28. Oktober 2026

Gulliver@300. Eine Reise nach Lilliput





(Gulliver erblickt zum ersten Mal die fliegende Insel Laputa. Illustration von Grandville, aus: Voyages de Gulliver dans des contrées lointaines, Paris: H. Fournier ainé et Furne et Cie, 1838).

I.

Heute vor 300 Jahren, am 28. Oktober 1276, erschien in London im Verlag von Benjamin Motte die Erstausgabe der „Reisen in mehrere entlegene Länder der Welt, in vier Teilen, von Lemuel Gulliver, erst Schiffsarzt und anschließend Kapitän mehrerer Schiffe“ – ein Buch, das ab dem Zeitpunkt seines Erscheinens unter dem etwas handlicheren Titel „Gullivers Reisen“ bekannt ist und seither nie vergriffen gewesen ist. Gehalten war das Buch von der Form her ganz im Stil der Reiseberichte seiner Zeit, mit denen Fahrensleute von ihren Erkundungsfahrten in den damals noch auf den Karten weiß gehaltenen Gebieten des Erdballs berichteten. Obwohl der Herausgeber dieser Memoiren, Richard Sympson, in seinem vorausgestellten Avis an dem Leser versichert: „der Autor war so berühmt für seine Wahrhaftigkeit, daß es eine Art bei seinen Nachbarn in Redriff wurde, wenn man etwas fest behauptete, zu sagen, es sei so wahr, als ob Herr Gulliver gesprochen habe,“ wurden doch sehr bald Zweifel an dieser Wahrheitstreue angemeldet. Drei Wochen nach dem Erscheinen schrieb Jonathan Swift aus Dublin an seinen Freund und literarischen Mitstreiter Alexander Pope in Twickenham am 17. November 1726: „Ein hiesiger Bischof erklärte, das Buch sei voller unwahrscheinlicher Lügen, und was ihn anginge, so würde er so gut wie kein Wort davon glauben. Soviel also zu Gulliver.“ Diese Skepsis hat sich hartnäckig gehalten, und seit dieser Zeit gilt das Buch als eine der großen Satiren der Weltliteratur, das in seinen vier Teilen den Fokus sukzessive ausweitet: von der „Reise nach Lilliput,“ dem Land der Zwerge, als eine sarkastische Glossierung der (damals) letzten zwei Jahrhunderte englischer Geschichte; der „Reise nach Brobdingnag,“ dem Land der Riesen, als Anklage der gesamten europäischen Welt und besonders ihrer Kolonialgeschichte; der dritten Exkursion, der „Reise nach Laputa, Balnibarbi, Glubbdubdribb, Luggnag und Japan“ als eine nachträglich eingeschobene Dekonstruktion der Wissenschaft, der geschichtlichen Überlieferung und den utopischen Träumen der Menschheit wie etwa der Unsterblichkeit – und schließlich im vierten Teil, der „Reise in das Land der Houyhnhmns,“ der klugen Pferde einer Verdammung des gesamten Menschengeschlechts, die dort nur in Gestalt der vertierten, affenähnlichen und brutalen Yahoos in Erscheinung treten (der Name dieser vierbeinigen Philosophen ist vom englischen Ausdruck für „Wiehern“ abgeleitet und spricht sich „Winnims“ aus, nicht „Heunüms“). Die Tatsache, daß das Buch seit gut zweihundert Jahren zumeist in den auf kindliche Leser zugeschnittenen Bearbeitungen auf seine beiden ersten Teile reduziert worden ist, und die Anklage gegen da unverbesserliche schändliche Treiben der Menschen auf eine slapstickhaften Aspekte reduziert wurden ist, hat diesen Eindruck paradoxerweise nur noch verstärkt. Nachdem Gulliver die Kriegskünste und Waffentechnik des Abendlands dem Philosophenkönig in Brobdingnag als Krone des menschlichen Ingeniums gepriesen hat, kommt dieser zu dem nicht eben schmeichelhaften Fazit:

Nach dem, was ich aus deinem Bericht geschlossen habe, kann ich nicht umhin zu folgen, daß die Mehrzahl deiner Mitbürger die schändlichste Rasse kleinen abscheulichen Ungeziefers ist, der die Natur je gestattet hat, auf der Erdoberfläche herumzukriechen. (Buch 2, Kap. 6)




Der Eindruck, daß es sich bei Kapitän Gulliver um einen Verhökerer von Seemannsgarn und einen Aufbinder von Bären handeln würde, wurde auch nicht durch dem Umstand gemildert, daß der Verleger George Faulkner, der die „Reisen“ 1735 als den dritten von neun Bänden in die erste Gesamtausgabe von Swift Werke aufnahm, dem Text ein Idealporträt des Verfassers vorausstellte, das nicht nur eine frappierende Ähnlichkeit mit dem Dechanten der St. Patricks-Kathedrale in Dublin aufweist, sondern ihn als „splendide mendax“ bezeichnet, als einen „glänzenden Lügner“ also. Und so hält sich bis heute hartnäckig die Überzeugung, Lilliput und Brobdingnag, Balnibarbi, die Hauptstadt des Landes Lagado mit seiner Großen Akademie und die fliegende Insel Laputa seien ebenso fiktiv und unerreichbar wie Mittelerde, Narnia oder Alices Wunderland, dessen Zugangsportale statt hinter Kaninchenlöchern und Spiegeln allein in der Phantasie jugendlicher Leser zu finden sind. ­

II.

Es finden sich versteckte Hinweise, daß eine solche Sicht nicht die volle Wahrheit umfaßt. Auf Laputa haben die Astronomen, die den Himmel auf der Suche nach dem Kometen durchmustern, der unsere Erde unausweichlich vernichten wird, gewissermaßen als Beifang ihrer Suche entdeckt, daß der vierte Planet unseres Sonnensystems, der Mars, von zwei Monden umkreist wird.

Den größten Reil ihres Lebens verbringen sie damit, die Himmelskörper zu beobachten, was sie mit Hilfe von Fernrohren tun, die unseren an Qualität weit überlegen sind. (Obwohl ihre größten Teleskope einen Meter nicht übertreffen, vergrößern sie viel stärker als dreißig Meter lange bei und zeigen gleichzeitig die Sterne viel klarer.) Dieser Vorteil hat sie in den Stand versetzt, ihre Entdeckungen viel weiter zu treiben als unsere Astronomen in Europa; sie haben nämlich eine Katalog von zehntausend Fixsternen aufgestellt, während unsere größten nicht mehr als ein Drittel davon enthalten. Sie haben ebenfalls zwei kleinere Sterne oder Satelliten entdeckt, die um den Mars kreisen, wovon der innere von Zentrum des Hauptplaneten genau drei seiner Durchmesser entfernt ist du der äußere fünf; ersterer kreist in einem Zeitraum von zehn Stunden, letzteres in einundzwanzigeinhalb Stunden, so daß die Quadrate ihrer Umlaufzeiten sich beinahe verhalten wie die Kuben ihrer Entfernung vom Mittelpunkt des Mars, was offensichtlich zeigt, daß die dem gleichen Gravitationsgesetz unterliegen, das auf die anderen Himmelskörper wirkt. (Buch III, Kap. 3)


Fast genau 150 Jahre nach dieser Schilderung wurden dann tatsächlich die beiden Trabanten entdeckt, im Sommer des Jahres 1877. Daß es nicht exakt 150 Jahre waren, sondern in diesem Fall 150 Jahre, 9 Monate und 11 bzw. 20 Tage, bis der amerikanischen Astronom Asaph Hall die beiden winzigen Lichtfünkchen in Okular des Großen Äquatorialen Refraktors am United States Naval Observatory auffinden konnte, war dem Umstand geschuldet, daß auch anderthalb Jahrhunderte später die großen Teleskope im Westen (mit einem Objektivdurchmesser von 66 Zentimetern und einer Brennweite von 9,9 Metern) nur dann erste Details des roten Planeten zeigten, wenn dieser in größter Erdnähe stand – was nur alle 26 Monate der Fall ist.

Von all dem oben genannten Ländern, denen Herr G. im Lauf seiner Reisen die Aufwartung gemacht hat, ist Japan das einzige, das einen ontologische in Status als „wirklich“ in Anspruch nehmen darf. (Zwar weichen die Details der Geographie und seines Aufenthalts dort von den tatsächlichen damaligen wie heutigen Gegebenheiten so erheblich ab, daß auch hier „real“ in Anführungszeichen gesetzt werden könnte – aber das verdankt sich nicht einer satirischen Verzeichnung, sondern den fehlenden und entstellten Quellen, die in Europa zu dieser Zeit greifbar waren). Japan befand sich zu diesem Zeitpunkt seit fast einem Jahrhundert in der Sakoku-Periode, der hermetischen Abschottung vom Westen, die erst mit dem Auftauchen der „schwarzen Schiffe“ Admiral Perrys 1854 und der Öffnung der ersten Vertragshäfen endete. Bis dahin war der Kontakt mit dem Westen – und im Gegenzug der Kontakt Europas mit und das Wissen über das „Land der aufgehenden Sonne“ - auf den kleinen Handelsposten Deschima beschränkt, eine 1641 im Hafen von Nagasaki angelegte künstliche Insel mit den Ausmaßen von gut zwei Fußballfeldern, auf denen ein gutes Dutzend „Rothaarige“, niederländische Kaufleute der VOC, der Vereenigden Oostaziatischen Compagnie die Stellung hielten, streng von der Verwaltung des örtlichen Daimyo von Rest der Landesbevölkerung isoliert. Gulliver betrat das japanische Festland, nach eigenen Angaben, nach einer Seereise von zehn Tagen von Luggnagg aus in der Hafenstadt Xamoschi (hinter der einige Kommentatoren die östliche Landzunge Kannon-zaki der Halbinsel Miura, dem am weitesten östlich gelegenen Punkt Südjapans, erkennen wollten) und traf am 9. Juni in „Nangasac“ ein, wo er sich für einen Holländer ausgeben mußte. (In dieser Beziehung hat sich der „Menschenberg,“ wie er in Lilliput genannt wurde, nicht getäuscht. Bei der Durchsicht der Tagesregister und Personallisten, die in Deschima über sämtliche Aktivitäten geführt wurden, stößt man auf erstaunlich viele Herkunftsangaben aus deutschen Gebieten, die wegen der Beschränkung auf Beziehungen allein mit Vereinigten Niederlanden als „Holländer“ geführt wurden). Gullivers Einstellung zu Japan ist wenig schmeichelhaft, weil sie Besuchern aus Europa die Pflicht auferlegen, „das Kruzifix mit Füßen zu treten,“ um zu beweisen, daß sie keine Christen sind. (In Wirklichkeit waren die niederländischen Kaufleute auf Deschima davon ausgenommen; der Brauch des E-fumi diente der Entlarvung von einheimischen Konvertiten, den sogenannten Kakure Krishitan, 隠れキリシタン, die nach der Ausweisung alle Missionare und Gläubigen in mehreren Wellen zwischen 1633 und 1641 noch im Land verblieben waren).

III.

Aufgrund der weiter oben erwähnten unterschiedlichen Umlaufzeiten von Erde und Mars um die Sonne ergibt es sich, daß sich auch das Startfenster, der Zeitpunkt, zu dem man eine Raumsonde dorthin auf den Weg bringen kann, sich nur alle 26 Monate öffnet. Dabei kommt es nicht darauf an, daß die Distanz zwischen den beiden Planeten möglichst gering ist, sondern daß die Umlaufbahn um die Sonne, die das Raumschiff nach dem Brennschluß der Trägerrakete erreicht hat, ihren sonnenfernsten Punkt, mit der Entfernung des Ziels zusammenfällt – und damit auch der jeweiligen Umlaufgeschwindigkeit von beiden, so daß ein Raumschiff nur mit einer vergleichsweise winzigen Zündung von Zielplaneten „eingefangen“ werden kann und in einen Orbit einschwenkt. Die Details für einen solchen „Transferorbit“ hat der Essener Ingenieur Walter Hohmann (1880-1945) 1925 in seinem Werk „Die Erreichbarkeit der Himmelskörper“ als erster detailliert durchgerechnet. Für den Mars ergibt sich diese Gelegenheit, wie gesagt, alle 26 Monate für einen Zeitraum von 3 bis 4 Wochen – und das diesjährige Startfenster hat sich vor gut einer Woche geöffnet.



Und vor gut einer Woche, am 20. Oktober 2026, um 4 Uhr 41 Ortszeit (und um 21:41 mESZ), ist vom Raumflughafen auf der japanischen Insel Tanegashima, 250 Kilometer genau südlich von Nagasaki gelegen, die Raumsonde Martian Moons eXploration, abgekürzt MMX, an Bord einer H3-Rakete in der Konfiguration 24L, gestartet worden. (Zu dem Zeitpunkt, an dem ich dies tippe, befindet sie sich rund 2,36 Millionen km entfernt und hat noch einen Weg von 216 Millionen km vor sich). Im August des nächsten Jahres wir sie in einer Umlaufbahn um den roten Planeten einschwenken und – nachdem diese Bahn über den nächsten Monat abgesenkt und „zirkularisiert“ worden ist, weiter in eine Umlaufbahn um den inneren und kleineren der beiden Marsmonde, Phobos, einschwenken. Phobos ist wie der größere Mond Deimos „gravitationell gebunden,“ d.h. eine Seite weist immer starr auf die Marsoberfläche – genau wie beim Trabanten der Erde. Der kleine Mond mit einer Längsachse von 26 Kilometern und einen „Querschnitt“ von 22 mal 18 Kilometern umläuft den Mars in einer Entfernung von 6000 km in einer Zeit von 7 Stunden und 40 Minuten. Seine Umlaufperiode ist damit wesentlich geringer als ein Tag auf dem Mars (mit 24 Stunden und 29 Minuten) dauert; das hat zur Folge, daß er im Westen aufgeht und von Bereichen, die mehr als 70 Grad nördlich oder südlich des Marsäquators liegen, nie zu sehen ist. Am Äquator selbst benötigt er nur 4 Stunden und 15 Minuten von Auf- bis Untergang.



MMX wird Phobos für einen Zeitraum zwischen 12 und 18 Monaten aus einer Entfernung von 400 Metern kartieren. Ende 2028 oder in der ersten Hälfte des Jahres 2029 soll sich die Sonde dann langsam dem Mond nähern, sacht wie eine Feder die Oberfläche touchieren und bei diesem flüchtigen Kontakt bis zu 10 Gramm Staub einsammeln. Diese Proben sollen dann 2030 auf den Rückflug zur Erde gebracht werden und 2031 irgendwo in der Weite des australischen Outback landen.



Das Ziel des Unternehmens ist, die Herkunft der Marsmonde zu klären. Die meisten Astronomen halten Deimos wie Phobos für „eingefangene“ Asteroiden, die ursprünglich den äußeren Bereichen des Sonnensystems entstammen. Denkbar wäre aber auch, daß sie Überbleibsel aus der Entstehungsphase des Sonnensystems darstellen, als die Planeten als „Schwerkraftsenken“ noch nicht den Bereich ihrer Bahnen „leergefegt“ hatten und die Einschläge großer Asteroiden die zahllosen Krater aus Mars und Erdmond hinterließen, die bei uns auf Terra durch Erosion und Kontinentaldrift längst über einen Zeitraum von mehreren Milliarden Jahren längst „glattgebügelt“ worden sind. Dabei liegt ein Hauptaugenmerk auf dem Anteil von Eis, der sich in diesen Proben findet. Nach den gegenwärtigen Modellen verdanken die Erde, ihr Mond und der Mars ihren Anteil an Wasser dem Eintrag durch genau solche Meteoriten aus den äußeren Bereichen des Sonnensystems, weil die heftigen Strahlungsausbrüche der die Wasserstofffusion zündenden Sonne die Bildung von Wassereis in den inneren Bereichen nicht zuließ. Nach den jetzigen Modellierungen könnte die sogenannte „Schneefallgrenze“ in rund 300 bis 500 Millionen km Entfernung von der Sonne verlaufen sein. Hier gibt es noch allerhand Grundlagenforschung anhand solcher Proben zu leisten.





Neben der Probenentnahme soll MMX aber auch einen Rover absetzen, der nach dem Aufsetzen gute 100 Tage lang die Oberfläche von Phobos aus nächster Nähe erkunden soll. Die Schwerkraft des Lilliput-Monds ist so gering, daß der Rover, der auf der Erde ein Gewicht von 25 kg aufweist, dort nur noch 15 Gramm wiegen wird. Um nicht durch eine zu rasante Fahrweise und das Hüpfen über Stock-und-Stein den Rover wieder in den Weltraum hinaus zu befördern, ist die maximale Kriechgeschwindigkeit auf einen Millimeter pro Sekunde festgelegt worden. Am Äquator des langestreckten Möndchens würde für einen Menschen (oder ein Robotervehikel) eine Abstoßgeschwindigkeit von nur 3 km/h schon für einen Abflug ausreichen. Der in Frankreich gebaute Rover trägt den Namen Idéfix – ja, nach dem Namen des dicken Kumpels jenes kleinen Galliers; eingedenk der Tatsache, daß der erste französische Satellit, der im November 1965 gestartet worden ist, seinerseits den Namen Astérix trägt (dabei handelt es sich natürlich um eine Verballhornung von „astérisque“ oder ‘*‘, mithin „Sternchen“). Gelenkt werden wird der Rover mit den Maßen 23 mal 38 mal 41 Zentimetern abwechselnd von Toulouse aus und vom Microgravity User Support Centrum der Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, DLR (abgekürzt MUSC – nicht zu verwechseln mit „Musk“!) im Süden Kölns.



Langer Rede kurzer Sinn (oder im Netzjargon TL:DR): wie auf allen bereits ansatzweise photographisch erfaßten Planeten und Monden sind auch auf Phobos die prägnantesten Oberflächenformationen mittweile offiziell mit Namen belegt worden. Im Fall von Phobos sind dies 20: eine Hügelkette, die beiden ausgedehntesten ebenen Freiflächen und 17 der größten Krater. Und 10 dieser Landmarken tragen Namen nach Örtlichkeiten oder Gestalten aus … richtig geraten: „Gullivers Reisen.“ Die beiden „Ebenen“ heißen:

Laputa Regio und Lagado Planitia.

Und acht der siebzehn benannten Krater heißen (in alphabetischer Reihenfolge):

Clustril (der Schatzmeister Flimnap in Lilliput davon in Kenntnis gesetzt hatte, daß seine Frau im Geheimen Visiten bei Quinbus Flestrin, dem „Menschenberg,“ machte und damit den Keim für das Landesverratsverfahren legte.)

Drunlo (der die gleiche Rolle wie Clustril spielt))

Flimnap

Grildrig (der Name, den die Bauerntochter Glumdalclitch dem Zwerg, den ihr Vater entdeckt hatte, verliehen hat)

Gulliver (the man himself)

Limtoc (der lilliputanische General, der die Anklageschrift gegen den Menschenberg aufgesetzt hat)

Reldresal (der Staatsminister, der zum Verteidiger des Quinbus Flestrin in Lilliput wird und ihm die Flucht ermöglicht, als er geblendet werden soll)

Skyresh (vollständig: Skyresh Bolgolam – der Großadmiral im Rat von Lilliput, der Gulliver des Landesverrats anklagt)

(Diese Namen sind 2006 auf der alle zwei Jahre stattfindenden Tagung der IAU, der Internationalen Astronomischen Union, in Prag verliehen worden – derselben, auf der dem bisherigen neunten Planeten Pluto der Planetenstatus aberkennt und ihm dafür der neu geschaffene Dienstgrad des „Zwergplaneten“ verliehen worden ist.)

Nach Dean Swift selbst ist auf Phobos kein Kraterwall benannt worden – bereits 1973, nach dem ersten Aufnahmen der Marssonde Mariner 9, sind die beiden größten Krater auf Deimos nach Swift und Voltaire getauft worden. Voltaire hatte in „Micromégas“ (1752) die Angaben aus dem dritten Teil von „Gullivers Reisen“ übernommen.

Der größte Krater des Phobos, Stickney, der mit 9 Kilometern Durchmesser halb so groß ist wie der Querschnitt des Mondes selbst, überdeckt den Bereich der „Nordpols“ – die Region, die fest auf die Marsoberfläche ausgerichtet ist. Daß der Rover hier abgesetzt wird, dürfte unwahrscheinlich sein: sobald Phobos von der Erde aus sichtbar wird, verdeckt der Mond selbst dieser Region; weist sie in Richtung Erde, steht der Mars selbst dazwischen. Angesichts der Nomenklatur is es also nicht unwahrscheinlich, daß sowohl die Fahrt des Rovers als auch die Probenentnahme in einem der oben aufgezählten Areale stattfinden wird.

IV.

Fazit:

Einen besseren Tribut oder eine bessere Hommage hätte sich Jonathan Swift zum 300. Jubiläum seines Buches gar nicht wünschen können. Auch wenn der Kleine Zyniker, der mir bekanntlich beim Schreiben stets über die Schulter sieht, befindet, es könne sich hier um ein „vergiftetes Geschenk“ handeln – da sich seine Verwirklichung ganz den Bewegungsgesetzen eines gewissen Isaac Newton verdankt, der, gerade auch im dritten Buch der „Reisen,“ zu den auserkorenen Lieblingsfeinden Swifts zählt. Schließlich wird bei dieser Gelegenheit der handfeste Beweis erbracht, daß es sich bei Laputa und Lagado nicht etwa um erdachte Hirngespinste handelt, sondern konkrete Orte, die man mit einem geeigneten Fahrzeug – einem Raumschiff statt wie im 18. Jahrhundert zunftgemäß mit einem bloßen Schiff“ – erreichen kann, und von denen man sogar Andenken mit zurückbringen kann. Genau so, wie Herr Guliver von seiner ersten Reise nach Lilliput sechs schwarze Rinder und einen Bullen sowie sechs Zwerg-Mutterschafe und zwei Schafsböcke mitbrachte, die er als Beweis seiner Erlebnisse vorzeigen konnte, ehe er sie vor Antritt seiner zweiten Reise für die Summe von 600 Pfund verkaufte (Buch I, Kap. Acht) - nach heutiger Kaufkraft wären dies zwischen 75.000 und 80.000 €.

Oder, um es in den schon zitierten Worten von Cousin Sympson zu sagen: „It was as true as if Mr. Gulliver had spoken it.”

Anm.

"...die schändlichste Rasse": Im Original heißt es „I cannot but conclude the bulk of your natives to be the most pernicious race of little odious vermin that nature ever suffered to crawl upon the surface of the earth.“

Den Brief Swifts an Pope zitiere ich nach The Correspondence of Jonathan Swift, D.D., Volume 3: Letters 1726-1734, hg. von David Woolley (Peter Lang, Frankfurt am Main, et al., 2003). Das Zitat findet sich dort auf S. 57.

Die Bezeichnung "Konfiguration 24L" der H3 bedeutet, daß die Trägerrakete über zwei Haupttriebwerke des Typs LE-9 sowie 4 Feststoffbooster und eine lange Schanzverkleidung verfügt.

Die Übersetzung der Passagen entnehme ich der Übersetzung von "Gullivers Reisen" von Hermann J. Real und Heinz J. Vienken (Stuttgart: Philipp Reclam jun., 1987/2011).



U.E.

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