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4. April 2013

Kurioses, kurz kommentiert: »Dieser Moment wird eine gewisse Symbolkraft haben«

Eines Tages kamen die Machthaber in einem großen kommunistischen Staat auf die Idee, alle Ernährungsprobleme des Landes mit einem Schlag zu lösen. Die bisher angebauten Getreidesorten sollten innerhalb von zwanzig Jahren durch den umweltfreundlichen und ertragreichen Mais ersetzt werden.

In den Dokumenten des Parteitags war zu lesen: »Am Kampftag der Arbeiterklasse im Jahr 1950 werden sich alle Menschen nur noch von Mais ernähren.« Die Agitatoren der Partei wurden aufs Land geschickt und verbreiteten: »Dieser Moment wird eine gewisse Symbolkraft haben.« Der ZK-Sekretär für Agrarpolitik schrieb im Zentralorgan der Partei:

»Wenn die Arbeiter und Bauern ihren Nahrungsbedarf etwas herunterfahren, wenn der Wind weht und wenn der Himmel bei der Ernte blau ist, werden wir unser Ziel erreichen. Ein solcher Moment wird uns zeigen, dass eine nachhaltige Nahrungsversorgung ohne Roggen und Weizen in einem großen kommunistischen Land grundsätzlich möglich ist.«

Die zwanzig Jahre bis zu dem großen symbolkräftigen Moment sollten sehr hart werden. Der Anbau von Roggen und Weizen wurde schrittweise verboten. Überall wurden neue Maisfelder angelegt.

Doch die neu erschlossenen Anbaugebiete konnten nicht rechtzeitig an die Kombinate der Lebensmittelindustrie angebunden werden. In manchen Jahren verfaulte der Mais auf den Feldern. In anderen Jahren starben die Maispflanzen ab, weil es zu wenig Sonne und Regen gab. Aber die Menschen verloren niemals ihre Hoffnung auf den Maifeiertag des Jahres 1950.


17. Juni 2009

Kurioses, kurz kommentiert: Ein Öko-Witz. Aber sie sind gewitzt, die Engländer

Diese Kuriosität, die ich Gorgasal verdanke, hat eine doppelte Pointe.

Auch bei den pragmatischen Engländern hat mittlerweile grünes Denken Einzug gehalten; also gibt es Blogs wie Greenlaunches.com, die - Untertitel: "Cool stuff to heal the earth" (Coole Sachen, um die Welt heil zu machen) - sich mit allerlei "grünen Lösungen" beschäftigen.

In dem Artikel, den Gorgasal entdeckt hatte, befaßt man sich mit dem Strom, der die Kassen eines Supermarkts versorgt.

Wäre es nicht wunderbar, wenn das "grüner Strom" wäre? Ja! Und das geht!

Bei Sainsbury's Store in Gloucester hatte man nämlich einen coolen Gedankenblitz: In Fahrbahn des Parkplatzes wurden "kinetische Platten" eingelassen. Diese werden heruntergedrückt, wenn ein Auto darüberfährt. Diese Bewegungen treiben Generatoren an, die den Strom erzeugen, den man für die Kassen braucht.

Genial, nicht wahr? Denn:
These plates can make up to 30kw of green energy in one hour which is enough to power the store's checkouts. (...) This idea must be sought as a great example and more corporate and business must engage it.

Diese Platten können bis zu 30 Kilowatt grüne Energie pro Stunde erzeugen; genug, um die Kassen des Ladens mit Strom zu versorgen. (...) Diese Idee sollte als ein großartiges Beispiel weiterverfolgt werden; weitere Unternehmen und Geschäfte sollten sie übernehmen.
Die erste Pointe dieser Geschichte ist, daß dieser Strom natürlich ungefähr so grün ist wie eine reife Tomate.

Denn die Energie, die diese kinetischen Platten niederdrückt, stammt ja logischerweise aus den Motoren der Autos, die über sie fahren. Das ist die - jedenfalls in den Augen der Ökos - so ungefähr schmutzigste Art, Strom zu erzeugen.

Aber nun die zweite Pointe: Als ich mir heute diesen Artikel angesehen habe, da waren - anders als vermutlich zu dem Zeitpunkt, zu dem Gorgasal ihn entdeckt hatte - neun Kommentare eingegangen.

Kommentare von Lesern jenes Blogs Greenlaunches.com, also vermutlich von Ökos. Und alle neun zeugen von einem soliden physikalischen Verständnis!

"How ist this green? They are using my petrol, to power my car, to power the pumps, to generate the electricity" schrieb Steve - Wieso das grün sei? Sie nutzten sein Benzin, das sein Auto antreibt, das die Pumpen mit Energie versorgt, die den Strom erzeugen.

Coyote stieß ins selbe Horn und fragte, ob das nicht schlicht Diebstahl sei.

Der gegenwärtig letzte Kommentator, Peter, wunderte sich, was denn wohl mit der seltsamen Meßgröße "Kilowatt pro Stunde" gemeint sei; schließlich sei Watt kein Maß für Energie, sondern für Leistung, also Energie pro Zeiteinheit

Und Al fragte: "Has the Law of Conservation of Energy been repealed or something? Good grief." - "Ist das Gesetz von der Erhaltung der Energie aufgehoben, oder was? Meine Güte!".



Das ist es, was ich an den Engländern mag. Sie geben sich vielleicht einem Spleen hin, wie jetzt dem grünen. Aber der gesunde Menschenverstand und vor allem eine solide wissenschaftliche Weltsicht verlassen sie dabei nicht.



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