Posts mit dem Label Weihnachten werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Weihnachten werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

24. Dezember 2008

Zettels Gabentisch: Realität in acht Päckchen. Ankündigung. Und Wünsche zum Fest

Allen Lesern wünsche ich einen schönen Heiligen Abend!

Vielleicht mit Erinnerungen daran, wie wir als Kinder uns dabei erfreut haben, Schein und Wirklichkeit ineinander fließen zu lassen. An das Christkind "irgendwie" zu glauben, auch wenn wir, etwas älter geworden, wußten, daß es "eigentlich" gar nicht die Gaben auf den Tisch gelegt hatte.

Mich haben als Kind immer diese Zeilen aus dem Weihnachtslied "Am Weihnachtsbaume die Lichter brennen", das bei uns gesungen wurde, besonders fasziniert:
Zwei Engel sind hereingetreten,
Kein Auge hat sie kommen sehn,
Sie gehn zum Weihnachtsbaum und beten
Und wenden wieder sich und gehn.
Irgendwie waren sie real, diese beiden Engel, die stumm wieder gehen mußten; obwohl auch wieder nicht real. Nicht wirklich real sozusagen.

Aber einen Hauch von ihnen spürte man schon. Und erst wenn sie den Raum verlassen hatten, durften wir Kinder den Gabentisch näher in Augenschein nehmen.

Im Religiösen wird die Grenze zwischen Schein und Wirklichkeit porös, wie sie es für Kinder ohnehin ist. Anlaß, daß ich Ihnen, liebe Leser, zum Fest eine kleine Serie über Schein und Wirklichkeit auf den Gabentisch lege. Beginn morgen, am Ersten Feiertag.

Begleitet wird die Serie, wie immer, von einer Titelvignette. Sie zeigt Alice im Wunderland, gezeichnet von Lewis Carrolls Zeitgenossen Sir John Tenniel. "Alice in Wonderland" ist für mich die schönste literarische Illustration des Themas Schein und Wirklichkeit.



Für Kommentare bitte hier klicken.

14. Dezember 2008

"Lehrerin leugnet Weihnachtsmann - gefeuert". Was Sie dazu in "Spiegel- Online" nicht lesen können

Verschroben sind sie, die Engländer, und vor allem ganz, ganz konservativ: Nicht wahr, das wissen wir doch. Das haben wir schon in der Schule gelernt.

Womit ich schon fast beim Thema bin. Denn wieder, wie bei dem kürzlichen kleinen Quiz, geht es um eine Schule. Wieder eine britische Schule. Und wieder geht es um die Weihnachtszeit. Und wieder ...

Nein, den Hintergrund der Geschichte verschweigt Ihnen "Spiegel- Online". Um ihn zu erfahren, muß man sich schon die kleine Mühe machen, ad fontes zu gehen, was hier das Lokalblättchen der Stadt Oldham bei Manchester ist, der Oldham Evening Chronicle.



Aber eins nach dem anderen. Unter der vom Stil der "Bild- Zeitung" inspirierten Überschrift "VERRAT AN GRUNDSCHULE - Lehrerin leugnet Weihnachtsmann - gefeuert" brachte "Spiegel- Online" am Freitag eine Story, die der Redakteur Oliver Trenkamp im wesentlich aus einer Meldung von Agence France Presse gestrickt hatte, angereichert um eben jene Klischees, wie die Briten so sind. Gleich am Anfang werden wir entsprechend eingestimmt:
Auf Tradition legt kaum ein Volk so viel Wert wie die Briten: Queen, Union-Jack und Pub, da verstehen sie keinen Spaß. Und wie sich zeigt, sind die Empfindlichkeiten besonders ausgeprägt, wenn es um jemanden geht, der noch älter ist als Elisabeth II. - um den Weihnachtsmann.
Und dann erfahren wir, daß in an der Blackshaw Lane- Grundschule in Oldham eine gerade erst eingestellte Vertretungs- Lehrerin den in der Überschrift erwähnten "Verrat" begangen habe: "Sie leugnete die Existenz von Santa Claus".

Die verstörten Kinder erzählten das zu Hause, und von deren Eltern beschwerten sich einige bei der Schulleitung. "Spiegel- Online": "Direktorin Angela McCormick reagierte prompt: Sie bestellte die Santa- Claus- Leugnerin ein, verlangte eine Entschuldigung - und feuerte sie prompt".

Sie sind schon schrullig, die in ihre Traditionen vernarrten Briten, nicht wahr? "Wer sich in Großbritannien mit dem greisen Rauschebart anlegt, hat schlechte Karten", so resümiert der Redakteur Oliver Trenkamp den putzigen Vorfall.



Vielleicht hätte er, statt seine Klischees in die Tastatur fließen zu lassen, lieber mit ein paar Klicks die Quelle der AFP- Meldung aufsuchen sollen, die er verbraten hat. Dort nämlich hätte er erfahren, daß es nicht um den greisen Rauschebart ging, sondern um einen religiös- kulturellen Konflikt.

Die ursprüngliche Meldung erschien im Oldham Evening Chronicle vom 10. Dezember. Der Reporter Richard Hooton stützte sich im wesentlich auf den Bericht eines Vaters:
"My son came home and said that his substitute teacher had told the class that Santa doesn't exist and it's your mum and dad that put out presents for them. (...) He was distraught about it. He's only seven- years- old and it's part of the magic of Christmas to him. We told him that she did not believe in Father Christmas because of her religion and he's fine now. I found it shocking. She has done it maliciously.

Mein Sohn kam heim und sagte, daß seine Vertretungs- Lehrerin der Klasse erzählt hatte, daß es keinen Weihnachtsmann gibt und daß es Mami und Papi sind, die die Geschenke hinlegen. (..) Er war darüber verzweifelt. Er ist erst sieben Jahre alt und es gehört für ihn zum Zauber der Weihnacht. Wir sagten ihm, daß sie wegen ihrer Religion nicht an den Heiligen Nikolaus glaubt, und jetzt geht es ihm wieder gut. Ich fand es schockierend. Sie hat es aus Bosheit getan.
Am vorgestrigen Freitag, nachdem die Sache Kreise gezogen hatte, brachte der Oldham Evening Chronicle einen weiteren Artikel von Hooton, in dem der Hintergrund noch deutlicher genannt wird:
One complainant, a teacher at another school whose grandson was in the class, says the incident has raised issues over teacher training and cultural differences that should not be swept under the carpet.

She said: "The reason she told the children this story is because she is an Asian woman who does not believe in Christmas as she celebrates Eid. As a teacher we have to respect everyone's customs and religion and in this respect it was not done. This teacher has obviously not had the correct type of training. She must have some training to be told that you don't put your beliefs on these children."

Eine von denen, die sich beschwerten, Lehrerin an einer anderen Schule, deren Enkel in der Klasse ist, meint daß der Vorfall Fragen zur Lehrer- Ausbildung und zu kulturellen Verschiedenheiten aufgeworfen hätte, die nicht unter den Teppich gekehrt werden dürften.

Sie sagte: "Sie hat den Kindern deshalb diese Geschichte erzählt, weil sie eine Frau aus Asien ist, die nicht an Weihnachten glaubt; sie feiert ja Eid. Als Lehrer müssen wir die Sitten und die Religion aller respektieren, und in dieser Hinsicht geschah das nicht. Diese Lehrerin ist eindeutig nicht richtig ausgebildet worden. Sie muß ausgebildet werden, damit ihr beigebracht wird, daß es nicht angeht, den Kindern seinen eigenen Glauben aufzudrängen."
Deshalb also waren Eltern der betroffenen Schüler so empört, daß es laut Evening Chronicle "a near riot at the school" gab, fast eine Aufruhr an der Schule, als die Eltern diese aufsuchten.

Nicht schon deswegem, weil die Existenz des "greisen Rauschebarts" von einer Lehrerin geleugnet worden war. Sondern weil diese moslemische Lehrerin den Kindern ihre christliche Glaubenstradition nehmen wollte. Jedenfalls, was den Heiligen Nikolaus und die sich auf ihn beziehenden Traditionen angeht.



"Gefeuert" wurde übrigens die Lehrerin entgegen der Behauptung von "Spiegel- Online" keineswegs. Sie war nicht Angestellte der Schule, sondern der Rochdale and Oldham Supply Agency, einer überörtlichen Agentur, die beim Ausfall von Lehrern den Schulen Vertretungen zur Verfügung stellt. Dort wird sie auch weiter beschäftigt bleiben. Die Blackshaw Lane- Grundschule in Oldham hat lediglich darum gebeten, sie in dieser Schule nicht mehr einzusetzen.

Auch das hätte der Autor der Story in "Spiegel- Online" mit ein paar Klicks aus dem Oldham Evening Chronicle erfahren können.



Für Kommentare bitte hier klicken. Titelvignette freigegeben unter GNU Free Documentation Licence.

29. November 2007

Vorsicht, Weihnachtszeit!

Der Erste Advent steht vor der Tür und damit die Zeit der Kerzen. Der Kerzen auf Adventskränzen, der Kerzen, die wir entzünden, wenn wir an den langen Winterabenden bei einem rubinrot schimmernden Glühwein und guten Gesprächen auf das Nahen des Fests warten. Der Kerzen am Weihnachtsbaum schießlich, die auch uns Erwachsenen ein feuchtes Glitzern in die Augen zaubern.

Die meisten von uns ahnen nicht, welche potentiellen Gefahren in diesen Kerzen lauern. Denn die so harmlos ausschauenden, so heimelig flackernden Kerzen sind keineswegs gesundheitlich unbedenklich.

"The candle-using public should be made aware that the core of candle wicks may contain lead", lesen wir im Abstract einer wissenschaftlichen Untersuchung über Blei in den Kerzen- Emissionen: Das kerzennutzende Publikum solle sich dessen bewußt sein, daß der Kern eines Kerzendochts Blei enthalten könne.

"To define the problem, 100 sets of candles (two or more identical candles) were purchased locally", heißt es weiter. Um das Problem zu definieren, wurden 100 Kerzensätze (zwei oder mehr identische Kerzen) vor Ort gekauft. Brennversuche mit diesen Kerzen ergaben, daß sie Blei in gefährlichen Dosen emittieren können. Fazit der Autoren:
Considering that candle sales in the US are estimated at $1–2 billion per year, and that children may spend as much as 88% of their time indoors, it is reasonable to suspect that some blood lead elevation in children arises from indoor micro-environments where lead-wick candles are burned.

Bedenkt man, daß in den USA jährlich schätzungsweise für ein bis zwei Milliarden Dollar Kerzen verkauft werden und daß Kinder bis zu 88 Prozent ihrer Zeit zu Hause verbringen können, dann begründet das den Verdacht, daß in einem gewissen Umfang erhöhter Bleigehalt bei Kindern von häuslichen Mikro- Umgebungen herrührt, in denen Kerzen mit einem Bleidocht brennen.



Aber es kommt noch schlimmer. Da gibt es zum Beispiel eine Untersuchung - eine Magisterarbeit -, deren Ergebnisse in den Lead Action News, den "Bleiwirkungs- Nachrichten" also, mitgeteilt wurden.

Der Autor brannte 91 Duftkerzen ab und maß, was man nur messen kann - Blei, Ruß, Benzol, wie sie von den herunterbrennenden Kerzen emittiert wurden. Das Ergebnis: Feinstaub ähnlich dem aus Dieselmotoren. Benzol in gefährlichen Dosen. Blei allerdings nur - wenn wundert's - in denjenigen Kerzen, die einen metallverstärkten Docht hatten (siehe oben). Das Fazit hier:
The possible impacts on public health from consumer use of scented candles may include increased risk of cancer, neurological and behavioral deficits and acute aggravation of existing respiratory diseases such as asthma. (...) Use of scented candles may contribute significant quantities of pollutants to the indoor environment, especially soot, benzene and lead.

Zu den möglichen Auswirkungen des Gebrauchs von Duftkerzen könnten ein erhöhtes Krebsrisiko, neurologische und Verhaltensstörungen und akute Verschlechterungen bestehender Erkrankungen der Atemwege und von Asthma gehören. (...) Die Verwendung von Duftkerzen kann signifikante Mengen zur Verschmutzung von häuslichen Umgebungen beitragen; insbesondere Ruß, Benzol und Blei.



Keine Kerzen also mehr zur Weihnachtszeit? Gemach, gemach.

Es gibt eine WebSite mit dem Namen Security World, "Sicherheitswelt" also, die über alle Risiken des Lebens informiert und was man dagegen tun kann. Natürlich befaßt sie sich auch mit den Gefahren, die von Kerzen ausgehen.

Es wird von den Schadstoffen im Kerzenrauch berichtet, die ich hier erwähnt habe, und noch vielen anderen - u.a. Ceton, Benzol, Blei, Quecksilber, 2-Butanon, Carbondisulfid, Carbontetrachlorid, Creosol, Chlorobenzen, Kohlenmonoxyd, Cyclopenten, Ethylbenzen, Phenol und Xylen.

Und wenn der Leser, von dieser Aufzählung erdrückt, fassungslos auf seinen Bildschirm starrt, dann liest er das Fazit dieser Fachleute für Sicherheit in allen Lebenslagen:
Normal use of candles should not pose a health threat to you or your family.

Der normale Gebrauch von Kerzen dürfte für Sie und ihre Familie keine gesundheitliche Gefahr darstellen.
Na also. Ich wünsche Ihnen eine schöne Adventszeit!

Für Kommentare und Diskussionen zu diesem Beitrag ist in "Zettels kleinem Zimmer" ein Thread eingerichtet. Wie man sich dort registriert, ist hier zu lesen. Registrierte Teilnehmer können Beiträge schreiben, die sofort automatisch freigeschaltet werden.