Wir, die Deutschen von heute, glauben, freier zu sein als alle Generationen vor uns, in gewisser Hinsicht stimmt das auch. Wir dürfen unsere Regierungen kritisieren, die meisten leiden nicht unter materieller Not, wir leben lang und haben einige Krankheiten besiegt. Wenn wir unsere Sexualität jenseits der heterosexuellen Monogamie entfalten möchten, dann geht das. Gleichzeitig aber stand noch nie eine Gesellschaft, die keine Diktatur ist, so sehr unter Kontrolle.Harald Martenstein in einem Artikel in der "Zeit" (24/2012 vom 6. 6. 2012), der jetzt auch bei "Zeit-Online" zu lesen ist. Titel: "Der Terror der Tugend".
Kommentar: Als Maximilien Robespierres, des Tugendfanatikers, Sieg sieht Harald Martenstein das an, was er in diesem Artikel an vielen Beispielen demonstriert; nicht nur aus Deutschland stammend, wenn auch überwiegend. Offenbar hat er sein Archiv von Themen und Meldungen geplündert, die er für seine
Kolumne im "Zeit-Magazin" hätte verwenden können, und daraus einen mehr analytischen, nicht glossenhaften Artikel gemacht.
Viele der Beispiele sind im Kern bekannt, aber Martenstein offeriert Details, die man nicht unbedingt kennt. Beispielsweise ging die Meldung durch die Presse, daß in New York die
großen Coca-Cola-Trinkbecher verboten werden sollen. Jetzt las ich bei Martenstein, daß ein deutscher Medizinprofessor das mit den Worten kommentiert hat: "Der Mensch brauche Leitlinien, auch der erwachsene Mensch". Martenstein meint dazu, auch Kim Il Sung habe das nicht besser sagen können.
Anderes war mir entgangen, zum Beispiel der "Hamburger Negerpuppen-Skandal", der Sarah Kuttner, einer Autorin, rund tausend Haßkommentare auf ihrer Facebook-Seite eingebracht hat.