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23. Oktober 2007

Randbemerkung: Discovery - "Ein schwieriges, riskantes Unternehmen"

In knapp zwei Stunden wird, wenn der Countdown wie bisher problemlos läuft, die Discovery zur ISS starten.

Besonderheiten dieses Flugs? Eine Frau ist Commander, Pamela Melroy. Das kann man bei Space.com und bei der NASA lesen, wo auch alle Einzelheiten des Flugs zu finden sind. Dort wird in Echtzeit fortlaufend über den Fortgang des Unternehmens berichtet.

Weitere Besonderheiten? Ja. Die heutige New York Times widmet diesem Flug ein Editorial, also einen namentlich nicht gezeichneten, somit von der gesamten Redaktion verantworteten Kommentar. Dessen Titel - "An Arduous, Risky Mission" - habe ich in die Überschrift gesetzt. Solche Editorials werden dann geschrieben, wenn die Redaktion ein Thema besonders wichtig findet.

Warum so wichtig? Warum schwierig, warum riskant?

Schwierig, weil kaum je eine Besatzung - zehn Leute werden an Bord der ISS sein, wenn die Shuttle- Besatzung umgestiegen ist - so viele, so anspruchsvolle Aufgaben zu bewältigen hatte.

Sie werden ein neues Modul an die Station anbauen, das erste seit sechs Jahren. Es ist eine Schleuse, an die später Labor- Moduln aus Europa und Japan andocken sollen, also auch das europäische Columbus- Modul. Sie werden einen riesigen Stahlträger mit seinen Sonnenkollektoren abbauen und anderswo wieder anbauen. Sie werden ein neues Gerät zur Reparatur von Schäden außenbords testen. Das alles wird fünf Außenbord- Aktivitäten verlangen (seltsamerweise auf deutsch "Weltraum- Spaziergänge" geheißen).

Warum riskant? Es gibt bei der NASA unabhängige, also nicht weisungsgebundene Sicherheits- Ingenieure. Diese haben darauf gedrängt, den Flug um mindestens zwei Monate zu verschieben, weil sie ein erhebliches Sicherheitsproblem sehen.

Wieder einmal geht es um den Hitzeschild. Diesmal sind es hitzebeständige Elemente an den Flügeln des Shuttles, die Ermüdungserscheinungen zeigen. Die Sicherheits- Ingenieure verlangen, sie zu ersetzen oder mindestens ausführliche Tests durchzuführen, bevor grünes Licht für den Start gegeben wird. Im schlimmsten Fall könnte sich sonst das Columbia- Szenario wiederholten: Heiße Gase dringen beim Wiedereintritt in das Shuttle ein, und es wird zerstört.

Die NASA hat dazu eine ganztägige Konferenz veranstaltet und ist danach zu dem Schluß gekommen, daß das "Risiko akzeptabel" sei. Die Astronauten haben alle zugestimmt, daß jetzt geflogen werden soll.

Was auch dringend nötig ist, denn der Zeitplan bis zur Fertigstellung der ISS ist denkbar eng geworden. Bis 2010 muß sie fertig sein, denn dann sollen die letzten Shuttles eingemottet werden. Danach gibt es vorerst kein Transportsystem mehr, das solche Lasten zur ISS bringen kann.

Das Editorial schließt so:
We’ll keep our fingers crossed that these judgments prove right. Another shuttle catastrophe would not only cost the lives of astronauts, it would also probably end the shuttle program and greatly delay completion of the space station.

Wir drücken den Daumen, daß diese Beurteilung [der NASA] sich als richtig erweist. Eine weitere Shuttle- Katastrophe würde nicht nur Astronauten das Leben kosten. Sie würde wahrscheinlich das Ende des Shuttle- Programms bedeuten und die Fertigstellung der Raumstation in weite Ferne rücken.

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14. Juni 2007

Randbemerkung: ISS-Atlantis in einer kritischen Situation

Auf der WebSite der NASA klingt es, in der nüchternen Sprache der Ingenieure, nicht so schlimm. Der "Houston Chronicle", die über Themen des Raumflugs immer am besten informierte Zeitung, bringt im Augenblick einen AP-Bericht, der es deutlicher sagt:
HOUSTON — Russian computers that control the international space station's orientation and supply of oxygen and water have failed, potentially extending the space shuttle's mission — or cutting it short.

Russian engineers aren't sure why the computers stopped working. A failure of this type has never occurred before on the space station. (...)

Thrusters on the docked space shuttle, along with the space station's gyroscopes, have been fired periodically to help maintain the space station's positioning since the computers failed earlier this week. (...)

NASA managers decided Wednesday to use a spacewalk on Friday to repair a torn thermal blanket located over an engine pod near the shuttle's tail.

The astronauts will secure the blanket using staples found in the shuttle's medical kit and loop-headed pins that come from the shuttle's tile repair kit. If those methods don't work, NASA flight controllers will have the astronauts sew it into place using a stainless steel wire and an instrument that resembles a small needle. (...)

HOUSTON. Russische Computer, die die Lage der Internationalen Raumstation und ihre Sauerstoff- und Wasserversorgung steuern, sind ausgefallen. Das könnte die Mission des Shuttle verlängern - oder verkürzen. (...)

Seit die Computer zur Kontrolle der Lage im Raum vor ein paar Tagen ausfielen, werden die Triebwerke des angedockten Shuttle periodisch gezündet, um zusammen mit den Gyroskopen der Raumstation deren Lage zu stabilisieren. (...)

Die NASA-Verantwortlichen beschlossen am Mittwoch, einen für Freitag vorgesehenen Außenbord- Einsatz dafür zu nutzen, ein beschädigte Hitzeschutz- Matte zu reparieren, die sich über einem Außentriebwerk in Nähe des Hecks des Shuttles befindet.

Die Astronauten sollen die Matte mit Hilfe von Klammern befestigen, die sich in der medizinischen Erste- Hilfe- Ausrüstung der Station fanden, sowie mit Kopfnägeln aus der Ausrüstung zur Reparatur von Kacheln. Wenn diese Methoden nicht funktionieren, dann werden die Flug- Kontrolleure die Astronauten beauftragen, die Matte mit Hilfe eines Drahts aus Edelstahl und eines Instruments zu flicken, das einer kleinen Nadel gleicht. (...)

Es kommen also im Augenblick zwei kritische Situationen zusammen:

Das Shuttle wird nicht zur Erde zurückkehren können, wenn der Hitzeschutz nicht repariert ist.

Und die ISS wird überhaupt nicht weiterarbeiten können, wenn die russischen Computer nicht wieder funktionieren. Ihr Ausfall könnte mit der Belastung der Stromversorgung zusammenhängen, als neue Sonnenkollektoren eingebaut und alte stillgelegt wurden. Noch kann die Station durch das Zünden der Triebwerke des Shuttle stabilisiert werden. Ist dieses zur Erde zurückgekehrt und der Fehler bis dahin nicht behoben, dann taumelt die Station unkontrolliert.

Für eine Evakuierung der Besatzung gibt es zwei Möglichkeiten: Erstens könnte sie in das Shuttle umsteigen, das allerdings mit sieben Besatzungsmitgliedern bereits alle für die Mannschaft vorgesehenen Plätze belegt hat. Ob man da improvisieren könnte, weiß ich nicht. Es dürfte schwierig sein, weil die g-Kräfte bei der Rückkehr es erforderlich machen, daß alle Besatzungs- Mitglieder sich in speziell geformten Sitzen befinden.

Zweitens ist an die ISS ständig ein "Sojus"- Raumschiff angedockt, das die (gegenwärtig) dreiköpfige Besatzung im Notfall zur Erde zurückbringen könnte.