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4. August 2007

Ketzereien zum Irak (18): Eine neue Allianz, eine neue Strategie, eine neue Taktik

Es ist gewiß noch zu früh, um schon von einer Wende zu sprechen; einer Wende hin zu einem Sieg der irakischen Demokratie, der Koalitionstruppen und der irakischen Armee.

Aber es ist offensichtlich, daß die Entscheidung von Präsident Bush, durch die Entsendung weiterer Truppen eine neue Strategie zu ermöglichen - den surge, also den Schub - sich auszuzahlen beginnt.

Zumal mit General Petraeus jetzt ein Mann die US-Truppen kommandiert, der nüchtern, professionell und mit großer persönlicher Überzeugungskraft seine Aufgabe erfüllt.

In der "New York Times" war kürzlich, wie hier beschrieben, ein Bericht zu lesen, dessen Autoren diese Wende zum Besseren sehr beeindruckt hat; vor allem auch die ausgezeichnete Moral der US-Truppen, die ihre Chancen heute überwiegend weit günstiger beurteilen als vor dem surge.

Zugleich ist auch die irakische Innenpolitik in Bewegung geraten. Es zeichnet sich jetzt die reale Möglichkeit ab, daß sich auch die gemäßigten Sunniten von den extremistischen Sunniten trennen; so wie sich die gemäßigten Schiiten schon von El Sadr mit seiner Mahdi- Armee getrennt haben.

Das würde den Weg für eine Koalition der Demokraten eröffnen, die gemeinsam sehr viel wirkungsvoller als jetzt gegen die Extremisten und Terroristen auf beiden Seiten vorgehen könnten.



Der Anlaß für diesen Beitrag ist ein Artikel in der heutigen "Washington Post".

Der Autor, Sudarsan Raghavan, hat sich in der Provinz Babil südlich von Bagdad umgesehen, in der die US-Truppen eine Erweitertung der Strategie versuchen, die die El Kaida aus der Provinz Anbar, noch vor einem Jahr ihre Hochburg, so gut wie völlig vertrieben hat, und die jetzt gerade erfolgreich in der Provinz Diyala angewandt wird: Die US- Truppen verbünden sich mit lokalen sunnitischen Stämmen, die anfangs mit der El Kaida gemeinsame Sache gemacht hatten, die sich aber zunehmend gegen die El Kaida wenden.

Diese Stämme begannen zunächst in Anbar, die El Kaida auf eigenen Faust zu bekämpfen.

Sie hatten sich mit ihr einmal verbündet, weil sie die gemeinsame sunnitische Konfession verbindet und weil sie sich von dem Bündnis Unterstützung gegen die Schiiten und gegen die fremden Invasoren versprachen.

Es stellte sich aber heraus, daß die El Kaida nicht unterstützen, sondern herrschen will. Sie versuchte, Zustände wie unter den Taliban in Afghanistan einzuführen. Sie versuchte, die Scheichs der Stämme zu entmachten. Das ließen diese sich nicht gefallen, und aus den Verbündeten wurden inzwischen erbitterte Feinde.

Im Januar dieses Jahres hat das als einer der ersten Journalisten Bill Ardolino berichtet, der im Irak unterwegs war. In Falludschah hatte er ein ausführliches Interview mit einem hohen lokalen Würdenträger, der ihm diese Situation erläuterte.



Inzwischen haben die US-Truppen die Chance erkannt, die in diesem Zerwürfnis zwischen den sunnitischen Stämmen und der El Kaida liegt. Sie haben die sunnitischen Stämme in Anbar unterstützt, sie unterstützen sie jetzt in Diyala. Anbar ist so gut wie befriedet; in Dilaya läuft die Offensive gut.

Jetzt also Babil.

Dort wollen die USA nun einen entscheidenden, freilich auch riskanten Schritt weiter gehen: Sie verbünden sich nicht nur mit den Stämmen, sondern sie beziehen sie unmittelbar in den Kampf gegen die El Kaida ein.

Die Stämme stellen, so das Angebot, Kämpfer gegen die El Kaida, die als eine Art Hilfspolizisten von den USA ausgerüstet und bezahlt werden. Diese sogenannten "engagierten Bürger" ("concerned citizens") sollen vor allem die Erdöl- Leitungen gegen Anschläge schützen und mithelfen, die Straßenbomben zu räumen, die mehr Opfer unter den US-Soldaten fordern als irgendeine andere Waffe der Terroristen. Sie sollen mit polizeilichen Rechten ausgestattet sein.



Natürlich sind die Amerikaner sich im Klaren darüber, daß diese neue Taktik nicht ohne Gefahren ist. Die so aufgerüsteten Sunniten könnten sich am Ende gegen eine schiitisch dominierte Regierung wenden; vor allem dann, wenn die US-Truppen einmal abgezogen sind.

Aber die US-Kommandeure schätzen diese Gefahr nicht so hoch ein, daß sich deshalb diese Taktik verbieten würde. Die Stämme haben gemerkt, daß sie von den Amerikanern nichts zu fürchten haben, wohl aber von der El Kaida.

Von der El Kaida, die sie ja erst gegen die Schiiten aufgehetzt hat. Traditionell sind im Irak die Schiiten und die Sunniten über die Jahrhunderte gut miteinander ausgekommen; auch wenn man einander nicht sehr mochte.

Auch die Sunniten hatten ein Interesse an den Heiligen Stätten der Schiiten, die dem Land viel Geld von ausländischen Pilgern einbringen. Die Schiiten ihrerseits hatten keinen Grund, den sunnitischen Stämmen ihre Weidegründe oder sonst irgend etwas streitig zu machen.

Der jetzige Konflikt entstand erst durch das Regime Saddam Husseins, der eine rücksichtlose Herrschaft der sunnitischen Minderheit, und in dieser seines Tikrit- Clans, errichtete. Also gab es nach dessen Sturz zahllose offene Rechnungen.

Aber das ist nichts, was über Jahrzehnte wirksam bleibt.

Ohne die El Kaida, deren infame Taktik es war und ist, heilige Stätten sowohl der Schiiten als auch der Sunniten zu attackieren und das jeweils der anderen Seite in die Schuhe zu schieben, ohne die Bunker-Mentalität, die inzwischen in Bagdad auf beiden Seiten entstanden ist, ohne die mafiösen Banden auf beiden Seiten liegt eine Versöhnung zwischen der großen Mehrheit der Sunniten und der Schiiten durchaus im Bereich des Möglichen.



Es ist ein ganz irriges Bild, daß "die Schiiten" und "die Sunniten" im Irak aufeinander losgehen. Auf beiden Seiten sind es Scharfmacher, oft mit kriminellem Hintergrund, die für die Anschläge verantwortlich sind, die immer wieder Kämpfer der jeweils anderen Seite nachts fangen und ermorden.

Deren oft verstümmelte Leichen findet man in Bagdad überwiegend in den konfessionell gemischten Stadtvierteln, in denen die Verbrecherbanden der beiden Seiten noch um die Herrschaft streiten, so wie die Mafia und die Camorra.



Nein, "über den Berg" sind die Demokraten im Irak noch lange nicht. Aber sie haben die Talsohle hinter sich. Jetzt kann man nur noch hoffen - können vor allem die Iraker nur hoffen -, daß der nächste Präsident der USA nicht Obama oder Hillary Clinton heißt.

Mit einem Präsidenten, der Bushs Politik konsequent fortsetzt, könnte - so sieht es im Augenblick aus - mit großer Wahrscheinlichkeit verhindert werden, daß es im Irak zu einem Bürgerkrieg kommt oder gar zur Errichtung einer Herrschaft der El Kaida. Es könnte eine sicher nicht nach unseren Vorstellungen perfekte, aber eine doch für arabische Verhältnisse sehr beachtliche Demokratie Fuß fassen.

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20. Juni 2007

Ketzereien zum Irak (13): Aktuelles zum Kampf gegen die El Kaida

Während, wie üblich, ein Mordanschlag auf Zivilisten in Bagdad gestern Schlagzeilen machte, wird, wie üblich, über die militärischen Erfolge der Koalitionstruppen und der irakischen Streitkräfte in unseren Medien wenig berichtet.

Ebensowenig, wie von der Schlacht, die jetzt begonnen hat - der größten seit dem Sieg über Saddam 2003, wie Michael Yon gestern schrieb.

Sein Artikel ist lesenswert - schonungslos, und doch optimistisch. Er war kürzlich in Anbar und hat diese Provinz, die als Hochburg der El Kaida galt, noch nie so befriedet gesehen. Jetzt hat sich die El Kaida, in Abar von den Stämmen bekämpft, aus Bagdad durch die amerikanisch- irakische Offensive vertrieben, in die Provinz Diyala zurückgezogen, wo sie wieder einmal eines ihrer "Kalifate" ausgerufen hat.

Von der jetzigen Offensive habe ich zuerst bei "Al Jazeera" erfahren, diesem erstaunlich informativen, erstaunlich objektiven Sender.

Dort wurde ein längeres Interview mit dem Kommandeur der Operation, Brigadegeneral Mick Bednarek, gesendet, der die Strategie erläuterte, die El Kaida schrittweise zurückzudrängen, bis ihr keine Operationsräume mehr bleiben, und zugleich die irakischen Stämme in ihrem Kampf gegen die El Kaida zu unterstützen.

Einzelheiten über die jetzige Operation findet man zum Beispiel in der "Washington Post", bei Bill Ardolino und in "Forbes".



Die Situation im Irak ist nach wie vor schwierig und hat sich teils gegenüber 2006 verschlechtert. (Dank an Ulrich Speck für den Hinweis auf diese Quelle). Michael Yon beschreibt das ohne Beschönigen und in drastischen Worten. Aber er schreibt auch, daß er nicht glaubt, daß dieser Krieg für die USA und die irakische Regierung verloren sei.

Was es bedeuten würde, wenn er verlorenging und die El Kaida, wie es ihr Ziel ist, den Irak zu einem neuen Afghanistan machen könnte - von ihr kontrolliert, mit der ganzen Infrastruktur, die sie für ihren Krieg gegen den Westen braucht -, das hat Präsident Bush in seiner letzten State of the Union Address geschildert.

Wie die US-Demokraten einen Abzug aus dem Irak erwägen können, bevor die irakische Regierung so stark ist, daß sie der El Kaida erfolgreich widerstehen kann, das ist mir immer noch ein Rätsel.

25. März 2007

Ketzereien zum Irak (8): Die aktuelle Lage in Bagdad und in Anbar

In dem Blog "Iraq the Model", geschrieben von zwei Irakern, zeichnet der Autor Omar ein recht überraschendes Bild von der aktuellen Entwicklung; der militärischen wie auch der politischen.

Vielleicht irrt Omar. Aber wie auch immer - audiatur et altera pars. Zumindest anhören sollte man jemanden, der die Lage anders sieht als die meisten Journalisten. Zumal er ja mitten in ihr drinsteckt, in der Lage im Irak.



Die beiden Kräfte, die vor allem die irakische Demokratie bedrohen, sind, schreibt Omar, die extremistischen Schiiten der Mehdi- Armee auf der einen Seite und die sunnitische El Kaida auf der anderen. Sie bekämpfen einander, sind aber zugleich gemeinsam daran interessiert, die irakische Demokratie scheitern zu lassen. Aus dem Hintergrund unterstützen sie Syrien und der Iran.

Beide haben nun, sagt Omar, in den letzten Wochen ganz erhebliche Rückschläge erlitten.



Was die Mehdi- Armee angeht, so war und ist sie der Hauptgegner bei der seit fünf Wochen anhaltenden Offensive der irakischen Armee und der Koalitionsstreitkräfte in Bagdad; deren Kodename ist Operation "Imposing Law", also Operation "Durchsetzung des Gesetzes". Omar schreibt dazu:
Nearly five weeks into operation Imposing Law in Baghdad the movement of the Mehdi Army has been largely restrained and its coercion and arm-twisting capacity is at least temporarily contained and with a policy of sustained pressure this threat can be drastically reduce[d].

Nach fünf Wochen der Operation "Imposing Law" in Bagdad ist die Bewegungsfreiheit der Mehdi- Armee weitgehend eingeschränkt, und ihre Fähigkeit zum Zwang und zur Einflußnahme ist zumindest vorübergehend unter Kontrolle. Mit einer Politik anhaltenden Drucks auf sie kann diese Bedrohung drastisch verringert werden.
Und wie steht es mit der El Kaida? Ihre Strategie war und ist es, in mindestens einer Provinz so stark zu werden, daß sie dort die Keimzelle eines neuen Islamischen Staats errichten kann. Dazu hatte sie die Provinz Anbar ausgesucht, im Sunnitischen Dreieck. Dazu schreibt Omar:
The "Islamic State in Iraq" a branch of al-Qaeda has been dealt several good blows recently in the same city they were planning to announce as the first capital of their state.

For four years since the liberation of Iraq Anbar remained distant from the rest of the country, defiant to the central government and a dangerous place for everyone including its own sons…this is slowly, yet clearly, changing now.

For a few months after more than two dozens of tribes formed the "Anbar Awakening Council" not much success was reported but recently there's been a constant stream of reports on battles between the tribes and al-Qaeda in several towns and villages across the vast western province; in most cases the tribes came out triumphant but sacrifices were also made. The restive province is finally coming back into the arms of the state.

Der "Islamische Staat im Irak", ein Zweig der El Kaida, hat in letzter Zeit mehrere kräftige Schläge erlitten; und zwar in genau derjenigen Stadt, die sie als erste Hauptstadt ihres Staats ausrufen wollten.

In den vier Jahren seit der Befreiung des Irak ist Anbar weit weg vom übrigen Irak geblieben, hat sie sich von der Zentralregierung abgewandt und war sie eine gefährliche Gegend für jedermann, einschließlich ihrer Söhne. Das ändert sich jetzt langsam, aber sicher. Nachdem mehr als zwei Dutzend Stämme vor einigen Monaten den "Rat zur Erweckung von Anbar" gegründet hatten, wurden zunächst nicht viele Erfolge gemeldet. Aber neuerdings gibt es einen anhaltenden Strom von Berichten über Kämpfe zwischen den Stämmen und der El Kaida, und zwar in etlichen Städten und Dörfern quer durch diese riesige Provinz. Meist waren die Stämme siegreich, aber es gab auch Opfer. Die widerspenstige Provinz kehrt endlich in die Arme des Staats zurück.
Omar, selbst Stammesangehöriger, erklärt diese Entwicklung aus der Mentalität der Stämme heraus:
Iraq and the western part in particular is a very tribal community and so the increased influence and interference of clerics became a serious threat to the position of sheiks. Sheiks are more businessmen than ideological leaders, like my tribe's sheik put it once "the hell with them [clerics] we want to live like normal people and all they care about is death".

Irak, und besonders sein Westen, ist eine Stammesgesellschaft. Folglich wurde der wachsende Einfluß der Religiösen und ihr Eingreifen zu einer ernsten Bedrohung für die Position der Scheichs. Scheichs sind eher Geschäftsleute als ideologische Anführer. Wie es der Scheich meines Stammes einmal formulierte: "Zur Hölle mit ihnen [den Religiösen]. Wir wollen als normale Menschen leben, und sie kümmern sich nur um den Tod."
Anbar, so urteilt Omar, sei für die El Kaida so gut wie verloren. Sie versuchten jetzt eine Machtbasis in der benachbarten Provinz Diyala aufzubauen; aber dort stünden ihre Chancen noch schlechter als in Anbar.



Wunschdenken? Vielleicht.

Aber mir scheint auch der Pessimismus vieler Gegner des Irak- Kriegs bei uns im Westen nur allzu sehr von Wunschdenken geprägt zu sein. "Es geschieht den Irakern ganz recht, daß sie sich von Bush haben befreien lassen; jetzt sehen sie, wohin das führt". So scheinen mir viele zu denken.

Omar und Mohammed, die beiden Blogger in Bagdad, sind alles andere als optimistisch, und sie betonen das immer wieder. Nur teilen sie nicht diesen ideologischen Pessimismus, diesen Defätismus, der bei uns im Westen so wohlfeil ist.

Denn uns träfe es ja nicht, wenn der Irak tatsächlich im Bürgerkrieg versinken würde, oder wenn ein Gottesstaat dort alle die einkerkern, vertreiben oder ermorden würde, die jetzt für Freiheit und Demokratie im Irak eintreten.

19. März 2007

Rückblick: Aktuelles aus dem Irak

Vor zwei Monaten habe ich über die Reportagen von Bill Adolino aus dem Irak berichtet. Unter anderem über ein Gespräch Adolinos mit einem Informanten "Yusef", nach dessen Einschätzung die Haltung der Beduinenstämme für die militärische Entwicklung in einigen Provinzen, vor allem in Anbar, kritisch sein werde.

"Yusef" vertrat die Auffassung, daß in der umkämpften Provinz Anbar, einem Zentrum der sunnitischen Terroristen, die Beduinen sich bereits gegen die El Kaida auf die Seite der Regierung geschlagen hätten.

Hierzu gibt es jetzt einen interessanten Bericht des AP- Korrespondenten Kim Gamel.

Danach hat der irakische Premier El Maliki Mitte vergangener Woche diese Provinz besucht, um mit den Scheichs dortiger Stämme über ihre zukünftige Zusammenarbeit mit der Regierung zu verhandeln.

Am Freitag nun gab es mehrere Giftgas- Attentate auf die Bevölkerung der Provinz. Verwendet wurde Chlorgas, das aus explodierenden Lastwagen entwich.

Einer der Anschläge galt dem Sitz eines Stammesführers, des Scheichs der Albu Issa, der mit der Regierung zusammenarbeitet. Dabei wurden 250 Menschen verletzt.



In Iraq the Model schreibt dazu Omar:
With this series of dirty chemical bombings a war between al-Qaeda and the tribes in Anbar is no longer a possibility. It just became a fact.

I've read at least two very optimistic reports from al-Almada in the last week about purported victories of the tribes and police over al-Qaeda in Ramadi and Fallujah. I was reluctant to trust the accuracy of the reports which sited unnamed sources but now seeing the reaction of al-Qaeda suggests that the action of the tribes was so painful that al-Qaeda retaliated in the way we see today. (...)

Al-Qaeda is sensing a serious threat in the change of attitude of the tribes toward them and perhaps the apparently successful meeting of the sheiks with Maliki and the agreements that were made then was the point at which open war had to be declared. The tribes in Anbar are stubborn and they have many ruthless warriors. That's a proven fact and it looks like Al-Qaeda had just made their gravest mistake — their once best friends are just about to become their worst enemy.

Mit dieser Serie schmutziger chemischer Anschläge ist ein Krieg zwischen der El Kaida und den Stämmen in Anbar nicht mehr nur eine Möglichkeit. Das ist zur Tatsache geworden.

Ich habe vergangene Woche mindestens zwei sehr optimistische Berichte aus Al-Almada gelesen, in denen Siege der Stämme und der Polizei über die El Kaida behauptet wurden, in Ramadi und in Falludschah. Ich zögerte, diesen Berichten zu vertrauen, die sich auf nicht genannte Quellen beriefen. Aber wenn man jetzt die Reaktion der El Kaida sieht, dann legt das nahe, daß die Aktion der Stämme so schmerzhaft war, daß die El Kaida auf die jetzt gesehene Art zurückschlug. (...)

Die El Kaida spürt in der geänderten Haltung der Stämme zu ihr eine ernsthafte Gefahr; wie auch in dem offenbar erfolgreichen Treffen der Scheiks mit Maliki. Die dort getroffenen Übereinkommen waren der Punkt, an dem offener Krieg erklärt werden mußte. Die Stämme in Anbar sind hartnäckig, und sie haben rücksichtslose Krieger. Das ist eine bewiesene Tatsache, und es scheint, daß die El-Kaida gerade ihren größten Fehler gemacht hat - ihre einstigen besten Freunde sind dabei, ihre schlimmsten Feinde zu werden.



Nimmt man die offenbar erfolgreiche Konferenz von Bagdad hinzu, die der Ausgangspunkt für einen Ausgleich zwischen dem Irak, dem Iran und Syrien sein könnte, dann gab es letzte Woche also positive Meldungen aus dem Irak.

Und solche mit einem größeren Nachrichtenwert als die ewigen Autobomben in Bagdad. Oder?