31.3.12

Karl May hat das alles gar nicht erlebt? Aber ja! Über die Einheit von Person und Werk bei Karl May. Über die Gründe seines Erfolgs

Am gestrigen 100. Todestag von Karl May werden Sie, wenn Sie Zeitung gelesen, sich im Internet bewegt, Radio gehört oder ferngesehen haben, seinem Namen vermutlich nicht entgangen sein. Die mediale Aufmerksamkeit war bedeutend größer als vor einer Woche, als Martin Walser seinen 85. Geburtstag feierte.

Merkwürdig, nicht wahr? Der eine war ein drittklassiger Vielschreiber des 19. Jahrhunderts; der andere ist einer der bedeutendsten deutschen Autoren des 20. Jahrhunderts; vielleicht der wichtigste lebende Romancier (siehe Heute wird Martin Walser 85; ZR vom 24. 3. 2012).

Über das Geheimnis des ungeheuren, noch immer anhaltenden Erfolgs dieses seltsamen Autors Karl May, dieses "meistgelesenen deutschen Schriftstellers", ist viel nachgedacht und spekuliert worden. Ich möchte einige der möglichen Gründe diskutieren und dann auf einen Aspekt aufmerksam machen, der mir zentral zu sein scheint: Die Einheit von Person und Werk bei Karl May.
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30.3.12

Marginalie: Der Fall Schlecker und die Parteipolitik. Ein weiterer Erfolg für die FDP. Wie wird sich Lindner verhalten?

Derzeit läuft bei "Spiegel-Online" eine Abstimmung, bei der sich ein bemerkenswertes Ergebnis abzeichnet:
FDP blockiert Schlecker-Hilfen - richtig oder falsch?

Die FDP hat die Verhandlungen über Hilfen für die Schlecker-Mitarbeiter platzen lassen. Richtig so?
  • Die Liberalen haben richtig gehandelt, Steuergeld sollte nicht in Hilfspakete für Firmen fließen

  • Die FDP-Blockade war falsch, denn sie bestraft die Mitarbeiter, die unschuldig an der Firmenpleite sind
  • Bis zum Augenblick haben sich 11.793 Leser beteiligt. Die Stimmen zugunsten der FDP-Entscheidung überwiegen mit 54,0 Prozent zu 46,0 Prozent.
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    29.3.12

    Mal wieder ein kleines Quiz: Yin und Yang

    Hier sehen Sie eine der vielen Varianten, in denen das chinesische Prinzip von Yin und Yang interpretiert werden kann; in diesem Fall Himmel und Erde.

    Folgt man der Wikipedia, dann symbolisiert Yin das Langsame, Weiche, Nachgebende, Diffuse, Kalte, Nasse, Passive. Es steht für Wasser, Erde, den Mond, Weiblichkeit und Nacht.

    Yang symbolisiert dagegen das Schnelle, Harte, Feste, Konzentrierte, Heiße, Trockene, Aggressive. Es steht für Feuer, Himmel, die Sonne, Männlichkeit und Tag.

    Nun die Quizfrage:

    In der New York Times ist heute ein Artikel erschienen, in dem zwei Politiker als Yin und Yang bezeichnet werden. Wer sind sie?
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    Marginalie: Warum sind die Amerikaner mehrheitlich gegen Obamas Gesundheitsreform? Drei Gründe. Einer könnte der entscheidende werden

    Der Eindruck, den unsere Medien überwiegend von Präsident Obamas Gesundheitsreform (inzwischen meist Obamacare genannt) vermitteln, ist ungefähr dieser:

    Bisher sind Millionen von Amerikanern nicht krankenversichert gewesen; also der Gefahr hilflos ausgeliefert, auf ärztliche Hilfe angewiesen zu sein, die sie nicht bezahlen können oder für deren Bezahlung sie sich finanziell ruinieren müßten. Seit Jahrzehnten versuchen amerikanische Präsidenten, diesen Mißstand zu beenden. Präsident Obama ist derjenige, dem das jetzt endlich gelungen ist. Repräsentativ für diese Berichterstattung ist "Spiegel-Online":
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    28.3.12

    In eigener Sache: Widerrechtliche Übernahme eines Artikels aus ZR

    Ich bin soeben darauf aufmerksam gemacht worden, daß der Blog "Blaue Narzisse" meinen heutigen Artikel "Die Reisen des Mohammed Merah. Werdegang eines Terroristen. Es gibt inzwischen ein stimmiges Bild" übernommen hat.
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    Geistige Armut

    Wieder einmal ein interessantes Beispiel, wie deutscher "Qualitätsjournalismus" Propagandaschlagzeilen fabriziert.

    Da droht also angeblich Millionen von Frauen die Altersarmut. Und warum? Weil sie derzeit einen 400-Euro-Job ausüben. Und weil ein Mini-Job natürlich auch nur Mini-Rentenansprüche generiert. Was aber nun die Journaille entweder nicht versteht - oder nicht verstehen will, um mal wieder skandalisieren zu können.
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    Marginalie: Die Reisen des Mohammed Merah. Werdegang eines Terroristen. Es gibt inzwischen ein stimmiges Bild

    In der Zeit während der polizeilichen Belagerung Mohammed Merahs in seiner Wohnung und unmittelbar danach gab es immer wieder verstreute Informationen über seinen islamistischen Hintergrund. Sie stammten aus diversen, teils unzuverlässigen Quellen und ließen verschiedene Interpretationen zu - vom Kaida-Kämpfer bis zum "Einsamen Wolf", der sich in der Isolation seiner Gefängniszelle durch die Lektüre des Koran selbst radikalisiert hat.

    Das ist jetzt eine Woche her. Inzwischen zeichnet sich ein klareres Bild ab.
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    27.3.12

    Marginalie: Obama und Medwedew. Ein Video sagt mehr als tausend Worte. Warum sucht Putin die Raketenabwehr in Osteuropa zu verhindern?

    Neunzig Minuten hatten Obama und Medwedew in Seoul über die geplante Raketenabwehr in Europa verhandelt. Dann wähnte Obama die Mikrophone abgeschaltet, und es spielte sich das ab, was Sie zum Beispiel - mit Transkription - auf diesem Video (ab 0:55) sehen können:

    Obama und Medwedew sitzen einander an einem Tisch gegenüber. Beide beugen sich vor; so, wie man es tut, wenn man vertraulich reden will.

    Obama sagt "This is my last election". Medwedew: "Yes". Obama: "After my election I have more flexibility". ("Dies ist meine letzte Wahl" - "Ja". - "Nach meiner Wahl habe ich mehr Spielraum").

    Obama nickt, als wolle er seine Worte bestätigen. Dann geschieht etwas Auffälliges:
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    Marginalie: "Der Rat für Menschenrechte hat keine Beziehung zu den Menschenrechten". Warum Israel jetzt die Zusammenarbeit mit diesem Rat einstellt

    Bei "Zeit-Online" ist es derzeit der meistkommentierte Artikel: Ein kurzer, aus Agenturmaterial montierter Bericht mit der Überschrift "Israel will UN-Menschenrechtsrat boykottieren".

    Die Lektüre der zahlreichen Kommentare wird allerdings dadurch beeinträchtigt, daß viele von der Redaktion gelöscht wurden; darunter gleich die ersten drei. Warum, das ahnt man, wenn man liest, was stehenblieb; beispielsweise dies:
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    Marginalie: Laut Gallup sind die Amerikaner unverändert mehrheitlich für die Kernenergie. Aber es gibt eine "Kluft zwischen Männern und Frauen"

    Gestern hat Gallup die Ergebnisse einer seiner regelmäßigen Umfrage publiziert. Gefragt wird jeweils im März nach der Meinung zur friedlichen Nutzung der Kernenergie.

    Eine der Fragen lautet, ob man - alles in allem - die Kernkraft als eine der Methoden zur Stromerzeugung in den USA befürwortet oder ablehnt.
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    26.3.12

    Über Tätowierungen. Schmuck, sozialen Narzißmus und die "Generation Next"

    Bei einem flüchtigen Blick auf das nebenstehende Bild könnte man meinen, dieser Mann trage eine sehr eng anliegende, prächtig gewirkte Strumpfhose. Er ist aber tätowiert. Es handelt sich um eine traditionelle Tätowierung in Samoa.

    Dieses Bild illustriert eines der Motive für Tätowierungen bei Naturvölkern: Sie schmücken; so, wie es Kleidung, Haartracht und Gegenstände aller Art tun, die man an den Kleidern oder direkt am Körper anbringt - Broschen, Ringe, Ketten, Federn und dergleichen.

    Die Funktion ist dieselbe; nur sind beim Tätowieren die Mittel anders. Statt prächtig bemalte oder gewebte Stoffe und Accessoires zu tragen, versieht man die eigene Haut mit Bildern und Ornamenten. Das erfordert weniger Aufwand; es ist auch in warmen Gegenden, wo man wenig Bekleidung benötigt, bequemer.

    Tätowierungen und Körperschmuck sind dabei oft miteinander integriert. Sie sind einander ergänzende Mittel, um dasselbe Ziel zu erreichen: Möglichst attraktiv, möglichst prächtig auszusehen. Hier ist das Foto eines Maori aus dem Jahr 1913. Die Haartracht, die Federn, die Pfeife im Mund und das tätowierte Gesicht bilden ein Gesamtkunstwerk:
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    Der deutsche Nationalstaat und das Problem der Einwanderung. George Friedman über Nation und Staatsbürgerschaft


    Ist das Thema Nationalstaat überhaupt noch aktuell?

    Viele Deutsche würden das vermutlich verneinen, wenn man sie danach fragte: Der Nationalstaat, das ist doch, so sehen sie es, tiefstes neunzehntes Jahrhundert. Außerdem, gerade wir mit unserer Geschichte ...

    Und ist denn der Nationalstaat nicht auch durch die Globalisierung überholt?

    In einem kürzlich erneut publizierten Artikel vom Juli 2010 schreibt George Friedman:
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    25.3.12

    Marginalie: Im Westen nichts Neues. Zur Wahl an der Saar. Wann wird das Saarland endlich abgeschafft?

    Das Saarland ist ein historisches Zufallsprodukt. Seine Existenz verdankt es dem Umstand, daß sich Frankreich im Versailler Vertrag dieses damalige Kohlerevier als Kriegsbeute aneignen wollte. Das gelang nur halb. Dann ging es bekanntlich hin und her mit dem Saarland; seit dem 1. Januar 1957 ist es ein Land der Bundesrepublik Deutschland.

    Wozu brauchen wir es, dieses Bundesland?
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    Marginalie, zugleich eine Meckerecke: Datendiebstahl anno 2011. Warum sind besonders Restaurants betroffen?

    "Hacktivisten haben 2011 mehr Daten geklaut als Kriminelle" war am Freitag ein Artikel bei "Heise-Online" überschrieben.

    Daran hat mich gleich dreierlei geärgert.
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    Mal wieder ein kleines Quiz: Versuchen Sie zu erraten, was am Freitag im französischen Wahlkampf passierte

    Am Freitag machte Marine Le Pen, die Kandidatin des Front National für das Amt des französischen Staatspräsidenten, Wahlkampf in Meaux, nah bei Paris. Sie hielt sich ungefähr eine Stunde im Zentrum auf, verteilte Flugblätter und warb für ihre Kandidatin Marie-Christine Arnautu, die dort für die Wahl zur Nationalversammlung Mitte Juni antreten wird.

    Ihr Auftritt wurde von Linken - einem Grüppchen von vielleicht zwei Dutzend Menschen; vor allem Anhängern des Kandidaten der Kommunisten, Jean-Luc Mélenchon - gestört, die "Résistance! résistance!" riefen; "Widerstand! Widerstand!" Marine Le Pen beschwerte sich über diese "Schreihälse" (gueulards). Was geschah dann?
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    24.3.12

    Heute wird Martin Walser 85


    Dieses Foto (für eine vergrößerte Ansicht bitte auf das Bild klicken) hat Elke Wetzig vor zwei Jahren aufgenommen; am 12. März 2010 auf dem Kölner Literaturfestival "lit.Cologne".

    Es ist eine sehr gelungene Aufnahme: Walser, der Bonvivant mit dem Weinglas in der Hand. Walser, der Redner; ein Meister des gesprochenen ebenso wie des geschriebenen Worts. Die Geste der ausgebreiteten Hand - das ist aber nicht nur der Rhetor Walser, der etwas Gesagtes unterstreicht. Es ist auch die Geste des Erklärers, der dieser große Erzähler ja immer auch ist. Der Gesichtsausdruck zeigt Ernsthaftigkeit und Konzentration; aber auch einen Anflug von Ironie. Gleich wird Walser etwas Pointiertes sagen, einen Sachverhalt, eine Meinung auf den Begriff bringen.
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    Zitat des Tages: "Mit rechtsstaatlichen Prinzipien unvereinbare Totalüberwachung". Terrorismus und Kinderpornografie im Internet. Was will Sarkozy?

    Sarkozys Forderung nach einer Bestrafung von regelmäßigen Besuchern fundamentalistischer Websites würde voraussetzen, das Surfverhalten aller Franzosen kontinuierlich zu überwachen oder zumindest die Voraussetzungen für eine solche Überwachung zu schaffen. (...)

    Das Vorhaben würde auch die Erfassung und Prüfung aller von beliebigen IP-Adressen aus aufgerufenen Seiten erfordern - von einer schwarzen Liste mit Seiten mit verbotenen Inhalten einmal abgesehen. Frankreich müsste die digitale Analogie zu einer flächendeckenden Videoüberwachung nicht nur des öffentlichen, sondern auch aller privaten Räume installieren. (...)

    ... was da vorgeschlagen wird, entspricht in letzter Konsequenz einer digitalen Form dieser mit rechtsstaatlichen Prinzipien unvereinbaren Totalüberwachung.
    Stefan Simons und Christian Stöcker gestern in "Spiegel-Online" über die von Präsident Sarkozy als Reaktion auf die Morde von Toulouse und Montauban angekündigten gesetzlichen Maßnahmen.

    Kommentar: Man kann diese radikale Befürchtung hegen. Nur gelten exakt dieselben Argumente auch für die Strafbarkeit des Besuchs von Seiten mit Kinderpornografie. Dieser ist in Frankreich wie auch bekanntlich in Deutschland verboten.

    Simons und Stöcker schreiben zu diesem Einwand:
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    23.3.12

    Friedrich August von Hayek starb heute vor zwanzig Jahren

    Heute vor zwanzig Jahren starb Friedrich August von Hayek; einer der großen Denker des Liberalismus. Einen Zugang zu Informationen über ihn bietet die WebSite der Friedrich A. von Hayek Gesellschaft. Dort habe ich das folgende Zitat gefunden:

    "Wenn der Mensch in seinem Bestreben, die gesellschaftliche Ordnung besser zu gestalten, nicht mehr Schaden als Nutzen anrichten soll, wird er lernen müssen, daß er auf diesem, wie auf allen anderen Gebieten mit einer tief verflochtenen Organisationsstruktur, keine endgültigen Kenntnisse dessen erlangen kann, was ihm das Beherrschen der Vorgänge erst ermöglichen würde.
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    Marginalie: Gaucks Rede. Vergessen wir sie

    Immerhin: Das Bundespräsidialamt bietet Gaucks heutige Rede nach seiner Vereidigung im Bundestag bereits im Wortlaut an. Keine Selbstverständlichkeit in einem Land, in dem Texte wichtiger Reden oft schwer, mit Verzögerung oder manchmal auch gar nicht im Internet zu finden sind.

    Das ist aber auch schon nachgerade das Positivste, was ich zu dieser Rede sagen kann.
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    22.3.12

    Neues aus der Forschung (14): Verursachen Handy-Strahlen das "Zappelphilipp"-Syndrom ADHS? Ein kleines Lehrstück in wissenschaftlicher Methodik

    Aufmerksam geworden bin ich auf die Sache durch einen Artikel von Ulrich Bahnsen in der heutigen "Zeit". "Von Dr. Ulrich Bahnsen" hätte ich vielleicht schreiben sollen, denn der Redakteur Bahnsen gehört zur schrumpfenden Gilde der Wissen­schafts­journalisten, die etwas von Wissenschaft verstehen (für ein Gegenbeispiel siehe Welche Meinung haben die Amerikaner zur "globalen Erwärmung"? Vertrauen Sie nicht "Spiegel-Online". Sie werden desinformiert; ZR vom 11. 6. 2010).

    In diesem Fall geht es um eine vor einer Woche publizierte Untersuchung einer Forschergruppe um den Gynäkologen Hugh S. Taylor (Yale), die fand, daß Mäuse Auffälligkeiten in ihrem Verhalten zeigten, wenn die Muttertiere während der Trächtigkeit permanent der Strahlung eines eingeschalteten Handys ausgesetzt gewesen waren.
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    Marginalie: Merah sprang aus dem Fenster. Sarkozys Wahlkampf und die Chancen der Kandidaten (zweite aktualisierte Fassung)

    Warum griff die Polizei in Toulouse so lange nicht ein? Nach dem, was die französischen Medien berichten, dürfte es zwei Gründe für das Zögern geben.

    Erstens ist, anders als bei Geiselnahmen, keine Eile geboten. Ein Nicht-Eingreifen bringt niemanden in Gefahr. Die Zeit arbeitet für die Polizei, die weiter auf Zermürbung setzt (siehe "Frankreich in die Knie gezwungen". Aktuelle Informationen zu den Morden von Toulouse und Montauban; ZR vom 21. 3. 2012).

    Zweitens dürfte das Abwarten aber auch einen politischen Hintergrund gehabt haben.
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    21.3.12

    Marginalie: "Frankreich in die Knie gezwungen". Aktuelle Informationen zu den Morden von Toulouse und Montauban

    Den Nachmittag über habe ich die Berichterstattung des Nachrichtensenders France24 verfolgt. Die folgenden Informationen erscheinen mir interessant:
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    Marginalie: Mohammed Merah, der Massenmörder von Toulouse. Die geänderte Taktik der Kaida. Nebst einer Anmerkung zu polizeilichen Ermittlungen

    "Frankreich ermittelt im rechtsextremen Militärmilieu" lautete gestern um 17. 46 Uhr die Schlagzeile beim Nachrichtenportal "Der Westen". Wie fast überall wurde aus Agenturmeldungen zitiert, hier beispielsweise dapd:
    Ins Zentrum der Ermittlungen rückten am Dienstag drei Fallschirmjäger, die 2008 wegen Verdachts auf rechtsextreme Gesinnung aus ihrem Regiment in der Nähe von Toulouse entlassen wurden, wie aus Polizeikreisen verlautete. Der Täter war bei dem Angriff am Montag offenbar sehr erfahren mit den großkalibrigen Waffen umgegangen. Dies legte den Verdacht nahe, dass er militärisch ausgebildet wurde.
    Das war, wie wir inzwischen wissen, eine falsche Spur. Der Täter ist offenbar kein Rechtsextremer, sondern ein Franzose algerischer Herkunft, der sich selbst als Mitglied der Kaida bezeichnet.
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    20.3.12

    US-Präsidentschaftswahlen 2012 (24): Die Lage zur Halbzeit. Heute wählt Illinois. Santorum düpiert die Demoskopen. Mit einem Nachtrag zum Ergebnis

    Das Rennen um die Nominierung des republikanischen Kandidaten für die Präsidentschaft begann am 3. Januar in Iowa. Am 26. Juni findet die letzte Vorwahl statt, im Mormonenstaat Utah. Es ist jetzt also bald Halbzeit bei den Entscheidungen darüber, wer am 6. November gegen Barack Obama antreten wird.

    Auch von den Delegiertensitzen ist jetzt schon fast die Hälfte vergeben: Von den 2296, die sich am 27. August in Tampa, Florida, versammeln werden, sind derzeit 965 bestimmt. Davon entfallen 519 auf Mitt Romney, 239 auf Rick Santorum, 138 auf Newt Gingrich und 69 auf Ron Paul.

    Spannend war es besonders am Anfang, als entschieden wurde, wer ausscheidet und wer im Rennen bleibt. Spannend wird es wahrscheinlich noch einmal im Endspurt werden. Jetzt, in der Zeit dazwischen, geht es etwas beschaulicher zu.

    Vor allem seit letzter Woche; denn bei den Vorwahlen in Alamaba und Mississippi entschied sich, daß neben Romney, Santorum und Paul auch Newt Gingrich im Rennen bleiben wird - paradoxerweise gerade deshalb, weil sein Rivale um die Stimmen der Konservativen, Rick Santorum, glänzend abschnitt.
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    Zitat des Tages: "Der Solidarpakt Ost ist ein perverses System". Oberbürgermeister des Ruhrgebiets über ihre Finanzlage. Nebst einem Blick auf Altena

    Der Solidarpakt Ost ist ein perverses System, das keinerlei inhaltliche Rechtfertigung mehr hat. (...) Der Osten ist mittlerweile so gut aufgestellt, dass die dort doch gar nicht mehr wissen, wohin mit dem Geld. Und bei uns im Ruhrgebiet brennt der Baum.
    Der Dortmunder Oberbürgermeister Ullrich Sierau (SPD) gegenüber Bernd Dörries, dem Düsseldorfer Korrespondenten der "Süddeutschen Zeitung".

    Kommentar: Dörries hat sich bei den Oberbürgermeistern der großen Städte des Ruhrgebiets umgehört und ist überall auf dieselbe Haltung gestoßen:
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    19.3.12

    Zitat des Tages: "Wir wollen, daß sich die Welt abguckt, wie das geht". Deutsche Großkotzerei, Variante grün

    Wenn wir diese Energiewende nicht hinkriegen und der Welt nicht zeigen können, wie man Klimawandel gestaltet in der Energiewirtschaft, dann kann sich keiner was abgucken. Deutschland ist Vorreiter. Wir wollen, daß sich die Welt abguckt, wie das geht, das Klima zu schützen.
    Eveline Lemke (Bündnis 90/Die Grünen), Stellvertreterin des Ministerpräsidenten und Ministerin für Wirtschaft, Klimaschutz, Energie und Landesplanung des Landes Rheinland-Pfalz, am 14. 3. 2012 in der ZDF-Sendung "Drehscheibe".

    Kommentar: Die Sendung befaßte sich mit der Abholzung von Bäumen auf den Höhen des Soonwaldes im Hunsrück zwecks Baus von Windrädern. Dagegen wehren sich Naturschützer; und gegen diese wiederum wehrt sich die Ministerin.
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    Marginalie: Der Liberale Gauck, der Liberale Lindner. Wer sieht da alt aus?

    Im aktuellen gedruckten "Spiegel" (12/2012 vom 19. 3. 2012) gibt es eine Geschichte über Christian Lindner und eine über Joachim Gauck; basierend jeweils auf einem unmittelbar vorausgehenden Gespräch. Der Redakteur Ralf Neukirch hatte mit Lindner "in einem Café unweit des Reichstags" gefrühstückt. Das Gespräch mit Gauck führten der Chefredakteur Georg Mascolo und der Chef des Haupstadtbüros, Konstantin von Hammerstein, am vergangenen Donnerstag im Katholischen Zentrum in Berlin.

    Gauck wie auch Lindner sind Liberale. Der eine könnte der Großvater des anderen sein. Über den Jüngeren heißt es:
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    18.3.12

    Zitat des Tages: "Die alten Dämonen erheben wieder ihr Haupt". Zwei amerikanische Kommentatoren über Joachim Gauck und die deutsche Befindlichkeit

    Germans aren't used to being kicked in the shins by those who are also shaking the tin cup, and yet as their American allies could tell them, this is the price of leadership: it's damned if you do, damned if you don't. (...)

    ... with stressful times ahead, and the old cultural demons raising their heads, a strong voice of simple principle can be only to the good. Germans need frequent reassurance that they are O.K. The rest of the world likes frequent reassurance that the Germans are O.K. Mr. Gauck is in a position to give both.


    (Die Deutschen sind es nicht gewohnt, daß diejenigen ihnen vors Schienbein treten, die zugleich die Sammelbüchse schütteln. Aber wie ihre amerikanischen Alliierten ihnen erklären könnten, ist das der Preis der Führungsrolle: Wie man es macht, macht man es verkehrt. (...)

    ... es stehen schwierige Zeiten ins Haus; die alten kulturellen Dämonen erheben wieder ihr Haupt. Da kann eine starke Stimme für einfache Prinzipien nur recht sein. Die Deutschen brauchen immer wieder die Bestätigung, daß sie OK sind. Die übrige Welt schätzt immer wieder die Bestätigung, daß die Deutschen OK sind. Gauck ist in der Lage, beides zu liefern.)
    Die beiden Deutschland-Experten Jackson Janes und Peter Ross Range gestern in der New York Times. Überschrift ihres Meinungsbeitrags: "Can Joachim Gauck make Germany likable?" - "Kann Joachim Gauck Deutschland sympathisch machen?"

    Kommentar: Dieser Artikel weist auf einen Aspekt der Wahl Joachim Gaucks hin, der in Deutschland bisher vergleichsweise wenig beachtet wurde: Gauck ist das Gegenteil des häßlichen Deutschen.

    Man sieht ihn als einen Mann mit einem nachgerade angelsächsischen Verständnis von Freiheit und Demokratie; als jemanden, dem die Überheblichkeit fremd ist, die man im Ausland so wenig an den Deutschen mag.
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    17.3.12

    Kaiser Gauck. Der Vielgeliebte, Ungeliebte. Viele werden ihn nicht wählen. Nebst einer Erinnerung an Steffen Heitmann


    Die heutige Wahl Joachim Gaucks zum Bundespräsidenten ist in mancherlei Hinsicht etwas Besonderes, eine Premiere. Und auf ihre Weise verspricht sie durchaus spannend zu werden.
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    Zitat des Tages: Roman Herzog über Katholiken und Protestanten. Nebst Anmerkungen über Ökologismus, Guttenberg und Wulff

    Die Katholiken wollen immer recht haben, die Protestanten immer schuldig sein. Diese Sehnsucht nach Schuldigkeit ist für viele eine besondere Steigerung des Wohlbefindens.
    Roman Herzog in einem Interview mit Daniel Friedrich Sturm und Dagmar von Taube, zu lesen bei "Welt-Online".

    Kommentar: Herzog, als Protestant im katholischen Landshut aufgewachsen und einst Vorsitzender des Evangelischen Arbeitskreises der Union, sollte es wissen.

    Und er hat ja Recht:
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    "Muslimtaxi", nach Geschlechtern getrennt? Ja,warum denn nicht? Was das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) uns eingebrockt hat

    Manchmal erweist sich die Lektüre eines schlechten Artikels im Nachhinein als lohnend, weil er via Link zu einem guten Artikel führt.

    Der schlechte Artikel ist in diesem Fall einer in "Zeit-Online", der mir aufgefallen ist, weil er ungewöhnlich viele Kommentare ausgelöst hat; 468 sind es derzeit. Viele allerdings wurden gelöscht, mit einem der "Zeit-Online"-typischen Tadel wie: "Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Polemik. Nutzen Sie die Kommentar­bereiche bitte, um sachliche Argumente und Meinungen auszutauschen. Danke. Die Redaktion/au."

    Offenbar handelt es sich um ein Thema, das die Gemüter erregt. Als ich den Artikel - er heißt "Geschlechtertrennung im Muslimtaxi"; die Autorin ist Cigdem Akyol - gelesen hatte, erschien mir diese Aufgeregtheit verwunderlich.

    Worum handelt es sich?
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    16.3.12

    Zettels Meckerecke: Ausgerechnet Lindner! Realsatire in der NRW-FDP

    Eine Gruppe von Schiffbrüchigen sitzt auf einer Insel fest. Jetzt gilt es, das Überleben zu organisieren. Man muß einen Anführer wählen.

    Für wen entscheidet man sich? Für den alten Fahrensmann, der schon andere Katastrophen überstanden hat? Für den Schiffsingenieur, der das Technische des Überlebens managen könnte? Für den Ersten Offizier, der sich als Meister der Menschenführung bewährt hat? Für den Obermaat, einen unerschütterlichen Optimisten, der neuen Lebensmut in die Gruppe bringen könnte?

    Nein. Man entscheidet sich für einen Reiseschriftsteller, der auf dem Schiff mitgefahren war. Ein kluger Intellektueller, dessen Hauptkunst darin besteht, geschliffene Formulierungen zu Papier zu bringen. Ein konfliktscheuer, selbstbezogener, stets leicht depressiv wirkender Mann, der sich auf der Fahrt bereits beim ersten Sturm von Deck gemacht hatte.



    So hat sich jetzt die FDP in NRW verhalten. Ausgerechnet Christian Lindner hat sie zu ihrem Spitzenkandidaten gekürt.
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    15.3.12

    Stratfors Analysen: "Eine deutsch-russische Allianz könnte das geopolitische Gleichgewicht kippen lassen" (mit deutscher Zusammenfassung)

    Nach den USA und China ist Deutschland das dritte Land, mit dessen geostrategischer Situation sich George Friedman in seiner Serie "The state of the world" befaßt.

    Zusammenfassung: Die Vorstellung, daß Deutschland eine eigene nationale Strategie haben könnte, läuft dem zuwider, was Deutschland seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs sein will und wie es wahrgenommen wird. Dennoch besteht künftig diese Möglichkeit; sie ist die wichtigste Frage in Europa und möglicherweise die wichtigste der Welt.
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    Zitat des Tages: Norbert Röttgen ist nach allen Seiten offen. Ich korrigiere mich

    Selbstverständlich wird so koaliert, wie die Mehrheiten möglich sind.
    Norbert Röttgen heute im Radiosender WDR 2.

    Kommentar: Röttgen sagte laut dieser Meldung auch noch, "wenn die CDU erneut stärkste Partei würde, 'dann können wir mehrere Koalitionsoptionen haben'. Es seien auch andere Farben möglich". Andere nämlich - so ist das wohl zu verstehen - als schwarz und gelb.

    Daß es zu einer schwarzgelben Mehrheit reichen könnte, ist angesichts der Umfrageergebnisse - und des zwangsläufig kurzen Wahlkampfs, der die Stärkeverhältnisse nicht wird auf den Kopf stellen können - höchst unwahrscheinlich. Ebenso unwahrscheinlich ist es aber auch, daß die beiden weiblichen Dioskuren Hannelore Kraft und Sylvia Löhrmann nach diesen Wahlen ihr Bündnis beenden werden, wenn sie es denn fortsetzen können. Warum sollte Löhrmann zu Röttgen wechseln, wenn sie doch ihre Hannelore hat?

    Was also will Röttgen?
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    Neuwahlen in NRW: Die Lage der Parteien, die Chance der FDP

    Ob das Scheitern der Regierung Kraft nun gezielt betrieben worden war (und wenn ja: von wem?), oder ob man in die Situation hineinschlitterte, weil niemand die juristischen Folgen der Ablehnung eines Einzeletats in zweiter Lesung gekannt hatte, das sei dahin­gestellt.

    Es ist ja auch egal. Man kann ein Land wie NRW, das mehr Einwohner hat als Holland und fast doppelt so viele wie Schweden, nicht ohne eine parlamentarische Mehrheit regieren. Das hatte auch Hannelore Kraft gewußt; und sie hat es gegen ihre Überzeugung, auch gegen ihr Versprechen, dennoch versucht (siehe Hannelore Krafts Scheitern, Hannelore Krafts Erfolg. Versprochen, gebrochen, wahrscheinlich gewonnen; ZR vom 14. 3. 2012). Jetzt ist das eingetreten, was früher oder später eintreten mußte.

    Die Ausgangslage für die Neuwahlen wahrscheinlich am 6. oder am 13. Mai ist klar: Wenn es bis dahin nicht ein politisches Beben gibt, dann wird Rotgrün weiterregieren, jetzt aber mit einer eigenen Mehrheit im Düsseldorfer Landtag. Dennoch ist ein spannender Wahlkampf zu erwarten, mit einem Ergebnis, das politische Auswirkungen haben wird. Dies in allen Parteien, außer der roten und der grünen:
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    14.3.12

    Marginalie: Hannelore Krafts Scheitern, Hannelore Krafts Erfolg. Versprochen, gebrochen, wahrscheinlich gewonnen

    Es gibt ein Versprechen von Hannelore Kraft, das ich schon zweimal als Zitat des Tages verwendet habe. Es lautet:
    Ich schließe für NRW jegliche Tolerierung aus. Es ist einfach unrealistisch, ein 18-Millionen-Land in einer solchen Form zu regieren.
    Gesagt hat das Hannelore Kraft laut "Focus-Online" am 1. März 2010 nach einer Sitzung des SPD-Präsidiums in Berlin. Zitiert habe ich es, als sich abzeichnete, daß Kraft dieses Verprechen brechen würde (Das Versprechen der Hannelore Kraft; ZR vom 20. 6. 2010), und als sie es gebrochen hatte (Hannelore Ypsilanti? Über eine gebrochene Zusage und die Meute der Wachhunde; ZR vom 14. 7. 2010).

    Man muß Hannelore Kraft zugutehalten, daß sie damals lange gezögert hat, ihr Versprechen zu brechen; daß sie andere Möglichkeiten ausgelotet hat.
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    US-Präsidentschaftswahlen 2012 (23): Santorums Überraschungssieg. Romney bleibt Favorit. Warum Gingrich weitermacht. Der eigentliche Sieger ist Obama

    Es war die spannende Wahlnacht, die Sie erwarten konnten, wenn Sie meinen gestrigen Vorbericht gelesen haben. Auf den ersten Blick sieht das Ergebnis klar und einfach aus: Rick Santorum hat triumphiert. Newt Gingrich konnte nicht einmal - wie es ein CNN-Kommentator gestern sagte - in his own backyard gewinnen, in seinem eigenen Hinterhof. Mitt Romney hat über alle Erwartungen schlecht abgeschnitten.

    Zuerst rief CNN in der vergangenen Nacht in Alabama Rick Santorum als den Sieger aus. In Mississippi dauerte es länger, bis auch dort sein Sieg feststand. In beiden Staaten hat sich dann im Lauf der weiteren Auszählung sein Vorsprung noch vergrößert. Es sind jetzt jeweils 99 Prozent der Stimmbezirke ausgezählt. Das Ergebnis:
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    13.3.12

    Deutschland im Öko-Würgegriff (29): "Ökofimmel". Ökologismus-Kritik innerhalb des Ökologismus. Kontraproduktive Maßnahmen und ideologische Dominanz

    Wann hat eine Religion, wann hat eine Ideologie vollständig gesiegt? Wenn selbst Kritiker sich in ihrem Rahmen bewegen.

    So war es, als beispielsweise Oppositionsgruppen in sozialistischen Ländern deren Regierungen vorwarfen, sie hätten sich vom wahren, dem eigentlichen Marxismus entfernt. So ist es heute, wenn im Iran die Opposition nur noch aus Leuten besteht, die innerhalb der herrschenden Theokratie einen etwas anderen Kurs einschlagen wollen als der Ayatollah Chamenei.

    Es ist der Fall, wenn - um in einen anderen Bereich zu gehen - in der Kunst bestimmte Formen derart dominieren, daß nur noch kritisiert wird, daß jemand sie nicht gut beherrscht; nicht aber mehr thematisiert wird, ob es nicht auch andere Formen geben könnte und sollte. (Ein Beispiel ist das heutige Regietheater, ein anderes die Dominanz der Abstrakten Kunst Mitte des vorigen Jahrhunderts).

    So ist es jetzt, jedenfalls in Deutschland, mit dem Ökologismus.
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    US-Präsidentschaftswahlen 2012 (22): Heute wird in Alamaba und Mississippi gewählt. Warum es diesmal spannend ist. Die Parteien in den Südstaaten

    Damit eine Wahl spannend ist, müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein: Sie muß erstens hinsichtlich des Ausgangs offen sein, und zweitens wichtig. Das ist nicht anders als beim Fußball: Ein Freundschaftsspiel ist nicht so spannend wie ein Pokalspiel. Und wenn der Sieger so gut wie sicher ist, verlieren selbst die schönsten Spielzüge an Reiz. Erst wenn sowohl das Ergebnis offen als auch der Ausgang wichtig ist, wird es wirklich interessant; bei Wahlen wie im Sport.

    Der sogenannte Super Tuesday vor einer Woche war deshalb dies eben nicht - "super"; was man schon zuvor hatte wissen können (siehe "Das Rennen läuft und läuft". Kein Tag der Entscheidung; ZR vom 7. 3. 2012). Zwar ging in einem Staat - Ohio - das Rennen denkbar knapp aus. Aber für die Zahl der Delegierten spielte der Sieg Romneys über Santorum nur eine geringe Rolle; denn diese werden in Ohio proportional verteilt.

    Es war auch schon vor den Wahlen wahrscheinlich gewesen, daß sowohl Romney als auch Santorum wichtige Staaten gewinnen und sich folglich beide als der Sieger sehen würden; daß Newt Gingrich seinen Heimatstaat Georgia gewinnen und damit im Rennen bleiben würde; daß der unermüdliche Ron Paul weitermachen würde, komme, was da wolle. Nach den Wahlen war die Situation nicht wesentlich anders als zuvor.

    Heute ist das nicht so. Zwar finden Vorwahlen nur in zwei Staaten statt - in Alabama und dem benachbarten Mississippi -, aber diese versprechen Hochspannung. Morgen könnte sich die Struktur dieses Vorwahlkampfs geändert haben.
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    12.3.12

    Zitat des Tages: "Es sind immer die hehrsten Ziele, mit denen uns unsere Freiheit genommen wird"

    Es ist eigentlich immer dasselbe, wenn staatliche Eingriffe durchgesetzt werden. Wir treffen dann auf alle uns bekannten Phänomene: Anmaßung von Wissen, Ausschaltung von Innovation, Einschränkung an Möglichkeiten, Uniformierung. Kurz: weniger Freiheit. Man sollte sensibel bleiben. Es sind immer die hehrsten Ziele, mit denen uns unsere Freiheit genommen wird.
    Rayson heute in B.L.O.G. über staatliche Maßnahmen gegen Diskriminierung.

    Kommentar: Raysons Artikel mit dem Titel "Diskriminierung oder Kristall" befaßt sich mit aktuellen Streitfällen, in denen es um Diskriminierung geht - Homosexuellenpaare als Königspaare im Schützenverein; der geplatzte Hotel­aufenthalt des damaligen NPD-Chefs Udo Voigt; eine Frauenquote in Aufsichtsräten.

    Rayson arbeitet sehr prägnant heraus, worum es sich im Kern stets handelt - staatliche Regelungen verhindern die Selbstregulierung und führen damit zu schlechten Ergebnissen:
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    Mal wieder ein kleines Quiz: Welche Partei ist das?

    Die folgende Passage ist einem Wahlprogramm zur bevorstehenden Landtagswahl in Schleswig-Holstein entnommen:
    Die [X-Partei] erachtet die Absicherung der Bürger gegen Lebensrisiken wie Krankheit, Alter, Unfall, Arbeitslosigkeit und Pflegebedürftigkeit als eine der Kernaufgaben des Staates.
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    11.3.12

    Zitate von gestern: "Wir kaufen griechische Staatsanleihen!"

    Ich kaufe zum ersten Mal in meinem Leben Staatsanleihen - und zwar griechische. Denn die Eurozone muss zusammengehalten werden. Die griechische Bevölkerung muss schwere Opfer bringen, daran führt kein Weg vorbei. Wir sollten uns solidarisch zeigen.
    Hans Eichel im Handelsblatt, 3. Mai 2010

    Als der ehemalige Bundesfinanzminister Hans Eichel im Oktober 2008, also auf dem Höhepunkt der Finanzkrise, in der Sendung "Hart aber fair" zu Gast war, antwortete er auf die Frage, wie er denn sein Vermögen anlege, daß er es einfach "seiner Sparkasse" anvertraue. Bei einem einstigen Gymnasiallehrer für Fächer wie Deutsch und Geschichte ist zu befürchten, daß er sich mit dieser Auskunft nicht dem Publikum anbiedern wollte, sondern daß ihm tatsächlich nichts besseres eingefallen ist, als blind "seiner Sparkasse" zu vertrauen – ein Vertrauen übrigens, das etliche Anleger mit herben Verlusten bezahlt haben.
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    Zettels Meckerecke: Ist Dummheit in Bezug auf die Intelligenz verfassungswidrig? Ein Nachklapp zum Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz

    "Doof bleibt doof, da helfen keine Pillen und keine kalten Umschläge, selbst Rizinusöl versagt", ulkten wir als Kinder; und wer schlau sein wollte, mußte das abgekürzt ganz schnell sprechen können: DBDDHKPUKKUSRV.

    Doof bleibt doof, da helfen keine Pillen, und da hilft auch nicht das Grundgesetz. Jedenfalls sollte man es gegen Doofheit nicht gleich in Anschlag bringen, das Grundgesetz. Sonst sieht man selbst ziemlich doof aus.

    Worum geht es?
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    Die Katastrophe des 11. März 2011 in Japan. Eine vorläufige Bilanz. Irrationale Ängste und der Mythos von Fukushima

    Apokalyptische Ängste gehören zum kollektiven Gedächtnis der Menschheit. Menschen sind immer wieder von ihnen unvorstellbaren Katastrophen heimgesucht worden - Einschlägen von Kometen und Meteoriten, Erdbeben, Vulkanaus­brüchen, Sintfluten und Tsunamis, verheerenden Kriegen. Die Furcht vor der Katastrophe steckt in uns; so, wie die Angst vor dem eigenen Tod.

    Als heute vor einem Jahr Japan von einem Erdbeben der Stärke neun und zugleich einem Tsunami mit bis zu 40 Meter hohen Wellen heimgesucht wurde, war das eine solche Katastrophe apokalyptischen Ausmaßes.

    Wer die damaligen Bilder gesehen hat, der wird sie nicht wieder vergessen können - ganze Dörfer, die von Wasserfluten weggespült werden; eine Wasserwand, die sich über Felder und Straßen ergießt und alles mit sich reißt; Wohngebiete, dem Erdboden gleichgemacht (siehe die obige Titelvignette, die eine Luftaufnahme der zerstörten japanischen Stadt Sukuiso zeigt; für eine vergrößerte Ansicht bitte auf das Bild klicken).
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    10.3.12

    Stratfors Analysen: "Chinas strategische Interessen sind gefährdet". Dritter Teil der Serie von George Friedman (mit deutscher Zusammenfassung)

    Nachdem sich George Friedman zunächst mit der allgemeinen geostrategischen Entwicklung der vergangenen beiden Jahrzehnte und dann mit der Strategie der USA befaßt hatte, wendet er sich jetzt China zu.

    Zusammenfassung: Kurz gesagt, hat China drei strategische Interessen:

    Erstens die Bewahrung der Ruhe im Inneren. Wie schon das vorkommunistische China ist auch das heutige China geteilt in eine reiche Küstenregion und ein armes Landesinneres; ein Gefälle, das seinerzeit Mao bei seinem Langen Marsch ausgenutzt hat, indem er die armen Bauern im Inneren für sich gewann. Das heutige Regime sucht ihre Loyalität mit Hilfe einer Wirtschaftspolitik zu erhalten, die auf die Schaffung und Erhaltung von Arbeitsplätzen gerichtet ist, auch wenn sie unwirtschaftlich sind. Die reiche Küstenregion subventioniert des weiteren das arme Landesinnere. Die Binnenkaufkraft bleibt dabei niedrig in Relation zur Industrieproduktion, so daß das Land auf seinen Export angewiesen ist.

    Hieraus ergibt sich das zweite strategische Interesse Chinas: Die Nachfrage in seinen Exportländern zu fördern; zum Beispiel durch Investitionen in ihnen. Das dritte strategische Interesse ist die Aufrechterhaltung der chinesischen Kontrolle über die Pufferstaaten im Westen: Die Mandschurei, die Innere Mongolei, Sinkiang und Tibet.

    Alle drei Interessen sind gegenwärtig bedroht:
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    Zitat des Tages: "Bundesgerichtshof stärkt das Hausrecht von Hotelbetreibern". Der Fall Udo Voigt. Nebst einer Anmerkung über den Einlaß in Discos

    Der u.a. für das Grundstücksrecht zuständige V. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat entschieden, dass nicht nur Privatleute, sondern auch Unternehmen ihr Hausrecht grundsätzlich frei ausüben können und dass die Erteilung eines Hausverbots als Ausdruck der Privatautonomie in der Regel auch nicht gerechtfertigt werden muss. (...)

    Das Hausrecht beruht auf dem Grundeigentum oder –besitz und ist zugleich Ausdruck der durch Art. 2 Abs. 1 GG gewährleisteten Privatautonomie. Folge dessen ist, dass der Hausrechtsinhaber, hier die Beklagte, in der Regel frei darüber entscheiden kann, wem er den Zutritt gestattet und wem er ihn verwehrt. Der Umstand, dass die Beklagte das Hausverbot auf die politische Überzeugung des Klägers gestützt hat, führt im konkreten Fall nicht zu einer für die Entscheidung wesentlichen Einschränkung.
    Aus der Pressemitteilung 32/12 des Bundes­gerichtshofs (BGH) vom 9. 3. 2012 (AZ V ZR 115/11) mit der Überschrift "Bundesgerichtshof stärkt das Hausrecht von Hotelbetreibern".

    Kommentar: Das Urteil ging gestern durch die Medien; den Sachverhalt können Sie zum Beispiel in FAZ.NET nachlesen: Es ging um eine Klage des Ex-NPD-Vorsitzenden Udo Voigt, der Ende 2009 für sich und seine Frau einen Wellnessurlaub im Hotel "Esplanade" in Bad Saarow gebucht hatte.
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    9.3.12

    Marginalie: Selbstverständlich?

    Bei dieser Nachricht stellen sich eigentlich nur zwei Fragen:

    Wie kann es sein, daß so eine Regelung jetzt erst eingeführt wird?

    Und welches Weltbild haben Leute, die gegen eine solche Selbstverständlichkeit protestieren?
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    Marginalie: Unsere neue deutsche Volksgemeinschaft. Nebst einer Anmerkung zu Feminismus und Antifeminismus

    An der Oberfläche ist Deutschland ein Land, in dem ständig und intensiv politisch diskutiert wird.

    Kein Tag ohne politische Talkshow im Fernsehen. Die Presse hat zu einem erheblichen Teil den Charakter einer politischen Meinungspresse; politisch neutrale Magazine und Zeitungen, wie sie anderswo eine bedeutende Rolle spielen (in den USA zum Beispiel Time Magazine und die Washington Post), gibt es so gut wie nicht. Auch die elektronischen Medien bieten überwiegend Meinungsjournalismus.

    Aber das ist eben nur die Oberfläche. Sieht man genauer hin, dann findet man das Deutschland von heute charakterisiert durch einen Mangel an wirklichen politischen Debatten.
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    8.3.12

    Marginalie: Doch keine Niederlage Ahmadinedschads bei den Wahlen im Iran. Sieg der Unabhängigen

    Am Tag nach den Wahlen zum nationalen Parlament (Madschlis) im Iran schien alles klar zu sein: Ahmadinedschad hatte verloren; die klerikale Partei hatte einen deutlichen Sieg errungen.

    So wurde es allgemein gesehen; auch ich hatte aufgrund von Agenturmeldungen am vergangenen Samstag dieses Ergebnis berichtet (Im Iran haben offenbar die klerikalen Islamisten über Ahmadinedschads populistische Islamisten triumphiert; ZR vom 3. 3. 2012). Jetzt hat Stratfor seine Wahlanalyse veröffentlicht. Danach scheint es, daß die ersten Berichte, auf die sich die Agenturen und fast alle Medien stützten, das Ergebnis nicht korrekt wiedergaben.
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    Leistungserschleichung

    Die letzte Koalitionsrunde war bereits Thema in Zettels Raum, über die dort beschlossenen Inhalte haben wir aber noch nicht diskutiert. Obwohl ein sehr merkwürdiges und auch für dieses Blog relevantes Thema dabei war: Laut Koalition soll in Deutschland ein "Leistungsschutzgesetz" eingeführt werden. Noch sind die Details völlig offen, aber schon die Idee als solche erscheint mir ungewöhnlich abstrus. Es geht dabei darum, daß Verlage für die Referenzierung ihrer Internet-Angebote von Suchmaschinen und Newsaggregatoren Gebühren verlangen wollen.
    Wohlgemerkt: Diese Dienste veröffentlichen nicht die Texte selber - das wäre ein Verstoß gegen das Urheberrecht. Aber sie verlinken zu diesen Verlagsbeiträgen unter Angabe von Stichworten oder kurzen Zitaten aus den Beiträgen.

    Ich habe selten eine so abstruse Gesetzgebungsidee gesehen.
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    Kleines Klima-Kaleidoskop (27): Sonne und CO2, Ressourcen und Klima. Über einfache Einsichten, am Beispiel der Autoren Laughlin und Vahrenholt

    Manchmal ist eine Einsicht so einfach, ja so trivial, daß kaum jemand sie sich klarmacht. Sie liegt auf der Hand. Jeder könnte sie haben, diese Einsicht. Aber man kommt erst darauf, wenn ein Nobelpreisträger sie hat und darüber ein Buch schreibt. Oder wenn ein bekannter Umweltpolitiker sie hat und darüber ein Buch schreibt.

    Der Umweltpolitiker - er ist auch Chemiker und Manager in der Energieindustrie - ist in diesem Fall Fritz Vahrenholt. Der Nobelpreisträger ist Robert B. Laughlin. Er erhielt den Nobelpreis 1998 für Arbeiten zur Quantenphysik und ist auch als Wissenschaftstheoretiker hervorgetreten.
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    7.3.12

    Marginalie: Jeremy Hammond, als "Anonymous"-Hacker verhaftet. Porträt eines Polit-Kleinkriminellen

    Sie wollen anonym sein, um aus dieser Anonymität heraus in das einzudringen, was andere geheimhalten wollen; es sind also die klassischen Voyeure, die Peeping Toms, deren Lust es ist, sich selbst zu verbergen und andere bloßzustellen (siehe Die Leute von Anonymous - ein Fall nur für die Polizei? Oder auch für den Psychologen? Über Rumpelstilzchen und Peeping Toms; ZR vom 27. 12. 2011).

    Wenn so jemand der Polizei ins Netz geht, dann entsteht natürlich ein Interesse daran, wer das denn ist; was für Menschen sich hinter Masken verbergen, die beispielsweise so aussehen:
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    US-Präsidentschaftswahlen 2012 (21): "Das Rennen läuft und läuft". Kein Tag der Entscheidung. Glauben Sie Nate Silver und CNN, nicht "Spiegel-Online"

    "This race is going on and on" - "Dieses Rennen läuft und läuft und läuft". Das war so etwas wie das Leitmotiv der Moderation Wolf Blitzers bei CNN in dieser Wahlnacht. Denn auch nach dem Super Tuesday bleibt alles offen.

    Es ist so gekommen, wie Sie es wußten, wenn Sie gestern meinen Vorbericht gelesen haben (Dieser Super Tuesday wird vermutlich alles offenlassen; ZR vom 6. 3. 2012). Es hat nicht das gegeben, was "Spiegel-Online" gestern phantasierte: einen "Tag der Entscheidung".

    Wenn Sie diese Serie regelmäßig lesen, dann sind Sie über das, was im amerikanischen Vorwahlkampf vorgeht, gut informiert. Wenn Sie sich aus Quellen wie "Spiegel-Online" informieren, dann werden Sie sehr oft mit Behauptungen versorgt werden, die schon bald durch die Zahlen widerlegt sind.

    Wie kommt das? Es ist denkbar einfach:
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    6.3.12

    Zettels Meckerecke: Rösler und die Kanzlerin, Union und FDP. Die zwei Äffchen. Wie die Medien diese Regierung herunterzuschreiben versuchen

    Zum Zirkusimpresario kommt ein Artist und führt ihm seine Nummer vor: Er macht einen einarmigen Handstand. Mit der anderen Hand spielt er Mundharmonika, während er auf der Nase einen Schellenbaum balanciert. Auf seinem linken Fuß hockt ein dressiertes Äffchen und spielt auf einer kleinen Geige. Auf dem rechten Fuß des Artisten macht ein zweites Äffchen ebenfalls seinen Handstand; mit seinen Füßchen bedient es ein kleines Schlagzeug. Gespielt wird "When the saints go marchin' in".

    Der Impresario sieht sich das an und sagt: "Wenn die Äffchen jetzt noch den Text singen würden, könnte ich Sie vielleicht vermitteln. Aber bitte akzentfrei".

    An diesen alten Witz (so alt, daß der Impresario Impresario heißt und nicht Agent) mag man denken, wenn man sich die Berichterstattung über die Beschlüsse ansieht, die vorgestern von FDP und Union zur weiteren Regierungsarbeit gefaßt wurden.

    Nehmen wir "Zeit-Online".
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    Wer ist der Feind?

    Der NDR demonstriert in einem sehr interessanten Beitrag, wie er seine Rolle bei der Erziehung der Zuschauer sieht.

    "Was darf die Satire" heißt die klassische Frage. Und als Linke wie Tucholsky noch mit Satire gegen das Establishment antraten, lautete ihre Antwort: "Alles".

    Heute aber bilden die Linken das Establishment, stehen für das, wogegen ein Tucholsky wütend anrennen würde. Und deswegen darf Satire für sie plötzlich nicht mehr "Alles", nein, sie muß im Gegenteil sorgsam eingegrenzt werden, darf nur noch politisch korrekt die herrschende Meinung illustrieren.
    Und die Abgrenzungregeln (nicht nur) des NDR erläutert der Autor an Beispielen für gute und schlechte Satire.

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    US-Präsidentschaftswahlen 2012 (20): Dieser Super Tuesday wird vermutlich alles offenlassen. Über die komplizierte Arithmetik von Vorwahlen

    So super ist dieser Super Tuesday diesmal gar nicht. 2008 fanden an einem einzigen Dienstag (damals war es schon der 5. Februar) in gleich 24 Staaten der USA Vorwahlen und Caucuses statt; zu vergeben waren bei den Demokraten 52 Prozent und bei den Republikanern 41 Prozent der Delegierten­sitze. Diesmal geht es bei den Demokraten um gar nichts, da Obama ohnehin als Kandidat feststeht. Und bei den Republikanern (der GOP) werden in zehn Staaten nur 416 Delegierte bestimmt; das sind nicht mehr als 18,1 Prozent derer, die im August in Tampa, Florida, über den Kandidaten für die Präsidentschaft entscheiden werden.

    Anders als vor vier Jahren wird deshalb auch nach dem heutigen Super Tuesday vermutlich alles noch offenbleiben.
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    Zitat des Tages: "Ich war von der DDR ausgezeichnet worden". Beate Klarsfeld spricht vor einem Parteitag der Partei "Die Linke"

    Ich möchte noch hinzufügen vielleicht, - Sie haben nun schon genug von mir gehört -, aber ich möchte noch mich, weil ich ja auch auf die Fragen ... gestellt wurden: Wie sehen Sie sich ihre Arbeit als Bundespräsidentin vor, ich meine aber - die Frage ist gestellt, ich werde es nicht werden (lacht), aber nun gut, aber dann möchte ich sagen: Ich bin sehr, ich habe von der DDR die Lambrakis-Medaille bekommen.

    Sie wissen ja, Lambrakis und
    (Name unverständlich) haben von der Akropolis die Hitlerfahne, die Hitlerfahne runtergerissen. Es waren mutige Männer, und ich war von der DDR für die Lambrakis-Medaille ausgezeichnet worden. Und deswegen ist es jetzt für mich sehr wichtig, daß wir es nicht zulassen als Europäer, daß das griechische Volk gedemütigt wird (lang anhaltender Beifall). Und ich wollte mich, ich sagte immer ich würde mich für ein moralisches, für ein moralisches Europa einsetzen.
    Die Kandidatin der Partei "Die Linke" für das Amt des Bundespräsidenten, Beate Klarasfeld, am vergangenen Samstag auf dem Landesparteitag Mecklenburg-Vorpommern dieser Partei.

    Kommentar: Ich habe diese Passage der Rede transkribiert (Sie finden die Stelle ab 16:00), weil sie ein Schlaglicht auf diese Kandidatur, auf diese Kandidatin wirft.

    Die Rede von knapp 23 Minuten bestand fast nur aus einer Aufzählung der Verdienste Beate Klarsfelds - ihrer Aktionen, vor allem auch der Auszeichnungen, die sie erhalten hat oder für die sie vorgeschlagen wurde. Der zitierte Abschnitt ist der einzige Teil der Rede, in dem nicht von Klarsfeld und ihrem Kampf gegen Nazis und Faschismus die Rede ist; sieht man von der anschließenden Passage zur NPD ab, die aber auch in diesen Kontext gehört.
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    5.3.12

    Marginalie: Merkels Pakt zur Unterstützung Sarkozys - schadet er dem künftigen Verhältnis zu Frankreich, wie man im Auswärtige Amt zu meinen scheint?

    Der "Spiegel" meldet es auf Seite 15 seiner heutigen Ausgabe (10/2012 vom 5. 3. 2012):
    Bundeskanzlerin Angela Merkel und wichtige EU-Partner haben vereinbart, den französischen Präsidentschafts­kandidaten François Hollande im Wahlkampf nicht zu empfangen. Der vertraulichen Absprache zwischen Merkel, dem italienischen Regierungschef Mario Monti und dem spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy schloss sich der britische Premier David Cameron an. (...) Merkel hatte vor einem Monat sogar tatkräftige Hilfe angekündigt: Sie werde Sarkozy im Wahlkampf unterstützen.
    Darüber nun zeigt sich, so kann man heute in "Süddeutsche.de" lesen, das "Umfeld von Guido Westerwelle" beunruhigt:
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    Zitat des Tages: "Ich kann dieses faschistische Regime nicht mehr ertragen". Putins Triumph, Putins Gegner. Erinnerung an den Arabischen Frühling

    Today nothing will be decided. (...) I have never participated in a protest, but tomorrow I will go out because I can no longer tolerate this fascist regime.

    (Heute wird noch nichts entschieden. (...) Ich habe nie an einem Protest teilgenommen, aber morgen gehe ich hin, denn ich kann dieses faschistische Regime nicht mehr ertragen.)
    Sergej N. Tanikow, Oberstleutnant im Ruhestand des KGB, am gestrigen Wahlsonntag vor einem Moskauer Wahllokal zu einem Reporter der New York Times (NYT).

    Kommentar: Ist diese Stimme repräsentativ für die Opposition, über deren heutige Demonstrationen unsere Medien berichten werden? Vermutlich nicht; aber es ist auch eine Stimme dieser Opposition. Tanikow sagte dem Reporter der NYT, daß er den kommunistischen Kandidaten Sjuganow wählen werde. Das ist nicht unbedingt die Opposition, wie wir sie uns im Westen vorstellen.

    Putin wird vermutlich zwischen 63 und 65 Prozent der Stimmen erreichen.
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    4.3.12

    Kurioses, kurz kommentiert: Kommunisten werfen dem Wahlsieger Putin Wahlbetrug vor. Kommunisten!

    Vor einer Stunde ist in der Washington Post eine Aktualisierung ihres Berichts über die Wahl des russischen Präsidenten erschienen.

    Danach haben unabhängige Beobachter "und auch die Kommunistische Partei landesweit zahlreiche Fälle von mehrfachem Wählen, Mißbrauch der Briefwahl und Behinderung von Wahlbeobachtern" gemeldet (meine Übersetzung). Kurios, finden Sie nicht?
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    Europas Krise (10): Die Vision der Vereinigten Staaten von Europa und die deutsche Identität. Ein Gastbeitrag von Juno


    In der politischen Elite Deutschlands gibt es heute ein parteiübergreifendes Bündnis für das Ziel der Vereinigten Staaten von Europa. Diese große Allianz reicht von Gerhard Schröder und Joschka Fischer bis zu Guido Westerwelle und zur CDU-Reservekanzlerin Ursula von der Leyen. Allenfalls die CSU trägt stets eine gewisse Skepsis zur Schau.

    Woher kommt diese außergewöhnlich breite Zustimmung zu einer Idee, die das deutsche Staatswesen letztlich grundlegend verändern – ja in gewissem Umfang wirklich "abschaffen" - würde? Und ist diese Vision überhaupt realistisch?

    Beginnen wir mit einer psychologischen Vermutung:
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    Marginalie: Wollte Beate Klarsfeld 1968 Geld vom SED-Regime? Mit einem aktuellen Nachtrag

    In FAZ.NET ist seit gestern dies zu lesen:
    Wie die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" (F.A.S.) berichtet, reiste die "Nazi-Jägerin" Beate Klarsfeld ... im April 1968 nach Ostberlin, um sich mit dem Nationalrat "über die Vorbereitung einiger Aktionen gegen Kiesinger zu beraten und entsprechende Unterstützung zu erhalten."

    SED-Chef Walter Ulbricht wies den DDR-Nationalrat bald darauf an, "Frau Klarsfeld jede sachdienliche Hilfe zu gewähren." Die Hilfe für Frau Klarsfeld bestand, anders als von ihr gewünscht, letztlich nicht in finanzieller Unterstützung, sie wurde jedoch mit Material für ihre Öffentlichkeitsarbeit versorgt.
    Beate Klarsfeld kandidiert für das Amt des Bundespräsidenten. Wenn diese Meldung zutrifft, dann ist sie für dieses Amt disqualifiziert. Sie sollte ihre Kandidatur so schnell wie möglich zurückziehen.

    Wenn zutrifft, daß Klarsfeld bereits damals mit den Kommunisten gemeinsame Sache gemacht hat, dann hat Richard Herzinger sich geirrt, als er über ihre Kandidatur schrieb:
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    Stratfors Analysen: "Obamas Strategie ist keine stabile Grundlage für eine langfristige Außenpolitik der USA" (mit deutscher Zusammenfassung)

    Im ersten Teil der Serie hat George Friedman die weltpolitische Entwicklung seit dem Ende der Sowjetunion nachgezeichnet. Im jetzigen zweiten Teil richtet er die Aufmerksamkeit auf die USA:

    Zusammenfassung: Die gesamte amerikanische Außenpolitik war bis zum Fall der UdSSR von der Ost-West-Konfrontation bestimmt gewesen. Als der weltpolitische Gegner 1992 verschwand, verlor diese Politik ihren Fixpunkt. In der anschließenden Entwicklung lassen sich drei Abschnitte unterscheiden.
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    3.3.12

    Marginalie: Im Iran haben offenbar die klerikalen Islamisten über Ahmadinedschads populistische Islamisten triumphiert

    Es ist jetzt fast 24 Stunden her, daß im Iran die Wahllokale schlossen. Und wie sind die Wahlen ausgegangen?

    Sucht man bei der staatlichen iranischen Nachrichtenagentur IRNA nach einer Antwort, dann findet man wenig - eine Liste mit Namen von Kandidaten aus vier Wahlkreisen (Teheran, Rey, Schemiranat and Eslamschahr) und der Zahl der Stimmen, die sie bisher erreicht haben. Da es keine Parteien gibt, kann der ausländische Leser dem nichts entnehmen; keiner der dort Aufgeführten ist außerhalb Persiens bekannt.

    Wenn man etwas mehr erfahren will, dann muß man in Medien außerhalb des Iran suchen; beispielsweise der Times of India, die vor gut einer Stunde einen relativ ausführlichen Bericht brachte.
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    Zitat des Tages: Putin, der ewige Präsident. Wie er wurde, was er ist

    Wladimir Putin "Wenn die Menschen es wollen, bleibe ich zwölf Jahre Präsident".
    Überschrift in der Online-Ausgabe des "Handesblatts" zu einem Artikel, der über ein Interview mit Wladimir Putin berichtet; der Text dieses Interviews erscheint am Montag im gedruckten "Handelsblatt".

    Kommentar: Wenn Sie schon seit längerem ZR lesen und ein gutes Gedächtnis haben, dann ist Ihnen vielleicht noch der Titel eines Artikels vom 18. November 2008 in Erinnerung: "Vierundzwanzig Jahre Macht für Wladimir Putin?". Dort steht das, was Putin jetzt angekündigt hat:
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    2.3.12

    Wahlen in Rußland, Frankreich, dem Iran: Welches ist die Ausgangslage? (Teil 2: Iran)

    Der Iran ist bekanntlich kein demokratischer Rechtsstaat, sondern eine klerikale Diktatur. Insofern kann dort nicht von Wahlen im selben Sinn die Rede sein, in dem in Deutschland, den USA oder Frankreich gewählt wird. (Der Fall Rußland ist schon uneindeutiger; siehe den ersten Teil dieses Artikels).

    Aber es findet heute unter dem Etikett "Wahlen" doch ein Ereignis statt, das eine nähere Betrachtung wert ist, ja das spannend werden könnte.
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    Zitat des Tages: "Man kann jedem nachweisen, er sei Nazisympathisant". Schon wieder Harald Martenstein!

    Ich biete an, für einen angemessenen Ehrensold jeder beliebigen Person rechtsradikale Tendenzen nachzuweisen, zum Beispiel einem Chef, den man hasst, oder einem Ex-Liebhaber. Ich nehme alle, auch Margot Käßmann, Jogi Löw oder Michel Friedman.
    Schlußpassage von Harald Martensteins aktueller Kolumne im "Zeit-Magazin" (10/1012 vom 1. 3. 2012) unter der Überschrift "Man kann jedem nachweisen, er sei Nazisympathisant".

    Kommentar: Nein, Sie müssen nicht befürchten, daß ab jetzt wöchentlich hier ein Zitat von Harald Martenstein zu finden sein wird. Aber daß ich seine Kolumne bereits vor einer Woche gewürdigt habe, schien mir kein ausreichender Grund zu sein, nicht gleich noch einmal mit einem Zitat auf ihn aufmerksam zu machen.

    Denn was er jetzt schreibt, ist beklemmend und makaber-erheiternd zugleich.
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    Wahlen in Rußland, Frankreich, dem Iran: Welches ist die Ausgangslage? (Teil 1: Frankreich und Rußland)

    In zwei Monaten wird in Frankreich der Präsident gewählt (erster Wahlgang am 22. April; zweiter am 6. Mai). Bereits übermorgen wählen die Russen einen neuen Präsidenten. Und schon heute finden Parlamentswahlen im Iran statt.

    So viel wie über die Wahl des amerikanischen Präsidenten, die doch erst am 6. November stattfindet, erfahren wir in unseren Medien über keine dieser drei bevorstehenden Wahlen. Gelegentlich etwas über die französische; selten etwas über die in Rußland. Über die heutigen Wahlen im Iran war bisher unseren Medien so gut wie nichts zu entnehmen; allenfalls wurden sie in Berichten über verstärkte Repression im Vorfeld dieser Wahlen erwähnt.

    Ganz unwichtig sind ja nun allerdings alle drei Länder nicht.
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    1.3.12

    Kurioses, kurz kommentiert: Freiheit, Demokratie und "Zeit-Online". Zur Studie über Muslims in Deutschland

    "Wer Freiheit und Demokratie bekämpft, wird hier keine Zukunft haben", hat der Innenminister Hans-Peter Friedrich gesagt.

    Eine Trivialität, sollte man meinen. Wie kann jemand in Deutschland eine Zukunft haben, wenn er Freiheit und Demokratie bekämpft? Es ist auch ein richtiger Schritt, wenn gerade der Innenminister eine solche Trivialität ausspricht; denn er ist schließlich der Hauptverantwortliche, wenn es darum geht, unser Gemeinwesen gegen diejenigen zu schüzten, die Freiheit und Demokratie bekämpfen - Linksextremisten, Rechtsextremisten, Islamisten.

    Nun habe ich das Zitat einem Artikel entnommen, der heute um 15.52 bei "Zeit-Online" erschienen ist.
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    Zitat des Tages: "Beate Klarsfeld in falscher Gesellschaft". Richard Herzinger über die Kandidatin der Partei "Die Linke"

    Ihre durchaus berechtigte Enttäuschung freilich, dass sie hierzulande nicht die gebührende offizielle Anerkennung für Ihre Verdienste erhalten hat, scheint sie jedoch blind gemacht zu haben für die falsche Gesellschaft, in die sie sich damit begibt.
    Richard Herzinger gestern in seinem Blog "Freie Welt" über die Kandidatin Beate Klarsfeld.

    Kommentar: Richard Herzingers Reaktion ist ähnlich wie die, welche Sie in diesem Blog lesen konnten, als Beate Klarsfelds mögliche Kandidatur bekannt geworden war (Beate Klarsfeld Kandidatin der Kommunisten? Das wäre für diese ein Coup. Warum aber sollte Beate Klarsfeld sich dafür hergeben?; ZR vom 22. 2. 2012).

    Herzinger beginnt seinen langen, aber in jeder Passage lesenswerten Artikel so:
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    Zettels Meckerecke: "Blitzumfrage: Gauck als Präsident". Für wie schwachsinnig die "Zeit" potentielle Leser hält

    Ich habe Post von der "Zeit" bekommen. Eine Email mit dem Betreff: "Blitzumfrage: Gauck als Präsident".

    Interessant, dachte ich - offenbar liest man auch bei der "Zeit" diesen Blog und interessiert sich für meine Meinung, wie vermutlich auch die anderer Blogger.

    Oder - ging es mir dann durch den Kopf - handelt es sich um eine allgemeine Umfrage? Ist die "Zeit" jetzt unter die Demoskopen gegangen?
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