18.3.13

Der 18. März


Jeder neue Tag ist ein besonderer Tag. Für den, der das Hier und Jetzt lebt.
Die Erinnerung an Vergangenes intensiviert sich mit seiner Bedeutung aus der Rückschau und verbindet sich mitunter durch Allegorien mit nicht selbst Erlebtem.
Es ist manchmal eine Suche nach Schlüsselmomenten der Geschichte, welche prägend für ihren Verlauf waren, wie sie auch einen selbst prägten.
Der 18. März ist solch ein Tag. Eigenes Erleben und Geschichte bilden ein erstaunliches Maß an Gemeinsamkeiten.
An diesem Tag ging es zweimal, 1848 und 1990, um die Einheit, welche in ihrem Fehlen, dem Zusammenwachsen zu einem deutschen Staat entgegenstand.
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Dieser Staat war die Voraussetzung für den Bruch der absoluten Macht der Fürsten. Die Idee der Teilung der Macht, der Implementierung einer Repräsentation der Bürger als Souverän und der konstitutionellen Sicherung politischer und wirtschaftlicher Freiheiten begann mit der Märzrevolution.

Der 18. März des Jahres 1990 ebnete den Weg zur wohl letzten deutschen Vereinigung, welche die Märzrevolutionäre ebenso anstrebten, wie die Revolutionäre in der DDR. Das trifft sicher nicht auf alle bekannten Vertreter der DDR-Opposition zu, aber auf viele Bürger, die, wie die Dresdner am 19. Dezember 1989, Helmut Kohl zujubelten, als er sie mit „liebe Landsleute“ ansprach.

Die Wahlen zur DDR-Volkskammer können in ihrer Bedeutung für die deutsche Wiedervereinigung am 03. Oktober 1990 kaum überschätzt werden. Es ging um alles. Wenn heutzutage bei Bundestagswahlen oft von Schicksalswahlen die Rede ist - diese war eine. Der Ausgang entschied, ob die Chance, welche sich durch den Mut Reagans die Sowjetunion herauszufordern und den Reformwillen Gorbatschows, ergab, von den Wählern im zukünftigen Beitrittsgebiet genutzt wurde, oder eben nicht.

Auch der nur sieben Wochen andauernde Wahlkampf fand auf mehreren Ebenen statt. Einer offiziellen, inoffiziellen und bundesdeutschen.
Öffentlich sehr präsent durch die Allianz für Deutschland, die als einzige der in PDS umbenannten SED Paroli bieten konnte. Die SPD(Ost) dagegen bekam durch Oskar Lafontaine eine Art von Unterstützung, wie es DDR-Bürgern hinlänglich bekannt war, wenn ihnen utopische Sozialisten zur eigenen Erbauung, ihre Knechtschaft schmackhaft machen wollten. Abgesehen davon, konnte sich die SPD nicht in der Eindeutigkeit zur Wiedervereinigung bekennen wie das die Union tat, was mit ein Grund war, dass die SPD-Ost in einem sehr sozialdemokratischen Wählermilieu nur 22% erzielte.
Die Bürger der DDR wollten die Vereinigung und gaben den Parteien mehrheitlich ihre Stimme, die sie vorbehaltlos versprachen.

Ohne die finanzielle und organisatorische Hilfe ihrer Schwesterparteien in der Bundesrepublik, hätten diese durch den ungenierten Zugriff der PDS auf ein Vermögen, welches bis heute verschwiegen und verborgen gehalten wird, im öffentlichen Wahlkampf keine faire Chance gehabt.

Der inoffizielle Wahlkampf wurde erst sichtbar mit dem Bekanntwerden der Mitarbeit der Parteispitzen von SPD-Ost, Demokratischem Aufbruch und CDU-Ost für das Ministerium für Staatssicherheit.

Aber auch in der Bundesrepublik wurde gekämpft, oder besser gerungen: Bedenkenträger und Freunde des intellektuellen Diskurses mit der SED gegen Entschlossene und Geschichtsbewusste. Diese Debatte war nicht immer eine Frage der Parteizugehörigkeit, hatte aber viel mit der Positionierung zur Westbindung und zur NATO zu tun.

Was viele Politiker nicht wahrhaben wollten, in der Bevölkerung des getrennten Deutschland und auch im Ausland jedoch längst feststand, wurde mit der Großen Koalition unter dem ersten frei gewählten DDR-Ministerpräsidenten Lothar de Maizière umgesetzt. Genau dafür wurden sie gewählt und diese Koalition aus der Allianz für Deutschland (einem aus der Christlich-Demokratischen Union (CDU-Ost), Deutschen Sozialen Union (DSU) und Demokratischem Aufbruch (DA) gebildeten Wahlbündnis), der SPD und den Liberalen machten einem Staat ein Ende, der nie etwas anderes, als ein künstlicher, sich selbst eingemauerter Satellitenstaat einer imperialen kommunistischen Großmacht war.

Letztlich ging es 1990 besser aus als 1848, in dessen Folge viele der Freiheitsliebenden ihren Traum von einem Land der Freiheit auf der anderen Seite des Atlantiks verwirklichten. Doch auch damals haben die Übersiedler den Geist der Freiheit in Amerika für die Deutschen wach und lebendig gehalten, so dass es weitere Bemühungen zur Vereinigung Deutschlands in Freiheit gab. Hier offenbart sich eine Parallele zu der Ausreisebewegung von Deutschland(Ost) nach Deutschland(West).

In der zweiten Hälfte des 19. Jh. wurde nicht nur der Traum der Märzrevolutionäre von der nationalen Einheit verwirklicht, auch der politische Liberalismus prägte den jungen Staat. Die industrielle Revolution und die Liberalisierung wurden ganz entscheidend von den Liberalen der Deutschen Fortschrittspartei und der Deutschen Freisinnigen Partei politisch getragen.
Deutschland ist im Vergleich mit anderen europäischen Staaten, ein recht liberales Land und die Grundlagen für das erreichte Ziel vom 18. März 1990, wurden am 18. März 1848 gelegt.

Erling Plaethe




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