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25. Juni 2009

Zettels Meckerecke: Bravo, Dresden! Und eine UNESCO-Funktionärin ist "sichtlich bewegt"

Es ist ja nicht nur die Brüsseler Bürokratie, die überall hineinzuregieren versucht. Darüber thront die Bürokratie aller Bürokratien, diejenige der UNO. Mit ihren vielen Organisationen, wie zum Beispiel der UNESCO.

Diese nun also hat in ihrer Weisheit dem Elbetal bei Dresden heute den Status als Weltkulturerbe aberkannt. Die Bürokraten haben's gegeben (erst 2004 übrigens), die Bürokraten haben's genommen. Der Name der Bürokraten sei gelobt.

Wegen der Waldschlößchen- Brücke, bekanntlich, ist das Elbetal nun also kein Weltkulturerbe mehr. Zwar gibt es sie noch gar nicht, diese Brücke. Aber die Dresdner haben sich erdreistet, sie zu planen, ohne auf die warnenden Stimmen aus der UNESCO zu hören. Das mögen Bürokraten gar nicht.

Also haben sie sich hingesetzt und vor ihrem geistigen Auge entstehen lassen, oder auf ihrem Bildschirm, wie erschröcklich denn das Elbetal mit dieser Brücke aussehen würde. Also nix Kulturerbe mehr.

Das einzig wirklich Ärgerliche an dieser Posse ist, daß deutsche Politiker - Tiefensee, Bernd Neumann, Steinmeier - mitspielen. Statt der UNESCO zu signalisieren, ihre verstaubte Ästhetik könne Deutschland gestohlen bleiben, übt man sich im Kotau.



Und das einzige wirklich Ärgerliche an dieser Entscheidung der Beckmesser, die gerade im schönen Sevilla tagen, ist das Klischeehafte ihres Denkens.

Daß eine architektonisch gelungene Brücke eine Landschaft auch bereichern kann; daß der Reiz einer Landschaft ja nicht in ihrer stilistischen Einförmigkeit, sondern gerade in der Vielfalt dessen besteht, was man ihn ihr antrifft; daß man beispielsweise den Reichstag in Berlin nicht verhunzt, sondern verschönert hat, als man ihm eine moderne Kuppel anfügte - das geht diesen Bürokraten nicht in den Schädel.

Wahrscheinlich war auch noch niemand von ihnen im Hof des Louvre und hat gesehen, wie schön sich dort die moderne gläserne Pyramide einfügt.

Aber darum ging es ja nicht. Es ging darum, daß die UNESCO entschlossen war, ihre Hoheit über das, was schön und förderungswürdig ist, durchzusetzen. Das wollen wir doch einmal sehen, ob die Stadt Dresden es wagt, sich unserer höheren ästhetischen Einsicht zu widersetzen - das ist die Denke solcher Banausen.

"Sichtlich bewegt" sei sie gewesen, die Funktionärin María Jesús San Segundo, als sie die Entscheidung verkündete. Ich nehme an, vor Freude darüber, wieder einmal die Macht der UNESCO demonstriert zu haben.



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6. Juli 2007

Marginalie: Neuschwanstein! Ist es zu fassen?

Irgendeiner namens Weber hat im Web eine offenbar ungemein erfolgreiche Aktion gestartet, in der es um Weltwunder geht.

Nun gut, es geht nicht um Weltwunder, sondern um irgendwelche Kulturdenkmäler. Sei's drum.

Aber was in aller Welt haben wir Deutsche verbrochen, daß ausgerechnet Neuschwanstein, dieser Superkitsch, inspiriert von einem geschmacksverirrten König, in der Endrunde ist?


Neuschwanstein ist ein absoluter Tiefpunkt der deutschen Kultur. Übertroffen, oder vielmehr untertroffen, allenfalls vom "Palast der Republik".

Aber der Ministerpräsident Stoiber, der vermutlich auch nix von Kultur ahnt, preist und preist es. Der Freistaat Bayern veranstaltet eine lachhafte Kampagne, damit dieses Schandmal der deutschen Kultur, dessen wir uns schämen sollten, international berühmt wird.

Ils sont fous, les Allemands.

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1. Juli 2007

Marginalie: Weltwunder? *wunder, wunder!*

Im Web läuft - noch sechs Tage! - eine Abstimmung, deren Absicht es ist, eine sozusagen aktuelle Liste der sieben Weltwunder zu ermitteln.

Und was ist da zur Abstimmung gestellt? Stonehenge zum Beispiel, das Tadsch Mahal, die Pyramiden von Giseh, die Akropolis, die Chinesische Mauer; dergleichen.

Welch ein Mißverständnis dessen, was die Antike als ein Weltwunder betrachtete! Die Weltwunder waren das Größte und Modernste, das es in der Antike gab - der gewaltige Koloß von Rhodos, der Pharos von Alexandria, eine Meisterleistung der Architektur und der höchste Leuchtturm der damaligen Welt, der Artemis- Tempel von Ephesos, die größte Tempelanlage dieser Welt; dergleichen.

Das, worüber man sich wunderte, das war die Leistung der Technik, die Monumentalität des Bauwerks, seine Modernität. Und nicht das "Weltkulturerbe", das uns in dieser kuriosen Abstimmung zur Auswahl geboten wird.

Was wären heutige Weltwunder?

Zum Beispiel das Vehicle Assembly Building im Kennedy Space Flight Center, in dem die Saturn V montiert wurde; auch die zugehörige Abschußanlage für diese Rakete, Meisterleistungungen der Technik, wie diese Rakete selbst.

Zum Beispiel das Taipei Financial Center, der gegenwärtig höchste Wolkenkratzer der Welt (in Dubai entsteht ein neuer, der ihm den Rang ablaufen wird).

Zum Beispiel der Large Hadron Collider, ein Teilchenbeschleuniger mit einem Umfang von 27 km, der nächstes Jahr in Betrieb gehen soll; der dann mit Abstand größte der Welt.



Das wären Weltwunder, die dem Geist der Antike entsprechen würden, die ja - jedenfalls die späte ägyptische und griechische, die gesamte römische Kultur - geradezu versessen auf Technik und Wissenschaft gewesen ist.

Es ist schon bezeichnend für unsere Epoche, speziell für unsere westliche Kultur, daß uns zum Thema "Weltwunder" nicht unsere eigenen technischen Leistungen einfallen, wie das in der Antike selbstverständlich gewesen war. Sondern Antikes.
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