29.2.12

Zitat des Tages: Schmutzige Phantasien in der Redaktion des NDR? Jedenfalls die Kollaboration mit einem windigen Unternehmen. Noch einmal Stratfor

Stratfor-Quellen wüssten unter Umständen "zu keinem Zeitpunkt, dass sie eine Quelle" waren. Friedman geht sogar noch weiter. In einer Nachricht bedrängt er eine Analystin, "finanzielle, sexuelle oder psychologische Kontrolle" über einen Informanten zu erlangen - "bis zu dem Punkt, an dem er seine Quellen preisgibt."
tagesschau.de in einem Artikel über die angeblichen Machenschaften des Informationsdienstes Stratfor.

Kommentar: Das klingt aufregend, nicht wahr? Richtig nach Spionage-Krimi. Wir sehen James Bond vor uns, wie er, den gerührten und nicht geschüttelten Martini in der Hand, "sexuelle Kontrolle" über eines der Bond-Girls zu gewinnen trachtet. In diesem Fall also ein weiblicher James Bond, Jane Bond sozusagen; mit vermutlich erotisch umgekehrter, gegen einen Mann gerichteten Zielsetzung.

Es handelt sich um Reva Bhalla.
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US-Präsidentschaftswahlen 2012 (19): "Als der Dampf sich nun erhob, sieht man Romney, der gottlob ...

... lebend auf dem Rücken liegt; doch er hat was abgekriegt". So könnte man in Anlehnung an Wilhelm Busch das Ergebnis der gestrigen Vorwahlen in Arizona und Michigan zusammenfassen.

Hätte Romney in seinem Heimatstaat Michigan verloren, in dem er 2008 souverän gesiegt hatte, dann wäre das Prädikat "lebend" in Frage zu stellen gewesen; dann wäre die Bahn frei gewesen für einen weiteren Aufstieg Rick Santorums (siehe Rick Santorum - der Anti-Obama, ein zweiter Obama? Die Lage vor den heutigen Vorwahlen in Michigan und Arizona; ZR vom 28. 2. 2012). Das ist nicht eingetreten. Aber als strahlender Sieger ist Romney trotzdem nicht aus diesen Vorwahlen hervorgegangen.
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Marginalie: Hat Angela Merkel am Montag die Kanzlermehrheit verfehlt? Keineswegs. Entsprechende Berichte sind schlicht falsch

Landauf, landab war es gestern zu lesen, beispielsweise in "Zeit-Online":
Angela Merkel hat ihre Kanzlermehrheit verloren. Insgesamt 17 Abgeordnete der schwarz-gelben Koalition stimmten gegen das zweite Rettungspaket für Griechenland. Drei weitere, die sich enthielten, verweigerten der Kanzlerin ebenfalls die Gefolgschaft, trotz eindringlicher Apelle in den Fraktionssitzungen und in persönlichen Ermahnungen.
Wer in Zettels kleinem Zimmer mitliest, der wußte es freilich seit gestern Vormittag besser. Präzise: Er konnte es seit gestern um 10.32 Uhr wissen, als Florian darauf aufmerksam machte.
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28.2.12

Der Angriff auf Stratfor: Einige Informationen, anhand derer Sie sich selbst ein Bild machen können - von Stratfor, von den Tätern und ihren Helfern

Der Informationsdienst Stratfor - den Lesern von ZR gut bekannt, weil ich ihn oft als Informationsquelle nutze - ist bekanntlich im Dezember vergangenen Jahres Opfer eines Datendiebstahls geworden. Erbeutet wurden Adressen­dateien (einschließlich der Nummern von Kreditkarten), Emails und andere Dokumente.

Offenbar um die erhoffte Publicity zu maximieren, haben die Diebe nicht das gesamte Material zugleich ins Netz gestellt, sondern erst die Adressendateien mit den Kreditkartendaten (die sie, wie erinnerlich auch zum Diebstahl von Geld von den betreffenden Konten nutzten); und dann erst jetzt über Wikileaks die erbeuteten Emails.

Seither wird wieder verstärkt über Stratfor berichtet, diskutiert und vor allem spekuliert; oft mit wenig Rücksicht auf die Tatsachen. Damit Sie sich selbst ein Bild machen können, möchte ich einige Fakten nennen und auf Informationsquellen aufmerksam machen.
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US-Präsidentschaftswahlen 2012 (18): Rick Santorum - der Anti-Obama, ein zweiter Obama? Die Lage vor den heutigen Vorwahlen in Michigan und Arizona

In den Tagen vor den heutigen Vorwahlen in Michigan und Arizona hat sich die Situation wieder einmal verändert; wie schon so oft in diesem Vorwahlkampf, in dem die einzige wirkliche Überraschung inzwischen darin bestünde, daß Überraschungen künftig ausbleiben.

Bisher allerdings war es das Auf und Ab der Wählergunst im Lager der Republikaner (GOP) gewesen, das für die Überraschungen gesorgt hatte. Mit Ausnahme des einstigen Lieblings der deutschen Medien Jon Huntsman erlebte bei der GOP jeder, der überhaupt seinen Hut in den Ring geworfen hatte, irgendwann einmal seinen surge, seinen Aufschwung - inzwischen schon wieder Vergessene wie Michele Bachmann, Herman Cain und Rick Perry; und auch jeder aus dem jetzt übriggebliebenen Kleeblatt Mitt Romney, Rick Santorum, Newt Gingrich und Ron Paul.

In den letzten Tagen aber gibt es eine Überraschung anderer Art: Es scheint, daß nun Barack Obama so etwas wie seinen eigenen surge erlebt.
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27.2.12

Zettels Meckerecke: Dummsprache, Sprache der Dreistigkeit

Zwei heutige Meldungen, die nichts miteinander zu tun haben, außer der Dummheit ihrer Terminologie; im einen Fall kommt noch Dreistigkeit hinzu:
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Marginalie: Rick Santorum steht demnächst unter dem Schutz des Secret Service

Wie CNN vor einer Stunde meldete, wird der republikanische Kandidat Rick Santorum im Lauf der Woche in den Schutz durch den Secret Service einbezogen werden. Unter diesem steht der Präsident und in der Zeit unmittelbar vor Wahlen üblicherweise sein Gegenkandidat von der anderen Partei, weil er der künftige Präsident sein kann.

Allerdings handhabt das der Dienst (er untersteht dem Department of Homeland Security, dem Ministerium für Innere Sicherheit) flexibel.
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Wir Achtundsechziger und unsere Babyboomer. Anmerkungen zu Frank Schirrmachers autoreferentiellem Klagelied

Frank Schirrmacher, der für das Feuilleton zuständige Herausgeber der FAZ, hat die Fähigkeit - man kann auch sagen: die Spezialbegabung -, aus einer Nabelschau einen Blick auf die Welt zu machen. Seine Probleme mit einer von der technischen Welt überforderten Aufmerksamkeit, seine Schwierigkeiten im Umgang mit modernen Medien der Kommunikation hat er in dem Buch "Payback" zur Kulturkritik erhoben. Jetzt blickt er bekümmert auf seine Biographie als ein "Babyboomer" (Jahrgang 1959) zurück und konstatiert daraus das Scheitern dieser Generation.

Er kann das, er beherrscht es souverän, der Frank Schirrmacher - seinen eigenen Kummer zum Leiden der Welt zu erheben; seinen Weltschmerz zu objektiv Schmerzhaftem zu gestalten, das als solches der Realität anhaftet. Projektion nennt das die Psychoanalyse.
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26.2.12

Zitat des Tages: Die Kommunisten, die Grütze und der neue Bundespräsident. Klarsfeld oder nicht Klarsfeld? Das ist ihre Frage

Wir dürfen uns nicht noch weiter in die Grütze reiten.
Laut "Spiegel-Online" sagte das "ein Linker" über die Situation in Bezug auf die Findung eines Kandidaten der Kommunisten für die Gauck-Nachfolge.

Kommentar: Der "Spiegel-Online"-Artikel von Björn Hengst basiert offenkundig auf Insider-Informationen aus der Partei "Die Linke". Danach stellt sich deren Kandidatensuche gegenwärtig so dar:
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Mal wieder ein kleines Quiz: Wer ist da ausgebrannt und ohnmächtig?

Ausgebrannt, ohnmächtig, abgestumpft – fast ein Viertel aller *** ziehen diese Bilanz, wenn sie gefragt werden, welche Gefühle sie nach einer typischen Arbeitswoche haben. Weitere 15 Prozent antworten mit "geladen, angewidert, wütend" (...).

Um wen handelt sich in dieser aktuellen Meldung bei "***" ?
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"CIA glaubt nicht an Teherans Bombe" schreibt "Spiegel-Online". Der wahre Sachverhalt ist etwas anders. Anmerkungen zum politischen Hintergrund


"Iran-Atomprogramm - CIA glaubt nicht an Teherans Bombe" betitelt "Spiegel-Online" einen Artikel, der gestern gegen Mittag publiziert wurde.

Falls Sie das gelesen haben, mag Ihre Reaktion eine gewisse Verwunderung gewesen sein. Die Gefahr einer iranischen Atomrüstung ist ja ständig in den Medien. Gerade erst am Freitag ist ein besorgniserregender Bericht der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA) publiziert worden. Und da soll die CIA "nicht an Teherans Bombe glauben"?
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25.2.12

Zitat des Tages: "Erinnerung an die osteuropäische Geschichte". Anmerkung zu einer Formulierung von Joachim Gauck gestern in Fürth

"Ich kann nicht glauben, dass manche die Stasi nicht kennen." Die Veranstaltung in der ausverkauften Comödie war der erste öffentliche Auftritt Gaucks nach seiner Nominierung zum Kandidaten für das Amt des Staatsoberhauptes. Generell fehle es im heutigen Europa an einer Auseinandersetzung mit dem Osteuropa des Kalten Krieges. "In Europa wird gerade so getan, als ob es nur eine Erinnerung an eine westdeutsche Geschichte gibt, nicht aber auch eine osteuropäische."
Aus einem Artikel in der FAZ über die Lesung Joachim Gaucks am Freitag Abend in der Fürther "Comödie".

Kommentar: Ich zitiere das wegen einer Formulierung Gaucks: "Osteuropäische Geschichte". Nicht "DDR-Geschichte".

Joachim Gauck, der seinen Worte zu wählen weiß, macht damit auf etwas Wichtiges aufmerksam:
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Marginalie: Zu wieviel Prozent ist die globale Erwärmung menschengemacht? Fritz Vahrenholt und Mojib Latif geben fast dieselbe Antwort

Es hat bekanntlich eine globale Erwärmung gegeben. Sie fand in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts statt. Um die Jahrtausendwende hat sie aufgehört. Es ist seit 1997 nicht mehr wärmer geworden, aber auch nicht kälter. Das ist schlicht das Faktum; und wer es leugnet, der nimmt die Daten nicht zur Kenntnis (siehe Jetzt liegen auch die globalen Temperaturdaten des Jahres 2011 vor; ZR vom 30. 1. 2012).

Wissenschaftler unterscheiden aber strikt zwischen der Datenebene auf der einen Seite und auf der anderen Seite der Ebene der theoretischen Deutungen und der Modelle für diese Daten. Auch wenn die Daten als solche nicht strittig sind, gibt es in der Regel verschiedene Möglichkeiten, sie zu interpretieren.
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24.2.12

Zitat des Tages: "Schuld sind immer die anderen". Harald Martenstein über den Trend, keine Verantwortung mehr zu übernehmen

Jeder ist seines Glückes Schmied. So lautete eine, selbstverständlich ideologische und nicht ganz wahre, Kernidee des Kapitalismus. Das Individuum soll frei sein, es hat die Wahl, es kann scheitern oder gewinnen. Wir haben jetzt eine neue Ideologie: Schuld sind immer die anderen. Handlungen dürfen niemals Folgen haben. Deshalb glaube ich, dass wir in Wahrheit längst nicht mehr im Kapitalismus leben, sondern in etwas anderem, einem System, für das es noch keinen Namen gibt und dessen erster Systemkritiker ich gern wäre.

Ich lehne es, aus Gründen, die Sie jetzt sicher begreifen, ab, für meine Kolumnen irgendeine Verantwortung zu übernehmen. Ich bin für das, was ich schreibe, nicht zuständig.
Harald Martenstein in seiner aktuellen Kolumne im "Zeit-Magazin" (9/2012 vom 23. 2. 2012) unter der Überschrift "'Ich bin für das, was ich schreibe, nicht zuständig'".

Kommentar: Harald Martenstein hat in seinen Kolumnen im "Zeit-Magazin" einen sehr eigenen Stil entwickelt; eine Art Antipolemik. Er posaunt seine Meinung nicht heraus; er spitzt nicht zu und arbeitet nicht mit dem Stilmittel der Hyperbel, der Übertreibung. Ganz im Gegenteil:
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23.2.12

Marginalie: Eine würdige Gedenkfeier, eine gute Rede der Kanzlerin. Aber "Verzeihung" war das falsche Wort

"Es ist der Versuch einer Wiedergutmachung. Stellvertretend für das ganze Land bat die Bundeskanzlerin die Angehörigen der Neonazi-Opfer um Verzeihung und rief bei dem bewegenden Staatsakt zu mehr Wachsamkeit auf gegenüber Rechtsextremismus". So begann die Moderation der "heute"-Sendung des ZDF heute um 19 Uhr.

Auch in vielen Artikeln zu der Gedenkfeier wird "Verzeihung" in den Mittelpunkt gestellt. "Zeit-Online" beispielsweise titelt "Gedenkfeier in Berlin - Merkel bittet Angehörige um Verzeihung"; die "Financial Times Deutschland" überschreibt ihren Artikel mit "Merkel entschuldigt sich bei Neonazi-Opfern".



Diese Gedenkfeier war richtig, ja sie war notwendig; so, wie das seinerzeit die Gedenk- und Trauerfeiern für die Opfer der RAF gewesen waren, oder jüngst in Norwegen die Feiern für die Opfer des rechtsextremen Mörders Breivik.
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Zitat des Tages: "Ich antworte so, wie ich es will". John King, Mitt Romney und der Umgang amerikanischer Medien mit Politikern

You get to ask the questions you want. I give the answers I want.

(Sie können hier das fragen, was Sie fragen wollen. Ich antworte so, wie ich es will).
Der Kandidat für das Amt des US-Präsidenten Mitt Romney gestern Abend (vergangene Nacht MEZ) in einer Debatte der republikanischen Kandidaten bei CNN.

Kommentar: Zu dieser Bemerkung Romneys kam es folgendermaßen:

Für die Schlußrunde hatte der CNN-Redakteur John King, der die Debatte moderierte, die Frage gestellt "What's the biggest misconception the public has about you?"; also etwa: "Was ist der größte Irrtum über Sie in der Öffentlichkeit?" Diese Frage sollte das Thema für die Schlußrunde vorgeben; sie war auch die ganze Zeit am unteren Bildrand eingeblendet.

Gefragt wurden die vier Kandidaten, wie das bei solchen Debatten üblich ist, in der Reihenfolge ihres Rangs in den Umfragen - beginnend mit dem Schwächsten.

Das ist derzeit Ron Paul.
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22.2.12

Marginalie: Beate Klarsfeld Kandidatin der Kommunisten? Das wäre für diese ein Coup. Warum aber sollte Beate Klarsfeld sich dafür hergeben?

Es mehren sich die Berichte, daß die Partei "Die Linke" Beate Klarsfeld als ihre Kandidatin für die Nachfolge Christian Wulffs aufstellen will, und daß diese ihre Bereitschaft zu einer Kandidatur signalisiert hat. In dem Internet-Portal der WAZ-Mediengruppe "Der Westen" ist seit 19.28 Uhr zu lesen:
Die als "Nazi-Jägerin" ­bekannt gewordene Beate Klarsfeld ist bereit, für die Linkspartei als Gegenkan­didatin von Joachim Gauck bei der Bundes­präsidenten­wahl am 18. März anzutreten. "Es wäre eine Ehre für mich", sagte sie der WAZ. Sie bestätigte damit Kontakte zur Linken. Die Linkspartei will heute entscheiden, ob sie einen eigenen Kandidaten ins Rennen schickt.
Eine Nominierung von Beate Klarsfeld entspräche der Strategie der Kommunisten, über die ich am Sonntag Abend geschrieben habe:
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Marginalie: Huber und Gauck, Käßmann und Göring-Eckardt als Kandidaten für die Nachfolge Wulffs - eine Renaissance des deutschen Protestantismus?

Bemerkenswert ist das schon: Von dem guten halben Dutzend Namen von Kandidaten für die Nachfolge Wulffs, die in den letzten Tagen kursierten, bevor am Sonntag die überraschende Entscheidung für Gauck fiel, waren vier die Namen von evangelischen Theologen; von zwei ehemaligen Bischöfen (Huber und Käßmann), einem Pfarrer im Ruhestand (Gauck) und mit Katrin Göring-Eckardt der Name der Frau, die gegenwärtig das Amt des Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland innehat; auch sie hat Theologie studiert.

Zum Teil ist das sicherlich Zufall; Gaucks Popularität hat nichts damit zu tun, daß er in der DDR Pfarrer war, sondern basiert auf seiner Persönlichkeit, seinen Ansichten und seiner Bekanntheit aus der Zeit als Leiter der Stasi­unterlagen-Behörde. Aber auffällig ist diese Häufung doch. Was könnten die Ursachen sein?
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Stratfors Analysen: "Eine zwanzigjährige Epoche geht zu Ende". George Friedman über die weltpolitische Situation (mit deutscher Zusammenfassung)

Mit diesem Artikel beginnt George Friedman eine neue Stratfor-Serie über die aktuelle Weltlage. Im jetzigen ersten Teil beschreibt er die Entwicklung seit dem Ende der Sowjetunion:

Zusammenfassung: In den Jahren zwischen 1989 und 1991 gingen zugleich zwei geschichtliche Perioden zu Ende; eine lange und eine kürzere: Erstens diejenige der Vorherrschaft Europas, deren Anfang man mit der Entdeckung Amerikas 1492 datieren kann und während derer eine europäische Nation nach der anderen Weltmacht gewesen war - Portugal, Spanien, Frankreich, England, die Sowjetunion. Zweitens endete mit dem Untergang der UdSSR am 25. Dezember 1991 die Zeit der bipolaren Weltordnung der Nachkriegsjahrzehnte.

Es brach eine zwanzigjährige Periode der unangefochtenen amerikanischen Vorherrschaft an.
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21.2.12

Zitat des Tages: "Allmächt". Daniela Schadt, unsere künftige First Lady. Grüne Soße und Äppelwoi

"Allmächt" habe sie gedacht, als ihre Mutter sie übers Handy auf den neuesten Stand der Dinge bringt – darüber informiert, dass sie wahrscheinlich die nächste First Lady sein wird. An dem fränkischen Ausruf freilich erkennt man leicht die Sozialisation der gebürtigen Hessin: In Nürnberg und der NZ-Redaktion hat die 52-Jährige längst eine zweite Heimat gefunden – wenngleich sie die Vorzüge von grüner Soße und Äppelwoi immer wieder gerne hervorhebt.
Die "Nürnberger Zeitung" heute in ihrer Internet-Ausgabe über die künftige First Lady Daniela Schadt.

Kommentar: Das "Allmächt" kommt auch im Untertitel des Artikels vor; da hatte ich als Nichtfranke, dem dieser Ausruf bisher unbekannt gewesen war, erst "Allmacht" gelesen.

Nanu, überschätzt sie da nicht ein wenig die Machtfülle des Bundespräsidenten? ging es mir durch den Kopf.

Aber es war ja nur jener Ausruf höchsten Erstaunens, der in vielen Sprachen und Dialekten gern in der Anrufung des Göttlichen besteht - "Oh Gott", "Jesses", "Oh my God".
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Toben und schreien

Natürlich war die Situation im Kanzleramt angespannt, als am Sonntag über die Wulff-Nachfolge verhandelt wurde. Schließlich stand nicht nur eine Personalie auf dem Spiel, sondern der Bestand der Regierung selber.

Dennoch konnte man davon ausgehen, daß der Ton zwischen zwei so sachlichen, fast unterkühlten Politikern wie Merkel und Rösler im gepflegten Rahmen bleibt. Diverse Quellen berichten aber inzwischen, dem wäre überhaupt nicht so gewesen: Merkel hätte getobt, hätte Rösler angebrüllt und ihm gedroht, die FDP-Minister rauszuschmeißen. Eine ungewöhnliche Reaktion. Offenbar ist das System Merkel an seine Grenzen gestoßen.

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Friendship 7. Vor einem halben Jahrhundert begann die bemannte US-Raumfahrt


Gestern vor 50 Jahren umkreiste, nein, nicht der erste Mensch die Erde - nur der erste Amerikaner, John Glenn. Auf dem Foto sehen Sie ihn während des Flugs in seiner Kapsel, die er Friendship 7 getauft hatte; Freundschaft 7. Die technische Bezeichnung für den Flug war MA-6 (Mercury-Atlas 6; Atlas war die Rakete, Mercury der Name der Kapseln dieser Serie). Die Nummer 6 war die laufende Nummer des Starts in diesem Programm; die Zahl 7 hingegen stand für die sieben Astronauten, die damals das US-Astronautenkorps bildeten. Von ihnen leben noch zwei, außer Glenn der zweite US-Astronaut, der die Erde umkreiste, Scott Carpenter.
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20.2.12

Marginalie: Gauck und Merkel - ein Traumpaar? Präsident und Kanzler in der Geschichte der Bundesrepublik

Gauck habe, so kolportiert es "Spiegel-Online", vor Rührung geweint, als er gestern den Kabinettssaal betrat, wo die Parteiführer versammelt waren. Angela Merkel hätte in einer solchen Situation nicht geweint.

Ich erinnere mich an eine Szene im Jahr 2005, als sie nach dem knappen Ausgang der Wahl Kanzlerin geworden war. Auf einer Pressekonferenz kurz danach stellte eine ausländische Journalistin eine persönliche Frage: Was denn Frau Merkel jetzt empfinde? Diese antwortete sinngemäß, daß Deutschland in einer schwierigen Situation sei und daß jetzt viele Aufgaben vor ihr lägen. Die Journalistin hakte nach: Ja, aber ihr ganz persönliches Gefühl? Glück, Stolz? So ungefähr. Die Kanzlerin wiederholte, wie schwierig die Aufgaben seien und daß sie diese jetzt anpacken werde.

Da haben wir die beiden, die Rollenerwartungen für Männer und Frauen vertauschend:
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Zitat des Tages. Heute, wie anders, von Joachim Gauck

Ich habe vor anderthalb Jahren mein Erinnerungsbuch gemacht, das heißt "Winter im Sommer, Frühling im Herbst". Und da gibt es ein Schlußkapitel über die Freiheit. Und das fange ich so an:

Ich begegne einem Professor, eigentlich einem Alt-Achtundsechziger, aber sehr nett und sehr gebildet, also, und ...

(Lachen im Saal, Zuruf)

... ja, ja, ja. Schon, schon "aber". Ja, ja. Weil ... ts ts naja, das ist ein breites Thema.
Joachim Gauck am 23.03.2011 am Beginn eines Vortrags in der Friedrich-Ebert-Stiftung. Das Thema lautete: "Freiheit, Verantwortung, Gemeinsinn – Herausforderungen an Bürger, Staat und Politik". Die Aufzeichnung dieses in freier Rede gehaltenen Vortrags können Sie hier ansehen. Eine (leicht redigierte) schriftliche Fassung gibt es hier.

Kommentar: Ein hörenswerter Vortrag; wie das meiste von Joachim Gauck. Ein Lob unserer freiheitlichen Gesellschaft, eine Kritik ihrer Schwächen. Zum Beispiel mit diesen Sätzen über die breite Zustimmung, die seine Kandidatur 2010 in der Bevölkerung erfahren hat:
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19.2.12

Joachim Gaucks Nominierung: Sieg für die Freiheit, Erfolg der FDP. Eine List der Vernunft


Je mehr parteipolitisch taktiert wird, umso eifriger versichern die Beteiligten, daß sie keineswegs parteipolitisch taktieren.

Natürlich haben alle taktiert. Daß aus dieser Taktiererei am Ende ein für Deutschland optimales Ergebnis hervorgegangen ist - das mag man als ein Beispiel für das nehmen, was Hegel die "List der Vernunft" nannte. Auch wenn keiner dies als sein Hauptziel verfolgte - am Ende ist es so gekommen, wie es für das Land am besten ist.



Es gibt unter den Parteien einen Sieger, einen Verlierer und zwei, die eigentlich nicht zufrieden sein können, für die es aber schlimmer hätte kommen können:
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Huber oder Gauck als Kandidat der Koalition - das wäre eine Richtungsentscheidung. Die Wahl des Präsidenten und die Chance der FDP

Aus Schaden wird man klug. Horst Köhler war kein erfahrener Politiker gewesen, als er Präsident wurde; und er erwies sich mit seinem Rücktritt aus verletzter Ehre als jemand, der nicht abgebrüht genug war für den Berliner Politikbetrieb. Also wollte die Kanzlerin als seinen Nachfolger einen Mann haben, der das politische Geschäft von der Pike auf gelernt hat. Sie entschied sich für Christian Wulff; er hatte seine Karriere einst als Vorsitzender der Schülerunion des Landes Niedersachsen begonnen.

Politischer konnte man es nicht besetzen, das Amt des Bundespräsidenten. Nun war das wieder ein Flop.

Soll man jetzt schon wieder aus Schaden klug werden und das Pendel erneut kräftig in Bewegung setzen, nur jetzt retour?
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Aufruhr in Arabien (25): Die Lage in Syrien, das Ende des Arabischen Sozialismus und die Chancen der Kaida

Als roter Faden durchzieht diese Serie der Aspekt, daß es keine einheitliche "Arabische Revolution" gibt; keine vom "Arabischen Frühling" des Jahres 2011 inspirierte übereinstimmende Entwicklung von Rabat bis Bahrain, von Damaskus bis Sanaa; schon gar nicht eine Entwicklung hin zu demokratischen Rechtsstaaten.

Sicherlich haben wir es mit einer Kettenreaktion zu tun. Der Erfolg der Revolution in Tunesien ermutigte Unzufriedene in Ägypten zu ihren Demonstrationen; beide Entwicklungen zogen Unruhen in weiteren Ländern Arabiens nach sich. Aber das ist ein Kausalzusammenhang, keine innere Gemeinsamkeit.

Als diese kann man noch am ehesten ansehen, daß in den meisten der Länder, in denen jetzt Unruhen und Aufstände ausgebrochen sind oder wo ein Umsturz bereits erfolgreich war, der Arabische Sozialismus geherrscht hatte oder noch an der Macht ist.

Ich habe diesen Gesichtspunkt immer einmal wieder in dieser Serie hervorgehoben, weil er in unseren Medien in der Regel vernachlässigt wird:
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18.2.12

Marginalie: Zwei originelle Vorschläge für die Wulff-Nachfolge

"Welt-Online" bietet gegenwärtig einen lesenswerten Live-Ticker mit dem Neuesten, was über die Wulff-Nachfolge kolportiert wird.

Wie meistens dann, wenn eine "Findekommission", eine Berufungskommission o.ä. arbeiten, geht man nach dem Ausschlußverfahren vor:
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Zitat des Tages: Gysi hofft naiv. Wulff-Nachfolge und Doppelstrategie. Kommunisten im Bündnis mit der CSU?

Ich hoffe, zugegeben etwas naiv, dass es nur ein Versehen der Bundeskanzlerin war, die Linke nicht bei der Kandidatensuche zu nennen. Wenn wir das Vertrauen in das Amt wiederherstellen wollen, müssen wir das kleine Wunder vollbringen, gemeinsam eine Kandidatin oder einen Kandidaten zu finden, der von der CSU bis zur Linken akzeptiert wird.
Der Fraktionsvorsitzende der Partei "Die Linke" im Bundestag Gregor Gysi gestern gegenüber dem "Hamburger Abendblatt".

Kommentar: Naiv ist er wohl eher weniger, der Gregor Gysi. Aber er weiß Gelegenheiten zu nutzen, wo sie sich bieten.

Zur Strategie der Kommunisten gehört es, zweigleisig zu fahren. Der Begriff dafür lautet "Doppelstrategie":
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Der dreifache Wulff. Szenarien der Affäre. Ein Rückblick

Christian Wulff hat mit seinem Rücktritt gewartet, bis er keine Wahl mehr hatte. Er hätte sich viel, er hätte auch dem Land manches ersparen können, wenn er gegangen wäre, sobald für jeden sichtbar geworden war, daß sein Ansehen irreparabel gelitten hatte. Diese Situation war in den ersten Tagen des Neuen Jahres erreicht. Bis dahin war es vernünftig gewesen, daß Wulff versuchte, den Ablauf zu kontrollieren und heil aus der Affäre zu kommen. Danach konnte er nur noch das Ende verzögern.
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17.2.12

Marginalie: "Ich glaube, das war's". Überlegungen zu Wulffs Nachfolge

In den Berliner Parteizentralen dürfte seit gestern überall das stattfinden, was Daniel Friedrich Sturm in "Welt-Online" für die FDP so beschreibt:
Zwar ist der Bundespräsident bislang nicht zurück getreten – die Führung der FDP aber rechnet damit und sinniert schon über die Wahl eines Nachfolgers von Christian Wulff. "Ich glaube, das war's", sagte ein Mitglied der FDP-Führung "Welt Online".
Daß es "das war", ist jetzt vermutlich die einhellige Meinung im politischen Berlin - außer vielleicht die von Christian und Bettina Wulff. Aber man wird es ihnen wohl sagen. Also ist jetzt über die Nachfolge zu reden.
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16.2.12

Marginalie: Staatsanwaltschaft Hannover beantragt die Aufhebung von Wulffs Immunität

Die Eilmeldung ist seit einigen Minuten überall zu lesen; beispielsweise in FAZ.NET:
Die Staatsanwaltschaft Hannover will strafrechtliche Ermittlungen gegen Bundespräsident Christian Wulff aufnehmen.
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Marginalie: Tag der Veteranen, Volkstrauertag und linke Geschichtsklitterei

Auf seiner Reise in die USA, wo der Veterans Day am 11. November ein gesetzlicher Feiertag ist, hat Verteidigungs­minister de Maizière den Vorschlag gemacht, auch in Deutschland einen Tag zu Ehren unserer Veteranen einzuführen.

Einen Vorschlag hat er gemacht, keinen Plan verkündet. Er wollte eine Diskussion anstoßen. Markus Bauer, der dabei war, als der Minister das auf dem Stützpunkt Holloman der US-Luftwaffe in New Mexico sagte, berichtet darüber heute in "Focus-Online":
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Zitat des Tages: Ein Toter bei Unfall in Atomkraftwerk (Vorsicht, Fälschung!). Zur Unfallsicherheit bei der Stromerzeugung

In einem deutschen Atomkraftwerk ist es zu einem tödlichen Unfall gekommen, als sich bei Wartungsarbeiten ein Bauteil löste. Ein Arbeiter starb, ein zweiter überlebte unverletzt.


Kommentar: Sie haben diese Meldung nirgendwo gelesen? Das konnten Sie auch nicht, denn ich habe sie erfunden. Allerdings nicht beliebig erfunden; ich habe sie in Anlehnung an diese echte Meldung von Ende vergangenen Monats geschrieben:
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Generation Flatrate. All inclusive, Nulltarif, Frühstücksbuffet. Auf dem Weg in die Schlaraffenland-Gesellschaft


Als die Partei "Die Piraten" mit ihrem sensationellen Wahlergebnis in Berlin am 18. September 2011 unversehens in das Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit geriet, erfuhr man, daß zu ihren Hauptforderungen auch der Nulltarif im Öffentlichen Nahverkehr gehört; unter dem Etikett "Kostenloser öffentlicher Nahverkehr".

Die Älteren mögen sich da nostalgisch an die Zeit vor nun bald schon einem halben Jahrhundert erinnert haben, als in den sechziger Jahren mit Roter-Punkt-Aktionen für einen solchen Nulltarif geworben wurde. Damals wurde das von den meisten Bürgern als eine absurde Forderung empfunden und folglich erregt diskutiert. Man fand es unverschämt, daß Leistungen in Anspruch genommen werden sollten, ohne daß man bereit war, dafür zu bezahlen.

Jetzt hat die gleiche Forderung kaum einen müden Kommentar hervorgelockt.
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15.2.12

Zitat des Tages: "Griechenland lebt seit seiner Geburt im totalen Bankrott". Ein Reisebericht aus dem Jahr 1855. Griechische Geschichten

Griechenland ist das einzige bekannte Beispiel eines Landes, das seit dem Tag seiner Geburt im totalen Bankrott lebt. (...)

Wenn in einem zivilisierten Land die Einnahmen nicht ausreichen, um die Ausgaben zu bestreiten, ist das Mittel einer Staatsanleihe im Innern vorgesehen. Dieses Mittel hat die griechische Regierung noch nie versucht, und der Versuch wäre auch erfolglos gewesen. Die Schutzmächte Griechenlands mussten schließlich die Zahlungsfähigkeit des Landes garantierten, damit das Land über eine Anleihe im Ausland verhandeln konnte.
Der französische Schriftsteller Edmond About in seinem Buch La Grèce contemporaine (Das heutige Griechenland), dessen erste Auflage 1855 erschien. Ich zitiere die Übersetzung von Philipp Reuter, die in Auszügen am Wochenende in der F.A.S. abgedruckt wurde; seit heute zu lesen bei FAZ.Net.

Kommentar: Der Schriftsteller und Journalist Edmond About begab sich als junger Mann von knapp 24 Jahren nach Abschluß seines Studiums an der École normale superieure am 1. Februar 1852 auf die Fahrt nach Griechenland und unternahm dort ausgedehnte Reisen.

Auf seinen lebendigen, scharfsichtigen und auch scharfzüngigen Reisebericht werde ich im noch ausstehenden zweiten Teil des Artikels über Reisen im 19. Jahrhundert genauer eingehen (Erster Teil: Literarische Randnotizen (5): Auf und davon. Die Leselust an der Reiselust. Teil 1: Von Karl Philipp Moritz zu Karl May; ZR vom 25. 12. 2011).

Jetzt möchte ich nur darauf aufmerksam machen, wie sehr das Schuldenmachen, die sich daraus ergebende Abhängigkeit von der Großzügigkeit des Auslands und auch eine, sagen wir, eigenwillige Steuermoral in der Tradition Griechenlands verwurzelt sind.
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Jörg Kachelmann, Persönlichkeitsrechte, Pressefreiheit. Der Fall Kachelmann ist noch nicht zu Ende

Der Fall Kachelmann ist noch nicht zu Ende. Nicht, weil Jörg Kachelmann noch in Gefahr wäre, verurteilt zu werden. Das ist vorbei. Sein Freispruch ist seit vier Monaten rechtskräftig. Aber noch einmal könnte dieser Fall Rechtsgeschichte schreiben.

Er hat es aus meiner Sicht bereits durch das Urteil getan. Denn dieses Urteil war ein bemerkenswerter Sieg der Gerechtigkeit (siehe Freispruch für Kachelmann. Eine Sternstunde der Justiz; ZR vom 31. 5. 2011, und Warum ist der Freispruch Kachelmanns eine Sternstunde der Justiz? Eine Erläuterung; ZR vom 31. 5. 2011).

Das Urteil war ein Sieg der Gerechtigkeit nicht deshalb, weil wir wüßten, daß Kachelmann die ihm vorgeworfene Tat nicht begangen hat; ob das so ist, wissen mit letzter Sicherheit allein er und die Frau, die ihn beschuldigt hat.
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14.2.12

Kurioses, kurz kommentiert: Mojib Latif. Erde, Sonne, globale Erwärmung. Pseudowissenschaft

Nein, ich hab's nicht gekauft. Ich habe es in Auszügen gelesen, und es kommt mir wirklich so vor wie ein ... ja, eine Geschichte aus dem Tollhaus. Wissen Sie, das ist Pseudowissenschaft, das ist eine Ansammlung von entweder Banalitäten oder wilden Spekulationen. Mit Wissenschaft hat das wirklich nichts zu tun.
Der Kieler Meteorologe Mojib Latif gestern im ARD-Morgenmagazin über das Buch "Die kalte Sonne" von Fritz Vahrenholt und Sebastian Lüning.

Kommentar: Latif ist offenbar mit der Gabe des Hellsehens ausgestattet. Er kann ein Buch beurteilen, das er nur "in Auszügen gelesen" hat (wo er die wohl her hatte?). Kurios, finden Sie nicht? Aber es kommt noch kurioser.
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Anmerkungen zur Sprache (13): In Schweden wird wieder gesiezt. Pragmatik. Über die Fragwürdigkeit einer allgemeinen Duzerei

Ein Mitarbeiter diskutiert mit seinem Vorgesetzten über ein Projekt. Er will ausdrücken, daß ihm eine Idee des Chefs nicht einleuchtet, und sagt: "Heh, das war jetzt aber voll daneben, au weia".

Vermutlich wird es dieser Mitarbeiter in dem Unternehmen nicht weit bringen. Er hätte vielleicht sagen sollen: "Könnte man das nicht auch anders sehen?" oder "Eine andere Möglichkeit wäre ..."; dergleichen.

Unsere Sprache drückt nicht nur Sachverhalte aus, sondern sie spiegelt auch die soziale Situation, in der wir sprechen. In unserer Wortwahl, aber auch in formalen Merkmalen der Sprache passen wir uns - wenn wir klug sind - an diese Situation an und spiegeln sie zugleich damit wider. Mit diesem Aspekt der Sprache befaßt sich ein eigenes Teilgebiet der Linguistik, die Pragmatik (abgeleitet von dem griechischen Wort prattein, handeln).
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Vahrenholt und Sarrazin. Nachtigall, ick hör dir trapsen. Oder diesmal gerade nicht? Die "Zeit" als das Sturmgeschütz der Orthodoxie

Er wuchs im Ruhrgebiet auf und ist mit der Sturheit eines Westfalen ausgestattet. Oft blickt er grimmig drein, mit seinen hageren Zügen, dem Schnauzbart und seiner Intellektuellenbrille. Er ist ein alter SPD-Genosse und brachte es bis zum Senator einer SPD-geführten Landesregierung. Immer schon ein Selbstdenker und intellektueller Querkopf, hatte er den Mut, ein Buch zu schreiben, in dem er geheiligte Güter deutscher politischer Korrektheit in Frage stellte. Wer ist's?

Mit einem "Wer war's?" oder - wenn es sich um einen Lebenden handelte - einem "Wer ist's?" pflegte früher in der Wochenzeitung "Die Zeit" der Autor mit dem Pseudonym "Tratschke" seine Rätsel zu beenden, bei denen man eine bekannte Person erraten mußte.

Bis vor einer Woche hätten Sie vermutlich sofort gesagt, daß diese Beschreibung nur auf einen Prominenten paßt: Thilo Sarrazin natürlich. Inzwischen aber wissen wir: Sie paßt ebenso auf Fritz Vahrenholt.
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13.2.12

Marginalie: Wie gut geht es den Deutschen wirtschaftlich? Und warum? Gallup hat das untersucht und interpretiert es

Die deutschen Medien werden aus diversen Quellen regelmäßig mit Negativmeldungen über die sozialen Verhältnisse in Deutschland beliefert: Eine wachsende Kluft zwischen Arm und Reich; eine bedrohte und schrumpfende Mittelschicht; immer mehr Armut (siehe zum Beispiel Prozentual mehr Arme in Nordrhein- Westfalen als in Indien?; ZR vom 19. 8. 2009, und Schrumpft die Mittelschicht?; ZR vom 21. 1. 2011).

Die Quellen, die derartige Behauptungen mit Erfolg verbreiten, sind in der Regel Wohlfahrtsverbände, Gewerkschaften, linke Parteien und deren akademische und journalistische Sympathisanten. Sie haben ein verständliches Interesse daran, Deutschland als ein von sozialer Ungerechtigkeit heimgesuchtes Land mit sinkendem Lebensstandard darzustellen. Wie aber sehen die Deutschen selbst ihre wirtschaftliche Lage?

Gallup führt zu solchen Themen regelmäßig weltweit Umfragen durch. Heute hat das Institut eine solche in Deutschland durchgeführte Umfrrage publiziert. Mit interessanten Ergebnissen.
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12.2.12

Zitat des Tages: "Die Franzosen würden gern, können aber nicht; die Deutschen können, wollen aber nicht". T.G. Ash über die Führung Europas

Die Deutschen fühlen sich unbehaglich, weil es schlecht ankommt, wenn sie wirklich führen, aber auch schlecht ankommt, wenn sie nicht führen. (...) Überdies hat die deutsche Zurückhaltung, eine Führungsrolle in Europa zu spielen, auch damit zu tun, daß die deutsche Führungselite daran nicht gewöhnt ist - anders als die französische Elite, die nichts mehr liebt. Die Franzosen würden nur zu gern, können aber nicht; die Deutschen können, wollen aber nicht.
Der britische Historiker Timothy Garton Ash in einem Essay "Allein kriegen sie es nicht hin" im morgen erscheinenden gedruckten "Spiegel" (7/2012 vom 13. 2. 2012).

Kommentar: Ash artikuliert das, was man oft in der ausländischen, vor allem in der angelsächsischen Presse liest: Deutschland ist nun einmal das mächtigste Land Europas; aber es ziert sich, diese Rolle anzunehmen.

Es hat etwas Paradoxes:
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US-Präsidentschaftswahlen 2012 (17): Warum Maine ganz interessant ist

Für unsere Medien werden die Vorwahlen und Caucuses in den USA allmählich langweilig. Daß gestern bei den Republikanern (der GOP) schon wieder eine Entscheidung stattfand, hat nicht mehr dieselben großen Schlagzeilen gemacht wie die Entscheidungen in den bisherigen Staaten; von Iowa am 3. Januar bis zu der Dreiergruppe Missouri, Minnesota und Colorado am vergangenen Dienstag (Berichte und Analysen zu allen bisherigen Entscheidungen finden sie in den vorausgehenden Folgen dieser Serie).

Aber inzwischen wurde schon wieder gewählt. Genauer gesagt, Caucuses sind am Samstag zu Ende gegangen. Jedenfalls fast zu Ende gegangen. Denn der Bundesstaat Maine, um den es sich handelt, leistet sich sein eigenes Abstimmungsverfahren.

Das ist der erste Grund, warum die Caucuses in Maine ganz interessant sind:
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Kleines Klima-Kaleidoskop (26): Ist Vahrenholt "widerlegt"? Über Daten, Theorien und wissenschaftliche Diskussionen (Teil 2)

Als ich im ersten Teil aus dem Artikel von Toralf Staud im Wissenschaftsteil der "Zeit" zitiert habe, kannte ich noch nicht den Kommentar, den der Autor inzwischen seinem Artikel hinterhergeschickt hat; diesmal nicht in der gedruckten "Zeit", sondern nur in "Zeit-Online". Titel: "Fritz Vahrenholt - Vorhang auf für den Sarrazin der Klimadebatte".

Dieser Kommentar klingt nun allerdings anders als der Artikel für das Wissenschafts­ressort; nämlich zum Beispiel so:
Keinem Impfgegner würde so viel Raum eingeräumt wie Vahrenholt – dabei sind seine Thesen ähnlich krude. Bestritte da beispielsweise ein Tabaklobbyist den Zusammenhang von Rauchen und Lungenkrebs, würden selbst Politik- und Wirtschaftsredakteure gähnen.
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11.2.12

Kleines Klima-Kaleidoskop (26): Ist Vahrenholt "widerlegt"? Über Daten, Theorien und wissenschaftliche Diskussionen (Teil 1)

"Bewegt sich jetzt doch etwas in der Klima-Diskussion?" hieß die vorige Folge dieser Serie (ZR vom 31. 1. 2012). Vielleicht ist es in der Tat so, daß jetzt eine gewisse Bewegung in diese Diskussion kommt; jedenfalls, sofern sie für die Öffentlichkeit sichtbar ist. In der aktuellen "Zeit" (7/2012 vom 9. 2. 2012), publiziert auch auch auf "Zeit-Online", ist zum Beispiel ein Artikel von Toralf Staud zu lesen, der sich u.a. damit befaßt, daß seit den letzten Jahren des 20. Jahrhunderts sich die Erde nicht mehr erwärmt hat.

Staud akzeptiert das als wissenschaftliches Faktum. Das ist die gute Nachricht; denn noch vor einem Jahr leugnete beispielsweise der in der Öffentlichkeit sehr bekannte Potsdamer Ozeanologe Stefan Rahmstorf vor dem Verkehrsausschuß des Bundestags diesen Sachverhalt. Aus der damaligen Pressemitteilung:
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Zitat des Tages: "Das Risiko von Stromausfällen ist gewachsen". Ein Vabanquespiel. Vorschlag für einen Deutschen Schamanischen Dienst

Wir befinden uns in einem Zustand permanenter Angespanntheit. Das Risiko von Stromausfällen ist gewachsen, immer häufiger darf im Netz nichts Unvorhergesehenes mehr passieren. Es gibt weniger Handlungsspielraum, und es sind deutlich mehr Eingriffe in das System nötig als früher. Noch ist die Lage beherrschbar, aber die Betonung liegt auf "noch".
Der Chef des Netzbetreibers Tennet, Martin Fuchs, am vergangenen Dienstag gegenüber "manager magazin".

Kommentar: Fuchs sagt das am Ende des Interviews, in dem er sich ansonsten Mühe gibt, zu betonen, daß man alles im Griff habe - aber eben "noch". Er macht keineswegs in Alarmismus.
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10.2.12

Wenn es dunkel wird

Diese Woche war E-world in Essen, die zentrale Messe der Energiebranche in Europa. Hier treffen sich Energieerzeuger, Kraftwerksbauer, Netzbetreiber, Stadtwerke, Zulieferer und viele andere, und in einem parallelen Konferenzprogramm werden aktuelle Themen diskutiert.

Das offizielle Thema der Messe war die Energiewende. Alles wird schöner, CO2-neutraler, umweltfreundlicher. Lächelnde Messehostessen präsentieren niedliche Vögelshredder-Modelle und Elektrofahrräder. Auf allen möglichen Graphiken zeigen die Kurven freundlich nach oben: Sowohl für die installierten Kapazitäten in diversen "alternativen" Erzeugungsarten wie für die Gewinnprognosen.

Das inoffizielle Thema der Messe war der Blackout.
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Zitat des Tages: "Waffen für den Weltfrieden". Eine Rede des Generals Peter van Uhm, Oberbefehlshaber der niederländischen Streitkräfte

The gun may be one of the most important instruments of peace and stability that we have in this world.

(Das Gewehr ist vielleicht eines der wichtigsten Instrumente des Friedens und der Stabilität, die wir in dieser Welt haben.)
Der Oberkommandierende der Niederländischen Streitkräfte, General Peter van Uhm, am 28. Dezember 2011 auf der Konferenz "TEDxAmsterdam".

Kommentar: Wollen Sie hier aufhören zu lesen? Weil Sie diese Feststellung erstens abgeschmackt finden, zweitens inhuman und drittens vielleicht schlicht unzutreffend?

Wenn das Ihre erste Reaktion auf das Zitat war, dann sind Sie nicht allein.
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9.2.12

Zitat des Tages: "Deutschland muß auf die Kaltreserve zugreifen". Die Lage bei der deutschen Stromversorgung

Deutschland muss angesichts des frostigen Winters für seine Stromerzeugung auf die sogenannte Kaltreserve zugreifen. (...) Die Kaltreserve besteht aus einigen bis zu 45 Jahre alten Öl- und Kohlekraftwerken in Deutschland und Österreich. Sie wurde mit dem Atomausstieg eingerichtet, um auf Stromengpässe vorbereitet zu sein. Damals hatten Umweltverbände wie der BUND die Kaltreserve als überflüssig bezeichnet.
Die "Financial Times Deutschland" unter der Überschrift "Deutschland zapft die Kaltreserve an".

Kommentar: Wir haben jetzt die absurde Situation, daß wegen der mutwilligen Abschaltung von KKWs das Öko-Musterland Deutschland nun auf die schmutzigesten Varianten der Stromerzeugung zurückgreifen muß, die es noch zur Verfügung hat.
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Kurioses, kurz kommentiert: Barzahler Wulff. Dadaistisches. Absurdes Theater. Es guttenbergt

Laut "Bild" hat der damalige Ministerpräsident Christian Wulff mit seiner Frau Bettina vom 30. 10. 2007 bis zum 3. 11. 2007 im Sylter Hotel "Stadt Hamburg" übernachtet.

Der Zimmerpreis betrug 258 Euro; das wären für vier Nächte also 1032 Euro. Die von "Bild" faksimilierte Rechnung weist für Logis allerdings 1160 Euro und als "Gesamtumsatz" 2407,60 Euro aus. Offenbar sind in diesem Endbetrag weitere Leistungen des Hotels enthalten, die nicht einzeln aufgeführt wurden.

So weit, so gut. Nun wird über diesen Aufenthalt seit gestern deshalb debattiert, weil er - so geht es auch aus der faksimilierten Rechnung hervor - von dem Unternehmer David Groenewold bezahlt worden war.
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8.2.12

Zitat des Tages: Ist Nationalismus in Europa anachronistisch? Die Schotten stimmen wahrscheinlich über ihre Unabhängigkeit ab

Seit 2007 regiert in Schottland eine Partei, deren offizielles Ziel die Unabhängigkeit ist. Seit 2011 regiert sie allein, bei den Wahlen im Mai hat sie einen Erdrutschsieg errungen. Jetzt will sie die Unabhängigkeit mit einem Referendum besiegeln. Die Vorstellung, dass in Europas Norden tatsächlich ein neuer Staat entsteht, ist real geworden.

Woher kommt diese scheinbar so anachronistische Blüte des Nationalismus?
Aus einem Artikel, in dem sich heute Maximilian Steinbeis in "Welt-Online" mit den Bestrebungen befaßt, Schottland von Großbritannien zu lösen.

Kommentar: Steinbeis hat sich in Edinburgh umgehört. Seine Reportage ist kundig und gut geschrieben. Ich empfehle, sie zu lesen. Sie erfahren dann Fundiertes über die wirtschaftlichen und verfassungsrechtlichen, ein bißchen auch die psychologischen Hintergründe der Bestrebungen, Schottland in die Unabhängigkeit zu führen.

Ich möchte jetzt nur die Formulierung von Steinbeis "scheinbar so anachronistische Blüte des Nationalismus" kommentieren:
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US-Präsidentschaftswahlen 2012 (16): Minnesota, Missouri, Colorado - die Wende für Rick Santorum? Mit einem aktuellen Nachtrag. Zwei Überraschungen

Eigentlich ist jetzt die Zeit, wo die Vorwahlen und Caucuses sozusagen eine Atempause machen.

Die ersten Staaten haben bei den Republikanern (GOP) über ihre Delegierten entschieden; Staaten wie Iowa, New Hampshire und South Carolina, in denen normalerweise die Trends sichtbar werden und die deshalb besondere Aufmerksamkeit finden. Das nächste große Ereignis, das in den USA große Beachtung auf nationaler Ebene genießt, ist der Super Tuesday Anfang März, an dem traditionell zahlreiche Entscheidungen zugleich stattfinden.
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7.2.12

Wie sehen die Franzosen Deutschland? Gestern wurde eine neue Umfrage publiziert. Merkels Glanz für Sarkozy


"Was wird aus dem Euro?" hieß die gestrige Sondersendung des ZDF, in der sich die Kanzlerin und Staatspräsident Sarkozy von ZDF-Chefredakteur Peter Frey und seinem Kollegen David Pujadas, Nachrichtenmoderator beim französischen Programm France 2, interviewen ließen; parallel gesendet im deutschen und im französischen TV.

Die Sendung hätte auch "Was wird aus Nicolas Sarkozy?" heißen können.
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6.2.12

Kurioses, kurz kommentiert: Emanze von Amts wegen. Das MGEPA von NRW

Ich hatte es zunächst für einen kleinen Scherz gehalten, denn einen Schnitzer leistet er sich selten, der Kolumnist von "Spiegel-Online" und Konservative vom Dienst Jan Fleischhauer. In seiner heutigen Kolumne nämlich, die sich mit Alice Schwarzer und der rotgrünen Landesregierung in NRW befaßt, nennt er das dortige für Frauen zuständige Ministerium kurioserweise "Emanzipationsministerium"; die Ministerin Barbara Steffens eine "Emanzipationsministerin".

Da hat sich Fleischhauer doch sicher eine "Spiegel"-typische Flapsigkeit erlaubt, und das Ministerium heißt in Wahrheit "Ministerium für Frauen und ... etc. pp."?

Nein.
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Marginalie: Starker Anstieg der linksextremen Gewalt. Kein Anstieg der rechtsextremen Gewalt. Was ist daran "überraschend"?

"Bild" hat (exklusiv, wie es heißt) bereits einen Blick in die Statistik zur politisch motivierten Kriminalität 2011 tun können. In dem für "Bild"-Verhältnisse ungewöhnlich faktenorientierten Bericht heißt es:
2011 wurden insgesamt 1160 Fälle linksmotivierter Gewalt registriert – gut ein Viertel (26,64%) mehr als im Vorjahr (916 Fälle). Dabei wurden 783 Personen verletzt. Das sind 43,14% mehr als noch im Jahr 2010 (547 Verletzte). (...)

Überraschendes Ergebnis: Im Gegensatz zu den Fällen linker Gewalt, ist die Zahl rechtsmotivierter Gewalttaten in 2011 leicht gesunken – auf insgesamt 579 Fälle (2010: 597 Fälle).
Überraschend ist, daß die Redaktion von "Bild" das überraschend findet.
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Zitat des Tages: "Schlimmste Verheerungen seit dem Dreißigjährigen Krieg". Windräder. Ein Satz und sechs Bilder


Wir erleben die schlimmsten Verheerungen des Landes seit dem Dreißigjährigen Krieg.
Der Berliner Politologe Hans-Joachim Mengel über Windräder in Deutschland, zitiert von Winand von Petersdorff in der gestrigen F.A.S.

Kommentar: Als ich bei Wikimedia Commons nach einer gemeinfreien Abbildung gesucht habe, die dieses Zitat illustriert, habe ich keine wirklich brauchbare gefunden. Die einzige, die das halbwegs andeutet, sehen Sie oben - und da wird der bedrohliche Eindruck durch die dampfenden Kühltürme erzeugt; die Windräder stehen bei dem Kohlekraftwerk Mehrum.

Ansonsten keine Abbildung, die auch nur annährend die Verschandelung der Landschaft beim Errichten von Windrädern thematisiert. Bemerkenswert viele der angebotenen Fotografien zeigen hingegen die Windräder nachgerade romantisch verklärt. Da wabert entweder Nebel, oder wir sehen einen Sonnenuntergang à la Caspar David Friedrich, oder die stählernen Ungetüme wurden gegen aufgetürmte Wolken so fotografiert, daß sie wie zierliches Filigran wirken. Sehen Sie selbst:
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5.2.12

Zitat des Tages: "Wärmedämmung - die Burka für das Haus". Cora Stephan über Wohnen im Fachwerk und die Energiewende

Die Burka für das Haus ist ein Todesurteil – für die großbürgerlichen Gründerzeitwohnungen in der Stadt ebenso wie für die letzten verbliebenen Fachwerkhäuser, die das romantische Bild von Deutschland prägen und deretwegen man so viele Japaner in Rothenburg trifft. Ich habe schon einige Häuser sterben sehen und daher nur eine Hoffnung: dass die relative Armut des Landstrichs, in dem ich lebe, verhindert, dass das Fachwerkhaussterben dank moderner Wärmedämmung Tempo aufnimmt.
Cora Stephan in "Welt-Online" unter der Überschrift "Dämmung ist das Todesurteil für Fachwerkhäuser"

Kommentar: Lesen Sie diesen schön geschriebenen Artikel; die Autorin ist nicht nur eine glänzende politische Publizistin, sondern mit ihrem alter ego, Anne Chaplet, auch Schriftstellerin. Die Lektüre ist also auch stilistisch ein Vergnügen. Und Sie verstehen, wenn Sie das gelesen haben, etwas mehr vom Charakter dessen, was uns als "Energiewende" oktroyiert ist.
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4.2.12

US-Präsidentschaftswahlen 2012 (15): Was ist diese Nevada eigentlich für ein Staat, in dem heute Caucuses sind? Mit einem Nachtrag zu den Ergebnissen

Die heutigen Caucuses in Nevada sind, was das Ergebnis angeht, nicht spannend. Mitt Romney wird gewinnen; die Frage ist nur, ob er über oder unter 50 Prozent erhält. Gingrich wird mit großem Abstand Zweiter werden. Ob Rick Santorum oder Ron Paul Platz drei schafft, ist noch nicht ganz sicher; die Umfragen deuten auf Paul hin. Allenfalls das liefert noch ein kleines Element der Überraschung.

Lassen Sie mich deshalb diesmal auf einen anderen Aspekt eingehen:
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Die "Endzeit des Kapitalismus" oder das Ende eines Unternehmens

"Kunde, du bist ein Wurm!" So ist der jüngste Text des Spiegel-Online-Kolumnisten Georg Diez überschrieben. Ausgangspunkt sind seine negativen Erfahrungen beim Einkauf in einer Schlecker-Filiale – Erfahrungen, die wahrscheinlich von etlichen Konsumenten geteilt werden und die einen wesentlichen Grund dafür darstellen dürften, daß Schlecker heute pleite ist.

Wenn man versucht, anhand dieses Beispiels einen systematischen Zusammenhang zwischen der Kundenzufriedenheit und dem wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens auszumachen, liegt eine einfache Hypothese auf der Hand: Ein Unternehmen, das auf Dauer an den Bedürfnissen seiner Kunden vorbeiproduziert oder vorbeiverkauft, wird irgendwann das Zeitliche segnen, zumindest dann, wenn auf dem Markt Anbieter vorhanden sind, die sich besser auf ihre Kunden einstellen.
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3.2.12

Europas Krise (9): Krise des Kapitalismus? Krise des Etatismus! Über die Verwechslung von Diagnose, Aitiologie und Therapie


Ein Klagelied schallt durch Europa. Man hört es mal laut und mal leise. Die einen singen einen elegischen Schwanen­gesang; andere stimmen ein herzzereißendes Lamento an. Die Entschlossensten schmettern bereits aus voller Kehle ihr Requiem für einen Kapitalismus, den sie immer schon im Grabe sehen wollten.

Die Krise Europas, darin sind sich alle einig, die mit ihrem Tönen zu dieser Kakophonie beitragen, ist zuvorderst eine Krise des Kapitalismus. Er ist es, der versagt hat; und in seinem Versagen bedroht er das politische Europa, ja unsere Demokratie.

In Gestalt eher leiser Töne ist das Klagelied schon bis mitten hinein ins Zentrum des Kapitalismus vorgedrungen, das Weltwirtschaftsforum (World Economic Forum, WEF) mit seinen jährlichen Treffen in Davos.
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Wäre Jesus für höhere Steuern? – Obama und die Bibel

... for me as a Christian, it also coincides with Jesus’s teaching that “for unto whom much is given, much shall be required.”

Für mich als Christen stimmt es auch mit der Lehre Jesu überein, dass "von dem, welchem viel gegeben ist, auch viel gefordert werden soll."
Barack Obama beim Nationalen Gebetsfrühstück am 2. Februar 2012

(Ein vollständiges Transkript der Rede Obamas samt einem Kommentar, dem ich mich weitgehend anschließe, können Sie z. B. hier lesen.)

Jesus, der den Armen gibt, der die Reichen zur Verantwortung zieht, der zur Nächstenliebe auffordert, scheint ein guter Kronzeuge für linke Umverteilungspolitik zu sein. So jedenfalls auch für Obama, der ihn für seine Steuererhöhungspläne für Reiche in Anspruch nehmen möchte.
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Zitat des Tages: "Mein wahrer Gegner ist die Finanzwelt". Der sozialistische Kandidat François Hollande, trefflich kommentiert von Gero von Randow

Ich werde euch sagen, wer mein wahrer Gegner ist. Er hat keinen Namen, kein Gesicht, keine Partei, er wird nie kandidieren und deshalb nie gewählt werden, und doch regiert er: Dieser Gegner, das ist die Finanzwelt. Vor unseren Augen, innerhalb von 20 Jahren, hat sie die Kontrolle über die Wirtschaft, die Gesellschaft und sogar über unser Leben an sich gerissen.
Der Kandidat der französischen Sozialisten für die Präsidentschaft François Hollande in einer Wahlkampfrede am 22. Januar in Le Bourget, heute vom Pariser Korrespondenten der "Zeit", Gero von Randow, zitiert. Ein Video dieser Rede findet man hier (Teil 1) und hier (Teil 2).

Den Kommentar dazu überlasse ich Gero von Randow:
Man muss sich ... fragen, was man den Franzosen alles so erzählen kann. Die Finanzwelt hätte die Macht usurpiert? Mit anderen Worten, sie hat in den vergangenen Jahrzehnten den Finanzministern gegen deren Willen die Schuldscheine aus der Hand gerissen?
Gero von Randow ist einer der vielseitigsten deutschen Journalisten.
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2.2.12

Stratfors Analysen: "Eine Krise der Rolle Deutschlands in Europa". George Friedman über Griechenland und die Deutschen (mit deutscher Zusammenfassung)

Zusammenfassung: Deutschland hat vorgeschlagen, in Griechenland einen Kommissar einzusetzen, der das Budget- und Steuerrecht ausübt. Faktisch wäre dies das Ende der Souveränität Griechenlands.

Dieser Vorschlag wurde zwar zunächst einmal von der Europäischen Kommission abgelehnt, aber er ist nicht tot; denn er ergibt sich aus der Logik der Lage: Die Deutschen mißtrauen den Griechen, was die Einhaltung von Verpflichtungen angeht. Diese ist aber die Voraussetzung für weitere Hilfen. Also muß ihre Befolgung durchgesetzt werden; notfalls durch einen Kommissar.
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Wo ist die Lebensqualität höher - in Deutschland oder in den USA? Und wie hat sich das in den letzten Jahren entwickelt? Aktuelle Daten

Die USA? Nicht wahr, das ist eine Gesellschaft, in der es zwar den ganz Reichen zunehmend besser geht, den anderen in diesem Land aber immer schlechter? Wo die Armen am Rand des Existenzminimums leben und die schrumpfende Mittelklasse in ständiger Angst ist, ihrerseits in die Armut abzusinken; während Millionäre wie Mitt Romney sich ein schönes Leben machen?

So könnte man es sich vorstellen, wenn man seine Informationen aus unseren öffentlich-rechtlichen Medien, aus "Spiegel-Online" und seinen nachgeordneten Medien bezieht. Und wie ist es wirklich?
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1.2.12

Zitat des Tages: Romney vs. Obama - Phantasie und Realität. Obamas Wunschgegner und das Pfeifen im Walde

Barack Obama, der Mann im Weißen Haus, muss sich derzeit wie ein Mann mit jeder Menge Optionsscheinen fühlen. Seit langem hat er darauf gesetzt, dass Romney im Kampf ums Weiße Haus sein Gegner werden wird. Nun hat der Republikaner in Florida bei den Vorwahlen einen klaren Sieg errungen und wird von den Konservativen voraussichtlich zum Präsidentschaftskandidaten gekrönt.

Das ist schön für Romney. Und für Obama. Denn seine Strategen haben sich bereits seit Monaten auf Romney vorbereitet - und halten ihn nach den Republikaner-Schlammschlachten der vergangenen Wochen für verwundbarer denn je.
Gregor Peter Schmitz in "Spiegel-Online" unter der Überschrift "Perfekter Gegner für Obama".

Kommentar: Natürlich bereitet sich Obamas Team auf den Gegner Romney vor - weil er der wahrscheinlichste Kandidat der Republikaner (GOP) ist; weil er das auch schon vor seinem gestrigen Sieg in Florida gewesen war. Und natürlich verbreiten Obamas Leute, wie leicht sie mit ihm fertig werden würden. Das gehört zum Handwerk.

Aber ein Washington-Korrespondent wie Gregor Peter Schmitz sollte ja vielleicht doch nicht nur die Propaganda des einen Lagers als seine Informationsquelle verwenden.

Wie es tatsächlich um die Chancen der möglichen Gegner Obamas aussieht, zeigen mit großer Beständigkeit die Umfragen:
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US-Präsidentschaftswahlen 2012 (14): Gingrich bleibt noch der Populismus. Romney ist der Favorit der Frauen. Randbemerkungen zum Ergebnis von Florida

In dem Augenblick, in dem ich dies schreibe, sind 81 Prozent der Stimmen der Vorwahl in Florida ausgezählt. Am Ergebnis wird sich nicht viel ändern. Zeit also, einige Randbemerkungen zu machen.

Gestern habe ich die Prognose von Nate Silver mitgeteilt. Er sagte einen 15-Punkte-Vorsprung für Romney vorher (44 Prozent gegenüber 29 Prozent für Gingrich; siehe Heute wählt Florida. Wird es überraschenderweise keine Überraschung geben?; ZR vom 31. 1. 2012). Das Ergebnis nach jetzigem Stand: Romney hat mit einem Vorsprung von exakt 15 Prozentpunkten gewonnen (47 zu 32 Prozent).
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Hatte Bismarck wirklich keine Fistelstimme? Ein Tonträgerfund. Über unser Interesse an Authentischem. Sinnliche Historie


Syrien, Brüsseler Gipfel, Extremismus der Partei "Die Linke", Entführung eines Deutschen im Jemen - das sind derzeit die Aufmacher-Themen bei "Zeit-Online". Meistgelesen aber ist ein Artikel, den die Redaktion weit unten plaziert hat, erst an elfter Stelle: "Historische Tonaufnahme - Bismarcks Stimme aus der Vergangenheit". Darin berichtet Amory Burchard über die Entdeckung einer - sehr wahrscheinlich der einzigen - Aufnahme von Bismarcks Stimme; der Deutschamerikaner Theo Wangemann hat auf einer Europareise im Oktober 1889 dazu Edisons "Phonographen" mit den gerade erfundenen Wachswalzen benutzt.

Auch mir ging es so wie offenbar vielen Lesern von "Zeit-Online": Mich hat dieses Thema sofort fasziniert. Warum eigentlich?

Aufregend ist diese Aufnahme wahrlich nicht.
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