(Der amerikanische Außenminister Marco Rubio hat gestern, am 14. Februar 2026, am zweiten Tag der Münchner Sicherheitskonferenz, eine Rede gehalten, die nicht nur in den US-Amerikanischen Medien, sondern auch in deutschen sozialen Medien wie Facebook und X-vormals-Twitter, ein überwältigendes Echo - ein positives Echo! - hervorgerufen hat. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß Rubio mit seinen klaren, unumwundenen Worten einen "Nerv getroffen hat," daß er zahllosen Zuhörern, die über die Videostreams diese 20 Minuten verfolgt haben, aus tiefstem Herzen gesprochen hat. Vor allem aus den USA waren zahllose Kommentare zu lesen, daß es sich um die beste, prägnanteste Rede handelt, die seit Jahren von einem Politiker zu hören war. Auch der Schreiber dieser Zeilen neigt zu diesem Urteil: diese Rede sollte in die Geschichtsbücher engehen, neben die "Gettyburg Address", John F. Kennedys "Before this decade is out..." oder Ronald Reagans "Mr. President, tear down this wall!" Mehrere deutschprachige Outlets haben die Rede, im Original wie in deutscher Übersetzung, bereits gestern ins Netz gestellt, so etwa Nuis.de und "Tichys Einblick." Aber solche Beiträge "versenden sich," wie es vor Jahrzehnten über die Flüchtigkeit von Radiosendungen hieß. Und angesichts einer solchen Gelegenheit schadet es nicht, auch einer vier- oder fünffachen Dokumentation eine weitere an die Seite zu stellen. Ich habe mich deshalb entschieden, Rubios Rede in voller Länge, in meiner eigener Übertragung, folgen zu lassen.)
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Wir kommen hier heute als Mitglieder einer historischen Allianz zusammen, einer Gemeinschaft, die die Welt gerettet und sie verändert hat. Als diese Konferenz 1963 ihren Anfang nahm, fand sie in einem Land statt – auf einem Kontinent sogar – der geteilt war. Die Grenze zwischen dem Kommunismus und der Freiheit verlief durch das Herz Deutschlands. Nur zwei Jahre davor war der erste Stacheldraht der Berliner Mauer gezogen worden.
Und nur wenige Monate vor dieser ersten Tagung, als unsere Vorgänger sich hier in München getroffen haben, hatte die Kubakrise die Welt an den Rand der Zerstörung gebracht. Zu einer Zeit, als man sich sowohl in Amerika wie in Europa immer noch deutlich an den Zweiten Weltkrieg erinnerte, sahen wir uns von einer erneuten, weltweiten Katastrophe bedroht – einer Bedrohung, die an Zerstörung, and apokalyptischem Potential alles bisherige in der Geschichte der Menschheit übertraf.
Zur Zeit dieser ersten Tagung befand sich der Sowjetkommunismus auf dem Vormarsch. Das Schicksal von Jahrtausenden der westlichen Zivilisation stand auf dem Spiel. In diesen Jahren war es keineswegs sicher, daß wir diesen Kampf gewinnen würden. Aber uns hat ein gemeinsames Ziel geeint. Wir waren nicht nur geeint durch das, was wir bekämpften, sondern durch das, für das wir kämpften. Und gemeinsam haben Europa und Amerika gesiegt und diesen Kontinent wieder aufgebaut. Unsere Völker gediehen. Mit der Zeit kam es zwischen dem westlichen Block und dem Ostblock zur Wiedervereinigung. Eine Zivilisation wuchs wieder zusammen.
Die Schandmauer, die diese Nation geteilt hatte, stürzte am Ende ein, und mit ihr ein Reich des Bösen, und der Osten und der Westen wurden erneut eins. Aber die Begeisterung über diesen Sieg hat uns zu einer gefährlichen Illusion verführt: das wir, ich zitiere: „am Ende der Geschichte angelangt“ wären – daß alle Nationen in Zukunft freiheitliche Demokratien bilden würden; daß die Bindungen, die durch Handel und Gewerbe bestimmt würden, den Nationalstaat ersetzen würden, daß die auf diesen Regeln basierende Weltordnung – ein überstrapazierter Begriff – jetzt an die Stelle der nationalen Interessen treten würden, und daß wir von nun an in einer Welt ohne Grenzen leben würden, in der jedermann zu einem Weltbürger werden würde.
Das war eine einfältige Vorstellung, die sowohl die menschliche Natur wie auch die Lehren aus 5000 Jahren der bekannten Geschichte ignorierte. Und wir haben einen hohen Preis dafür bezahlt. In unserem Wahn haben wir eine Vision von freiem, ungehindertem Handel zum Dogma erhoben, während andere Nationen ihre Wirtschaft abgeschottet und ihre Unternehmen subventioniert haben, um unsere Firmen systematisch unterbieten zu können – mit der Folge, daß es bei uns zu Werksschließungen kam, große Teile unserer Gesellschaften deindustrialisiert wurden, Millionen von Arbeitsplätzen der arbeitenden Bevölkerung und der Mittelschicht ins Ausland verlagert und unsere maßgeblichen Lieferketten unter die Kontrolle sowohl unserer Konkurrenten wie unserer Feinde gelangt sind.
Wir haben unsere staatliche Hoheitsgewalt zunehmend an internationale Institutionen übertragen, während viele Nationen in großem Maßstab den Sozialstaat ausgebaut haben und darüber die eigene Verteidigungsfähigkeit vernachlässigten. Und das zu einer Zeit, in der andere Staaten die schnellsten militärische Aufrüstungsprogramme durchgeführt haben, die es jemals in der Geschichte gegeben hat und die nicht davor zurückgeschreckt sind, ihre eigenen Interessen mit Gewalt durchzusetzen. Um den Klimakult ruhig zu stellen, haben wir uns eine Energiepolitik auserlegt, die unsere Völker in die Armut zwingt, während unsere Konkurrenten zur gleichen Zeit Öl, Kohle und Erdgas nutzen – nicht nur, um die eigene Wirtschaft voranzutreiben, sondern auch, um uns damit unter Druck zu setzen.
Und in unserem Streben nach einer Welt ohne Grenzen haben wir die Tür zu einer beispiellosen Flut an Masseneinwanderung aufgestoßen, die den Zusammenhalt unserer Gesellschaften, die Fortbestand unserer Kultur und die Zukunft unserer Völker bedroht. Wir haben diese Fehler gemeinsam begangen, und wir sind es unseren Völkern schuldig, uns dies einzugestehen und nach vorn zu blicken und mit einem Neuaufbau zu beginnen.
Unter Präsident Trump werden die Vereinigten Staaten von Amerika von neuem die Aufgabe der Erneuerung und des Wideraufbaus in Angriff nehmen, beflügelt von einer Aussicht auf eine Zukunft, die so stolz, eigenständig und lebendig ist wir die Vergangenheit unserer Kultur. Auch wenn wir bereit sind, dies, wenn es sein muß, allein anzugehen, würden wir es lieber sehen und hoffen, dies gemeinsamen mit Ihnen, unseren Freunden in Europa, zu tun.
Denn die Vereinigten Staaten und Europa gehören zusammen. Amerika wurde vor 250 Jahren gegründet, aber seine Wurzeln sind viel älter und liegen auf diesem Kontinent. Die Menschen, die das Land, in dem ich geboren bin, besiedelt und aufgebaut haben, brachten das Wissen, die Traditionen und die Erinnerungen an den christlichen Glauben ihrer Vorfahren als heiliges Erbe mit sich, ein unzerreißbares Band zwischen der alten und der neuen Welt.
Wir sind Teil derselben Kultur: der westlichen Zivilisation. Wir sind durch die tiefsten Bande miteinander verbunden, die es zwischen Nationen geben kann, geschmiedet durch Jahrhunderte gemeinsamer Geschichte, durch den christlichen Glauben, die Kultur, das Erbe, die Sprache, unsere Vorfahren und die Opfer, die unsere Vorfahren für diese Kultur gebracht haben, die wir teilen und die uns als Erbe zugefallen ist.
Das ist der Grund, warum wir Amerikaner gelegentlich etwas undiplomatisch und unverblümt daherkommen. Das ist der Grund, aus dem Präsident Trump von unseren Freunden hier in Europa Ernsthaftigkeit und gegenseitigen Respekt einfordert. Dieser Grund, liebe Freunde, ist, daß es uns ernst ist. Ihre Zukunft und unsere liegen uns sehr am Herzen. Wenn wir mitunter anderer Ansicht sind als Sie, dann deshalb, weil wir um Europa besorgt sind – ein Europa, mit dem uns viel verbindet – nicht nur wirtschaftlich, nicht nur militärisch. Wir sind verbunden durch unsere Kultur und unsere Geisteshaltung. Wir wünschen uns ein starkes Europa. Wir glauben daran, daß Europa überleben wird, weil uns die Erinnerung an die beiden großen Kriege des letzten Jahrhunderts beständig daran gemahnt, daß am Ende unser Schicksal auf alle Zeiten mit dem Europas verwoben sein wird – weil wir wissen, daß das Schicksal Europas immer für unsere eigene Zukunft wichtig sein wird.
In Fragen der nationalen Sicherheit, um die es bei dieser Konferenz zuallererst geht, geht es nicht nur um rein technische Fragen – wieviel wir für Verteidigung ausgeben, wofür, wo wir unsere Mittel einsetzen. Das sind wichtige Fragen. Aber sie sind nicht die entscheidende. Die entscheidende Frage, auf die wir zuerst eine Antwort geben müssen, lautet: was genau wollen wir verteidigen? Eine Armee kämpft nicht für abstrakte Vorstellungen. Eine Armee kämpft für ein Volk, eine Armee kämpft für ein Land. Eine Armee verteidigt eine Lebensweise. Und dies ist es, was wir verteidigen: eine große Kultur, die es wert ist, auf sich selbst stolz zu sein, die Vertrauen in die eigene Zukunft hat, und die danach strebt, immer Herr ihres wirtschaftlichen und politischen Schicksals zu bleiben.
Hier in Europa sind die Vorstellungen von Freiheit entstanden, die die Welt verändert haben. Hier in Europa sind der Rechtsstaat, die Universität und die moderne Wissenschaft entstanden. Dieser Kontinent hat einen Mozart, einen Beethoven, einen Dante und einen Shakespeare, einen Michelangelo, einen da Vinci, die Beatles und die Rolling Stones hervorgebracht. Hier zeugen die Decke der Sixtinischen Kapelle und die gewaltigen Türme des Kölner Doms nicht alleine von der Größe unserer Vergangenheit oder dem Glauben an einen Gott, der diese Wunder hervorgebracht hat. Sie geben uns eine Ahnung von den Wundern, die unsere Zukunft für uns bereithält. Aber nur dann, wenn wir uns ohne Vorbehalt zu unserem Erbe bekennen und stolz auf dieses gemeinsame Erbe sind, können wir zusammen daran gehen, unsere wirtschaftliche und politische Zukunft zu entwerfen und zu gestalten.
Der industrielle Niedergang war nicht unvermeidlich. Er war die Folge einer bewußten politischen Entscheidung, ein wirtschaftlicher Kurs, der über Jahrzehnte verfolgt worden ist, der unsere Nationen ihren Wohlstand, ihre Leistungsfähigkeit und ihre Unabhängigkeit gekostet hat. Daß wir nicht unsere Lieferketten nicht mehr selbst kontrollieren können, verdankt sich nicht einem blühenden und gesunden Welthandel. Das war die Folge dummer Entscheidungen. Eine irrwitzige, aber aus freien Stücken getroffene Entscheidung zum Umbau unserer Wirtschaft, die uns in die Anhängigkeit von anderen geführt und für Krisen anfällig gemacht hat.
Die Masseneinwanderung ist keine unbedeutende Randerscheinung, und sie war es auch nie. Sie war und ist eine Krise, die die Gesellschaften überall im Westen umgestaltet und bedroht. Gemeinsam können wir unsere Wirtschaften von neuem industrialisieren und uns in die Lage versetzen, unsere Völker zu verteidigen. Aber diese Zusammenarbeit sollte sich nicht nur auf militärische Zusammen und die Wiederbelebung unserer alten Industrien beschränken. Sie sollte sich ebenso darauf konzentrieren, unsere gemeinsamen Interessen zu fördern, uns neue Horizonte zu eröffnen, unsere Erfindungsgabe, unsere Kreativität und unsere Dynamik entfesseln, um ein neues, westliches Jahrhundert zu eröffnen. Private Raumfahrt, künstliche Intelligenz, die Automatisierung der Industrie und eine flexible Produktion, die Schaffung von Lieferketten für wichtige Rohstoffe, die unter der Kontrolle des Westens stehen und nicht von anderen Mächten als Druckmittel mißbraucht werden können, und ein gemeinsamer Kampf um Markanteile im globalen Süden. Gemeinsam können wir nicht nur die Kontrolle über unsere Industrien und ihre Lieferketten zurückgewinnen, sondern auch in den Bereichen erfolgreich sein, die das 21. Jahrhundert prägen werden.
Aber wir brauchen auch die Kontrolle über unsere eignen Landesgrenzen. Die Kontrolle darüber, wer in unser Land kommen darf und wie viele wir hereinlassen, ist kein Ausdruck von Fremdenfeindlichkeit. Es ist kein Ausdruck von Haß. Es handelt sich um ein einen fundamentalen Akt nationaler Souveränität. Und darauf zu verzichten, bedeutet nicht nur die Aufgabe der grundsätzlichsten Pflicht, die wir unserem Volk schulden. Es stellt eine Bedrohung für den Zusammenhalt unsere Gesellschaften und die Zukunft unserer Kultur dar.
Und schließlich dürfen wir die Lebensinteressen unserer Länder und Völker nicht länger der sogenannten Weltordnung unterordnen. Dazu ist es nicht nötig, das System, das wir für die internationale Zusammenarbeit geschaffen haben, aufzugeben oder die alten internationalen Institutionen, die wir in gemeinsam erreicht haben. Aber sie müssen reformiert werden. Sie müssen neugestaltet werden.
Die Vereinten Nationen etwa haben immer noch gewichtige Möglichkeiten, etwas Gutes zu bewirken. Aber wir dürfen nicht darüber hinwegsehen, daß sie bei den dringendsten Fragen, vor denen wir stehen, keine Antworten anzubieten und keine nennenswerte Rolle gespielt haben. Sie waren nicht in der Lage, den Krieg im Gazastreifen zu beenden. Unter amerikanischer Führung gelang es, die Geiseln aus den Händen der Terroristen zu befreien und einen brüchigen Waffenstillstand zu bewirken. Sie haben den Krieg in der Ukraine nicht beenden können. Erst durch die amerikanische Initiative und die Zusammenarbeit mit vielen anderen Staaten, die heute hier vertreten sind, gelang es, beide Seiten and en Verhandlungstisch zu bringen, auf der Suche nach einem Frieden, der der noch in der Zukunft liegt.
Sie waren außerstande, das Atomprogramm der radikalen schiitischen Geistlichen in Teheran zu stoppen. Dazu brauchte es 14 Präzisions-Bomben, die von amerikanischen B-2-Bombern abgeworfen wurden. Und sie waren nicht in der Lage, sich um die Bedrohung durch den Drogenschmuggel eines Diktators in Venezuela zu kümmern. Stattdessen haben amerikanische Spezialeinheiten dafür gesorgt, daß sich dieser Terrorist vor Gericht verantworten wird.
In einer idealen Welt würden alle diese Probleme durch Diplomatie und scharf formulierte Entschlüsse gelöst werden. Aber wir leben nun einmal nicht in einer idealen Welt, und wir können nicht zulassen, daß diejenigen, die offen und unverhohlen unsere Bürger und unsere Stabilität bedrohen, sich hinter den Regeln des internationalen Rechts verkriechen, die sie selbst regelmäßig mit Füßen treten.
Das ist der Weg, für den sich Präsident Tump und die Vereinigten Staaten entschieden haben. Und wir möchten Sie hier in Europa darum, bitten, uns auf diesem Weg zu begleiten. Es ist ein Weg, den wir schon gemeinsam beschritten haben und den wir hoffentlich wieder gemeinsam beschreiten werden. Fünf Jahrhunderte lang, bis zum Ende des zweiten Weltkriegs, hat der Westen sich ausgedehnt – seine Missionare, seine Siedler, seine Soldaten und seine Entdecker sind von dort aufgebrochen, um die Meere zu überqueren, neue Kontinente zu besiedeln, Imperien zu gründen, die die Welt umspannten.
Aber 1945, zum ersten Mal seit der Zeit von Kolumbus, begann es zu schrumpfen. Europa lag in Trümmern. Die Hälfte lebte hinter einem Eisernen Vorhang, und es sah so aus, als würde der Rest bald nachfolgen. Die großen Kolonialreiche des Westens befanden sich im unaufhaltbaren Zerfall, der von gottlosen kommunistischen Revolutionen und antikolonialen Aufständen noch beschleunigt wurde, in deren Folge Hammer und Sichel über weiten Teilen der Weltkarte wehen sollten.
Vor diesem Hintergrund kamen, damals wie heute, viele Menschen zu dem Schluß, daß die Herrschaft des Westens zu Ende ging und unsere Zukunft nur noch ein mattes, schwaches Echo unserer Vergangenheit sein würde. Baer gemeinsam sind unsere Amtsvorgänger zu der Einsicht gelangt, daß dieser Niedergang kein Schicksal, sondern Folge einer Entscheidung war, und sie haben sich geweigert, sich dafür zu entscheiden. Es ist uns gelungen – und es ist diese Entscheidung, die Präsident Trump von neuem zu treffen wünscht, gemeinsam mit Ihnen.
Und das ist der Grund, aus dem wir uns keine schwachen Verbündeten wünschen – weil ihre Schwäche auch uns schwächt. Wir wünschen uns Verbündeten. Sich in der Lage sind, sich selbst zu verteidigen, damit kein Feind je in die Versuchung kommt, unsere gemeinsame Stärke auf die probe zu stellen. Das ist der Grund, aus dem wir wünschen, daß unsere Verbündeten nicht durch Scham und Schuldgefühle gefesselt werden. Wir wünschen uns Verbündete, die auf ihre Kultur, ihr Erbe stolz sind - die verstehen, daß wir alle die Erben einer großen, vornehmen Kultur sind und die gewillt sind, sie gemeinsam mit uns zu verteidigen.
Und deshalb wollen wir keine Verbündeten, die den gescheiterten Status Quo rechtfertigen, anstatt die nötigen Maßnahmen zu ergreifen, um ihn zu reparieren. Denn wir in Amerika haben kein Interesse daran, den schleichenden Niedergang des Westens als Krankenpfleger höflich und nett zu begleiten. Wir wollen keinen Keil zwischen uns treiben, sondern eine alte Freundschaft neu auffrischen und die größte Kultur, die es in der Weltgeschichte gegeben hat, neu aufleben lassen. Was uns vorschwebt, ist ein mit neuem Leben erfülltes Bündnis, das auf der Einsicht fußt, daß die Schwäche unserer Gesellschaften nicht alleine die Folge schlechter politischer Entscheidungen ist, sondern ihren Grund in Hoffnungslosigkeit und Gleichgültigkeit hat. Ein Bündnis – das Bündnis, das wir anstreben, soll nicht durch Angst lähmen lassen: Angst vor dem Klimawandel, Angst vor Krieg, Angst vor neuen Technologien. Stattdessen wünschen wir uns ein Bündnis, das mutig in die Zukunft aufbricht. Und die einzige Furcht, die wir haben, ist die Angst vor der Schande, unseren Kindern unsere Länder nicht stolzer, stärker und reicher hinterlassen zu haben.
Ein Bündnis, das bereit ist, unsere Völker zu verteidigen, unsere Interessen zu wahren, und die Freiheit zu sichern, so zu handeln, daß wir unser Schicksal selbst bestimmen können – nicht eins, das dazu da ist, einen Sozialstaat für die ganze Welt bereitzustellen und für die angeblichen Sünden früherer Generationen in Sack und Asche zu gehen. Ein Bündnis, das nicht zuläßt, daß seine Macht ausgelagert, eingeschränkt oder Institutionen außerhalb seiner Kontrolle unterworfen wird; eines, das in Fragen der Lebensgrundlagen der eigenen Nation nicht von anderen abhängig ist; und eines, das nicht an die fromme Lebenslüge hält, daß unsere Lebensweise nur eine unter vielen anderen ist und erst höflich um Erlaubnis bittet, bevor es handelt. Und vor allem: ein Bündnis, das auf der Einsicht beruht, daß wir, der Westen, ein gemeinsames Erbe haben – eines, das einzigartig und unverwechselbar und unersetzlich ist – denn darin liegt die wahre Grundlage des transatlantischen Bündnisses.
Wenn wir auf dieser Grundlage gemeinsam handeln, werden wir nicht nur wieder zu einer vernünftigen Außenpolitik zurückfinden. Es wird uns unseren Platz in der Welt sichern, und die Kräfte, die sowohl die Kultur Amerikas wie Europas auszulöschen drohen, in die Schranken weisen und abschrecken.
Auch wenn in den Schlagzeilen das Ende des transatlantischen Zeitalters angekündigt wird, möchte ich an dieser Stelle laut und deutlich betonen, daß das weder unser Ziel noch unser Wunsch ist. Wir als Amerikaner mögen auf der Westhalbkugel zuhause sein, aber wir werden immer die Kinder Europas bleiben.
Unsere Geschichte beginnt mit einem Entdecker aus Italien, dessen Vorstoß ins Unbekannte auf er Suche nach einer neuen Welt das Christentum nach Amerika gebracht hat – und dessen Legende unser Bild als das einer Pioniernation geprägt hat.
Unsere ersten Kolonien wurden von englischen Siedlern gegründet, denen wir nicht nur unsere Sprache, sondern unser gesamtes politisches System und unsere Rechtordnung verdanken. Unsere Grenzen wurden von den Iren und Schotten besiedelt – jenen selbstbewußten, zupackenden Clans aus den Hügeln von Ulster, die uns Davy Crocket und Mark Twain und Teddy Roosevelt und Neil Armstrong beschert haben.
Das Herz unseres Landes im mittleren Westen wurde von deutschen Bauern und Handwerkern urbar gemacht, die die endlosen Prärien in die Kornkammer der Welt verwandelten – und ganz nebenbei die Qualität des amerikanischen Biers erheblich verbessert haben.
Unsere Erschließung des Landesinneren folgte den Spuren der französischen Pelzhändler und Entdecker, deren Namen die Städte und Straßen längs des Mississippi übrigens immer noch stolz tragen. Unsere Pferde, unsere Ranchen, unsere Rodeos – all diese Symbole, die für die Lebensweise des Wilden Westens stehen – stammen aus Spanien. Und unsere größte archetypischste Stadt hieß Neu-Amsterdam, bevor sie den Namen New York erhielt.
In dem Jahr, in dem meine Nation gegründet wurde, lebten Lorenzo und Catalina Geroldi in Casale Monferrato im Königreich Piemont-Sardinien. Und in Sevilla in Spanien lebten Jose und Manuela Reina. Ich habe keine Ahnung, ob sie überhaupt etwas von den dreizehn Kolonien gehört haben, die ihre Unabhängigkeit von der britischen Krone erkämpft hatten. Aber eins weiß ich ganz genau: Sie hätten sich niemals vorstellen können, daß 250 Jahre später einer ihrer direkten Nachkommen hier auf diesem Kontinent als Hauptvertreter jener jungen Nation auftreten würde. Und trotzdem stehe ich hier vor ihnen - und meine Geschichte erinnert mich daran, daß sowohl unsere Geschichte wie auch unser Schicksal immer miteinander verbunden sein werden.
Gemeinsam haben wir einen zerstörten Kontinent nach dem Ende zweier verheerender Weltkriege wieder aufgebaut. Als die Welt durch den Eisernen Vorhang geteilt wurde, hat der freie Westen den mutigen Dissidenten, die im Osten gegen die Tyrannei des Sowjetkommunismus kämpften, eine helfende Hand geboten. Wir haben einander bekämpft, miteinander versöhnt, wieder bekämpft und erneut versöhnt. Und wir sind Seite and Seite auf den Schlachtfeldern von Kapyong bis Kandahar verblutet und gestorben.
Und heute stehe ich hier, um deutlich zu erklären, daß Amerika den Weg in ein neues Jahrhundert des Wohlstands ebnet, und daß wir dies gemeinsam mit ihnen tun wollen, mit unseren geschätzten Verbündeten und ältesten Freunden.
Wir wollen das gemeinsam mit Ihnen tun, mit einem Europa, das stolz auf sein Erbe und auf seine Geschichte ist, mit einem Europa, das den Geist der Freiheit atmet, der einst Schiffe auf den Weg über unbekannte Meere geschickt hat und unsere Kultur begründet hat; mit einem Europa, das in der Lage ist, sich selbst zu verteidigen und den Willen zum Überleben. Wir sollten stolz auf das sein, was wir gemeinsam im vergangenen Jahrhundert erreicht haben, aber wir müssen uns den Herausforderungen des kommenden stellen und seine Chancen nutzen. Denn das Gestern ist Vergangenheit, die Zukunft ist unvermeidlich, und uns erwartet unser gemeinsames Schicksal.
Ich danke Ihnen.
U.E.
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