaat liegt unmittelbar vor der Küste Saudi-Arabiens, mit dem die Hauptinsel durch eine Dammstraße, den König-Fahd-Damm, verbunden ist. Auf der anderen Seite des Golfs, 250 km von Bahrain entfernt, liegt Persien. Saudi-Arabien fürchtet, daß eine Machtübernahme der Schiiten in Bahrain seine eigene schiitische Minderheit in den Küstenprovinzen unruhig werden lassen könnte. Die USA, deren 5. Flotte in Bahrain stationiert ist, fürchten eine Ausweitung der Macht des Iran.

    Stratfor wurden Informationen zugespielt, nach denen sich bereits saudische Spezialeinheiten in Bahrain befinden, um einen eventuellen Aufstand niederzuschlagen. Nach der Analyse von Stratfor ist dies aber Desinformation, die vom Iran verbreitet wird. Damit soll der Vorwand dafür geschaffen werden, daß der Iran seinerseits den Schiiten zur Hilfe kommt; vor allem Al Wefaq, der größten schiitischen Oppositionsgruppe.



    Der Vergleich zwischen Jordanien und Bahrain zeigt - wie der Vergleich zwischen den vier Ländern, mit denen ich mich im ersten Teil befaßt habe -, wie verschieden die Probleme in den einzelnen Regionen Arabiens sind, die jetzt zu Konflikten führen. Das alles in das Klischee zu pressen "Das unterdrückte Volk fordert mehr Demokratie" ist oberflächlich, ja irreführend.

    Bahrain wie Jordanien sind kleine Länder - Jordanien hat auch nur ungefähr sechs Millionen Einwohner -; und beide sind konstitutionelle Monarchien. (Allerdings führt sich die Al-Khalifa-Dynastie nicht auf den Propheten zurück, sondern entstand erst im 18. Jahrhundert). Beide Länder haben, wie jedes Land des Nahen Ostens, ein Problem mit einer islamistischen Opposition. Damit enden aber bereits die Gemeinsamkeiten.

    Jordanien hat ein Brutto-Nationalprodukt pro Kopf von 6.000 Dollar; Bahrain von 27.000 Dollar.

    Jordanien hat sich seit dem Friedensschluß mit Israel 1994 aus allen Konflikten heraushalten können; Bahrain befindet sich, wie geschildert, mitten in der heißesten Konfliktzone des Nahen Ostens.

    In Jordanien regiert ein aufgeklärter Monarch, der eine schrittweise Demokratisierung eingeleitet hat. Zum Beispiel gibt es dreißig legale Parteien; von der extremen Linken (der bereits seit 1993 legalen Kommunistischen Partei) bis zur extremen Rechten (der erwähnten IAF als der politischen Organisation der Moslem-Brüder).

    Die Monarchie in Bahrain ist zwar auch konstitutionell; und es gibt Fortschritte bei der Demokratisierung. Aber das Land ist unter der Kontrolle der Khalifa-Dynastie, der neben dem König der Premierminister und ungefähr die Hälfte des Kabinetts angehören; dazu der Armeechef und der Parlamentspräsident. Hinzu kommt die geschilderte sunnitische Vorherrschaft vor allem im Sicherheitsapparat.

    Die jetzigen Unruhen haben, nicht verwunderlich vor diesem Hintergrund, ganz verschiedene Ursachen. In Bahrain findet so etwas wie ein Stellvertreter-Krieg zwischen Persien und Saudi-Arabien statt, die jeweils eine Seite des schiitisch-sunnitischen Konflikts unterstützen. In Jordanien kann keine Rede von einer solchen kritischen Situation sein; hier versuchen lediglich zwei Gruppen - die Moslem-Brüder und die Stammesführer - vor dem Hintergrund der allgemeinen Krise des Nahen Ostens vom König Zugeständnisse zu erreichen.



    Wenn die Verhältnisse, wenn die Konflikte so verschieden sind - wie kommt es dann aber, daß seit der Revolution in Tunesien fast synchron in der gesamten Region Unruhen ausbrechen?

    Das hat wohl wenig mit Ursachen zu tun, aber viel mit Auslösern. Im Zeitalter von Al Jazeera, Facebook und Twitter breiten sich nicht nur Informationen, sondern auch Emotionen und Stimmungen schnell aus. Die Unzufriedenheit hat viele, sehr unterschiedliche Ursachen. Aber der Funke springt über; so, wie Funken von einem brennenden Heuhaufen in ein Treibstofflager fliegen können, obwohl diese aus ganz unterschiedlichen Gründen leicht brennbar sind. (Wird fortgesetzt).



    © Zettel. Für Kommentare bitte hier klicken. Lesen Sie zu "Stratfors Analysen" bitte auch die Ankündigung dieser Rubrik.

    21. März 2011

    Stratfors Analysen: "Der Libyenkrieg 2011 hat begonnen". George Friedman über anfängliche Erfolge und spätere Probleme

    The Libyan war has now begun. It pits a coalition of European powers plus the United States, a handful of Arab states and rebels in Libya against the Libyan government. The long-term goal, unspoken but well understood, is regime change — displacing the government of Libyan leader Moammar Gadhafi and replacing it with a new regime built around the rebels.

    21. Februar 2011

    Stratfors Analysen: Die aktuelle Lage in den arabischen Ländern und im Iran. Teil 3: Libyen

    Im zweiten Teil habe ich mich mit zwei der kleineren arabischen Länder befaßt; Jordanien und Bahrain. Trotz oberflächlicher Ähnlichkeiten in der momentanen politischen Lage zeigte die genauere Analyse, daß die jeweiligen Unruhen ganz unterschiedliche Ursachen haben.

    Im jetzigen dritten Teil gehe ich auf nur ein Land ein, Libyen. Zum einen, weil es seit einigen Tagen im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht. Zweitens aber auch, weil über dieses Land, vor allem den historischen Hintergrund des jetzigen Aufruhrs, in den Medien selten Konkretes berichtet wird. Mehr als in den ersten beiden Teilen gehe ich dabei über das hinaus, was dazu Stratfor an Informationen geliefert hat.



    Libyen ist eines der vielen Länder, die Anfang des 20. Jahrhunderts aus der, sagen wir, Konkursmasse des zerbrechenden Osmanischen Reichs hervorgingen.

    Es gibt aber eine wesentliche Besonderheit: Nicht Frankreich oder England lösten dort als die vorläufigen neuen Herren die Osmanische Herrschaft ab, wie auf der Arabischen Halbinsel, sondern Italien. Und das fand nicht als ein Ergebnis des Ersten Weltkriegs statt, sondern schon zuvor.

    Das damals noch längst nicht faschistische Italien, eine konstitutionelle Monarchie, hatte im September 1911 die Osmanischen Provinzen Tripolitanien, Fezzan und Cyrenaica schlicht überfallen, um ein Stück aus dem immer schwächer werdenden Reich des Sultans im fernen Istanbul zu rauben. So entstand die Kolonie Italienisch-Nordafrika; unter Mussolini in Libya umgetauft, nach einem antiken Namen der Region. Mussolini liebte ja das Antike; der Begriff "Faschismus" selbst ist bekanntlich dem Justizsystem des Römischen Reichs entlehnt.

    Die Kolonialmacht Italien herrschte brutal und versuchte Italiener in der Kolonie anzusiedeln; die einheimische Bevölkerung führte gegen die Landräuber einen blutigen, aber erfolglosen Unabhängigkeitskrieg. Es gibt Schätzungen, daß mehr als die Hälfte der Beduinen-Bevölkerung dabei ums Leben kam.

    Nachdem im Zweiten Weltkrieg die Briten in Nordafrika gegen Italien und Rommels Afrikakorps gesiegt hatten, geriet Libyen zuerst unter britische, teils auch französische Verwaltung und wurde dann Ende 1951 selbständig; und zwar als Königreich unter dem einstigen Emir von Cyrenaika Idris, der den Widerstand gegen die Italiener angeführt hatte und der als Idris I (und, wie sich dann zeigte, auch Idris der Letzte) den Thron bestieg.

    Bemerkenswert ist, daß dieser neue, sofort in die UNO aufgenommene Staat eine ausgesprochen liberale, rechtsstaatliche Verfassung hatte und damit in der gesamten arabischen Welt an der Spitze lag. Bis zum Putsch Gaddafis im Jahr 1969 war Libyen das politisch modernste arabische Land mit einer in ihrer großen Mehrheit moslemischen Bevölkerung (der gemischt christlich-moslemische Libanon ist ein Sonderfall); auch wenn es im Lauf der Regierungszeit von Idris gewisse Einschränkungen gab.

    Als am 1.September 1969 der König wegen einer ärztlichen Behandlung außer Landes war, putschte eine Gruppe von sozialistischen Offizieren unter Anführung durch den erst 27jährigen Hauptmann Gaddafi, erklärten die Monarchie für abgeschafft, löste das Parlament auf und proklamierte den Sozialismus innerhalb einer Arabischen Republik Libyen. Der Putsch war nach dem Vorbild von Nassers Machtergreifung in Ägypten 17 Jahre zuvor modelliert. Wie Nasser lehnte man den Kommunismus ab und trat für einen eigenen arabischen, nicht rigoros atheistischen Sozialismus ein.

    Anfang der siebziger Jahre inszenierte Gaddafi nach dem Vorbild Maos eine "Kulturrevolution" zwecks der völligen sozialistischen Umgestaltung der Gesellschaft. Das Land hieß ab 1977 "Sozialistische Libysche Arabische Volks-Jamahiriya". Das letzte Wort in diesem etwas länglichen Namen ist schwer zu übersetzen; Arabisten schlagen etwas in Richtung "Massenbewegung" oder "Volksgemeinschaft" vor.

    Ebenfalls nach dem Vorbild Maos verfaßte Gaddafi ein grundlegend-theoretisches Werk. Diese Gedanken des Vorsitzenden Gaddafi waren aber nicht in einem roten, sondern einem grünen Buch niedergelegt. Gaddafi trug fortan die beiden schönen Titel "Führer der Großen Revolution des Ersten September der Sozialistischen Libyschen Arabischen Volks-Jamahiriya" sowie "Brüderlicher Leiter und Führer der Revolution". Den Text des Grünen Buchs können Sie (auf Englisch) hier lesen.

    In den folgenden Jahrzehnten ging das Land seinen sozialistischen Gang, wie man ihn überall sieht, wo der arabische Sozialismus gesiegt hatte; freilich besonders häßlich: Gewaltherrschaft, Armut, Stagnation in allen Lebensbereichen. Eine Besonderheit war, daß Gaddafi sich bei der Unterstützung des internationalen Terrorismus hervortat. In den letzten Jahren sagte er sich allerdings vom Terrorismus los; an den desolaten inneren Zuständen, die zu dem jetzigen Aufruhr führten, änderte sich aber nichts.



    In den Schlagzeilen, in der TV-Berichterstattung hat in den letzten Tagen Libyen den Krisenstaat Bahrain abgelöst, der die vergangene Woche dominiert hatte. Die Aufmerksamkeit der Medien wendet sich nun einmal immer dorthin, wo es gerade am spektaklärsten, wo es am blutigsten zugeht. Das ist, wie man zum Beispiel in diesem Bericht in der Wochenendausgabe der FAZ lesen kann, im Augenblick Libyen; Berichte von dort dominierten auch die meisten Fernseh-Nachrichten.

    Ein offensichtlicher Unterschied zur Berichterstattung aus Bahrain und Ägypten ist allerdings, daß aus Libyen kaum Informationen, vor allem so gut wie keine Bilder nach außen dringen. Man ist weitgehend auf Berichte von Reisenden und Gastarbeitern angewiesen, die das Land jetzt verlassen; sowie auf das, was mutige Libyer an Berichten, Fotos und gelegentlich auch Videos ins Internet stellen. Dazu gibt es die propagandistischen Berichte der vollständig vom Staat kontrollierten Medien.

    Die Unruhen scheinen am Dienstag vergangener Woche in Benghazi begonnen zu haben, wo Demonstranten die Freilassung des inhaftierten Rechtsanwalts und Menschenrechtlers Fathi Turbil verlangten. Bereits am Donnerstag, der von der Opposition als der erste "Tag des Zorns" angekündigt worden war, kam es dann in Benghazi and Al Bayda zu blutigen Aktionen der Sicherheitskräfte gegen Demonstranten; mit Todesopfern. Das Staatsfernsehen in Tripoli zeigte derweil Bilder des Diktators Muammar al-Gaddafi, wie er über einer Schar von Anhängern thronte und Küsse verteilte.

    Viele werden nicht in Stimmung gewesen sein, ihm mit einem Kußhändchen zu antworten. Denn in diesem durch sein Öl eigentlich reichen, aber vom Sozialismus völlig heruntergewirtschafteten Land liegt die Jugend-Arbeitslosigkeit höher als irgendwo sonst im nördlichen Afrika; sie wird auf zwischen 40 und 50 Prozent geschätzt. Auch die allgemeine Arbeitslosigkeit ist sehr hoch. Außerhalb des von Ausländern gemanagten Ölsektors gibt es praktisch keine Industrie.

    Es fehlt an der einfachsten Grundversorgung. Die Versorgung mit Wohnungen ist miserabel. Zwei Drittel der Bevölkerung in diesem reichen Ölstaat leben von weniger als 2 Dollar am Tag. Von auch nur annähernd unabhängigen Medien kann keine Rede sein. Eine innere Opposition konnte wegen der polizeistaatlichen Repression bisher kaum entstehen; die meisten Oppositionellen sind im Exil oder sitzen im Gefängnis.

    Stratfor meint, es sei bemerkenswert, daß es in einem derartigen Polizeistaat überhaupt zu Demonstrationen hatte kommen können. Das Regime werde versuchen, den Aufruhr mit eiserner Faust zu beenden; allerdings gehören zum Konzept auch gewisse Konzessionen. Beispielsweise wurde Turbil jetzt freigelassen.

    Bei der Niederschlagung etwaiger weiterer Aufstände kann sich Gaddafi auf ihm ergebene Truppen stützen; nicht wie in Ägypten Wehrpflichtige, sondern Berufssoldaten und Söldner aus dem Ausland.

    Ein geschickter Schachzug Gaddafis war es gewesen, einen Teil der militanten Islamisten, die auch in Libyen aktiv sind, abzuspalten und in seine Streitkräfte zu integrieren; auch die Beduinenstämme sind eng mit dem Militär verbunden. Anders als in Ägypten bei Mubarak ist also eher nicht damit zu rechnen, daß das Militär sich gegen Gaddafi stellt.

    Die Lage ist aber offenbar im Fluß. Heute Vormittag hat sich der Aufruhr ausgeweitet. Al Jazeera meldet soeben, es hätte heute bereits Dutzende von Toten gegeben. Die Protestierer hätten ein Militärlager besetzt, das darauf von der Luftwaffe bombardiert worden sei. Es gibt Gerüchte, daß Aufrührer die Stadt Benghazi "erobert" hätten. Auch Al Jazeera meldet wie schon Stratfor, daß Gaddafi möglicherweise ausländische Söldner gegen die Aufständischen einsetzen werde.



    Eine besondere Note erhält die Situation in Libyen durch den Machtkampf um Gaddafis Nachfolge, den sich seine beiden Söhne Seif al-Islam und Motasem liefern.

    Seif al-Islam gilt als der Gemäßigtere. Er hat die Ölindustrie hinter sich; mit dem Chef der Nationalen Ölgesellschaft Shukri Ghanem ist er ein Bündnis eingegangen. Mosem, der Sicherheitschef des Landes, hat das Militär und die Betonköpfe der Revolution auf seiner Seite.

    Gestern trat nicht Gaddafi selbst, sondern Seif al-Islam im Staatsfernsehen auf und hielt eine Rede, in der er zugleich Reformen wie aber auch ein hartes Durchgreifen gegen Demonstranten ankündigte. Man kann das so interpretieren, daß er im Augenblick in diesem Bruderkampf in Führung gegangen ist.

    Ob er damit durchkommt, oder ob ihm gerade sein Reformwille das Genick bricht (er war sogar so weit gegangen, eine von ihm kontrollierte Organisation Berichte über Verletzungen der Menschenrechte in Libyen publizieren zu lassen), ist im Augenblick völlig offen.



    Von den bisher in dieser Artikelfolge behandelten Staaten - Marokko, Algerien, Tunesien, Libyen, Ägypten, Jordanien und Bahrain - hat Libyen das mit Abstand repressivste System.

    Der Vergleich macht deutlich, daß man nicht nur zwischen den konstitutionellen Monarchien mit weitgehenden politischen Freiheiten (Marokko, Jordanien, in Grenzen Bahrain) auf der einen Seite und den sozialistisch geprägten, bisher diktatorisch regierten Ländern (Algerien, Tunesien, Libyen, Ägypten; dazu das später zu besprechende Syrien) auf der anderen Seite unterscheiden muß.

    Auch in dieser zweiten Gruppe gibt es große Unterschiede. Das Ägypten Mubaraks war vergleichsweise frei; mit (wenn auch unfairen) Wahlen und mit zugelassenen Oppostionsparteien. Härter war die Repression im Tunesien von Ben Ali; noch erheblich brutaler ist sie in Algerien. Mit Abstand am weitesten fortgeschritten bei der Verwirklichung des Sozialismus aber ist die Sozialistische Libysche Arabische Volks-Jamahiriya. (Wird fortgesetzt).



    © Zettel. Für Kommentare bitte hier klicken. Lesen Sie zu "Stratfors Analysen" bitte auch die Ankündigung dieser Rubrik.

    2. Oktober 2011

    Zitat des Tages: "Land ohne Frieden ist eine Einladung zum nationalen Selbstmord". Charles Krauthammer über Israel und Palästina

    Israel is prepared to give up land, but never again without peace. A final peace. Which is exactly what every Palestinian leader from Haj Amin al-Husseini to Yasser Arafat to Mahmoud Abbas has refused to accept. Which is why, regardless of who is governing Israel, there has never been peace. Territorial disputes are solvable; existential conflicts are not.

    Land for peace, yes. Land without peace is nothing but an invitation to national suicide.


    (Israel ist bereit, Land aufzugeben, aber nie wieder ohne Frieden. Einen endgültigen Frieden. Genau das, was jeder palästinensische Führer von Hadsch Amin Al-Husseini über Yasser Arafat bis zu Mahmud Abbas abgelehnt hat. Aus diesem Grund hat es nie Frieden gegeben; unabhängig davon, wer Israel regierte. Territoriale Gegensätze sind lösbar, existentielle Konflikte nicht.

    Land für Frieden, ja. Land ohne Frieden ist nichts anderes als eine Einladung zum nationalen Selbstmord).
    Charles Krauthammer in seiner aktuellen Kolumne in der Washington Post über die von Mahmud Abbas angestrebte Zweistaatenlösung im Nahen Osten.

    Kommentar: Ich schätze die Artikel von Krauthammer, weil seine Analysen häufig einen Sachverhalt in ein neues Licht rücken; weil er schlüssige Interpretationen darlegt, die man so anderswo nicht lesen kann.

    6. März 2011

    Aufruhr in Arabien (15): Zusammenfassung, Zwischenbilanz, Wertung

    In die folgende Beurteilung sind Analysen von Stratfor eingeflossen; es ist aber meine eigene Wertung. Zum Teil fasse ich zusammen, was in früheren Artikeln ausführlich zu lesen gewesen war (siehe Links am Ende des Artikels). Dies ist also nur ein knapper Überblick. Details, Begründungen, Quellen finden Sie unter den Links. Eine Zusammenfassung in zehn Punkten:

    1. Das Schema "Es finden Revolutionen gegen Diktaturen statt" stimmt nicht.

    2. Etwas, das man als eine Revolution bezeichnen könnte, hat allenfalls in Tunesien stattgefunden. Es ist auch das einzige der bisher von der Aufstandswelle erfaßten Länder, in dem sich die Möglichkeit einer langfristigen Entwicklung zur Demokratie abzeichnet. Dabei spielt eine wesentliche Rolle, daß es dort eine westlich denkende, in Frankreich ausgebildete Elite gibt; ein Erbe der Zeit, in der Tunesien ein französisches Protektorat gewesen war.

    3. In Ägypten gab es keine demokratische Revolution, sondern das nach wie vor herrschende Militär hat sich Mubaraks entledigt, als dieser seinen Sohn als Nachfolger inthronisieren wollte; die Unruhen kamen dabei zupaß. Vielleicht wird es dort künftig etwas mehr Freiheit geben. Aber auch unter Mubarak waren schon demokratische Parteien zugelassen gewesen und durften sogar die Moslembrüder sich am politischen Leben beteiligen; wenn auch nicht unter diesem Namen.

    4. In Bahrain findet keine demokratische Revolution statt, sondern eine Auseinandersetzung zwischen der herrschenden sunnitischen Minderheit und der schiitischen Mehrheit. Im Hintergrund schürt der Iran diesen Konflikt. Auf der Seite der Sunniten versucht sich Saudi-Arabien einzuschalten, vor dessen Küste Bahrain liegt.

    5. Der Jemen ist ein Kunstprodukt aus der ehemaligen britischen Kronkolonie Aden, die nach der Unabhängigkeit eine sozialistische Republik geworden war, und dem alten Jemen, in dem noch weit bis ins 20. Jahrhundert hinein mittelalterliche Verhältnisse geherrscht hatten. Das Land droht jetzt wieder in diese beiden Teile zu zerfallen.

    6. Dasselbe könnte Libyen bevorstehen. Es ist ebenfalls ein künstlicher Staat, der dadurch entstand, daß Italien sich 1911 drei Provinzen des Osmanischen Reichs aneignete. Unter Mussolini wurden dieses Italienisch-Nordafrika in "Libya" umbenannt. Die dortigen Kämpfe sind weitgehend Auseinandersetzungen zwischen dem Gaddafi-Stamm und anderen Stämmen. Zwischen Ost- und Westlibyen liegen 800 km Wüste; ein Auseinanderbrechen in die frühere Cyrenaika und das ehemalig Tripolitanien (mit Fezzan) würde also von der Geographie begünstigt werden. Im Osten versucht Ägypten, im Westen Tunesien auf die Entwicklung Einfluß zu nehmen.

    7. In den beiden konstitutionellen Monarchien Marokko und Jordanien ist schon lange der Prozeß einer vorsichtigen Demokratisierung im Gang. Es gibt dort legale Oppositionsparteien, deren Rechte jetzt erweitert werden. Revolutionen sind in diesen beiden Ländern nicht zu erwarten; lediglich eine Beschleunigung des Prozesses der Demokratisierung.

    8. In den beiden nach Libyen schlimmsten Polizeistaaten Arabiens, Algerien und Syrien, ist es - eben wegen dieses ihres Charakters - noch weitgehend ruhig. In Algerien wurden gerade Demonstrationen verboten.

    9. Überall in Arabien gibt es mehr oder weniger starke und unterschiedlich radikale islamistische Gruppen. Die Kaida ist am stärksten im Jemen und könnte jetzt in Ostlibyen Fuß fassen. Die Hamas könnte über die Moslembrüder auf Ägypten einwirken. Algerien hat einen blutigen Bürgerkrieg gegen die Islamisten der FIS hinter sich. In Bahrain bekämpfen sunnitische und schiitische Fundamentalisten einander, treten aber gemeinsam gegen einen säkularen Staat auf.

    10. Ein Schlüsselaspekt ist der bevorstehende Rückzug der USA aus dem Irak. Drei Staaten stehen bereit, das damit entstehende Machtvakuum zu füllen: Der Iran, dessen Verbündeter al-Sadr inzwischen im Irak eine entscheidende Rolle spielt; die Türkei, deren offensichtliches Bestreben die Wiederherstellung des Osmanischen Reichs in Gestalt von Einflußzonen ist; und Ägypten, das als Militärmacht und mit einer ähnlich großen Bevölkerung wie die beiden anderen Länder (alle drei knapp achtzig Millionen) nach dem Sturz Mubaraks eine aktivere Machtpolitik betreiben dürfte.

    Die Türkei mischt sich bereits massiv in dem einst von den Osmanen regierten Ägypten ein; der Staatspräsident und der Außenminister waren gerade dort zu Besuch und haben Gespräche mit dem Militär, der demokratischen Opposition und den Moslembrüdern geführt.



    In diesem komplexen und sich schnell verändernden Gefüge "Arabien" gibt es Dreierlei, das als einigermaßen sicher gelten kann:
  • Die USA werden in dieser Region aufgrund von Obamas Rückzugspolitik nicht mehr die bisherige Rolle spielen; jedenfalls nicht, solange dieser Präsident im Weißen Haus regiert.

  • Israel ist damit stärker bedroht als in den letzten Jahrzehnten. Daß es sich unter diesen Umständen dem Risiko eines möglicherweise bald von der Hamas regierten Palästinenserstaats auf der West Bank aussetzt, ist schwer vorstellbar.

  • Der Islamismus wird an Bedeutung gewinnen.



  • Die früheren Artikel, in denen die einzelnen Länder (allerdings manchmal nicht als das Hauptthema) erwähnt werden, können Sie unter diesen Links lesen:
  • Tunesien
  • Algerien
  • Marokko
  • Libyen
  • Ägypten
  • Irak
  • Bahrain
  • Türkei
  • Iran.
  • Die größeren Artikel finden Sie auch unter diesem Link, der zu der Rubrik "Stratfors Analysen" führt. Oder Sie mögen vielleicht den Link im Fußtext nutzen.



    © Zettel. Für Kommentare bitte hier klicken. Titelvignette: Großmoschee von Kairouan, Tunesien. Vom Autor Wotan unter Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0-Lizenz freigegeben. Bearbeitet. Links zu allen Folgen dieser Serie finden Sie hier.

    18. März 2011

    Stratfors Analysen: "Die Reaktoren waren Japans Sicherheitsnetz". George Friedman über die Katastrophe, die Lage am Golf und Japans Verwundbarkeit

    Over the past week, everything seemed to converge on energy. The unrest in the Persian Gulf raised the specter of the disruption of oil supplies to the rest of the world, and an earthquake in Japan knocked out a string of nuclear reactors with potentially devastating effect. Japan depends on nuclear energy and it depends on the Persian Gulf, which is where it gets most of its oil. It was, therefore, a profoundly bad week for Japan, not only because of the extensive damage and human suffering but also because Japan was being shown that it can’t readily escape the realities of geography.

    12. Dezember 2012

    Stratfors Analysen: "Israels Überleben steht auf dem Spiel". Reva Bhalla über die neue strategische Lage im Nahen Osten (englisch mit deutscher Zusammenfassung)

    Im Mittelpunkt dieser Analyse von Reva Bhalla stehen zwei Themen: Erstens ist die sicher­heits­poli­tische Lage Israels derart, daß es die Anforderungen, denen es sich gegenübersieht, nicht vollständig allein bewältigen kann. Es ist also auf Hilfe angewiesen; nach Lage der Dinge von den USA. Zweitens hat sich die Sicherheitslage Israels seit dem Beginn des "Arabischen Frühlings" erheblich verschlechtert.

    Den zweiten Punkt untersucht die Autorin im einzelnen. In den vergangenen 33 Jahren (also seit dem Friedensvertrag mit Ägypten) konnte Israel hoffen, weniger bedroht und deshalb weniger auf Hilfe angewiesen zu sein als zuvor. Jetzt aber hat sich die Lage an allen drei Fronten verschlechtert und ist in Gefahr, sich weiter zu verschlechtern:

    5. März 2011

    Stratfors Analysen: "Es gibt keine befreundeten Geheimdienste". Scott Stewart über die CIA in Pakistan und den dortigen Geheimdienst ISI

    On March 1, U.S. diplomatic sources reportedly told Dawn News that a proposed exchange with the Pakistani government of U.S. citizen Raymond Davis for Pakistani citizen Aafia Siddiqui was not going to happen. Davis is a contract security officer working for the CIA who was arrested by Pakistani police on Jan. 27 following an incident in which he shot two men who reportedly pointed a pistol at him in an apparent robbery attempt. Siddiqui was arrested by the Afghan National Police in Afghanistan in 2008 on suspicion of being linked to al Qaeda.

    During Siddiqui’s interrogation at a police station, she reportedly grabbed a weapon from one of her interrogators and opened fire on the American team sent to debrief her. Siddiqui was wounded in the exchange of fire and taken to Bagram air base for treatment. After her recovery, she was transported to the United States and charged in U.S. District Court in New York with armed assault and the attempted murder of U.S. government employees. Siddiqui was convicted in February 2010 and sentenced in September 2010 to 86 years in prison.

    Given the differences in circumstances between these two cases, it is not difficult to see why the U.S. government would not agree to such an exchange. Siddique had been arrested by the local authorities and was being questioned, while Davis was accosted on the street by armed men and thought he was being robbed. His case has served to exacerbate a growing rift between the CIA and Pakistan’s Inter-Services Intelligence directorate (ISI).

    Pakistan has proved to be a very dangerous country for both ISI and CIA officers. Because of this environment, it is necessary for intelligence officers to have security — especially when they are conducting meetings with terrorist sources — and for security officers to protect American officials. Due to the heavy security demands in high-threat countries like Pakistan, the U.S. government has been forced to rely on contract security officers like Davis. It is important to recognize, however, that the Davis case is not really the cause of the current tensions between the Americans and Pakistanis. There are far deeper issues causing the rift.


    Operating in Pakistan

    Pakistan has been a very dangerous place for American diplomats and intelligence officers for many years now. Since September 2001 there have been 13 attacks against U.S. diplomatic missions and motorcades as well as hotels and restaurants frequented by Americans who were in Pakistan on official business. Militants responsible for the attack on the Islamabad Marriott in September 2008 referred to the hotel as a “nest of spies.” At least 10 Americans in Pakistan on official business have been killed as a result of these attacks, and many more have been wounded.

    Militants in Pakistan have also specifically targeted the CIA. This was clearly illustrated by a December 2009 attack against the CIA base in Khost, Afghanistan, in which the Tehrik-i-Taliban Pakistan (TTP), led by Hakeemullah Mehsud, used a Jordanian suicide operative to devastating effect. The CIA thought the operative had been turned and was working for Jordanian intelligence to collect intelligence on al Qaeda leaders hiding in Pakistan. The attack killed four CIA officers and three CIA security contractors. Additionally, in March 2008, four FBI special agents were injured in a bomb attack as they ate at an Italian restaurant in Islamabad.

    Pakistani intelligence and security agencies have been targeted with far more vigor than the Americans. This is due not only to the fact that they are seen as cooperating with the United States but also because there are more of them and their facilities are relatively soft targets compared to U.S. diplomatic facilities in Pakistan. Militants have conducted dozens of major attacks directed against Pakistani security and intelligence targets such as the headquarters of the Pakistani army in Rawalpindi, the ISI provincial headquarters in Lahore and the Federal Investigative Agency (FIA) and police academies in Lahore.

    In addition to these high-profile attacks against facilities, scores of military officers, frontier corps officers, ISI officers, senior policemen and FIA agents have been assassinated. Other government figures have also been targeted for assassination. As this analysis was being written, the Pakistani minorities minister was assassinated near his Islamabad home.

    Because of this dangerous security environment, it is not at all surprising that American government officials living and working in Pakistan are provided with enhanced security to keep them safe. And enhanced security measures require a lot of security officers, especially when you have a large number of American officials traveling away from secure facilities to attend meetings and other functions. This demand for security officers is even greater when enhanced security is required in several countries at the same time and for a prolonged period of time.

    This is what is happening today in Iraq, Afghanistan and Pakistan. The demand for protective officers has far surpassed the personnel available to the organizations that provide security for American officials such as the State Department’s Diplomatic Security Service and the CIA’s Office of Security. In order to provide adequate security for American officials in high-threat posts, these agencies have had to rely on contractors provided by large companies like Blackwater/Xe, Dyncorp and Triple Canopy and on individual contract security officers hired on personal-services contracts. This reliance on security contractors has been building over the past several years and is now a fact of life at many U.S. embassies.

    Using contract security officers allows these agencies not only to quickly ramp up their capabilities without actually increasing their authorized headcount but also to quickly cut personnel when they hit the next lull in the security-funding cycle. It is far easier to terminate contractors than it is to fire full-time government employees.


    CIA Operations in Pakistan

    There is another factor at play: demographics. Most CIA case officers (like most foreign-service officers) are Caucasian products of very good universities. They tend to look like Bob Baer and Valerie Plame. They stick out when they walk down the street in places like Peshawar or Lahore. They do not blend into the crowd, are easily identified by hostile surveillance and are therefore vulnerable to attack. Because of this, they need trained professional security officers to watch out for them and keep them safe.

    This is doubly true if the case officer is meeting with a source who has terrorist connections. As seen in the Khost attack discussed above, and reinforced by scores of incidents over the years, such sources can be treacherous and meeting such people can be highly dangerous. As a result, it is pretty much standard procedure for any intelligence officer meeting a terrorism source to have heavy security for the meeting. Even FBI and British MI5 officers meeting terrorism sources domestically employ heavy security for such meetings because of the potential danger to the agents.

    Since the 9/11 attacks, the primary intelligence collection requirement for every CIA station and base in the world has been to hunt down Osama bin Laden and the al Qaeda leadership. This requirement has been emphasized even more for the CIA officers stationed in Pakistan, the country where bin Laden and company are believed to be hiding. This emphasis was redoubled with the change of U.S. administrations and President Barack Obama’s renewed focus on Pakistan and eliminating the al Qaeda leadership. The Obama administration’s approach of dramatically increasing strikes with unmanned aerial vehicles (UAVs) required an increase in targeting intelligence, which comes mostly from human sources and not signals intelligence or imagery. Identifying and tracking an al Qaeda suspect amid the hostile population and unforgiving terrain of the Pakistani badlands also requires human sources to direct intelligence assets toward a target.

    This increased human intelligence-gathering effort inside Pakistan has created friction between the CIA and the ISI. First, it is highly likely that much of the intelligence used to target militants with UAV strikes in the badlands comes from the ISI — especially intelligence pertaining to militant groups like the TTP that have attacked the ISI and the Pakistani government itself (though, as would be expected, the CIA is doing its best to develop independent sources as well). The ISI has a great deal to gain by strikes against groups it sees as posing a threat to Pakistan, and the fact that the U.S. government is conducting such strikes provides the ISI a degree of plausible deniability and political cover.

    However, it is well known that the ISI has long had ties to militant groups. The ISI’s fostering of surrogate militants to serve its strategic interests in Kashmir and Afghanistan played a critical role in the rise of transnational jihadism (and this was even aided with U.S. funding in some cases). Indeed, as we’ve previously discussed, the ISI would like to retain control of its militant proxies in Afghanistan to ensure that Pakistan does not end up with a hostile regime in Afghanistan following the U.S. withdrawal from the country. This is quite a rational desire when one considers Pakistan’s geopolitical situation.

    Because of this, the ISI has been playing a kind of a double game with the CIA. It has been forthcoming with intelligence pertaining to militants it views as threats to the Pakistani regime while refusing to share information pertaining to groups it hopes to use as levers in Afghanistan (or against India). Of course, the ability of the ISI to control these groups and not get burned by them again is very much a subject of debate, but at least some ISI leaders appear to believe they can keep at least some of their surrogate militants under control.

    There are many in Washington who believe the ISI knows the location of high-value al Qaeda targets and senior members of organizations like the Afghan Taliban and the Haqqani network, which are responsible for many of the attacks against U.S. troops in Afghanistan. This belief that the ISI is holding back intelligence compels the CIA to run unilateral intelligence operations (meaning operations it does not tell the ISI about). Many of these unilateral operations likely involve the recruitment of Pakistani government officials, including members of the ISI. Naturally, the ISI is not happy with these intelligence operations, and the result is the mistrust and tension we see between the ISI and the CIA.

    It is important to remember that in the intelligence world there is no such thing as a friendly intelligence service. While services will cooperate on issues of mutual interest, they will always serve their own national interests first, even when that places them at odds with an intelligence service they are coordinating with.

    Such competing national interests are at the heart of the current tension between the CIA and the ISI. At present, the CIA is fixated on finding and destroying the last vestiges of al Qaeda and crippling militant groups in Pakistan that are attacking U.S. forces in Afghanistan. The Americans can always leave Afghanistan; if anarchy and chaos take hold there, it is not likely have a huge impact on the United States. However, the ISI knows that after the United States withdraws from Afghanistan it will be stuck with the problem of Afghanistan. It is on the ISI’s doorstep, and it does not have the luxury of being able to withdraw from the region and the conflict. The ISI believes that it will be left to deal with the mess created by the United States. It is in Pakistan’s national interest to try to control the shape of Afghanistan after the U.S. withdrawal, and that means using militant proxies like Pakistan did after the Soviet withdrawal from Afghanistan in 1989.

    This struggle between the CIA and ISI is a conundrum rooted in the conflict between the vital interests of two nations and it will not be solved easily. While the struggle has been brought to the public’s attention by the Davis case, this case is really just a minor symptom of a far deeper conflict.




    Pakistani Intelligence and the CIA: Mutual Distrust and Suspicion is republished with permission of STRATFOR. Für Kommentare bitte hier klicken. Lesen Sie zu "Stratfors Analysen" bitte auch die Ankündigung dieser Rubrik.

    10. März 2011

    Stratfors Analysen: "Libyen könnte erneut zum Waffenarsenal des Terrorismus werden". Scott Stewart über die Waffen von Terroristen und ihre Herkunft

    During the 1970s and 1980s, Libya served as the arsenal of terrorism. While this role may have received the most publicity when large shipments of weapons were intercepted that Libya was trying to send to the Provisional Irish Republican Army, Libyan involvement in arming terrorist groups was far more widespread. Traces conducted on the weapons used in terrorist attacks by groups such as the Abu Nidal Organization frequently showed that the weapons had come from Libya. In fact, there were specific lot numbers of Soviet-manufactured F1 hand grenades that became widely known in the counterterrorism community as signature items tied to Libyan support of terrorist groups.

    25. Februar 2011

    Stratfors Analysen: "Noch nie waren die Dschihadisten in Libyen so gut bewaffnet wie jetzt". Scott Stewart über die Vorgänge in Ostlibyen

    As George Friedman noted in his geopolitical weekly “Revolution and the Muslim World,” one aspect of the recent wave of revolutions we have been carefully monitoring is the involvement of militant Islamists, and their reaction to these events.

    Militant Islamists, and specifically the subset of militant Islamists we refer to as jihadists, have long sought to overthrow regimes in the Muslim world. With the sole exception of Afghanistan, they have failed, and even the rise of the Taliban in Afghanistan was really more a matter of establishing a polity amid a power vacuum than the true overthrow of a coherent regime. The brief rule of the Supreme Islamic Courts Council in Somalia also occurred amid a similarly chaotic environment and a vacuum of authority.

    However, even though jihadists have not been successful in overthrowing governments, they are still viewed as a threat by regimes in countries like Tunisia, Egypt and Libya. In response to this threat, these regimes have dealt quite harshly with the jihadists, and strong crackdowns combined with other programs have served to keep the jihadists largely in check.

    As we watch the situation unfold in Libya, there are concerns that unlike Tunisia and Egypt, the uprising in Libya might result not only in a change of ruler but also in a change of regime and perhaps even a collapse of the state. In Egypt and Tunisia, strong military regimes were able to ensure stability after the departure of a long-reigning president. By contrast, in Libya, longtime leader Moammar Gadhafi has deliberately kept his military and security forces fractured and weak and thereby dependent on him. Consequently, there may not be an institution to step in and replace Gadhafi should he fall. This means energy-rich Libya could spiral into chaos, the ideal environment for jihadists to flourish, as demonstrated by Somalia and Afghanistan.

    Because of this, it seems an appropriate time to once again examine the dynamic of jihadism in Libya.


    A Long History

    Libyans have long participated in militant operations in places like Afghanistan, Bosnia, Chechnya and Iraq. After leaving Afghanistan in the early 1990s, a sizable group of Libyan jihadists returned home and launched a militant campaign aimed at toppling Gadhafi, whom they considered an infidel. The group began calling itself the Libyan Islamic Fighting Group (LIFG) in 1995, and carried out a low-level insurgency that included assassination attempts against Gadhafi and attacks against military and police patrols.


    Gadhafi responded with an iron fist, essentially imposing martial law in the Islamist militant strongholds of Darnah and Benghazi and the towns of Ras al-Helal and al-Qubbah in the Jabal al-Akhdar region. After a series of military crackdowns, Gadhafi gained the upper hand in dealing with his Islamist militant opponents, and the insurgency tapered off by the end of the 1990s. Many LIFG members fled the country in the face of the government crackdown and a number of them ended up finding refuge with groups like al Qaeda in places such as Afghanistan.

    While the continued participation of Libyan men in fighting on far-flung battlefields was not expressly encouraged by the Libyan government, it was tacitly permitted. The Gadhafi regime, like other countries in the region, saw exporting jihadists as a way to rid itself of potential problems. Every jihadist who died overseas was one less the government had to worry about. This policy did not take into account the concept of “tactical Darwinism,” which means that while the United States and its coalition partners will kill many fighters, those who survive are apt to be strong and cunning. The weak and incompetent have been weeded out, leaving a core of hardened, competent militants. These survivors have learned tactics for survival in the face of superior firepower and have learned to manufacture and effectively employ new types of highly effective improvised explosive devices (IEDs).

    In a Nov. 3, 2007, audio message, al Qaeda No. 2 Ayman al-Zawahiri reported that the LIFG had formally joined the al Qaeda network. This statement came as no real surprise, given that members of the group have long been close to al-Zawahiri and Osama bin Laden. Moreover, the core al Qaeda group has long had a large number of Libyan cadre in its senior ranks, including men such as Abu Yahya al-Libi, Anas al-Libi, Abu Faraj al-Libi (who reportedly is being held by U.S. forces at Guantanamo Bay) and Abu Laith al-Libi, who was killed in a January 2008 unmanned aerial vehicle strike in Pakistan.

    The scope of Libyan participation in jihadist efforts in Iraq became readily apparent with the September 2007 seizure of a large batch of personnel files from an al Qaeda safe house in the Iraqi city of Sinjar. The Sinjar files were only a small cross-section of all the fighters traveling to Iraq to fight with the jihadists, but they did provide a very interesting snapshot. Of the 595 personnel files recovered, 112 of them were of Libyans. This number is smaller than the 244 Saudi citizens represented in the cache, but when one considers the overall size of the population of the two countries, the Libyan contingent represented a far larger percentage on a per capita basis. The Sinjar files suggested that a proportionally higher percentage of Libyans was engaged in the fighting in Iraq than their brethren from other countries in the region.

    Another interesting difference was noted in the job-description section of the Sinjar files. Of those Libyan men who listed their intended occupation in Iraq, 85 percent of them listed it as suicide bomber and only 13 percent listed fighter. By way of comparison, only 50 percent of the Saudis listed their occupation as suicide bomber. This indicates that the Libyans tended to be more radical than their Saudi counterparts. Moroccans appeared to be the most radical, with more than 91 percent of them apparently desiring to become suicide bombers.

    The Libyan government’s security apparatus carefully monitored those Libyans who passed through the crucible of fighting on the battlefield in places like Iraq and Afghanistan and then returned to Libya. Tripoli took a carrot-and-stick approach to the group similar to that implemented by the Saudi regime. As a result, the LIFG and other jihadists were unable to pose a serious threat to the Gadhafi regime, and have remained very quiet in recent years. In fact, they were for the most part demobilized and rehabilitated.

    Gadhafi’s son, Seif al-Islam, oversaw the program to rehabilitate LIFG militants, which his personal charity managed. The regime’s continued concern over the LIFG was clearly demonstrated early on in the unrest when it announced that it would continue the scheduled release from custody of LIFG fighters.

    The Sinjar reports also reflected that more than 60 percent of the Libyan fighters had listed their home city as Darnah and almost 24 percent had come from Benghazi. These two cities are in Libya’s east and happen to be places where some of the most intense anti-Gadhafi protests have occurred in recent days. Arms depots have been looted in both cities, and we have seen reports that at least some of those doing the looting appeared to have been organized Islamists.

    A U.S. State Department cable drafted in Tripoli in June 2008 made available by WikiLeaks talked about this strain of radicalism in Libya’s east. The cable, titled “Die Hard in Derna,” was written several months after the release of the report on the Sinjar files. Derna is an alternative transliteration of Darnah, and “Die Hard” was a reference to the Bruce Willis character in the Die Hard movie series, who always proved hard for the villains to kill. The author of the cable, the U.S. Embassy’s political and economic officer, noted that many of the Libyan fighters who returned from fighting in transnational jihad battlefields liked to settle in places like Darnah due to the relative weakness of the security apparatus there. The author of the cable also noted his belief that the presence of these older fighters was having an influence on the younger men of the region who were becoming radicalized, and the result was that Darnah had become “a wellspring of foreign fighters in Iraq.” He also noted that some 60-70 percent of the young men in the region were unemployed or underemployed.

    Finally, the author opined that many of these men were viewing the fight in Iraq as a way to attack the United States, which they saw as supporting the Libyan regime in recent years. This is a concept jihadists refer to as attacking the far enemy and seems to indicate an acceptance of the transnational version of jihadist ideology — as does the travel of men to Iraq to fight and the apparent willingness of Libyans to serve as suicide bombers.


    Trouble on the Horizon?

    This deep streak of radicalism in eastern Libya brings us back to the beginning. While it seems unlikely at this point that the jihadists could somehow gain control of Libya, if Gadhafi falls and there is a period of chaos in Libya, these militants may find themselves with far more operating space inside the country than they have experienced in decades. If the regime does not fall and there is civil war between the eastern and western parts of the country, they could likewise find a great deal of operational space amid the chaos. Even if Gadhafi, or an entity that replaces him, is able to restore order, due to the opportunity the jihadists have had to loot military arms depots, they have suddenly found themselves more heavily armed than they have ever been inside their home country. And these heavily armed jihadists could pose a substantial threat of the kind that Libya has avoided in recent years.

    Given this window of opportunity, the LIFG could decide to become operational again, especially if the regime they have made their deal with unexpectedly disappears. However, even should the LIFG decide to remain out of the jihad business as an organization, there is a distinct possibility that it could splinter and that the more radical individuals could cluster together to create a new group or groups that would seek to take advantage of this suddenly more permissive operational environment. Of course, there are also jihadists in Libya unaffiliated with LIFG and not bound by the organization’s agreements with the regime.

    The looting of the arms depots in Libya is also reminiscent of the looting witnessed in Iraq following the dissolution of the Iraqi army in the face of the U.S. invasion in 2003. That ordnance not only was used in thousands of armed assaults and indirect fire attacks with rockets and mortars, but many of the mortar and artillery rounds were used to fashion powerful IEDs. This concept of making and employing IEDs from military ordnance will not be foreign to the Libyans who have returned from Iraq (or Afghanistan, for that matter).

    This bodes ill for foreign interests in Libya, where they have not had the same security concerns in recent years that they have had in Algeria or Yemen. If the Libyans truly buy into the concept of targeting the far enemy that supports the state, it would not be out of the realm of possibility for them to begin to attack multinational oil companies, foreign diplomatic facilities and even foreign companies and hotels.

    While Seif al-Islam, who certainly has political motives to hype such a threat, has mentioned this possibility, so have the governments of Egypt and Italy. Should Libya become chaotic and the jihadists become able to establish an operational base amid the chaos, Egypt and Italy will have to be concerned about not only refugee problems but also the potential spillover of jihadists. Certainly, at the very least the weapons looted in Libya could easily be sold or given to jihadists in places like Egypt, Tunisia and Algeria, turning militancy in Libya into a larger regional problem. In a worst-case scenario, if Libya experiences a vacuum of power, it could become the next Iraq or Pakistan, a gathering place for jihadists from around the region and the world. The country did serve as such a base for a wide array of Marxist and rejectionist terrorists and militants in the 1970s and 1980s.

    It will be very important to keep a focus on Libya in the coming days and weeks — not just to see what happens to the regime but also to look for indicators of the jihadists testing their wings.





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    Jihadist Opportunities in Libya is republished with permission of STRATFOR. Für Kommentare bitte hier klicken.