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21. Juni 2008

Kurioses, kurz kommentiert: Der Löw im Glaskäfig. Oder: Wie kann man noch Witze über Politische Correctheit machen?

Als wir eben noch einmal die Bilder von dem in seinem Glaskasten umhertigernden Löw gesehen haben - "sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe" fiel mir dazu ein -, habe ich zu meiner Frau geflachst: "Jetzt meldet sich bestimmt gleich ein Politisch Correcter, der sich darüber empört, daß Jogi eine Zigarette geraucht hat".

Das war gestern gegen Mitternacht, und da war es schon kein Witz mehr, sondern Wirklichkeit. Denn mit der Datierung 20. Juni 2008, 22:40 Uhr hatte "Spiegel Online" unter der Überschrift "ZIGARETTE IM STADION - SPD-Politiker protestiert gegen Löw" gemeldet:
Angesichts der Bilder vom rauchenden Bundestrainer hat der Bundestagsabgeordnete Lothar Binding den Coach an seine Vorbildfunktion erinnert. "Mit der Macht, die Herr Löw durch seine Vorbildfunktion hat, sollte er sich auch seiner Verantwortung bewusst werden - nicht zuletzt für die Gesundheit von Jugendlichen", erklärte Binding am Freitag in Berlin auf Anfrage. (...) "Vernünftigerweise schließen sich Sport und Rauchen aus, aber ein Raucher als Vorbild vieler junger Menschen ist ein Widerspruch in sich", sagte Binding. So stelle sich nun die die Frage, "ob Jogi Löw Trainer, Sportler oder Raucher ist".
Ich dachte, er hätte gesagt: "... ob Jogi Löw sofort zurücktreten muß oder erst nach der EM".



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2. Februar 2008

Zitat des Tages: "Deutschland wimmelt von Aufpassern"

Da gibt es diese Aufpasser, diese Jünglinge, die aufpassen, was die damals gemacht haben. Ich meine, Deutschland wimmelt von Aufpassern.

Hans Magnus Enzensberger im Interview mit Thea Dorn über die Befassung mit gebrochenen Biographien.

Thea Dorn ist immer at her best, wenn sie eindrucksvolle alte Männer interviewt; diese scheinen mir auch oft at their best zu sein, wenn Thea Dorn sie interviewt. Das folglich sehr sehenswerte Interview wird am Sonntag um 13.30 auf 3Sat wiederholt.

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3. Januar 2008

Zitat des Tages: "Rassisch gemischt"

His contracting firm is in charge of building a €7 million mosque in a racially mixed neighborhood of Duisburg called Marxloh, in North- Rhine Westphalia.

"Spiegel Online International" über den Bauunternehmer Kissel. Der Artikel ist eine Übersetzung einer Story im aktuellen gedruckten "Spiegel". Dort lautet der betreffende Satz allerdings: "Das Bauunternehmen errichtet für voraussichtlich sieben Millionen Euro eine Großmoschee in Duisburg-Marxloh". Ohne Rassenmischung.

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3. August 2007

Randbemerkung: Wie wird sich die Robotik entwickeln?

Technologische Entwicklungen vorherzusagen ist ein waghalsiges Unternehmen, bei dem sogar Fachleute häufig schlecht aussehen.

Das Internet, den Siegeszug des PC, des Handy hat, soviel ich weiß, kein einziger der "Futurologen" und "Trendforscher" vorhergesagt, bevor die betreffende Entwicklung tatsächlich einsetzte.

In den neunziger Jahren wurde vorhergesagt, daß die PCs bald immer weniger Speicherkapazität, vielleicht gar keine Festplatte mehr haben würden, weil man alle Daten und Programme im Web speichern und von dort abrufen könne. Inzwischen haben gute Standard-PCs 320 GB, teilweise schon 500 GB Festplattenkapazität.



Also, ernsthaft vorhersagen zu wollen, wie sich die Robotik entwickelt, dürfte selbst Fachleuten schwerfallen. Andererseits ist es anregend und vielleicht auch amüsant, sich ein wenig den Kopf darüber zu zerbrechen, wie es denn weitergehen wird.

Ein Austausch darüber findet, im ganz kleinen Rahmen, im Augenblick zwischen M. Schneider und mir in "Zettels kleinem Zimmer" statt. Die Diskussion hat sich eher beiläufig im Rahmen eines Threads entwickelt, der eigentlich ein anderes Thema hat.

Ich könnte mir denken, daß das Thema auch andere interessiert und würde mich über Beiträge dazu freuen. Deshalb ist jetzt ein eigener Thread zu diesem Thema eingerichtet.

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15. März 2007

Rückblick: Erika Steinbachs Meinung zur polnischen Regierung

Erika Steinbach, die Vorsitzende des "Bundes der Vertriebenen" ist eine kluge und, wie mir scheint, auch unbeugsame Frau. Sie hat vor gut einer Woche darauf hingewiesen, daß in Polen politische Kräfte mitregieren, die bei uns durch die NPD und die DVU repräsentiert werden.

Dafür hat sie Prügel bezogen. Sie beleidige die polnischen Regierungsparteien, hieß es.

Daß der Historiker und ehemalige polnische Außenminister Wladyslaw Bartoszewski zuvor fast wörtlich dasselbe gesagt hat, störte da nicht. Quod licet Jovi, non licet bovi, so ähnlich habe ich meinen seinerzeitigen Kommentar überschrieben. Sehr frei übersetzt: Wenn zwei Dasselbe tun, ist es noch lange nicht Dasselbe.



Nun also, unmittelbar vor der Polen- Reise der Kanzlerin, meldet sich Erika Steinbach noch einmal zu Wort und unterstreicht ihre Beurteilung der polnischen Regierungsparteien. In einem Interview mit der "Welt" sagte sie:
Und das bildet schon ein sehr beunruhigendes Konglomerat. Derartige Positionen werden in Deutschland allenfalls von rechtsradikalen Parteien vertreten.
Sie wiederholt also ihren - ja ganz und gar begründeten - Vergleich. Aber diesmal hat sie sich einen sehr geschickten Zug ausgedacht, die kluge Erika Steinbach:

Sie stellt nicht die antideutsche Haltung dieser Parteien, nicht ihren muffigen Nationalismus in den Vordergrund, nicht die Art, wie diese Regierung die polnisch- deutsche Aussöhnung torpediert und in der Tradition der Kommunisten wieder auf die deutschen Vertriebenen losgeht.

Das streift sie; aber ihr zentraler Vorwurf lautet im aktuellen Interview:
In Polen regieren Parteien, von denen wichtige Funktionsträger gegen Homosexuelle wüten und behaupten, Juden unterschieden sich "biologisch" vom Rest der Menschheit (...).
Und damit ist sie auf sicherem Grund, die geschickte Erika Steinbach. Die "Welt" überschreibt das Interview denn auch mit "In Polen wüten Parteien gegen Homosexuelle".

Erika Steinbach hat ihre Meinung zu den polnischen Regierung sozusagen kritikfest gemacht, indem sie sie in den Mainstream der PC hat einmünden lassen.

Was sie jetzt sagt, ist ja richtig: Es ist ein Skandal, wenn eine Regierung im demokratischen Europa homophobe und antisemitische Töne erklingen läßt.

Nur: Mußte Erika Steinbach das wirklich betonen, damit man ihre Kritik an den polnischen Regierungsparteien nicht mit der Forderung nach einer Entschuldigung beantwortet; damit nicht eine Meisterdenkerin wie Claudia Roth sich abfällig über sie äußern kann?

Kann man sich gegen diffamierende Kritik nur noch dadurch schützen, daß man sozusagen unter den Schirm dessen eilt, was die PC gegen Kritik schützt?