26.3.13

... im Schafspelz

Am letzten Sonntag fanden wieder die Neuen Darmstädter Gespräche statt. Eine sehr niveauvolle und renommierte Veranstaltung, bei der in Form eines klassischen akademischen Gesprächs und abseits von Tagesaktualität ein Thema diskutiert wird. Diesmal unter dem Titel "Macht.Geschichte.Sinn?" eine philosophische Diskussion zum Verständnis von historischen Abläufen. Und da kommen immerhin fast 300 Leute und hören an einem Sonntag über zwei Stunden lang zu.

Es ist auch eine wohltuende Abwechslung zum Gebrabbel der Fernseh-Talkshows, wenn die Teilnehmer nicht nur gemeinsam und zielorientiert ein Thema entwickeln, sondern auch komplexe Gedankengänge geschliffen formulieren können. Und Deutsch so gut beherrschen, daß sie gleich zu Anfang den Veranstaltungstitel mit seinem "macht Sinn" kritisieren.

Ein sehr wortgewaltiger Teilnehmer war Prof. Haug, ein Vorkämpfer der marxistischen Denkschule, der wohl alleine fast die Hälfte der Redezeit füllte.
Rhetorisch noch besser Prof. Lübbe, ein ganz brillanter Kopf mit seinen stolzen 86 Jahren und in vielen Punkten der Gegenpart zu Haugs Thesen. Von seiner Biographie und der Art seiner Beiträge hat er mich in vielen Punkten an unseren lieben Zettel erinnert.
Und dann noch Prof. Schmid, nicht so stringent wie seine beiden Kollegen, einige gute Bemerkungen, aber auch etwas billige Effekthascherei.
Der Moderator war als Ersatz für den erkrankten Gastgeber eingesprungen und lieferte nur einige Stichworte.
Und konnte nicht verhindern, daß die Diskussion teilweise gekapert wurde.
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Denn auch wenn es über längere Strecken gelang, wirklich gute Beiträge zum eigentlichen Thema zu entwickeln - es war ganz offensichtlich nicht Haugs Absicht, irgendwelche bürgerliche Fragestellungen zu klären.
Sondern er machte das, was Marxisten halt immer machen, wenn ihnen eine Möglichkeit geboten wird: Agitprop im Dienste der Partei.

Wenn man über Sinnhaftigkeit und Richtung der geschichtlichen Entwicklung streitet, sind konkrete historische Beispiele natürlich nützlich. Und wenn man sich für die Sache interessiert, dann nimmt man Beispiele, die inhaltlich unstrittig sind, die aber die Fragestellung erläutern helfen.

Bei Haug dagegen bestand der größte Teil seiner Beiträge aus tagesaktuellen Beispielen, in linker Interpretation selbstverständlich. Immer so eingestreut, daß diese im weiteren Verlauf nicht weiter vertieft oder gar widerlegt wurden - aber ihre Wirkung aufs Publikum hatten. Ich habe die Liste nicht komplett, aber unter anderem brachte er:
- den deutschen Einsatz in Afghanistan
- den angeblichen Niedergang der USA als Großmacht
- die Eurokrise
- das Ende des "neoliberalen Projekts"
- die russische Revolution
- die angebliche Macht des Finanzmärkte
- die seiner Meinung nach immer schlechteren Arbeitsbedingungen
- die Verelendung durch technischen Fortschritt

Und noch einige mehr, alle kaum mit Bezug zur Diskussion, alle passend zur aktuellen Agenda der Kommunisten (bei denen er auch Mitglied ist). Wobei er eben ein klassischer Marxist ist. Ein Gysi hätte auch mal populäre grüne Themen gebracht, die fehlten bei Haug konsequent.

Und was dabei auch ganz typisch war: Die ständige Bereitschaft ganz unverfrorene Lügen zu bringen. Ein guter Teil seiner historischen "Belege" waren objektiv falsch, da muß man noch gar nicht über unterschiedliche Interpretationen streiten.
An einigen Stellen bekam er da Widerspruch von Lübbe. Aber weil die beiden anderen Diskussionsteilnehmer ja in erster Linie darauf konzentriert waren, die eigentliche Diskussion voran zu bringen, blieben Haugs Lügen meist unwidersprochen im Raum.

Auch wenn er sich als kultivierter Akademiker präsentiert - dem echten Marxisten geht es eben nicht um die wissenschaftliche Erkenntnis oder die fruchtbringende Diskussion. Sondern nur um die Durchsetzung politischer Ziele.

R.A.

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