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8. Mai 2009

Zitat des Tages: Kinderpornographie, Internetzensur und die "Betroffenheit" des Ministers zu Guttenberg

Das macht mich schon sehr betroffen, wenn pauschal der Eindruck entstehen sollte, dass es Menschen gibt, die sich gegen die Sperrung von kinderpornographischen Inhalten sträuben.

Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg heute in der Tagesschau zu der erfolgreichen Petition gegen die Sperrung von Internet-Seiten, die nach der jeweiligen Bewertung des BKA Kinderpornographie enthalten.

Kommentar: Ein seltsamer, ein seltsam unlogischer Satz, den der Minister zu Guttenberg da in die Kamera gesprochen hat.

Natürlich gibt es "Menschen, die sich gegen die Sperrung von kinderpornographischen Inhalten sträuben". "Sträuben" ist freilich ein Ausdruck nach, sagen wir, Gutsherrenart dafür, daß Bürger sich das Recht herausnehmen, anderer Meinung zu sein als die Bundesregierung.

Sie tun das mit guten Gründen. Einige dieser Gründe hätte der Minister zur Kenntnis nehmen können, wenn er einen Blick in die Presse geworfen hätte, zum Beispiel in die "Süddeutsche Zeitung" vom 18. April.

Die geplante Sperre ist erstens leicht zu umgehen, und zweitens ist sie ein völlig ungeeignetes Mittel, um die Kriminellen zu treffen, die Kinderpornographie herstellen und vertreiben. Drittens ist sie ein bedenklicher Einstieg in eine Zensur des Internet, wie man sie sonst nur in Diktaturen kennt. Im einzelnen habe ich diese Erwägungen vor drei Wochen in diesem Artikel dargelegt.

Das sind, so möchte ich für uns Liberale in Anspruch nehmen, doch zumindest erwägenswerte Gesichtspunkte; sie zu vertreten ist kein "Sträuben" wie das eines unartigen Kindes, das nicht gehorchen mag.



Das noch Seltsamere an der Äußerung des Ministers ist allerdings ihr Beginn. Es mache ihn, behauptet da der Minister "schon sehr betroffen, wenn pauschal der Eindruck entstehen sollte, dass es Menschen gibt", die sich dergestalt "sträuben".

Wenn "pauschal der Eindruck entstehen sollte", daß es "Menschen gibt ...". Das ist erstens Unfug, denn es geht ja nicht um ein "wenn ... sollte", sondern dieser "Eindruck" ist bereits durch die erfolgreiche Petition entstanden; just das war ja eines ihrer Ziele. (Was der Minister damit meint, daß dieser Eindruck nicht nur einfach ensteht, sondern daß er "pauschal" entsteht, mag verstehen, wer es kann).

Was aber in aller Welt veranlaßt den Minister zur "Betroffenheit" darüber, daß es Menschen gibt, die eine von der Bundesregierung beabsichtigte Maßnahme für kriminalpolitisch unwirksam und für rechtsstaatlich bedenklich halten?

Ist er der Meinung, daß allein das, was er und seine Kollegin von der Leyen für richtig halten, akzeptabel ist, und jede Kritik daran nur mit "Betroffenheit" beantwortet werden kann?

Oder äußert er vielleicht deshalb "Betroffenheit" über solche "Menschen", weil er insinuieren möchte, sie seien nicht etwa liberal denkende, informierte Bürger, sondern Konsumenten solcher Seiten und deshalb daran interessiert, daß diese nicht gesperrt werden? Unterstellt man einen solchen Subtext, dann allerdings würde die ansonsten abstruse Äußerung Sinn machen. Sie würde dann freilich auch diesen Minister disqualifizieren.



Als der Minister zu Guttenberg sein Amt antrat, haben viele sich von seinem schneidigen Auftreten beeindrucken lassen. Ich habe damals leise Zweifel angemeldet. Sie sind jetzt kräftiger geworden, diese Zweifel.

Wer einen solchen Satz äußert wie den zitierten, den sollte man genau im Auge behalten, was sein Verhältnis zu Freiheit und Rechtsstaatlichkeit angeht.



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18. März 2009

Zettels Meckerecke: Guttenberg hier! Guttenberg da! Guttenberg oben! Guttenberg unten! Guttenberg hüben! Guttenberg drüben! Guhuhuttenberg!

Nein, ein Figaro ist er nicht, der Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg; freilich sieht er so aus, als ob er einen teuren beschäftigt.

Und einen teuren Schneider dazu. Und wenn man ihn sieht, wie er mit etwas tänzelnden, federnden Schritten, meist einen Tick schneller als die Entourage, von einem Ort zum anderen eilt, könnte man vermuten, daß er sich auch einen teuren Tanzlehrer geleistet hat, wie einst Molières Monsieur Jourdain seinen Maître à danser.

Kurz, Guttenberg macht was her. Als er kürzlich in den USA war, folgten ihm mehr Journalisten als der Kanzlerin bei ihrem letzten Besuch dort; so wurde es jedenfalls berichtet. Mit Fototerminen war er mehr als großzügig; sogar beim Snack zwischen zwei Gesprächen durfte er gefilmt werden. Auch da machte er eine tadellose Figur.



Einen größeren Kontrast zu seinem Vorgänger Glos kann man sich kaum denken. Man stelle sich jenen biederen und redlichen Müllermeister in Verhandlungen mit ausgebufften US-Managern vor. Aber Guttenberg, der kann das. Erst 37 Jahre ist er, und schon ganz oben.

Alter Adel, und doch bestimmt eine glänzende Karriere hingelegt, bevor er den Sprung zum Minister schaffte? Studium in Oxford, Harvard, an der London School of Economics? Schnell abgeschlossen, dann Erfahrungen in der internationalen Geschäftswelt?

Ach nein. Studiert hat der Karl-Theodor zu Guttenberg - so findet man es in der Biografie beim Deutschen Bundestag und auf seiner WebSite - offenbar nur in Deutschland; jedenfalls wird ein Auslandsstudium nirgends erwähnt.

Bis zur Promotion hat er mehr als zehn Jahre gebraucht; da war er 35. Und sein beruflicher Werdegang sieht so aus: "Geschäftsführender Gesellschafter der Guttenberg GmbH, München. U. a. Freier Journalist bei der Tageszeitung DIE WELT. U. a. Mitglied im Aufsichtsrat der Rhön-Klinikum AG (bis 2002)". Und dann ist da noch von nicht näher bezeichneten "berufliche[n] Stationen in Frankfurt und New York" die Rede.

Der Mann ist genauso aus der bayerischen Provinz wie der Müllermeister Glos. Nur hat er ungleich weniger politische Erfahrung als dieser. Nur weiß er freilich ungleich besser zu glänzen und zu glitzern.



Mich erinnert der Karl-Theodor zu Guttenberg sehr an einen seiner Vorgänger im Amt, Jürgen W. Möllemann. Auch er mit bescheidenem beruflichem Hintergrund - ausgebildet als Lehrer für Grund- und Hauptschule, dann aber Public- Relations- Mann. Und unversehens Wirtschaftsminister. Auch er ständig unterwegs wie der Figaro, ständig sich in die Öffentlichkeit drängend.

Ungefähr 1991 flogen wir in den Urlaub nach Fuerteventura. Wie es der Zufall wollte, saß Möllemann im selben Flieger (er hatte ein Haus auf Fuerteventura). Das konnte keinem der Passagiere entgehen; denn ständig kamen Durchsagen, daß der Herr Minister Möllemann dringed am Telefon verlangt werde. Das paßt zu diesem Gschaftlhuber, fanden meine Frau und ich damals.

Von dem Minister Horst Ehmke, auch so einem Macher, gibt es die Anekdote, daß er in seinen Dienstwagen stieg und auf die Frage des Fahrers "Wohin?" antwortete: "Egal, ich werde überall gebraucht". Das könnte auch von dem Dr. Karl-Theodor zu Guttenberg kolportiert werden.



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