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21. Mai 2009

Marginalie: Britische Moslems zeigen Nulltoleranz gegenüber Homosexualität. Mehr darf ich Ihnen leider nicht verraten

Die Umfrage wurde schon vor zwei Wochen publiziert; aber erst gestern bin ich durch den Bericht in Islamist Watch darauf aufmerksam geworden.

Islamist Watch konzentriert sich in seinem Artikel auf die Einstellungen zur Homosexualität, die in dieser Umfrage erhoben wurden.

Das ist aber nur ein Aspekt einer sehr viel umfangreicheren Umfrage, die von Gallup im vergangenen Jahr durchgeführt wurde; genauer vom Gallup Center for Muslim Studies. Ihr Thema waren die Einstellungen der Gesamtbevölkerung und der Moslems in ausgewählten Staaten insbesondere zu solchen Fragen, die für die Integration relevant sind. Europa war durch Frankreich, Großbritannien und Deutschland vertreten.

Ich hätte gern ausführlich über diese Untersuchung berichtet, die viele überraschende Ergebnisse enthält. Aber das darf ich nicht. Zwar darf man den Bericht als PDF-Datei herunterladen; aber was ihr Copyright angeht, verstehen die Leute von Gallup keinen Spaß:
This document contains proprietary research, copyrighted materials, and literary property of Gallup, Inc. It ... is not to be copied, quoted, published, or divulged to others ... (...) ... international and domestic laws and penalties guaranteeing patent, copyright, trademark, and trade secret protection protect the ideas, concepts, and recommendations related within this document.

Dieses Dokument enthält durch Eigentumsrecht geschützte Forschung, durch Copyright geschütztes Material und geistiges Eigentum von Gallup Inc. Es ... darf nicht vervielfältigt, zitiert, veröffentlicht oder anderen ... zugänglich gemacht werden. ... (...) ... Internationale und amerikanische Gesetze und Strafvorschriften, welche die Patentrechte, das Copyright, Warenzeichen und den Schutz des Geschäftsgeheimnisses garantieren, schützen die Ideen, Konzepte und Empfehlungen, die mit diesem Dokument in Zusammenhang stehen.
Da äußere ich mich doch lieber gar nicht zu dieser Untersuchung und zitiere nur, was man im britischen Guardian lesen kann:
Muslims in Britain have zero tolerance towards homosexual acts compared to their counterparts in France and Germany, according to a survey published today. (...) It shows that British Muslims hold more conservative opinions towards homosexual acts, abortion, viewing pornography, suicide and sex outside marriage than European Muslims, polling markedly lower when asked if they believed these things were morally acceptable.

The most dramatic contrast was found in attitudes towards homosexuality. None of the 500 British Muslims interviewed believed that homosexual acts were morally acceptable. (...) By comparison, 35% of French Muslims found homosexual acts to be acceptable.

Die Moslems in Britannien haben eine Nulltoleranz gegenüber homosexuellen Handlungen, vergleicht man sie mit denjenigen in Frankreich und Deutschland. Dies ergab eine heute veröffentlichte Untersuchung. (...)

Sie zeigte, daß die britischen Moslems konservativere Meinungen zu homosexuellen Handlungen, zur Abtreibung, zum Betrachten von Pornographie, zum Selbstmord und zu außerehelichem Geschlechtsverkehr haben als Moslems auf dem europäischen Kontinent. Sie erreichten niedrigere Werte, wenn sie danach gefragt wurden, ob sie glaubten, daß diese Dinge moralisch akzeptabel seien.

Der drastischste Kontrast wurde bei den Einstellungen zur Homosexualität gefunden. Keiner der 500 interviewten britischen Moslems war der Meinung, daß homosexuelle Handlungen moralisch akzeptabel wären. (...) Hingegen sahen 35% der französischen Moslems homosexuelle Handlungen als akzeptabel an.
Und in Deutschland? Soviel darf ich, denke ich, verraten, ohne mich der angedrohten Strafverfolgung auszusetzen: 19 Prozent der deutschen Moslems hielten Homosexualität für moralisch akzeptabel (Abbildung 32 auf Seite 31 des Berichts).

Das mag wenig sein. Aber - und bei diesem Ergebnis bin ich doch ins Grübeln gekommen - auch nur 68 Prozent der deutschen Gesamtbevölkerung hielt Homosexualität für moralisch akzeptabel!



Wie erwähnt - in der Untersuchung geht es nicht zentral um Homosexualität. Sie befaßt sich mit der Religiosität der Bevölkerungsgruppen, mit ihrer Loyalität zu dem Land, in dem sie leben, und mit vielen anderen Themen im Zusammenhang mit dem allgemeinen Thema der Integration. Ich empfehle sehr, den Bericht zu lesen.

Die Erhebungen laden meines Erachtens zu methodischen Einwänden ein; sie bieten aber jedenfalls ein ganzes Füllhorn überraschender Ergebnisse.

Ich bin gespannt auf die Diskussionen dazu in "Zettels kleinem Zimmer". Aber Vorsicht - nur diskutieren, nicht zitieren!



Für Kommentare bitte hier klicken.

25. April 2008

Überlegungen zur Freiheit (5): Christen, Homosexualität und die Bremer Straßenbahn AG. Was darf man auf dem Christival?

Generäle üben, so heißt es, immer den Krieg von gestern. Mein Eindruck ist, daß auch bei der Verteidigung der Freiheit oft noch die Kriege von gestern, ja von vorgestern das Vorbild abgeben.

Bedrohungen unserer Freiheit werden dort gesehen, wo sie einmal waren. Wo sie im Obrigkeitsstaat des deutschen Kaiserreichs waren, wo sie in der klerikal geprägten Adenauer- Zeit waren.

Aber diese alten Bedrohungen sind in vielen Bereichen in den Hintergrund getreten, wenn nicht gar ganz verschwunden. Dafür gibt es neue Versuche, die Freiheit zu beschneiden. Manchmal von just denjenigen, deren Freiheit früher einmal selbst bedroht gewesen ist. Man hat, um im martialischen Gleichnis zu bleiben, gelegentlich den Eindruck, die Fronten hätten sich umgekehrt.



Auf das Thema dieses Beitrags bin ich auf Umwegen gekommen. Die erste Station war eine der für mich wichtigsten WebSites überhaupt, das Blogaggregat der Sozioproktologen, das man gar nicht genug loben kann. Ein Muß für alle, die sich, minütlich aktuell, darüber auf dem Laufenden halten wollen, was in der liberalen Blogokugelzone veröffentlicht wird.

Dort findet man auch die Artikel aus "Gay West" verlinkt, einem Blog mit Beiträgen von - so die Selbstbeschreibung - "schwulen Liberalen, liberalen Schwulen, Freunden von Freiheit, Demokratie und Marktwirtschaft". Gut so. Solche Blogs, in denen sich, um im Bild zu bleiben, die Sphären überschneiden, sind oft besonders reizvoll. Indem sich Perspektiven treffen, entstehen neue Einsichten. Ich lese gern in diesem Blog, auch wenn ich sozusagen nur halb zur Zielgruppe gehöre.

In "Gay West" nun gab es gestern eine im Blogaggregat verlinkte Notiz, die mich auf dem Weg zum meinem jetzigen Thema eine Station weiterführte. Berichtet wurde über einen kuriosen Kommentar, den jemand als Antwort auf einen gewissen Herrn Bartsch geschrieben hatte.

In dieser Antwort an den sehr geehrten Herrn Bartsch geht es um Homosexualität, und unser Kommentator schreibt:
Eine Befreiung von Homosexualität kann alleine nur durch Jesus in Verbindung mit einem Seelsorger geschehen. Dies können viele ehemalige Schwule bezeugen, die Heute wieder ganz normale Menschen sind und mit einer Frau glücklich verheiratet sind. Die schwul,-lesbisch befallenen Menschen jedoch in Ihrem Unglück und Verderben zu belassen, darüber freut sich nur der Teufel.
Beim Lesen des Auszugs, der im Blogaggregat steht, hatte ich das für eine Satire gehalten, eine eigentlich ganz lustige. Nun aber, so wie es in "Gay West" zitiert wurde, hatte man doch den Eindruck, daß das einer ernst meinte. Das machte mich neugierig.

Wo steht diese Antwort an den Herrn Bartsch? Sie steht bei "Idea", Untertitel "Das christliche Nachrichtenportal". Und die Nachricht, zu der mich der Link führte, hat - jedenfalls auf den ersten Blick - nicht das Geringste mit Homosexualität zu tun. Vielmehr geht es um die Straßenbahnen in Bremen.

Die Straßenbahnen in Bremen? Ja. In diesen nämlich, so erfahren wir aus dem Vorspann der Meldung, wird es "nur ein eingeschränktes Musikprogramm ... geben".

Nanu? Wieso überhaupt ein Musikprogramm in den Bremer Straßenbahnen? Und warum wird das jetzt eingeschränkt? Und was zum Teufel hat das mit der Homosexualität zu tun und damit, daß er sich, laut Antwort an den sehr geehrten Herrn Bartsch, freut, der Teufel, wenn man die Homosexuellen in ihrem Verderben läßt?



Sie merken, lieber Leser, da verbinden, da kreuzen sich Themen, da verknoten sie sich. Also, jetzt eins nach dem anderen:
  • Über das lange Wochenende ab dem 1. Mai findet in Bremen das fünfte "Christival" statt, ein christliches Jugendtreffen, das den Teilnehmern eine "außergewöhnliche Begegnung mit anderen Gläubigen, einen intensiven Austausch, eine Zeit des Lernens und des Gebets" verspricht. Ein kleines, nationales, evangelisches Gegenstück also zum großen katholischen Weltjugendtag, zu dem vor drei Jahren der Papst nach Köln gekommen war.

    Keine Veranstaltung der EKiD, aber doch, wie man den Namen im Kuratorium entnehmen kann, mit einer breiten Unterstützung aus der evangelischen Kirche heraus. Zu den Trägern gehören diverse Gliederungen des CVJM, das Evangelische Jugendwerk, das Blaue Kreuz, die Berliner Stadtmission, zahlreiche Einzelpersonen. Laut Wikipedia gehört "Christival e.V." zur "Evangelischen Allianz", eine weltweite protestantische Vereinigung mit reformatorisch- evangelikaler Ausrichtung. Schirmherrin ist die Ministerin von der Leyen.

  • Nun kommen wir zur Bremer Straßenbahn. In ihrer wollten die Veranstalter des Treffens während dessen Dauer Musikveranstaltungen durchführen. Ich kenne das zum Beispiel aus der Pariser Métro. Da steigen Musikanten ein, spielen ihr Stücklein und gehen dann herum, um den einen oder anderen Cent oder Euro zu sammeln. So ähnlich sollte das auch in der Bremer Straßenbahn sein; ob mit oder ohne Sammlung, geht aus der Meldung bei "Idea" nicht hervor, mit der wir uns jetzt wieder befassen müssen. Darin heißt es nur:
    Ursprünglich war es der Wunsch der Veranstalter, dass in allen Straßenbahnen während des Festivals Musikgruppen auftreten. Die jetzige Vereinbarung sehe vor, dass dies nur in speziell gekennzeichneten Fahrzeugen geschieht, sagte BSAG-Sprecher Jens-Christian Meyer am 21. April auf idea-Anfrage.
    Sehr vernünftig, dachte ich, als ich das las. Denn solche Musik mag ja gelegentlich ganz nett anzuhören sein. Aber sie von Mittwoch bis Sonntag hören zu müssen, wann immer man in Bremen in eine Straßenbahn steigt, das wäre doch zu viel des Schönen und Guten gewesen.

  • Da war ich aber ganz schön naiv gewesen. Denn jetzt kommt's. Jetzt verknoten sich die Themen "Christival" und "Straßenbahn" mit dem Thema "Homosexualität". Die Einschränkung der Musikdarbietungen in den Wagen der BSAG geschah nämlich nicht, jedenfalls nicht primär, um die Nerven und die Ohren der Fahrgäste zu schonen. Weiter in der "Idea"-Meldung über das, was der Sprecher Meyer der BSAG sagte:
    Er begründete dies unter anderem damit, dass politische Vertreter scharfe Kritik an der Ausrichtung des Treffens geübt hätten. Die Attacken links orientierter Kreise kommen vor allem aus den Reihen von Bündnis 90/Die Grünen. Ein Seminar "Homosexualität verstehen – Chance zur Veränderung" wurde nach Protesten des Ersten Parlamentarischen Geschäftsführers der Grünen im Bundestag, Volker Beck, abgesagt.
  • Und was hat das nun mit Herrn Bartsch und dem Teufel zu tun? An diese Meldung in "Idea" schlossen sich Kommentare an. In einem hatte der Kommentator Bartsch geäußert, daß "Homosexualität nicht therapierbar ist, noch der Therapie bedarf". Und dies wiederum hatte einen anderen Kommentator, einen gewissen Wolfgang Niederberger aus Steinheim, in Rage gebracht und zu seiner geharnischten Replik veranlaßt. Die von "Gay West" aufgespießt wurde und die ich dadurch gelesen habe.


  • Nun gut, mögen Sie jetzt denken, das sind doch Lappalien. Halt das Übliche - Homosexuellen- Politiker wie Volker Beck mögen die Evangelikalen nicht, und diese mögen Volker Beck nicht. Where's the news?

    Die Nachricht - und das, was mich zu diesem Artikel motiviert hat - liegt darin, daß die christlichen Musiker nun nur noch eingeschränkt in den Bremer Straßenbahnen spielen dürfen, weil sie auf einer Veranstaltung sein werden, für die ein Semar geplant war, gegen das Volker Beck protestiert hatte.

    Und daß sogar, weil Volker Beck es kritisiert hatte, das inkriminierte Seminar gleich ganz abgesagt wurde. In der Pressemitteilung (PDF) von "Christival" heißt es dazu über Becks Kritik und die Absage:
    Seine Kritik bezog sich auf das Seminar mit dem Thema "Homosexualität verstehen – Chance zur Veränderung", das von Monika Hoffmann und Konstantin Mascher vom "Deutschen Institut für Jugend und Gesellschaft" auf dem Kongress angeboten werden sollte.

    Dieses Seminar wurde aufgrund der "emotional hoch geschaukelten öffentlichen Diskussion" von den beiden Referenten heute abgesagt.

    Die Begründung: "Wir möchten nicht, dass eines von 225 Seminaren dazu führt, dass das Christival mit Kritik überhäuft wird, bevor es überhaupt startet. Diese Kritik ist unberechtigt. Wir setzen uns dafür ein, dass Menschen, die ihre homosexuellen Impulse als unvereinbar mit ihren Wünschen, Überzeugungen und Lebenszielen erfahren, selbstbestimmte Wege gehen können, die zu einer Abnahme homosexueller Empfindungen führen. Solche Selbstbestimmung ist unveräußerliches Recht jedes Menschen und gehört zu seiner Freiheit.

    Da dieses Thema aber nicht im Mittelpunkt des Christivals steht und wir auch nicht möchten, dass dadurch von anderen wichtigen Themen des Christivals abgelenkt wird, hat sich das Deutsche Institut für Jugend und Gesellschaft in gemeinsamer Absprache mit der Christival- Leitung zu diesem Schritt entschlossen", teilte Dr. Christl Vonholdt vom „Deutschen Institut für Jugend und Gesellschaft“ mit.
    So ganz freiwillig war diese Absage freilich nicht, erfahren wir aus dieser Pressemitteilung des Deutschen Bundestags vom 26. Februar. Darin heißt es:
    Nach Bekanntwerden des im Rahmen des Kongresses geplanten Seminars "Homosexualität verstehen - Chance zur Veränderung", in dem laut Seminarbeschreibung "Ursachen und konstruktive Wege heraus aus homosexuellen Empfindungen" untersucht werden sollten, habe das Familienministerium interveniert, so dass das Seminar aus dem Programm genommen wurde.



    Und damit bin ich bei dem eingangs genannten Thema: Von woher, von wem kommt eigentlich heutzutage die Bedrohung unserer Freiheit?

    Lange waren es die Homosexuellen, deren Freiheit massiv bedroht und eingeschränkt wurde; die auf eine abscheuliche, durch nichts zu rechtfertigende Weise allein dafür, daß sie gemäß ihrer sexuellen Orientierung gelebt haben, verfolgt, ins Gefängnis gebracht, in KZs eingesperrt wurden.

    Das liegt in den modernen freiheitlichen Rechtsstaaten Gott sei Dank hinter uns. Seit 1994 ist in der Bundesrepublik auch der letze Rest von Diskriminierung - das sogenannte Schutzalter - dem für Heterosexuelle angeglichen. Wie viele andere Minderheiten hat der Liberalismus auch die Homoxuellen aus einer vor- aufklärerischen Diskriminierung befreit.

    Sollten da nicht eigentlich Politiker, die sich wie Volker Beck dem Anliegen der Homosexuellen verschrieben haben, besonders freiheitlich denken? Aber Beck läßt das Gegenteil erkennen. Er wollte - anders kann man die vorliegenden Meldungen nicht verstehen - unterbinden, daß auf einer Veranstaltung wie dem "Christival" Meinungen zur Homosexualität, die von der seinigen abweichen, auch nur diskutiert werden.

    Wenn ich das anprangere, dann geht es mir überhaupt nicht darum, wessen Auffassung ich teile; ich stehe der Becks, was das Wesen der Homosexualität angeht, sicher weitaus näher als derjenigen, die - wie es scheint - in dem abgesagten Seminar vermittelt oder diskutiert werden sollte.

    Aber das gibt doch mir, das gibt doch Volker Beck nicht das Recht, darauf hinzuwirken, daß die betreffende Veranstaltung gar nicht stattfindet.

    Oder daß - was ja schon eine nachgerade absurde Folge dieses Eiferertums von Beck ist - nun in den Bremer Straßenbahnen am übernächsten Wochenende seltener christliche Musik gespielt wird.



    Meine Recherche zu diesem Thema endete mit einem, wie soll ich sagen, Knalleffekt. Auch die Abgeordnete Petra Pau ("Die Linke") hat sich nämlich zu dem Thema geäußert:
    Die umstrittene (und inzwischen abgesagte) Veranstaltung im Rahmen des "Christival", eine kirchliche Großveranstaltung für Jugendliche, unterstellt, dass Homosexualität abwegig, krankhaft und heilbar sei. Das teile ich ausdrücklich nicht. Und deshalb finde ich auch: Das kritisierte Seminar kollidiert mit Artikel 1 Grundgesetz: "Die Würde des Menschen ist unantastbar", aller Menschen!
    Ob Frau Pau das, was in dem Seminar diskutiert werden sollte, richtig darstellt, ist nach den oben zitierten Darlegungen der Veranstalter über dessen Inhalt und Intention zu bezweifeln. Aber selbst wenn es so wäre - was für ein aberwitziges Verständnis des Grundgesetzes wird in dieser Äußerung von Frau Pau sichtbar! Wenn eine bestimmte wissenschaftliche, vielleicht auch theologisch oder weltanschaulich begründete Auffassung nicht ihrer, Frau Paus, Haltung entspricht, dann ist sie für sie grundgesetzwidrig; jedenfalls in diesem Fall.

    Aber dann erweist sie sich ja doch noch als großzügig:
    Gleichwohl kann und will ich nicht verbieten, dass der eine oder die andere derartige unheilsamen Auffassungen, wie oben beschrieben, teilt. Die Gedanken sind frei. Aber sie sollten dann nicht noch durch staatliche Zuschüsse und durch eine Schirmherrschaft der Regierung befördert werden.
    Da haben wir sie, die Kommunistin Petra Pau, die mit zwanzig Jahren in die SED eintrat, die seit 1985 an deren Parteihochschule "Karl Marx" zur Funktionärin ausgebildet wurde. "Die Gedanken sind frei" konzidiert sie großzügig. Nur, wer die falschen Gedanken hat, die aus der Sicht von Petra Pau falschen Gedanken, dem streicht der Staat eben das Geld. Das Geld, das zwar von uns Bürgern - auch den Evangelikalen - erarbeitet und dem Staat zur Verfügung gestellt wird, über das Frau Pau aber gern so selbstherrlich verfügen möchte wie zu SED-Zeiten.

    Es ist beklemmend, daß Volker Beck da mitmacht; daß er sogar eine treibende Kraft hinter so viel Illiberalität ist. Es ist eine Schande, daß die Familienministerin da offensichtlich mitgemacht hat.



    Links zu den früheren Beiträgen dieser Serie findet man hier. Für Kommentare zu diesem Artikel gibt es einen Thread in "Zettels kleinem Zimmer". Dort findet man auch eventuelle Aktualisierungen und Ergänzungen.

    27. Juli 2007

    Rudy Giuliani: Mehr als ein Law-and-Order-Mann

    Er hat mit seiner Politik der zero tolerance New York zu einer der sichersten Großstädte der Welt gemacht. Er hat sich nach dem Angriff vom 11. September mustergültig verhalten; den geschockten New Yorkern wieder Mut und Zuversicht gegeben, den Wiederaufbau organisiert.

    Er wäre, falls er zum Präsidenten gewählt werden würde, der Garant dafür, daß Präsident Bushs erfolgreicher Kampf gegen den Terrorismus, der nach dem 11. September keinen einzigen weiteren Angriff auf die USA zugelassen hat, fortgeführt wird.

    So kennt man ihn, Rudy Giuliani, den Law-and-Order- Mann. Aber das ist vielleicht nicht das, was seine wahre politische Bedeutung ausmacht.



    In der letzten Sonntagsausgabe der "Los Angeles Times" schreibt Ronald Brownstein über "Giuliani, the federalist candidate".

    Der Begriff "federalist" hat in der amerikanischen Verfassungs- Geschichte eine zentrale Bedeutung: Die "Federalist Papers", hauptsächlich verfaßt von Alexander Hamilton und James Madison, begleiteten die Ratifizierung der amerikanischen Verfassung in den Jahren 1787 und 1788. Nirgends wurden damals die Prinzipien einer liberalen, aus der Aufklärung hervorgegangenen Verfassung so eingehend und so hellsichtig diskutiert.

    Im Zentrum stand für die beiden Autoren der Föderalismus; deshalb der Name dieser Artikelserie. Denn nur Föderalismus garantiert Freiheit, indem er vor der Tyrannei des - wie man heute sagt - Big Government bewahrt. Herrscht, wie in den USA, Freizügigkeit zwischen den Staaten, dann kann sich kein Staat eine schlechte Politik, erst recht nicht die Unterdrückung seiner Bürger leisten: Sie liefen ihm davon, so wie der DDR "unsere Menschen", sobald sie konnten.



    Giuliani geht, schreibt Brownstein, hauptsächlich als Kämpfer gegen den Islamismus ins Rennen um die republikanische Präsidentschafts- Kandidatur.

    But his most innovative domestic idea casts him as a peacemaker on the social issues that have divided the nation since the 1960s.
    Aber seine innovativste innenpolitische Idee weise ihn als jemanden aus, der die Nation in Bezug auf die Streitfragen versöhnen könne, die sie seit den sechziger Jahren gespalten hätten.

    Diese "innovative" Idee nun ist freilich eine uralte - eben die Idee des Föderalismus.

    Giuliani schlägt etwas vor, was wir hier in Deutschland ja gerade in einer Mickey- Maus- Ausgabe als "Föderalismus- Reform" hinter uns haben: Eine großangelegte Verlagerung der Kompetenzen. Und zwar durchweg von der Bundesregierung in Washington weg, hin zu den einzelnen Bundesstaaten.



    Die Nation, argumentiert Giuliani, sei nun einmal in vielen Fragen fundamental verschiedener Meinung; von der Abtreibung über die Homosexuellen- Ehe bis zur Waffengesetzgebung. Das führt zu einem ständigen Kampf um die Vorherrschaft, solange die Entscheidungen allein in Washington fallen.

    Warum, fragt Giuliani, sollen das nicht die einzelnen Bundesstaaten entscheiden? Die konservativen Staaten eine konservative Lösung bevorzugen, die (im amerikanischen Sinn) liberalen eine liberale Lösung? Das würde die Spannungen mindern, es würde damit, indem es die Vielfalt anerkennt, die Nation enger zusammenführen.

    Giuliani selbst ist zum Beispiel für das Recht auf Abtreibung eingetreten und gegen die Homosexuellen- Ehe. Aber warum, sagte er in einem Interview, sollten nicht einzelne Bundesstaaten die Homosexuellen- Ehe erlauben und andere die Abtreibung unter Strafe stellen?



    Nicht nur solche ideologisch geprägten Streitfragen möchte Giuliani gern entschärfen, indem er die Kompetenzen auf die Bundesstaaten überträgt. Auch im Gesundheitswesen könne, sagt er, den Staaten freigestellt werden, wie sie das System gestalten. Einzelne Bundesstaaten sollten "experimentieren" können; erfolgreiche Modell könnten dann ja von anderen übernommen werden. Auch die Maßnahmen gegen den Treibhaus- Effekt möchte Giuliani gern den Staaten überlassen.

    Natürlich gibt es, sagt er, Grenzen des Föderalismus. Er ist zum Beispiel dafür, den von Präsident Bush eingeführten einheitlichen Schultest beizubehalten. Sollten die Bundesstaaten mit ihrer Waffengesetzgebung nicht erfolgreich sein, dann schließt er auch dort eine bundeseinheitliche Regelung nicht aus.



    Ich ahne, daß mancher Leser das mit innerem Kopfschütteln zu Kenntnis genommen haben wird. Jakobinisches Denken, das im Staat, zumal im Zentralstaat, einen Wert an sich sieht, ist in Deutschland weit verbreitet, wenn auch nicht ganz so tief verwurzelt wie in Frankreich. Liberale machen da keine Ausnahme.

    Aber recht bedacht, scheinen mir die Ideen Giulianis doch sehr viel für sich zu haben. Und wir Europäer sollten sie bedenken, wenn unsere Brüsseler Regierenden versuchen, bis hin zur Vermietung von Wohnungen, bis zur Einstellung von Mitarbeitern in unser Leben hineinzuregieren.

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