Posts mit dem Label Klaus Rainer Röhl werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Klaus Rainer Röhl werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

10. Juni 2008

Erinnerungen an Peter Rühmkorf, der nun auch tot ist

Ein Foto von Peter Rühmkorf habe ich das erste Mal Ende der fünfziger Jahre gesehen. Das Gesicht sah so seltsam, so irgendwie verrutscht aus, daß ich dachte, das sei gar kein Foto des realen Autors, sondern das, was man heute einen Avatar nennt; eine Art Collage.

Dazu paßte der eigenartige Name: Leslie Meier. Und der nicht minder seltsame Titel der Kolumne in "Konkret", das damals noch im Großformat erschien, auf grobem Papier gedruckt, mit einer meist wilden Fotomontage im Heartfield- Stil vorn drauf: "Leslie Meiers Lyrik- Schlachthof".

So hieß das, und es war für mich, den kulturbegierigen Schüler, eine zugleich fremde und begeisternde Lektüre. Ein etwas unordentlicher Leitfaden für meinen Versuch, mich in die "moderne Literatur" einzulesen, wie man das damals nannte; Abteilung Lyrik. So, wie es in "Konkret" für die Musik das "Platten- Ragout" von Hubert Fichte gab. Und in der Abteilung "moderne Prosa" manchmal etwas von Arno Schmidt.

Das war "Konkret", wie ich es damals wahrnahm. Eine freie, muntere, sehr progressive Zeitschrift, die ich ostentativ aus der Tasche gucken ließ, wenn ich, natürlich im Rollkragen- Pullover, mich als Schüler unter die Studenten mischte, die im dritten Semster Soziologie studierten und mit denen zu diskutieren ich mich deshalb natürlich nicht traute.



In "Konkret" hatte ich mich völlig geirrt. Wie fast alle seinerzeitigen Leser hatte ich keine Ahnung davon, daß es auch damals schon ein aus der DDR heraus finanziertes und gesteuertes Blatt war; 1955 von der FDJ als "Studenten- Kurier" gegründet und dann von der Abteilung "Jugend und Kultur" der illegalen KPD, die ihren Sitz in Ostberlin hatte, geführt und finanziert.

Und natürlich ahnte niemand, daß Klaus Rainer Röhl Mitglied der verbotenen KPD war und regelmäßig nach Ostberlin fuhr, um sich Instruktionen abzuholen.

Daß man sich das moderne, kulturbetonte Image gab, diente allein - Bettina Röhl hat das für ihr Buch "So macht Kommunismus Spaß" penibel recherchiert und akribisch darin aufgeschrieben - der Tarnung. Um die politische Agitprop, um die es eigentlich ging, unter die ahnungslosen Leute zu bringen, war Röhl sogar verpflichtet worden, regelmäßig DDR- kritische Artikel zu bringen. Die "Konkret"- Leute sollten als unabhängige linke Intellektuelle und damit als glaubwürdig erscheinen.

Und Peter Rühmkorf? Er war von Anfang an dabei gewesen, ganz von Anfang an. Schon beim "Studenten- Kurier", dem Vorläufer von "Konkret"; ja sogar schon bei "Plädoyer", dem Vorläufer des "Studenten- Kurier".

Als die ganze Verlogenheit von "Konkret" zum Vorschein kam (nicht erst durch das Buch Bettina Röhls; aber sie hat das mit Abstand am sorgfältigsten dokumentiert), habe ich mich natürlich gefragt, ob auch Peter Rühmkorf, den ich im Lauf der Jahrzehnte immer mehr schätzen gelernt hatte, zu denjenigen gehörte, die dieses Lügenspiel veranstalteten.

Er hat das immer bestritten. Eigentlich auf den ersten Blick wenig glaubwürdig; denn er war nicht nur Gründungs- Redakteur des "Studenten- Kurier", sondern auch seit gemeinsamem Studium mit Klaus Rainer Röhl eng befreundet. Keiner außer Röhl selbst hatte "Konkret" so lange begleitet. Und ausgerechnet er sollte nichts von den Machenschaften der Kommunisten gewußt haben, von denen er umgeben war?

Ich glaube, daß er das wirklich nicht gewußt hat. Und ich stütze diesen Glauben auf zwei Gesichtspunkte.

Erstens konnte es für ein konspiratives Unternehmen wie "Konkret" nur von Vorteil sein, wenn ein prominenter Redakteur ein völlig unverdächtiges Aushängeschild abgab; so überzeugend unverdächtig, weil er eben wirklich nicht eingeweiht war.

Und zweitens war Peter Rühmkorf dafür der ideale Mann. Ein Linker ja, aber nie ein linker Politiker. Ein Mann, dem nichts ferner lag als das Intrigieren, als der Machtkampf, als dieses ganze politische Theater. Er beobachtete das mit einer Mischung aus Unglauben und Ironie; man kann es in seinen Tagebüchern nachlesen. Aber mitgemacht hat er nie, der mich immer ein wenig an Don Quijote erinnert hat.



Und mehr noch an Dostojewskis Fürst Myschkin, den "Idiot", dessen Aufrichtigkeit ja nicht einfach naiv ist, sondern für die er sich bewußt entschieden hat, in einer Welt, die er durchaus durchschaut.

Ein naiver Realist, ein Naiver mit Durchblick - das war Peter Rühmkorf. Und damit der ideale Autor für zwei Literatur- Gattungen, die man oft zusammen antrifft: Die Lyrik und das Tagebuch/ den Essay. Ein Poeta Doctus mit dem Hang zugleich zur Subjektivität und zur Präzision des Denkens, den man bei diesem Typus oft findet.

Und von daher ein Geistesverwandter von Arno Schmidt. Das einzige Mal, daß ich Peter Rühmkorf bei einem öffentlichen Auftritt erlebt habe, war 1986 in Hamburg bei einer Podiums- Diskussion über Arno Schmidt, veranstaltet von der "Patriotischen Gesellschaft".

Ich hatte Erhellendes eigentlich vor allem von den ausgewiesenen Schmidt- Experten Hans Wollschläger und Lars Clausen erwartet; aber die mit Abstand besten Diskussionsbeiträge kamen von Peter Rühmkorf. Er hatte Schmidt schon in den fünfziger Jahren als "Konkret"- Redakteur kennengelernt; und wie der inzwischen zugängliche Briefwechsel zeigt, bestand zwischen den beiden ein Verhältnis großer gegenseitiger Wertschätzung.

Am 27. 12. 1957 schrieb Arno Schmidt an Peter Rühmkorf:
Mit immer neuer Lust lese ich Leslie Meiers 'Schlachthof'!: das ist eine Arbeit, gleichzeitig so spritzig & solide, daß der Verfasser sich damit das größte Verdienst um unsere ganze Lyrik erwirbt; wenn es überhaupt noch gelingt, dem karfunkelnden Gelalle Einhalt zu tun, dann auf diese Weise.
Dem "karfunkelnden Gelalle" waren sie beide abhold; beide auf ihre eigene Art Meister der deutschen Sprache.



Anders als der scheue Arno Schmidt war Peter Rühmkorf freilich ein geselliger Mann; einer, den es durchaus juckte, gelegentlich sich der Politik nicht nur als ironischer Kommentator, sondern auch als teilnehmender Beobachter zu nähern.

Das brachte es mit sich, daß er in jungen Jahren einen internationalen studentischen Kongreß besuchte, zu dem sich auch ein unbekannter Palästinenser namens Jassir Arafat eingefunden hatte. Man schlief gemeinsam in einem Doppelbett, und Arafat erklärte Rühmkorf, wie er die Juden ins Meer treiben werde.

Dabei rückte er, während er immer mehr in nationale Begeisterung geriet, dem Bettgenossen, seine Worte sozusagen pantomimisch unterstreichend, immer mehr auf die Pelle, bis er ihn fast aus dem Bett geworfen hätte. Rühmkorf konnte sich, so schrieb er (eine Kurzfassung der Anekdote finde man hier) nur noch durch einen beherzten Griff an Arafats Kehle davor retten, Opfer dieses Aktes der Befreiung Palästinas zu werden.

So etwas mochte er, der Peter Rühmkorf: Ernstes und Skurriles ineinander verschränkt; die Absurdität des Lebens mit ihrer ganzen Ironie.

Wieder ist einer von denen tot, die mich geprägt haben, die geistigen Nachfahren Lichtenbergs; wie Arno Schmidt, wie Robert Gernhardt, wie Walter Kempowski, der erst vor einem halben Jahr starb.



Für Kommentare zu diesem Artikel gibt es einen Thread in "Zettels kleinem Zimmer". Dort findet man auch eventuelle Aktualisierungen und Ergänzungen.

25. Februar 2007

"So macht Kommunismus Spaß" (2): Lektüren

Es hat etwas gedauert, bis die vor fünf Wochen angekündigte Fortsetzung zu meiner Rezension von Bettina Röhls "So macht Kommunismus Spaß" jetzt anhebt. Oder fast.

Das liegt daran, daß ich zum Thema zuvor das eine oder andere lesen oder wiederlesen wollte; vor allem Klaus Rainer Röhls Fünf Finger sind keine Faust und Stefan Austs Der Baader- Meinhof- Komplex; ein Buch, an dem Bettina Röhl - leider ungenannt - bei den Recherchen mitgewirkt hat. Ich habe auch damals, zur RAF-Zeit, sehr viel an Zeitungsausschnitten und dergleichen gesammelt, was ich jetzt wieder durchgesehen habe.



Nun also kann es zügig vorangehen. Hopefully

In der jetzigen Folge kurz etwas über diese Quellen.

Dann, in Folge 3, der Versuch einer, sagen wir, subjektiven Sicht auf Ulrike Marie Meinhof. Es hat mich selbst einigermaßen überrascht, zu welcher Beurteilung ich gekommen bin.

Teil 4 geht es (so ist es jedenfalls geplant) um die RAF, die mir umso verbrecherischer, umso inhumaner erscheint, je mehr ich mich wieder mit ihr befaßt habe.



Das, was Bettina Röhl über ihre Mutter schreibt, ist sehr sachlich. Bemüht sachlich, fast erschreckend sachlich. Es ist offensichtlich, daß sie versucht, ihre eigenen Empfindungen beiseite zu lassen und die Biographie ihrer Mutter so zu schreiben, wie das eben eine Journalistin tun sollte.

Auch Klaus Rainer Röhl hat sich in "Fünf Finger sind keine Faust" erkennbar darum bemüht, Ulrike Marie Meinhof Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.

Sein Buch ist nicht das eines Historikers, auch nicht das eines Journalisten. Es ist ein Stück Memoiren- Literatur. Wie jeder, der Memoiren schreibt, schildert Röhl die Ereignisse aus seiner Perspektive; sich selbst hervorhebend und exkulpierend, seine Mitstreiter lobend, seine Feinde denunzierend. So sind Memoiren nun mal.

Aber was Ulrike Meinhof angeht, ist das nobel und - soweit ich es beurteilen kann - auch zutreffend, was Röhl schreibt. Manchmal flapsig, oft oberflächlich, wie Röhl halt ist. Aber fair; ich möchte fast sagen: bewundernswert fair.



Und das Buch von Stefan Aust ist geradezu das Musterbeispiel eines herausragenden Journalismus - eines Journalismus von fast schon amerikanischer Qualität.

Er nimmt nicht Stellung. Er interpretiert nicht. Er teilt einfach die Fakten mit, die er recherchiert hat. Nicht auf der Seite der RAF, nicht auf der Seite der Strafverfolgungsbhörden. Er schreibt nicht, um zu beeinflussen. Er schreibt, um zu informieren.

Wenn eine Interpretation auf der Hand liegt, dann trägt er sie freilich schon mal vor. Meist in Form eines trockenen, ironischen Kommentars. Nicht mehr. Wo Fragen offen sind, da spekuliert Aust nicht, sondern er schreibt, daß Fragen offen sind. Er versteht sich als ein Faktenhuber; er überläßt es dem Leser, Folgerungen zu ziehen.

Als ich jetzt dieses herausragende Buch wieder gelesen habe, da habe ich zum ersten Mal verstanden, warum Rudolf Augstein diesen Stefan Aust als seinen Erben ausersehen hat.

Und warum es Aust es gelungen ist, den "Spiegel" aus seiner seinerzeitigen Krise zu führen.

Ein großer Journalist. Ein demokratischer Journalist, der verstanden hat, daß seine Aufgabe als Journalist nicht die Beeinflussung ist, sondern die vorurteilsfreie Information.

17. Januar 2007

"So macht Kommunismus Spaß" (1): Zuerst ein paar Beckmessereien

Das Buch, um das es hier geht, halte ich für eines der inter­essantesten des vergangenen Jahres.

Nicht eines der besten des Jahres. Im Gegenteil, seine Mängel liegen auf der Hand. Aber es ist ein Buch, aus dem ich ungewöhnlich viel gelernt habe: "So macht Kommunismus Spaß" von Bettina Röhl, im März 2006 bei der Europäischen Verlagsanstalt (EVA) erschienen. Also nicht mehr ganz "aktuell"; ich habe es jedoch erst jetzt gelesen.

Das Buch wurde überwiegend positiv, mindestens wohlwollend besprochen, aber ein richtiger Beststeller ist es, soweit ich sehe, nicht geworden. Ich kann mich nicht erinnern, es in der "Spiegel"- Bestsellerliste gesehen zu haben.

Auch wenn es nicht der ganz große Erfolg wurde, führt es die EVA immerhin auf Platz eins ihrer verlagsinternen Bestsellerliste, und die Autorin ist weiter auf Lesereise. Es ist also, denke ich, noch aktuell genug, um es hier zu kommentieren.



Positive Rezensionen sind meist so aufgebaut, daß man das Buch zuerst und überwiegend lobt und am Schluß ein paar einschränkende Bemerkungen anhängt - man habe dies und jenes "vermißt", dieser und jener Irrtum sei dem Autor unterlaufen; dergleichen. Das zeigt, daß der Rezensent das Thema beherrscht; er weiß zu korrigieren.

Ich will es umgekehrt machen und vorab, im ersten Teil dieser kleinen Serie, sagen, was mir an dem Buch nicht gefällt.

Es enthält Schluderigkeiten. Die Krönung von Elisabeth II wurde nicht, wie die Autorin meint (S. 171), 1953 in Farbe im TV übertragen; das Farbfernsehen wurde in Deutschland erst 1967 eingeführt. Ulrike Meinhof hat in Münster nicht (Seite 244) in der Steingartenstraße gewohnt, die es dort nicht gibt, sondern in der Steinfurter Straße. Und sie hatte zuvor in Göttingen u.a. bei dem Psychologieprofessor Heinrich Düker studiert, nicht Düber (Seite 184). Da hätte die Autorin die Fakten (also z.B. ihre Lesart der handschriftlichen Dokumente) etwas sorgfältiger verifizieren sollen, oder der Verlag.

Der es auch versäumt hat, ein Sachverzeichnis zu erstellen - bei einem solchen Buch, in dem man Zeitgeschichtliches nachschlagen möchte, ein unverständlicher Mangel.

Gut, das sind die kleinen Beckmessereien. Die ernsthaften Mängel des Buchs liegen in seinem Konzept und in seiner Weitschweifigkeit.



Was das Konzept angeht - ich habe bis zum Ende nicht verstanden, was die Autorin eigentlich schreiben wollte:
  • Eine Biographie Ulrike Meinhofs, samt ihrer Familiengeschichte? Dann hätte das Buch nicht abrupt 1967 mit der Trennung des Ehepaars Röhl enden dürfen (die gesamte RAF- Zeit von Ulrike Meinhof wird nur noch in einem knappen "Epilog" oberflächlich abgehandelt).

  • Eine Geschichte der Zeitschrift "Konkret", ihres politischen Kontexts, ihres Hintergrunds? Dann hätte Röhl sich auf dieses Thema konzentrieren sollen, statt Persönliches und Familiäres im Detail auszubreiten.

  • Oder eine persönliche Auseinandersetzung der heutigen Journalistin Röhl mit ihren Eltern Ulrike Marie Meinhof und Klaus Rainer Röhl? Das scheint das Buch am ehesten zu sein; so wie sich andere aktuelle Bücher (etwa das von Wibke Bruhns) mit der Elterngeneration der Nazizeit auseinandersetzen. Aber wenn dies die Absicht des Buchs ist, dann gehören seitenlange Zitate aus Dokumenten der illegalen KPD, aus Protokollen von SDS-Kongressen und dergleichen nicht hinein; oder zeitgeschichtliche Betrachtungen

  • Das Buch versucht etwas von alledem zu sein. Das kommt auch in der Erzählperspektive zum Ausdruck. Die Autorin schreibt manchmal in der Ichform und spricht von "meiner Mutter". Dann wieder ist von "den Röhl- Zwilligen" die Rede und von "Ulrike Meinhof". Der Text oszilliert zwischen der subjektiven Perspektive der Tochter, die das Beschriebene als Kind erlebt hat, und der nüchternen Haltung einer Journalistin, die ein Stück Zeitgeschichte aufarbeiten möchte.

    Also, da wurde zu viel versucht, zu viel in dasselbe Manuskript gepackt.



    Zumal man den Eindruck hat, daß kein Lektor für die erforderlichen Streichungen gesorgt hat. Das Buch ist weitschweifig. Immer wieder gibt es Exkurse zur allgemeinen Geschichte der fünfziger und sechziger Jahre; so, als hätte sich die Autorin eine Kenntnis dieser Zeit angeeignet und als wollte sie uns nun daran teilhaben lassen. Dokumente werden in unnötiger Länge abgedruckt. Der Text springt in der Chronologie voran und zurück. Zuvor schon Mitgeteiltes oder Vorausgesetztes wird später so eingeführt, als sei es neu.

    Etwas pointiert gesagt: Das Buch hat mit seinen fast 700 Seiten auf mich gewirkt wie ein Rohmanuskript, zu dem ein guter Lektor der Autorin geschrieben hätte: "Ausgezeichnet. Jetzt sollten Sie sich nur noch entscheiden, was für eine Art Buch Sie schreiben wollen, und dann straffen wir es auf 400 Seiten." Dann wäre es, denke ich, ein herausragendes Buch geworden.



    So ist es, wie gesagt, ein interessantes. Ein hochinteressantes, für mich jedenfalls.

    "Wenn ein Buch und ein Kopf zusammenstoßen und es klingt hohl, ist das allemal im Buche?" hat Lichtenberg notiert. Auch wenn ein Buch und ein Kopf zusammenstoßen, und es sprühen dabei die Funken, liegt das nicht nur an dem Buch.

    Ich habe mir Ende der fünfziger Jahre als Gymnasiast den "Studentenkurier" und dann "Konkret" besorgt und sie mit klopfendem Herzen gelesen - diese großformatigen, auf schlechtem Papier gedruckten Exemplare mit den an Heartfield angelehnten Fotomontagen auf der Titelseite; mit "Leslie Meir's Lyrik- Schlachthof"; geschmückt mit dem Porträt des jungen Peter Rühmkorf (den ich damals natürlich nicht kannte).

    Ich habe später dann "Konkret" ebenso regelmäßig gelesen wie den "Spiegel", und ich war von der Integrität der Redaktion überzeugt. Auch davon, daß "Konkret", wie Röhl es schwor, nicht aus der DDR finanziert wurde. Ich habe dieser Zeitschrift vertraut, ähnlich wie dem "Berliner Extra- Dienst".

    Daß dieser von Ostberlin aus gesteuert worden war, stellte sich nach der Wiedervereinigung heraus. Daß auch "Konkret" Gelder aus der DDR genommen hatte, erfuhr ich damals ebenfalls.

    Aber das, was Bettina Röhl recherchiert und dokumentiert hat, das hat mich doch vom Stuhl gehauen: Der "Studentenkurier" war schlicht ein Organ der KPD, auch noch nach der Umbenennung in "Konkret". Röhl und Meinhof waren Mitglieder der KPD. Und jede redaktionelle Entscheidung - bis hin zur Berufung von Ulrike Meinhof zur Chefredakteurin - wurde von den zuständigen Funktionären der KPD getroffen; bis dann Röhl aus der KPD ausgeschlossen wurde.

    Ulrike Meinhof aber war auch zu ihrer RAF- Zeit noch Mitglied der KPD (dann als DKP "neugegründet"), und die KPD hat sich auch damals noch um sie gekümmert.

    Und das war nur eine kleine Facette dessen, was die KPD damals veranstaltet hat, um die westdeutsche Linke zu kontrollieren. Bis hin zur "pazifistischen" DFU, die schlicht in Ostberlin gegründet wurde.

    Mehr darüber im zweiten Teil.