31.12.12

Allen Lesern ein erfreuliches 2013! Nebst kleinen Bemerkungen zu 1913 und zu einem schönen Buch darüber


Hundert Jahre ist im jetzt anbrechenden Jahr die Weltausstellung in Gent her, deren Prospekt die Abbildung zeigt (für eine vergrößerte Ansicht bitte zweimal darauf klicken). Die letzte Weltausstellung "zu Friedenszeiten"; bevor der fürchterliche Abschnitt des Zwanzigsten Jahrhunderts in Europa begann, der erst mit der Befreiung vom Kommunismus 1989/90 endete.

"Hundert Jahre" heißt der Roman des Liberalen Heinrich Albert Oppermann, der die Jahre von 1770 bis 1870 umfaßt; erschienen 1870. Ein politischer Roman; mit einem treffenden Titel für einen politischen Generationenroman.
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30.12.12

Zitat des Tages: "Steinbrück demonstriert, daß er alles besser weiß". Ruppigkeit als Rollenfach

Bei Steinbrück ist stets die Lust an der kleinen Provokation spürbar (...) Diese Lust entstammt vermutlich einem Überlegenheitsgefühl, das Tür an Tür mit Überheblichkeit wohnt. Die Leute wählen mit Sicherheit niemanden, den sie für einfach gestrickt halten; aber es fällt schwer, einen zu mögen, der offenbar nicht anders kann als zu demonstrieren, dass er alles besser weiß.
Der Mitherausgeber der FAZ Günther Nonnenmacher über den Kanzlerkandidaten der SPD.

Kommentar: Politiker wie Peer Steinbrück haben meist eine gute Presse. Einer, der sich nicht verbiegen läßt. Urgestein, wie Herbert Wehner. Ein Mann mit Ecken und Kanten.

Sich ruppig zu benehmen ist in der Welt verbreiteter politischer Überangepaßtheit schon nachgerade ein Allein­stellungs­merkmal.
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Zettels Meckerecke: Der sehr funktionsfähige Jörg Schönenborn

Jörg Schönenborn, gegen den ich bis dahin nichts gehabt hatte, ist mir zum ersten Mal im September 2010 zur Zeit der Sarrazin-Diskussion aufgefallen; und zwar unangenehm.

Dieser Chefredakteur des WDR-Fernsehens ist bekanntlich bei der ARD für Umfragen im "Deutschlandtrend" zuständig. Als über Sarrazin diskutiert wurde, brachte er es fertig, daß die einfachste und offensichtlichste Frage nicht gestellt wurde: Ob man nämlich eher Sarrazin zustimmt oder eher seinen Kritikern. Warum das nicht gefragt wurde, hat Schönenborn damals wortreich und windelweich zu begründen versucht
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29.12.12

Deutschland hat wieder einen Weltstar: Helene Fischer


Helene Fischer ist mir vor Jahren das erste Mal aufgefallen, als ich beim Herzumzappen in irgendeiner Show der Volks­musik gelandet bin. Und wow! - da sang eine, die alles andere war als ein dummtreues Mädel der Volksmusik.

Wenn ich danach gelegentlich zu Bekannten gesagt habe, daß mich Helene Fischer beeindruckt, dann mußte ich mich ducken. Mensch, Zettel. Du! Ausgerechnet!
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28.12.12

Aufstieg und Fall der Liberalen. Kommentare und Analysen zur FDP in ZR

In drei Wochen eröffnen die Land­tags­wahlen in Nieder­sachsen das Wahljahr 2013. In allen Umfragen seit Mai 2011 liegt die FDP in Niedersachsen unter 5 Prozent.

Mag sein, daß sie es mit Leihstimmen dennoch wieder in den Landtag schafft; denn die CDU hat ohne den Partner FDP keine Chance, an der Regierung zu bleiben. Aber was, wenn die FDP im Heimatland ihres Vorsitzenden nicht nur aus der Regierung, sondern gleich auch noch aus dem Landtag fliegt?

Ein Menetekel ist es. Eine Schrift an der Wand: Gewogen und zu leicht befunden, so heißt es im Buch Daniel.

Wie konnte es so weit kommen mit der FDP? Wie war der beispiellose Niedergang einer Partei möglich, die im September 2009 mit 14,6 Prozent der Zweitstimmen ihr bestes Ergebnis seit Gründung der Bundesrepublik geschafft hatte; die damit fast zwei Drittel des Ergebnisses der SPD (23,0 Prozent) eingefahren hatte?

So etwas hat es in der deutschen Parteiengeschichte noch nicht gegeben. Und es gibt keine offensichtliche Erklärung.
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Wie sehen eigentlich die Amerikaner die "Waffenlobby" in ihrem Land? Eine aktuelle Umfrage von Gallup

Nach der Bluttat von Newtown war in den deutschen Medien nachgerade stereotyp von "der US-Waffenlobby" die Rede; oft mit dem Zusatz "mächtige". Man mußte den Eindruck haben, daß da eine finstere Macht daran arbeitet, vernünftige Gesetze zu verhindern.

Gemeint ist mit "US-Waffenlobby" vor allem die National Rifle Association (NRA). Es handelt sich um eine als gemeinnützig anerkannte Organisation (501(c) organzisation), die für das in der US-Verfassung (Second Amendment) verankerte Recht unbescholtener US-Bürger eintritt, Waffen zu besitzen. Die NRA hat 4,3 Millionen Mitglieder. Sie bietet Sicherheitstraining im Waffengebrauch an und pflegt den Waffensport.

Wie sehen die Amerikaner diese Organisation?
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27.12.12

Japan setzt weiter auf die Kernenergie. Frankreich und China entwickeln gemeinsam einen neuen Reaktor. Um die Aussteigernation herum wird es einsam


Das vermutlich extremste Beispiel ideologischer Verblendung in der deutschen Politik war und ist die Annahme, daß die Welt im Begriff sei, die Nutzung der Kernkraft zur Stromerzeugung aufzugeben. Mit dem Beschluß, die eigenen Kernkraftwerke zu schließen, wollte man sich an die Spitze dieses unterstellten Prozesses setzen.

Ohne diese Voraussetzung macht der deutsche "Ausstieg" überhaupt keinen Sinn. Sein einziger Effekt wird dann sein, in Deutschland Energie zu verteuern und damit unseren Wohlstand zu mindern.

An unseren Grenzen werden dann weiter KKWs stehen, wie das oben abgebildete in Cattenom im französischen Lothringen; zwölf Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Der vorgeblichen Gefahr, Opfer einer Wiederholung des Unfalls von Fukushima zu werden, werden dann auch wir Deutschen weiter ausgesetzt sein; nur minimal verringert.

Wie abwegig die Erwartung ist, daß die Welt hinter uns deutschen "Vorreitern" herreiten wird, geht aus zwei heutigen Meldungen hervor:
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26.12.12

Die Adenauerzeit, die Achtundsechziger, die RAF. Die Deutschen und das Atom. Zeitgeschichtliches in ZR

Wann wird politische Gegenwart zu Zeitgeschichte; wann wird Zeitgeschichte zu Geschichte?

Das, was noch in der Diskussion ist, im Werden, ist noch keine Zeitgeschichte. Dazu wird es erst dann, wenn es eine gewisse Endgültigkeit erreicht hat; wenn aus Dynamik Strukturen entstanden sind. Zur Zeitgeschichte, könnte man vielleicht sagen, wurde die West­integration der Bundes­republik, als auch die SPD sie akzeptiert hatte; und die Ostpolitik, als auch Helmut Kohl sie nicht mehr rückgängig machen wollte. Zur Zeitgeschichte wurde der europäische Kommunismus im Augenblick seines Untergangs; also 1989/90.

Warum zur Zeitgeschichte und nicht gleich ganz einfach zu Geschichte?
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25.12.12

Spargel auf dem Mars? Und warum ist Itokawa nicht rund? Astronomisches in ZR


Dieses Foto zeigt den Planeten Saturn, fotografiert von der Raumsonde Cassini am 6. Oktober 2004. Klicken Sie doppelt darauf, um das Bild in seiner ganzen Schönheit zu sehen.

Solche Bilder sind heute schon fast alltäglich. Noch vor einem halben Jahrhundert waren die Fortschritte nicht absehbar gewesen, die sich für die Astronomie aus der Raumfahrt ergeben würden - durch Teleskope wie Hubble, das um die Erde kreist; durch Raumsonden wie Cassini, die zu Planeten und Asteroiden fliegen.

Asteroiden, Kometen, Planeten, Galaxien, gar eine "zweite Erde" - das sind Gegenstände gelegentlicher Bericht­erstattung, wenn es etwas Spektakuläres zu melden gibt.

Ich habe das durch Beiträge begleitet, die versucht haben, ein wenig auf die Hintergründe einzugehen. Vielleicht mögen Sie in der Zeit "zwischen den Jahren" das eine oder andere davon nachlesen? Hier sind einige Anregungen.
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24.12.12

Allen Lesern ein frohes Christfest!


Diese Darstellung von Maria und Josef (für eine vergrößerte Ansicht bitte zweimal auf das Bild klicken) stammt von dem Nürnberger Maler Hans Pleydenwurff (* um 1420 wahr­schein­lich in Bamberg; † am 9. Januar 1472 in Nürnberg) und gehört zu einem Altargemälde, das den Hochaltar der St.-Elisabeth-Kirche in Breslau schmückte. Jetzt befindet es sich im Polnischen Nationalmuseum in Warschau.
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23.12.12

Was müßte geschehen, damit der Euro funktionieren kann? Vorschläge von Jacques Delors und Henrik Enderlein

Bei dem Patienten Europa sind sich in der Diagnose fast alle einig; nicht aber, was die Therapie angeht.

Die Diagnose lautet, daß durch den Euro Mechanismen geschwächt oder ganz außer Kraft gesetzt wurden, die beim Vorhandensein verschiedener Währungen dafür sorgen, daß Staaten nicht extrem über ihre Verhältnisse leben; hierzu gehören vor allem Anpassungen der Wechselkurse und der Zinsen für Staatspapiere in der jeweiligen Währung.

Fehlen diese Mechanismen, dann verlieren wirtschaftlich schwache Staaten ihre Wettbewerbsfähigkeit, weil sie zu teuer werden; und sie verschulden sich immer mehr, weil sie Staatspapiere zu günstigeren Zinsen ausgeben können, als das bei einer eigenen Landeswährung möglich wäre.
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Zwanzig Prozent der Ägypter haben zugestimmt: In Ägypten werden sich künftig Moslembrüder und Generäle die Macht teilen

Wie vor einer Woche ist auch jetzt wieder in Ägypten erstaunlich schnell ausgezählt worden.

Das Ergebnis ist so, wie es zu erwarten gewesen war und wie Sie es am vergangenen Sonntag in ZR lesen konnten:
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22.12.12

Mal wieder ein kleines Quiz: Wie zufrieden sind die Amerikaner mit ihrer Krankenversicherung?

Was in Deutschland unter dem Stichwort "Kranken­versicherung" diskutiert wird, heißt in den USA health care - Gesundheitsfürsorge. Ein ja vielleicht ganz interessanter sprachlicher Unterschied.

Wenn man unseren Medien glaubt, dann litten die US-Amerikaner darunter, daß es dort bisher gar keine richtige Krankenversicherung gab; erst Präsident Obama habe das mit seiner Reform ("Obamacare") gerichtet.

Dazu nun hat Gallup gestern die aktuellen Ergebnisse einer Umfrage veröffentlicht, die regelmäßig durchgeführt wird.
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Noch einmal die Bluttat von Newtown: Was die Probleme sind, und was nicht. Die "Waffenlobby" als Sündenbock


"In den USA sterben immer mehr Menschen durch Feuer­waffen" - richtig oder falsch? Falsch, natürlich. Die Kriminalität ist insgesamt in den USA rückläufig; die Gewaltkriminalität ist es; und es ist auch die Zahl derer, die durch Feuerwaffen ums Leben kommen.

Die Kriminalität in den USA hat seit Anfang der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts zunächst stetig zugenommen. Das gilt für Eigentumsdelikte wie Einbruch und Diebstahl; es gilt ebenso für die Gewaltkriminalität. Diese Entwicklung erreichte ein Maximum und wurde dann rückläufig.

Allerdings gibt es einen Unterschied im Verlauf:
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20.12.12

"Amerika wird der Energiegigant des 21. Jahrhunderts werden". Die geopolitischen Folgen des Fracking

"Klistier im Gestein" betitelte der gedruckte "Spiegel" Anfang Oktober einen Artikel, der sich mit Fracking befaßte, der Gewinnung von Erdgas und Erdöl aus Schiefergestein. Die Bezeichnung ist flapsig, aber treffend: Man pumpt Wasser in das Gestein hinein, um durch dessen Druck das Öl und das Erdgas herauszuholen.

Schiefergestein ist eine sogenannte unkonventionelle Lager­stätte für Gas und Öl. Sie sind darin eingelagert; aber es fehlt der Druck, der sie aus konventionellen Lagerstätten in der Regel von selbst nach oben preßt, sobald man eine Bohrung niedergebracht hat. Diesen Druck muß man beim Fracking erst erzeugen; eben durch das in die Tiefe gepumpte Wasser.

Wenn Sie ZR regelmäßig lesen, dann wissen Sie, welche große wirtschaftliche Bedeutung das Fracking künftig haben wird und wie schlecht die Aussichten sind, daß davon auch Deutschland profitieren wird:
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19.12.12

Peter Struck ist gestorben. Nachruf auf einen rechten Sozialdemokraten


Peter Struck ist, erst 69 Jahre alt, einem Herzinfarkt erlegen. Aus der aktiven Politik hatte er sich schon 2009 zurück­gezogen, als er nicht wieder für den Bundestag kandidierte. Er wurde Chef der Friedrich-Ebert-Stiftung; erst letzte Woche wiedergewählt.

Struck repräsentierte eine SPD, die es kaum noch gibt. Er war Einer, der die Gesellschaft nicht verändern, sondern sie ordentlich organisieren wollte. Er war kein Karrierist, sondern ein, wie man sagte, "Parteisoldat".
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Zitat des Tages: "Wir sind die Verlierer. Der Druck auf Frau Merkel kommt von allen Seiten". Hans-Werner Sinn über die europäische Finanzkrise und ihre gegenwärtige Beruhigung

Hans-Werner Sinn: Im Grunde geht es hier in der Krise um einen Verteilungsstreit zwischen drei Gruppen: Es gibt die Länder Südeuropas, die sich stark verschuldet haben, privat und öffentlich. Es gibt ihre Gläubiger; das sind die Finanzanleger aus aller Welt, aber natürlich auch unsere deutschen Banken, sehr stark die französischen Banken. Und es sind die Steuerzahler und Rentner der noch gesunden Länder, die man jetzt mit reinholt.

Gläubiger und Schuldner haben ein Problem miteinander. Der Schuldner kann nicht zurückzahlen und die bisherigen Gläubiger suchen jetzt jemanden anderen, der an Stelle der Schuldner zurückzahlt. Und das sind letztlich wir, die Steuerzahler Deutschlands.

Interviewer Alfred Schier: Also wir sind die Verlierer?

Sinn: Das würde ich sagen. Wir sind die Verlierer.
Aus einem Interview mit dem Ökonomen Hans-Werner Sinn, das der Sender "Phoenix" am vergangenen Samstag und Sonntag ausstrahlte.

Kommentar: Zum Jahresende faßt Sinn in diesem Interview noch einmal - konzis, druckreif sprechend, anschaulich und auch für den Laien verständlich wie immer - zusammen, was sich in dieser Krise abgespielt hat und wie die jetzt stattfindende Rettung beschaffen ist; auf wessen Kosten sich die Krise jetzt beruhigt hat:
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18.12.12

Zettels Meckerecke: Kristina Schröder und der "Negerkönig". Was ist kritikwürdig?

Zur gedruckten "Zeit" dieser Woche gibt es schon heute die Vorabmeldungen; darunter eine zu einem Interview mit der Familienministerin Kristina Schröder. Darin lesen wir:
Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) will beim Vorlesen für ihre anderthalb Jahre alte Tochter diskriminierende Begriffe sofort entschärfen. Wenn etwa Pippi Langstrumpfs Vater als "Negerkönig" bezeichnet werde oder Jim Knopf als "Negerbaby", dann werde sie dies bei ihrer Tochter "synchron übersetzen, um mein Kind davor zu bewahren, solche Ausdrücke zu übernehmen. Auch ohne böse Absicht können Worte ja Schaden anrichten. Wenn ein Kind älter ist, würde ich dann erklären, was das Wort 'Neger' für eine Geschichte hat und dass es verletzend ist, das Wort zu verwenden", sagte sie der ZEIT. (...)

Schröder plädierte grundsätzlich für Ehrlichkeit in der Erziehung (...).
Und ist zur Unehrlichkeit entschlossen. Das war meine erste Reaktion, als ich das gelesen habe. Denn was heißt "synchron übersetzen" denn hier anderes als verfälschen? Einen Text nicht so vorlesen, wie er dasteht, sondern ihn zurechtbiegen, bis er politisch korrekt ist?
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Die Bluttat an der Sandy-Hook-Schule folgte nicht dem Muster für solche Taten. Informationen zum Hintergrund


Bei einer Bluttat wie der an der Sandy-Hook-Grundschule in Newtown, Connecticut, ist die erste, ist die natürliche Reaktion Entsetzen und die Frage, ob man so etwas Furchtbares nicht hätte verhindern können. Das war in den US-Medien, in der Öffentlichkeit der USA nicht anders als in Deutschland. Jetzt, nach einigen Tagen, tritt die Frage in den Vordergrund, wie es denn zu dieser Tat kommen konnte.

Solche Bluttaten an Schulen kommen immer wieder vor und folgen fast stets demselben Muster; so sehr, daß sich dafür der kriminologische Begriff der school shootings heraus­gebildet hat. Die Merkmale dieser Taten habe ich nach der Bluttat von Winnenden 2009 beschrieben:
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17.12.12

Zitat des Tages: "Wir exportieren hervorragend ausgebildete Forscher statt hoch entwickelte Saatgüter". Nach dem Ausstieg aus der Kernkraft jetzt der deutsche Ausstieg aus der Gentechnik

Wir sind dabei, hervorragend ausgebildete Forscher zu exportieren – statt hoch entwickelte Saatgüter und innovative Agrartechnologien.
Die Nobelpreisträgerin und Direktorin am Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie in Tübingen Christiane Nüsslein-Volhard; zitiert in einem Artikel, der heute in der "Welt" zu lesen ist.

Kommentar: Der Artikel von Horst Rehberger trägt den Titel "Deutschland versperrt sich dem Fortschritt", und er befaßt sich mit einer deprimierenden Entwicklung:

Nachdem wir schon den "Ausstieg" aus der friedlichen Nutzung der Atomenergie beschlossen haben, ist Deutschland jetzt im Begriff, aus einer weiteren Schüsseltechnologie "auszusteigen": der grünen Gentechnik; also der genetischen Veränderung von Pflanzen.
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Referendum in Ägypten: Woher kommen die "Ja"-Stimmen? Nicht unbedingt von den Religiösen. Geringe Wahlbeteiligung. Eine Bevölkerung, die Stabilität will

Erstaunlich schnell konnte die Online-Ausgabe der ägyptischen Zeitung Al Ahram bereits in der Nacht zum gestrigen Sonntag das Ergebnis des ersten Teils der Abstimmung melden.

Sie konnten diese Zahlen gestern in ZR lesen. Al Ahram nennt sie unverändert in seiner aktuellen Berichterstattung: 56,5 Prozent "Ja"-Stimmen und 43,5 Prozent "Nein"-Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von nur 33 Prozent. (Zu einer Diskrepanz bei der Berechnung der Wahlbeteiligung siehe diese Anmerkung in Zettels kleinem Zimmer).

Wer sind diese 4,6 Millionen, die mit "Ja" gestimmt haben? Die Antwort "Die Anhänger Morsis und der Moslembrüder" wäre zu einfach.
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16.12.12

Tom und Jerry. Die große Stefan-Raab-Show, gestern mal wieder

Mein Gefallen an "Schlag den Raab" hat sich erst allmählich entwickelt. Anfangs gefiel mir diese Sendung gar nicht, wie sich Stammleser von ZR vielleicht erinnern.

Aber ich habe die Sendung schätzen gelernt. Sie ist gut inszeniert; "Großes Kino", wie man gern sagt.

Das liegt an Raab.
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Das Informations-, das Handlungsbedürfnis nach einer Bluttat

Wenn so etwas sich ereignet wie die Bluttat von Newtown, dann gibt es zwei Bedürfnisse: Man möchte genau wissen, wie so etwas geschehen konnte. Und man fragt sich, was denn getan werden muß, damit es nicht wieder passiert.

Die Antwort auf die zweite Frage ist simpel: Man kann nichts tun, damit es nicht wieder passiert.
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Kairo hat gegen die Verfassung gestimmt, aber sie wird eine große Mehrheit erhalten. Die Ergebnisse des ersten Wahltags im Einzelnen

Ein endgültiges Ergebnis des Verfassungs­referendums in Ägypten wird es frühestens in einer Woche geben. Denn am vergangenen Mittwoch war kurzfristig entschieden worden, die Abstimmung in zwei Teilen stattfinden zu lassen.

Der Grund ist, wie Al Arabiya berichtete, daß nicht genügend Richter für die Überwachung der Wahl zur Verfügung stehen. Die Richterschaft des Landes ist ebenso gespalten wie die Bevölkerung.
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15.12.12

Zitat des Tages: "Viele Bürger wären empört, würde man sie als Vertreter der Unterschicht bezeichnen". Dorothea Siems über das angebliche Schwinden der Mittelschicht

Nicht nur der Opposition, sondern auch Sozialverbänden und den Gewerkschaften ist daran gelegen, die Gruppe der sozial Schwachen, die der staatlichen Umhegung bedürfen, möglichst groß erscheinen zu lassen. Denn auf diese Weise wird der Boden bereitet für mehr Umverteilung, flächendeckende Mindestlöhne und neue Sozialleistungen. (...)

Die sozialen Eiferer blenden aus, dass Mittelschicht nicht allein durch das Einkommen definiert ist. Auch Bildung und Werte prägen die Mitte. Viele Bürger wären empört, würde man sie als Vertreter der Unterschicht bezeichnen.
Die Chefkorrespondentin für Wirtschaftspolitik der "Welt"-Gruppe Dorothea Siems heute in einem Kommentar in der "Welt" unter dem Titel "Die Mär vom sozialen Absturz des Mittelstandes".

Kommentar: Ich empfehle diesen Artikel dringend zur Lektüre.

Es ist der Linken in den vergangenen Jahren gelungen, ihr gesellschaftliches Narrativ sozusagen zur anerkannten Lehrbuchwahrheit zu erheben: Ihre Interpretation unserer sozialen Wirklichkeit, daß "die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer" werden, daß "der Mittelstand unter die Räder gerät", daß sich die "Schere immer weiter öffnet", und was dergleichen Metaphern mehr sind.

Ist dieses Narrativ erst einmal allgemein akzeptiert, dann ist damit seine Implikation schon so gut wie sicher gesell­schaft­licher Konsens:
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Zitat des Tages: "Wieder nach Hause, für nicht allzu lange". Vor vierzig Jahren verließ der letzte "Apollo"-Astronaut den Mond


Bob, hier ist Gene, und ich stehe auf dem Boden [des Mondes]; und während ich die letzten Schritte eines Menschen von diesem Boden weg tue, für einige Zeit jetzt wieder nach Hause - aber wir glauben, für nicht allzu lange -, da möchte ich nur einfach [sagen], was nach meiner Meinung die Geschichte festhalten wird: Daß die Herausforderung, vor der Amerika heute steht, das Schicksal des Menschen morgen gestalten wird.
Eugene Cernan, der als vorerst letzter Mensch auf dem Mond stand, am 13. Dezember 1972; vorgestern vor 40 Jahren. Als Cernan das sagte, befand sich sein Kollege Harrison Schmitt schon wieder in der Landefähre der Mission Apollo 17. (Meine Übersetzung. Den Original­text finden Sie unten).

Kommentar: Das Foto zeigt die Spur des Mondfahrzeugs; im Hintergrund dieses selbst und daneben Harrison Schmitt, einen Geologen; aufgenommen von Cernan.

Während ihr Kollege Ronald E. Evans weiter in der Kommandokapsel den Mond umkreiste, waren Cernan und Schmitt am 11. Dezember auf dem Mond gelandet und verließen ihn wieder am 14. Dezember, nachdem sie die Nacht vom 13. auf den 14. Dezember in der Landefähre verbracht hatten.
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14.12.12

Der Anschlag von Bonn und die drei Organisationsebenen der Kaida

Wie "Spiegel-Online" vor knapp drei Stunden meldete, hat die Bombe im Bonner Hauptbahnhof offenbar gezündet, ist aber nicht detoniert. Wir sind einer Katastrophe gerade noch einmal entgangen.

Weiter heißt es in dem Bericht, der Sprengsatz passe zu einer Bauanleitung aus dem Internet-Magazin Inspire. Dieses stammt von der Kaida-Organisation im Jemen, die gegenwärtig eine der schlagkräftigsten ist. Offenbar hat der oder haben die Täter sich nach dieser Bauanleitung zu richten versucht, aber mangels Erfahrung einen Fehler gemacht.

Der Anschlag paßt damit genau in das Bild, das die Kaida seit einigen Jahren bietet und über das ich im Januar 2010 ausführlich berichtet habe:
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Seit Dienstag gilt in Michigan ein Recht-auf-Arbeit-Gesetz. "Ein Schlag gegen die Gewerkschaften"

Was in der Washington Post am Mittwoch als Überschrift zu lesen war, klingt paradox: "Michigan enacts right-to-work law, dealing blow to unions" - Michigan beschließt ein Recht-auf-Arbeit-Gesetz, ein Schlag gegen die Gewerkschaften.

"Recht auf Arbeit", das ist doch eine linke Parole? Wie kann so etwas ein Schlag gegen die Gewerkschaften sein? Weil in den USA mit diesem Begriff etwas anderes gemeint ist als bei uns.
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Die Hamas auf dem Weg zur Machtbeteiligung im Westjordanland

Zum ersten Mal seit 2007 hat die Hamas gestern im Westjordanland wieder eine Massenkundgebung abgehalten; zur Feier ihres 25jährigen Bestehens und ihres angeblichen kürzlichen "Siegs" über Israel. Der Bericht von Al Jazeera zeigte eine große Menschenmenge in Nablus; viele verschleierte Frauen, vor allem aber junge Männer mit der grünen Stirnbinde des Kämpfers.

Erst am 7. Dezember hatte es eine andere Massen­kund­gebung gegeben; im Gazastreifen.
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13.12.12

Erinnerungen an Schnuffi. Robert Gernhardt wäre heute 75 Jahre geworden. Vom Lachen des Dichters

In den ersten Jahrgängen von "Pardon", Anfang der sechziger Jahre, schrieb ein Autor namens "Lützel Jeman". "Pardon" war im September 1962 auf den Markt gekommen. Ich erinnere mich noch an das erste Heft mit dem lustigen Teufelchen, das durch das höfliche Lüften seines Huts seine Hörner entblößte. Damals jobbte ich als Student auf dem Land, und das Heft verschönerte mir den Feierabend.

Es war eine ganz neuartige Zeitschrift. Ein bißchen an "Mad" erinnernd, aber intellektueller, auch politischer. Und herausragend war für mich sehr bald Lützel Jeman, der ab Ende 1964 zusammen mit F.W. Bernstein und F.K. Waechter "WimS" gestaltete, eine Beilage im Heft.
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"… ein deutscher Dichter, der mir am liebsten ist, nämlich ich". – Zum 215. Geburtstag von Heinrich Heine. Ein Gastbeitrag von Noricus

"Seid ruhig, ich werde den Rhein nimmermehr den Franzosen abtreten, schon aus dem ganz einfachen Grunde: weil mir der Rhein gehört. Ja, mir gehört er, durch unveräußerliches Geburtsrecht, ich bin des freien Rheins noch weit freierer Sohn, an seinem Ufer stand meine Wiege, und ich sehe gar nicht ein, warum der Rhein irgendeinem andern gehören soll als den Landeskindern".

Diese Worte stammen aus der Feder eines Mannes, der nicht nur an den Ufern des mitteleuropäischen Schicksalsflusses das Licht der Welt erblickt hatte; er setzte diesem Strom mit seinem Loreley-Lied auch ein unsterbliches literarisches Denkmal: Heinrich Heine.
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12.12.12

Zitat des Tages: "Winter mit viel Schnee wird es in unseren Breiten nicht mehr geben"

In Deutschland gehören klirrend kalte Winter der Vergangenheit an: "Winter mit starkem Frost und viel Schnee wie noch vor zwanzig Jahren wird es in unseren Breiten nicht mehr geben", sagt der Wissenschaftler Mojib Latif vom Hamburger Max-Planck-Institut für Meteorologie.
Aus "Spiegel-Online" vom 1. April 2000.

Kommentar: Ja, da habe ich ein Zitat des Tages recycelt.

Gerade habe ich Schnee geschippt; zum zweiten Mal heute, und wenn es so weiterschneit, werde ich es heute noch mindestens ein drittes Mal tun.
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Erdachte Probleme, reale Probleme - der Welt, Europas, Deutschlands

Wenn man dem glaubt, was im Vordergrund der öffentlichken Diskussion steht, dann ist das Hauptproblem dieser Welt, daß es in ihr zu warm wird. Dann ist es das Hauptproblem Europas, daß einige seiner Staaten sehr verschuldet sind; und dann besteht das Hauptproblem Deutsch­lands darin, daß auch hier Rechtsextremisten ihr Unwesen treiben.

Das sind ja alles Themen, die unsere Aufmerksamkeit verdienen. Aber was sind sie gegen die realen Probleme der nächsten Jahrzehnte?
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Stratfors Analysen: "Israels Überleben steht auf dem Spiel". Reva Bhalla über die neue strategische Lage im Nahen Osten (englisch mit deutscher Zusammenfassung)

Im Mittelpunkt dieser Analyse von Reva Bhalla stehen zwei Themen: Erstens ist die sicher­heits­poli­tische Lage Israels derart, daß es die Anforderungen, denen es sich gegenübersieht, nicht vollständig allein bewältigen kann. Es ist also auf Hilfe angewiesen; nach Lage der Dinge von den USA. Zweitens hat sich die Sicherheitslage Israels seit dem Beginn des "Arabischen Frühlings" erheblich verschlechtert.

Den zweiten Punkt untersucht die Autorin im einzelnen. In den vergangenen 33 Jahren (also seit dem Friedensvertrag mit Ägypten) konnte Israel hoffen, weniger bedroht und deshalb weniger auf Hilfe angewiesen zu sein als zuvor. Jetzt aber hat sich die Lage an allen drei Fronten verschlechtert und ist in Gefahr, sich weiter zu verschlechtern:
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11.12.12

In Ägypten machen die Salafisten mobil. Die Kaida versucht sich einzuschalten

Diese Karikatur habe ich der englischprachigen Internet­ausgabe Egypt Independent der ägyptischen Zeitung Al-masry Al-youm entnommen. Der Text lautet auf Deutsch:
"Ein Unterhaltungsspiel"
Eene, meene, mini, muh,
Du bist der Ungläubige, raus bist du!
Der das sagt und dabei blind tippt, ist ein Salafist, erkennbar an seinem Bart.

Die Karikatur illustriert trefflich das, was jetzt offenbar in Ägypten angelaufen ist: Parallel zu dem Bestreben der Moslembrüder, die ganze politische Macht zu erlangen, findet in der Gesellschaft der Versuch einer Kulturrevolution statt. "Ungläubige" werden an den Pranger gestellt; die Kultur soll islamisiert werden.
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Zitat des Tages: Katja Kipping erhebt "schwere Vorwürfe" gegen den DFB. Agitprop gegen den Westen

Nach dem Ausschluss des Fußball-Zweitligisten Dynamo Dresden aus dem DFB-Pokal für die kommende Saison hat die Linke schwere Vorwürfe gegen das Sportgericht erhoben. "Die Sportrichter müssen sich fragen lassen, ob sie ein vergleichbar hartes Urteil gegen einen westdeutschen Verein gefällt hätten", sagte Linke-Vorsitzende Katja Kipping.
Aus einer Meldung von dapd, die man seit einer Stunde beispielsweise bei "Welt-Online" lesen kann.

Kommentar: Warum Dynamo Dresden bestraft wurde, das war gestern ausführlich zu erfahren, beispielsweise im "Tagesspiegel":
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10.12.12

Friedensnobelpreis für die EU - eine Verleihung mit Gschmäckle


Wo mag dieses niedliche Bild zu finden sein, mit dem Friedenstäubchen, im Schnäbelchen ein Schnürlein, daran Sternchen? Und noch ein Wölkchen und Noten, die gewiß ein fröhlich Liedlein symbolisieren sollen?

Sie werden es wahrscheinlich nicht glauben:
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Peer Steinbrück - der deutsche Mitt Romney

Die Parallele liegt auf der Hand, aber sie scheint noch kaum jemandem aufgefallen zu sein: Peer Steinbrück ist der deutsche Mitt Romney.

Er ist ein Mann der Mitte, der aber Kandidat einer Partei wurde - und ja werden wollte -, die überhaupt nicht ihren Schwerpunkt in der Mitte hat. Wie der liberale Konservative Mitt Romney, der Kandidat einer nach rechts gerückten Republikanischen Partei wurde, ist Peer Steinbrück nun ein liberaler Sozialdemokrat, der Kandidat einer nach links gerückten SPD ist.
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9.12.12

Zu Steinbrücks "Gerechtigkeits"-Wahlkampf eine Gegenthese: In dieser Gesellschaft nivellieren sich immer mehr die sozialen Unterschiede

Vor ein paar Jahren war ich zu einer Familienfeier eingeladen. Die Gastgeber hatten uns zum Übernachten ein Zimmer bei privaten Vermietern besorgt. Ich vermeide sonst solche "Pensionen", aber nun waren wir eben dort einquartiert worden.

Die Inhaberin gehörte zu denen, die davon überzeugt sind, daß es ihren Gästen angenehm ist, wenn sie sich zum Frühstück zu ihnen gesellen und eine Schwatzerei anfangen. So erfuhren wir also die Biografie der Dame; und daß sie leidenschaftlich gern reise - Karibik, Malediven, das ganze Programm.
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Morsi und das Militär

Wenn Sie Ihre Informationen über die Vorgänge in Ägypten aus dem Fernsehen und der Qualitätspresse beziehen, dann haben Sie wahrscheinlich in den letzten Wochen den Eindruck gehabt, daß es in Ägypten nur zwei Machtfaktoren gibt: Morsi mit seinen Moslembrüdern und die "Opposition". Die eigentliche Macht im Land, das Militär, fand und findet kaum Berücksichtigung.

Gestern beispielsweise überschrieb "Spiegel-Online" einen Artikel: "Verfassungskrise in Ägypten - Mursi schmiedet Pakt mit Militär"; und im Vorspann hieß es, Morsi wolle "offenbar das Militär autorisieren, härter durchzugreifen".

Solch ein Satz zeigt die völlige Verkennung der realen Machtverhältnisse.
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Konkurrenzlos: Das Kreuzworträtsel der "Zeit"

Jahrzehnte habe ich die "Zeit" gelesen, ohne mich um das Kreuzworträtsel zu kümmern; überhaupt um Rätsel. Das schien mir doch eher etwas für alte Damen im Seniorenstift zu sein, ihre Zeit mit dem Lösen von Rätseln zu verbringen. Allenfalls Tratschke interessierte mich; da konnte man ein wenig überprüfen, wie gut man sich in der Geschichte auskennt.

Dann kam jene schicksalhafte Bahnfahrt Ostern 1990.
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8.12.12

Peer Steinbrück und die Gerechtigkeit


Gerechtigkeit gehört zu den Begriffen, von denen jeder weiß, was sie bedeuten - außer den Philosophen, die darüber nachdenken. Wir haben ein Gefühl für Gerechtigkeit. Wir können meist spontan sagen, ob wir etwas als gerecht oder als ungerecht empfinden. Eine abstrakte Definition von Gerechtigkeit brauchen wir dazu nicht.

Vor allem wissen wir, was ungerecht ist.
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Kurioses, kurz kommentiert: "Demokratie kann auch Hegemonie der Mehrheit bedeuten". Ein deutscher Politologe macht sich Gedanken über Ägypten

Dass Demokratie eben auch die Hegemonie der Mehrheit bedeuten kann, erleben die säkularen Kräfte derzeit schmerzhaft.

Es war abzusehen und zeigt sich jetzt deutlich, dass Ägyptens neues politisches System zwar eine Demokratie mit freien Wahlen, Versammlungs- und Medienfreiheit werden kann, dass sie aber nicht lupenrein säkular werden würde. Um ehrlich zu sein: auch westliche Demokratien haben dafür Jahrhunderte gebraucht: die rechtliche Gleichstellung von Mann und Frau beispielsweise erfolgte erst mehr als hundert Jahre nach der amerikanischen Verfassungsgebung.
Der Erfurter Politologe Kai Hafez gestern in der "tageszeitung".

Kommentar: Und die Sklaverei wurde in den USA auch erst 1865 durch das Thirteenth Amendment abgeschafft, 76 Jahre nach dem Inkrafttreten der amerikanischen Verfassung.

Was also ist das für ein kurioses Argument, das Hafez da auftischt?
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7.12.12

Folterung von Gefangenen durch die ägyptische Polizei und Moslembrüder?

Aus zwei Gründen habe ich gezögert, diesen Artikel zu publizieren. Erstens erschien mir das, was heute im englischsprachigen Internetportal einer ägyptischen Zeitung zu lesen ist, zunächst unglaubhaft. Zweitens enthält der Artikel die Fotografie eines fürchterlich entstellten Folteropfers, die in keiner deutschen Zeitung veröffentlicht werden würde.

Ich habe mich dann aber davon überzeugt, daß die Zeitung Al-masry Al-youm seriös ist, in deren englischsprachigem Internetportal Egypt Independent der Artikel "Al-Masry Al-Youm goes inside the Brotherhood's torture chambers" erschienen ist; Al-Masry Al-Youm geht in die Folterkammern der Bruderschaft.
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Rüstungsexporte, Siedlungspolitik. Automatismen der Gedankenlosigkeit und die strategische Lage im Nahen Osten

Es gibt in der deutschen Außenpolitik Stichwörter, die unweigerlich eine bestimmte - und nur diese eine - Reaktion hervorrufen; so, wie aus dem Automaten die Colaflasche purzelt, wenn man das Geld eingeworfen hat. Solche Stichwörter sind "Israels Siedlungspolitik" und "Waffenlieferungen in Krisengebiete". Die zugehörigen Reaktionen sind: Waffenlieferungen - unmoralisch, also nicht erlaubt. Israelische Siedlungen - nicht erlaubt, also unmoralisch.

Wenn sich solche Automatismen des Denkens, oder vielmehr der Gedankenlostigkeit, erst einmal festgesetzt haben, dann ist es schwer, dagegen anzugehen.

Hinzuweisen ist auf zwei Artikel, die - beide gestern erschienen - das dennoch versuchen; verfaßt von zwei Autoren, die es sich leisten (und sich das leisten können), auch einmal gegen den Strom zu schwimmen, oder quer zu ihm.
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Popcorn aus der Kampa

Selbst nach Einschätzung seiner Parteifreunde und der ihm geneigten Medien war Steinbrücks Kanzlerkandidatur bisher ein Fehlstart. Die große Personalhoffnung der Sozialdemokraten kommt als kalt, großkotzig, raffgierig und genußsüchtig rüber. Ganz schlecht für eine Partei, die sich als Anwalt der "kleinen Leute" sieht. Und in seinem ganzen Wahlkampfteam ist keine einzige Frau - nicht zeitgemäß, kam nicht gut an bei den Medien.

Oder doch - eine Frau findet sich, die für Peer Steinbrück Wahlkampf macht. Nämlich seine Ehefrau.
Die nun in die Offensive geht und Journalisten einen tiefen Blick ins Steinbrück'sche Privatleben gönnt.
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Bald doch die Bezahlschranke für Zeitungen im Internet? Die NYT machte es vor. Jetzt zieht die Washington Post nach

Einen Artikel wie diesen werden Sie vielleicht in einem halben Jahr nicht mehr in ZR lesen können. Denn für ihn stütze ich mich auf einen Beitrag in der Washington Post (WP), den ich kostenlos im Netz lesen kann. Das wird ab Mitte 2013 wahrscheinlich nicht mehr gehen - wie ich just diesem Artikel entnehme.

In ihm wird angekündigt, daß die WP "wahrscheinlich" ab Mitte kommenden Jahres eine Bezahlschranke (paywall) einführen wird. Nach dem Vorbild ihrer Konkurrentin, der New York Times, die das seit März 2011 praktiziert. Nach dem Vorbild des Wall Street Journal und der Financial Times.
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6.12.12

Zitat des Tages: "Auf der Schule kommt es nicht in erster Linie auf Leistung an".

Aber auf der Schule kommt es nicht in erster Linie auf Leistung an, sondern darauf, dass das Kind gut durch die wichtigen Phasen des Lebens begleitet wird.

Eine Berliner Lehrerin, zitiert von Tilman Prüfer im aktuellen "Zeit-Magazin" (50/2012 vom 6. 12. 2012, S. 57); zu lesen auch bei "Zeit-Online".

Kommentar: Tilman Prüfer schildert in dem Artikel seine Erfahrungen als ein Vater, der eine Schule für seine Tochter sucht. In Berlin. Im Berlin einer - so beschreibt er es - Schulreform, die einen "entschleunigten Unterricht" anstrebt:
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Aufruhr in Arabien (37): Chemiewaffen, Patriot-Raketen, das Schicksal des Assad-Clans. Hintergründe der aktuellen Entwicklung in Syrien

Das Interesse der Medien ist, was den Aufruhr in Arabien angeht, im Augenblick auf Ägypten gerichtet. Aber es spricht Vieles dafür, daß der Fokus demnächst wieder nach Syrien schwenken wird. Denn dort könnte sich der Endkampf anbahnen.

Die Rebellen rücken, so berichtete es gestern Stratfor, auf Damaskus vor. Das hat zu diplomatischen Aktivitäten geführt, die vor allem um zwei Fragen kreisen:
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Zettels Meckerecke: Was tun gegen die Jugendarbeitslosigkeit? Einfach jedem Jugendlichen Arbeit garantieren. Kein Witz. EU-Wahnwitz

László Andor wuchs im Sozialismus auf; in Ungarn. Er studierte sozialistische Ökonomie an der Karl-Marx-Universität in Budapest (heute Corvinus-Universität) und später auch wissenschaftliche Ökonomie in den USA. Seit fast zwanzig Jahren ist er Herausgeber der Zeitschrift Eszmélet, die - so die Wikipedia - eine "radikale und konsistente Kritik des Kapitalismus" vertritt.

Dieser László Andor ist seit 2009 außerdem EU-Kommissar für Beschäftigung, Soziales und Integration.

In dieser Eigenschaft hat er jetzt einen Vorschlag vorgelegt, der so klingt, als sei er verfaßt worden, als die Corvinus-Universität noch die Karl-Marx-Universität war.
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5.12.12

Merkel, Erhard ... und die FDP?

"Merkel, Erhard und die Wirtschaft" betitelt die Leitende Redakteurin im Ressort Wirtschaft der FAZ Heike Göbel heute ihren Kommentar zum Parteitag der CDU. Göbels Botschaft ist einfach und bündig: Die Union beschwöre zwar den Geist der Marktwirtschaft. Ihre real existierende Politik aber sehe anders aus. Es sei das "Handeln von Angela Merkels schwarz-gelber Koalition nicht vom Wettbewerbsgeist Ludwig Erhards durchzogen".

Ja, das ist nun freilich wahr. Heike Göbel hat es leicht, Beispiele Revue passieren zu lassen:
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Voyager 1 in der Heliopause. Jetzt geht es in die Weiten unserer Galaxie


Als Voyager 1 gestartet wurde, war Helmut Schmidt gerade drei Jahre Bundeskanzler. Philipp Rösler ging noch nicht zur Schule, und wenige Monate zuvor war der Apple II auf den Markt gekommen; mit einem Arbeitsspeicher von 4 Kilo(!)byte und zum Preis von ungefähr 3.500 D-Mark.

Das war am 5. September 1977. Seither fliegt und fliegt und fliegt Voyager 1; wie auch seine Schwestersonde Voyager 2. Genau 35 Jahre, 2 Monate und 30 Tage ist Voyager 1 heute unterwegs; so kann man es der Wikipedia entnehmen. Die Sonde hat sich auf dieser Reise rund 18 Milliarden Kilometer von der Erde entfernt. Das bedeutet, daß ein Funksignal von ihr ungefähr 18 Stunden unterwegs ist, bis es von einer irdischen Station aufgefangen werden kann.

Vorgestern hat sich in seinem Blog der Astronom und Schriftsteller Phil Plait mit Voyager befaßt; und zwar deshalb, weil dieser im Begriff ist, eine Schwelle zu überschreiten:
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