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2. Juni 2007

Marginalie: Wer ist Monty Schädel?

Gestern Abend gab es eine sehr informative Sendung des ZDF über den Gipfel in Heiligendamm. Eine objektive Sendung, die in einer halben Stunde viel von dem vermittelte, was da im Vorfeld passiert, aus den unterschiedlichsten Perspektiven gesehen. Ein erfreuliches Stück Journalismus.

Aufgehorcht habe ich, als jemand in dieser Sendung über den Zaun um Heiligendamm sagte: "Das ist durchaus vergleichbar mit anderen Mauern, die wir hier schon hatten".

Offenbar einer, der unter der Mauer um die DDR gelitten hat? Ein Dissident; einer, der in der DDR die Freiheit vermißte?

Nur - wie kann der Betreffende dann so borniert sein, einen Zaun, der eine Konferenz vor Kriminellen schützt, als "vergleichbar" mit einer Mauer zu deklarieren, die dazu diente, Menschen jahrzentelang in ihren Staat einzusperren?

Wenn ich auf eine solche Seltsamkeit stoße, dann freue ich mich immer, daß es das Web gibt, das die Antworten auf die Fragen bereithält, die ich dann habe.

Also habe ich nachgesehen, wer derjenige denn ist, der einen solchen Unfug behauptet. Er heißt Monty Schädel.

Und was ist er? In der Wikipedia erfährt man:
Geschäftsführer der Deutschen Friedensgesellschaft- Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) und Koordinator des Rostocker Bündnisses gegen den G-8-Gipfel in Heiligendamm. Schädel war von 1998 bis 2002 für die PDS Mitglied des Landtages von Mecklenburg-Vorpommern.
Weiteres zu seiner Vita hier.



Es ist also die alte Geschichte: Genauso wie die "Friedensbewegung" in den achtziger Jahren wird auch das jetzige "Bündnis" gegen den G-8- Gipfel wieder wesentlich kommunistisch gesteuert.

Die PDS ist ja als Partei recht still, was diesen Gipfel angeht. Umso eifriger agieren die Kommunisten, wie sie das immer machen, auch jetzt wieder in den sogenannten "Umfeldorganisationen".

Wie überhaupt diese aktuellen Aktionen ja ein Remake der Agitation aus den achtziger Jahren sind.



Interessant ist es auch, wer denn den "Aufruf zur Internationalen Großdemonstration in Rostock am Samstag, 2.6.2007" unterzeichnet hat.

Da gibt es eine Rubrik "Personen international", zu denen zum Beispiel die französischen Kommunisten Krivine und Besancenot gehören, auch der italienische Terrorist Toni Negri.

Und es gibt eine Rubrik "Personen Deutschland", die ich vollständig zitieren möchte:
Christian Ströbele / Daniela Dahn (Autorin) / Emil Mangelsdorff (Jazzmusiker) / Gregor Gysi / Monty Schädel (Bundessprecher DFG/VK) / Oskar Lafontaine / Peter Sodann (Schauspieler) / Peter Strutynski und Anne Rieger (Friedensratschlag) / Rolf Becker (Schauspieler) / Sibylle Stamm (Landesbezirksleiterin ver.di Baden-Württemberg)
Eine illustre Gruppe.

Schade, daß nicht auch Heiner Geißler unterzeichnet hat.

25. Februar 2007

"So macht Kommunismus Spaß" (2): Lektüren

Es hat etwas gedauert, bis die vor fünf Wochen angekündigte Fortsetzung zu meiner Rezension von Bettina Röhls "So macht Kommunismus Spaß" jetzt anhebt. Oder fast.

Das liegt daran, daß ich zum Thema zuvor das eine oder andere lesen oder wiederlesen wollte; vor allem Klaus Rainer Röhls Fünf Finger sind keine Faust und Stefan Austs Der Baader- Meinhof- Komplex; ein Buch, an dem Bettina Röhl - leider ungenannt - bei den Recherchen mitgewirkt hat. Ich habe auch damals, zur RAF-Zeit, sehr viel an Zeitungsausschnitten und dergleichen gesammelt, was ich jetzt wieder durchgesehen habe.



Nun also kann es zügig vorangehen. Hopefully

In der jetzigen Folge kurz etwas über diese Quellen.

Dann, in Folge 3, der Versuch einer, sagen wir, subjektiven Sicht auf Ulrike Marie Meinhof. Es hat mich selbst einigermaßen überrascht, zu welcher Beurteilung ich gekommen bin.

Teil 4 geht es (so ist es jedenfalls geplant) um die RAF, die mir umso verbrecherischer, umso inhumaner erscheint, je mehr ich mich wieder mit ihr befaßt habe.



Das, was Bettina Röhl über ihre Mutter schreibt, ist sehr sachlich. Bemüht sachlich, fast erschreckend sachlich. Es ist offensichtlich, daß sie versucht, ihre eigenen Empfindungen beiseite zu lassen und die Biographie ihrer Mutter so zu schreiben, wie das eben eine Journalistin tun sollte.

Auch Klaus Rainer Röhl hat sich in "Fünf Finger sind keine Faust" erkennbar darum bemüht, Ulrike Marie Meinhof Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.

Sein Buch ist nicht das eines Historikers, auch nicht das eines Journalisten. Es ist ein Stück Memoiren- Literatur. Wie jeder, der Memoiren schreibt, schildert Röhl die Ereignisse aus seiner Perspektive; sich selbst hervorhebend und exkulpierend, seine Mitstreiter lobend, seine Feinde denunzierend. So sind Memoiren nun mal.

Aber was Ulrike Meinhof angeht, ist das nobel und - soweit ich es beurteilen kann - auch zutreffend, was Röhl schreibt. Manchmal flapsig, oft oberflächlich, wie Röhl halt ist. Aber fair; ich möchte fast sagen: bewundernswert fair.



Und das Buch von Stefan Aust ist geradezu das Musterbeispiel eines herausragenden Journalismus - eines Journalismus von fast schon amerikanischer Qualität.

Er nimmt nicht Stellung. Er interpretiert nicht. Er teilt einfach die Fakten mit, die er recherchiert hat. Nicht auf der Seite der RAF, nicht auf der Seite der Strafverfolgungsbhörden. Er schreibt nicht, um zu beeinflussen. Er schreibt, um zu informieren.

Wenn eine Interpretation auf der Hand liegt, dann trägt er sie freilich schon mal vor. Meist in Form eines trockenen, ironischen Kommentars. Nicht mehr. Wo Fragen offen sind, da spekuliert Aust nicht, sondern er schreibt, daß Fragen offen sind. Er versteht sich als ein Faktenhuber; er überläßt es dem Leser, Folgerungen zu ziehen.

Als ich jetzt dieses herausragende Buch wieder gelesen habe, da habe ich zum ersten Mal verstanden, warum Rudolf Augstein diesen Stefan Aust als seinen Erben ausersehen hat.

Und warum es Aust es gelungen ist, den "Spiegel" aus seiner seinerzeitigen Krise zu führen.

Ein großer Journalist. Ein demokratischer Journalist, der verstanden hat, daß seine Aufgabe als Journalist nicht die Beeinflussung ist, sondern die vorurteilsfreie Information.