Zettels Raum: Zettels Meckerecke: Zwei alte Gecken Vernünftige Gedanken von Gott, der Welt und der Seele des Menschen, auch allen Dingen überhaupt

Friday, June 1, 2007

Zettels Meckerecke: Zwei alte Gecken

Es gibt eigentlich nur zwei Politiker der älteren Generation, die mir hochgradig unsympathisch sind; gegen die ich eine fast körperliche Abneigung empfinde: Heiner Geißler und Hans Christian Stroebele.

Der ehemalige Jesuit und der ehemalige Unterstützer einer kriminellen Vereinigung. Der Moralist und der Moralist. Der Bigotte und der Bigotte.

Beide wirken auf mich arg eitel und also körperbewußt. Der eine bergkletternd, der andere fahrradfahrend. Beide mit diesem zerfurchten Altmännergesicht.

Beide in ihrer Mimik wechselnd zwischen tiefernster Betroffenheit und dem überlegenen Grinsen des Wissenden. Beide sozusagen mit dem erhobenen Zeigefinger durchs Leben schreitend; nein, durchs Leben laufend, joggend.

Beide wirken auf mich wie jene "Berufsjugendliche", die ich in meiner Kindheit und Jugend erlebt habe: Leute, die das prägende Erlebnis ihres Lebens bei den Wandervögeln gehabt hatten und die damals, erwachsene Männer, unverdrossen in kurzen Hosen herumliefen und die Klampfe zupften. "Wann wir schreiten Seit an Seit, und die alten Lieder singen ...".

Sie erschienen mir damals - als meine Lehrer - unangenehm und lächerlich. So erscheinen mir heute diese beiden, Stroebele und Geißler.



Wie es der Zufall wollte - na ja, es war natürlich kein so sehr großer Zufall - traten beide gestern ungefähr zeitgleich in zwei Talk- Shows auf, die sich dem selben Thema widmeten. Dem Thema, dem sich im Augenblick so ungefähr alle Talkshows widmen: Heiligendamm, was sonst.

Geißler trat bei Maybritt Illner auf. Stroebele mußte sich mit der noch nicht ganz so bekannten Talkshow des rbb begnügen, die von Gesine Schwan moderiert wird und die "Im Palais" heißt; was vielleicht nicht so recht zur linken Ausrichtung der Moderatorin und des Formats paßt.

Geißler sprach es an, Stroebele sagte es wieder und wieder: Es gehe um die Jugendlichen. Ihre Anliegen, ihren Idealismus usw.



Da ist es mir sozusagen sinnfällig aufgegangen, warum ich die beiden nicht mag: Es sind zwei alte Männer, die sich der Jugend anbiedern. Zwei alte Gecken.

Das, was bei jungen Leuten ja in Ordnung ist - daß sie unerfahren sind, naiv in ihrem Idealismus, schroff im Urteil, auf Weltverbesserung aus, auf den Kampf gegen das Böse, unerbittlich in ihrer moralischen Weltsicht -, das äffen diese beiden Alten nach.

Sie tun so, als hätten nicht auch sie längst gelernt, daß nicht naive Weltverbesserungs- Ideen das Los der Menschen verbessern, sondern vernünftige Realpolitik. Sie reden, als stünden sie nicht am Ende, sondern am Anfang politischer Erfahrung.

Bei Illner war auch der bayerische Innenminister Beckstein. Er war über Geißler erkennbar entgeistert und hat ihn mehrfach darauf hingewiesen, daß er, Geißler, doch als Minister auch einmal Verantwortung getragen habe.

Wie kann jemand, so konnte man heraushören, der doch Bescheid weiß, so naiv daherreden, als sei er ein jugendlicher Eiferer?



Tja, sie können das, diese alten Männer, die sich mit dem Alter offenbar nicht abfinden können. Geißler ist nun also Mitglied von ATTAC. Toll! Da sitzt er dann mit allen diesen jungen Leuten auf dem Boden und dischkutiert nächtelang und vergißt das Alter.

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4 Comments:

Anonymous Rayson said...

Nun, du hast mehr zu Geißler als zu Ströbele gesagt. Vielleicht nicht von ungefähr, denn bei Ströbele kann man keine große Differenz erkennen zwischen der vergangenen Übernahme von Verantwortung und politischem Handeln heute.

Bei Geißler, wie du sagst, hingegen schon. Und da muss man unbedingt noch einen weiteren Mann nennen: Norbert Blüm. Der Mann, der noch "Die Renten sind sischer" plakatiert hat, als alle, die rechnen konnten, das Gegenteil behaupteten. Jetzt nimmt er Rache an den Boten des Ausbruchs der Krise der Sozialsysteme, für deren Ausbau er Mitverantwortung trägt (die Pflegeversicherung sollte man analog zur Riester-Rente in die Blüm-Pflege umbenennen, recht geschähe es ihm). Damals wie heute: Was nicht ins Weltbild passt, muss zum Reich des Bösen gehören.

Achtet mir auch auf die Herz-Jesu-Sozialisten. Der Fundamentalismus hat eine andere Quelle, ist aber deswegen nicht weniger unheilvoll.

02:15  
Anonymous S1IG said...

Gelungene Beschreibung zwei alter Deppen. So traurig wie das Thema ist, es war sehr schön verpackt. Die Erweiterung von Rayson zum "Trio" passt!

VG S1IG

13:23  
Anonymous F. Hoffmann said...

Email-Wechsel mit einem CDU-Granden aus Heiner G.´s Wahlkreis:
Hallo Herr ...
Naja,es ist schon fast kalter Kaffee, dass der Geissler Heiner jetzt auch attac beigetreten ist.
Zur Rettung der Demokratie halt und weil die ja auf einer Linie mit ihm liegen.
Und er damit auch noch die Mitte der CDU repräsentiert (siehe G. im RHEINPFALZ-Interview).
Der Heiner weiß 1.) halt genau wo lechts und rinks verortet sind und 2.) wo der Heiner ist, ist die Mitte. Immer. Sowieso.
Und weil die NPD die gleichen Sprüche drauf hat wie attac (Amis: Scheiße, Großkonzerne: Scheiße, Klima: Prima, usw), wird der Heiner sicherlich nach der nächsten Razzia bei den Neonazis auch noch der NPD beitreten.
Zur Rettung der Demokratie.
Antwort des Parteifreunds von Heiner G.:
Heiner Geißler sieht sich schon immer als Retter und einziger "Seher" der wirklichen Probleme der Menschen, nicht nur in seinem ehemaligen Wahlkreis, auch für Deutschland, Europa und die Welt.
Sein Beitritt zu Attac ist ein präzis kalkulierter Schritt, um seinen journalistischen "Marktwert" für TV-Sendungen zu erhalten und der "Marke" Heiner Geißler als sog. "Querdenker" gerecht zu werden. Für mich: Blankes Eigeninteresse.

20:42  
Blogger Zettel said...

Lieber F. Hoffmann,

daß Geißler auch an seinen "Marktwert" denkt, kommt mir nicht unplausibel vor.

Er hat immer taktisch gedacht. Der "Spiegel" hat ihn einmal als Schaf im Wolfspelz auf den Titel gesetzt.

Berühmt war seine Äußerung, daß der Pazifismus der Zwanziger Jahre Auschwitz erst möglich gemacht habe; im Bundestag.

Viele dachten damals, das sei ihm herausgerutscht. Aber es erwies sich, daß er das kühl kalkuliert hatte, einschließlich der Empörung, die über ihm zusammenschlug.

Auch jetzt hat er ja wieder in einer Talkshow gesagt: Jeder Profi wisse, daß man Lärm machen muß, um politisch erfolgreich zu sein; so ungefähr.

Herzlich, Zettel

23:26  

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