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13. März 2009

Marginalie: Mal etwas Positives. Das Jahresgutachten 2009 des "Aktionsrats Bildung" zu Unterschieden zwischen Jungen und Mädchen

Natürlich heißen sie im Titel nicht "Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen", sondern "Geschlechterdifferenzen". Immerhin wenigstens nicht "Genderdifferenzen"; das wäre noch schöner gewesen.

Aber da ein Unterschied im Englischen "difference" heißt und weil unsere Sozialwissenschaftler und Pädagogen ja a bisserl Englisch können, die einen mehr, die anderen weniger, sagt man wissenschaftlich statt "Unterschiede" gern "Differenzen". Es ist dasselbe, klingt aber besser.

Dann ist an dem Jahresgutachten 2009 des Aktionsrats Bildung noch zu kritisieren, daß der Abschnitt 2.3 "Neurowissenschaftlich" dürftig ausgefallen ist; sehr dürftig. Da wird ziemlich willkürlich das an Befunden und Behauptungen zusammengetragen, was gegen eine wesentliche Rolle biologischer Faktoren bei den Unterschieden zwischen Geschlechtern spricht. Die vielen Befunde, die in die entgegengesetzte Richtung weisen, fallen unter den Tisch.

Auch scheint es am Verständnis für die Methodik der Neurowissenschaften zu hapern. Eine Behauptung wie "... dass es sinnlos ist, nach Geschlechterunterschieden zu suchen, wenn sich Unterschiede nur in statistischen Differenzen zeigen, der größte Teil der Frauen und der Männer bezüglich dieser Qualitäten also ununterscheidbar ist" (S. 42), würde man keinem Studenten in einer Ausarbeitung durchgehen lassen.

Denn erstens bestehen Geschlechterunterschiede immer nur in statistischen Unterschieden (von den anatomischen abgesehen); das gilt für sozial bedingte ebenso wie für biologisch bedingte. Und zweitens bedeutet ein nur statistischer Unterschied ja keineswegs unbedingt, daß dieser Unterschied beim "größten Teil" der Individuen nicht zu finden wäre. Das kann im Grenzfall so sein, muß es aber nicht. Es hängt ganz davon ab, wie stark sich die beiden Verteilungen überlappen.



Aber davon abgesehen kann ich das Jahresgutachten nur empfehlen. Prall gefüllt mit Faktenmaterial. Und keineswegs - wie manche Presseberichte vermuten lassen - nur zum Thema "Benachteiligung von Jungen".

Es gibt einen einführenden Abschnitt zur Soziologie von Unterschieden zwischen den Geschlechtern; und dann geht es Kapitel für Kapitel durch das Bildungswesen, von der frühkindlichen Erziehung bis zur Hochschule.

Wer zu diesem Thema mit empirischer Bodenhaftung mitreden will, der sollte sich dieses Gutachten herunterladen.



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23. März 2007

Anti-Subsidiarität: Eine Bedrohung unserer Freiheit

Das Prinzip der Subsidiarität besagt, daß übergeordnete Instanzen nur dann Entscheidungen treffen sollten, wenn die jeweils untergeordneten Instanzen das nicht können.

Der Landkreis darf also nur das entscheiden, was nicht auch die Gemeinde entscheiden könnte. Der Regierungspräsident ist nur dann zuständig, wenn nicht auch der Kreis die betreffende Kompetenz haben könnte.

Das Land nur dann, wenn das Problem nicht vom Regierungspräsidenten gelöst werden kann. Der Bund tritt erst dann auf den Plan, wenn nicht auch die Länder in eigener Souveränität entscheiden könnten. Europäische Institutionen sind erst dann zuständig, wenn die nationale Gesetzgebung nicht ausreicht.



Es scheint, daß sich im Augenblick - und zwar nicht nur in Deutschland - eine massive Tendenz entwickelt, die man mit Fug und Recht "Anti- Subsidiaritätsprinzip" nennen kann.

Statt daß Kompetenzen nach unten verlagert werden, ziehen zunehmend zentrale, übergeordnete, ortsferne und folglich inkompetente Instanzen Rechte an sich.

In manchmal grotesker Weise werden die Bürger daran gehindert, ihre eigenen Angelegenheiten selbst zu regeln. Wir erleben die Renaissance eines Zentralismus, wie er so extrem zuletzt im Absolutismus zu finden gewesen war.



"Über die Bande spielen" heißt bei Brüsseler Insidern: Wenn man etwas auf der Ebene der nationalen Politik nicht erreichen kann, dann geht man auf die europäische Ebene, aktiviert dort seine Gesinnungsgenossen - in den Parlamenten, vor allem in der Bürokratie.

Und schwupp! kehrt das Gesetz, das man im eigenen Parlament nicht durchbringen konnte, als Direktive zurück und muß von den nationalen Parlamenten umgesetzt werden.

An die Stelle von demokratischer Selbstbestimmung tritt zunehmend die Entscheidungsgewalt einer etatistisch denkenden Bürokratie. Europa wird nach dem Vorbild des französischen Zentralismus gestaltet.

Die europäischen Institutionen, vor einem halben Jahrhundert geschaffen, um mehr Freiheit zu ermöglichen, sind auf dem Weg, zu einer Bedrohung der Freiheit zu werden. Letzes Jahr haben wir das beim sogenannten Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz erlebt. Rotgrüne AktivistInnen, die damit national nicht landen konnten, hatte eine sogenannte Direktive der EU auf den Weg gebracht, die dieses abwegige Gesetz gebar.



In diesen Tagen gibt es zwei Beispiele für das Anti- Subsidiaritätsprinzip.

Erstens die Anti- Raucher- Gesetzgebung. Für sich genommen schon eine Groteske; denn unter dem Vorwand, Nichtraucher zu schützen, werden Raucher massiv in ihren Rechten als freie Bürger eingeschränkt.

Nun wird aber noch eins draufgesetzt: Nicht nur, daß der Staat sich anmaßt, es den Gastronomen vorzuschreiben, ob sie Raucher oder Nichtraucher als ihre Gäste haben wollen - nun wird auch noch auf Deibel komm raus versucht, zu einer bundeseinheitlichen Regelung zu kommen. Statler hat dazu so richtig, einsichtig und sprachgewaltig geschimpft, daß ich mir jede eigene Entrüstung ersparen kann.



Zweitens die Einmischung eines Uno- "Inspektors" in die deutsche Bildungspolitik.

Wer ist er, dieser Vernor Muñoz? Ein ausgewiesener Pädagoge?

Ach nein. Er ist Jurist:
Mr. Muñoz Villalobos (... ) teaches at the Latina University of Costa Rica as Professor of Civil Rights. Mr. Muñoz Villalobos is also an advisor on human rights education. He has vast experience in mainstreaming human rights in strategic planning, especially in the field of education.

Muñoz Villalobos (...) lehrt an der Latina- Universität von Costa Rica als Professor für Bürgerrechte. Muñoz Villalobos ist des weiteren Berater für Menschenrechts- Erziehung. Er hat große Erfahrung in der strategische Planung von Mainstreaming von Menschenrechten, vor allem auf dem Gebiet der Erziehung.
In "Mainstreaming" hat er Erfahrung, der Herr Vernor Muñoz Villalobos. Was ist das? Wikipedia sagt es:
Mainstreaming in education is the process of integrating students who have special needs into regular school classes.

Mainstreaming in der Erziehung ist der Prozeß, durch den Schüler/ Studenten, die spezielle Bedürfnisse haben, in Klassen von Regelschulen integriert werden.
Es geht also mitnichten um eine Evaluation des deutschen Schulwesens. Es geht vielmehr darum, einer bestimmten Ideologie zum Durchbruch zu verhelfen.

Spiel über die Bande? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Jedenfalls harmoniert die Stellungnahme des Inspektors aus Costa Rica aufs Schönste mit dem, was die deutsche Linke anstrebt.

22. März 2007

Zettels Meckerecke: Die Unverschämtheit eines "Inspektors"

Was in aller Welt geht es die UNO an, wie das deutsche Bildungssystem beschaffen ist?

Was zum Teufel berechtigt einen sogenannten Inspektor der UNO namens Muñoz aus irgendeinem Land Südamerikas - aus dem bildungspolitisch bekanntlich mustergültigen Costa Rica - , was berechtigt also einen Bürokraten, der von Deutschland ungefähr so viel wissen dürfte wie ich von der Rinderzucht in Argentinien, sich den Kopf zu zerbrechen über
die oft unklare Schulsituation von Kindern illegal in Deutschland lebender Familien, die unterschiedliche Schulorganisation in 16 Bundesländer, die Eltern und Schülern den Wohnortwechsel erschwere.
Und wenn er sich nun schon seine Gedanken gemacht hat, der Inspektor Muñoz, was berechtigt ihn, sich hinzustellen und sich als Praeceptor Germaniae aufzublasen? Und wie müssen, drittens, diejenigen Deutschen drauf sein, die vor dieser Anmaßung ihren Kotau machen, statt den Mann auszulachen?

Ich wollte eigentlich meinem Zorn darüber in einem etwas längeren Beitrag Luft machen.

Aber siehe, das hat schon jemand getan. Besser, als ich es gekonnt hätte. Heike Schmoll hat dazu in der FAZ das geschrieben, was zu sagen ist.